Leserartikel

WirtschaftskrisePlötzlich ist Makroökonomie spannend

Selbst in Australien hat Leser Daniel Jacob die Euro-Krise täglich beschäftigt. In seinen Augen könnte sie am Ende eine Chance sein.

Ende September 2011 saß ich im Flugzeug nach Australien, um mein viermonatiges Auslandspraktikum in Sydney zu machen. Ich dachte, dass es eine Zeit werden würde, in der ich nicht täglich mit Europa und seiner Krise konfrontiert sein würde. Und gleichzeitig hoffte ich, dass sich die Situation bis zu meiner Rückkehr im Januar dieses Jahres entspannt haben würde. Doch nichts davon traf zu.

Nach meiner Ankunft in Sydney bekam ich anfangs tagelang nichts von den Entwicklungen im Euro-Raum mit. Erst als ich einen Internetanschluss in meiner Wohnung hatte, informierte ich mich wieder. Sogar auf Facebook, wo ich einigen Nachrichtenagenturen folgte, wurden täglich neue und erschreckende Meldungen veröffentlicht.

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Dass sich die Krise nicht innerhalb von ein paar Tagen stabilisieren würde, wusste ich. Aber dass es in den folgenden Wochen noch schlimmer werden würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Obwohl Deutschland sehr weit weg war, machte ich mir viele Gedanken, welches Ausmaß die Krise noch erreichen könnte.

Welche Folgen würde die Krise für den Arbeitsmarkt haben? Würden die Banken ihre Zinsen erhöhen? Womöglich würde eine höhere Steuerbelastung auf uns Bürger zukommen.

Während der vier Monate in Sydney verfolgte ich die Entwicklungen in Europa. Obwohl ich in einem Land war, in dem die Euro-Krise in den Medien nur selten erwähnt wurde, hatte ich das Gefühl, ein Teil von ihr zu sein. Nicht weil ich sie verursacht hatte, sondern weil ich ihre Auswirkungen fürchtete.

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Seit ich wieder in Deutschland bin, beobachte ich, wie andere Menschen mit der Ungewissheit umgehen. Täglich bekomme ich mit, wie sie sich mit der Krise auseinandersetzen: Egal ob in der U-Bahn oder im Café, sie reden darüber – über Sarkozy, den Fiskalpakt und den Euro-Rettungsschirm. Immer mehr Videos zur Banken-, Staats- und Euro-Krise sind auf YouTube zu sehen. Sogar Firmen binden die Krise in ihre Werbespots ein.

Öffentliche Vorträge von Professoren über den Kapitalismus und andere Wirtschaftsordnungen sind meist ausgebucht. Sogar Comedians machen Witze darüber. Offensichtlich setzen sich vor allem auch junge Menschen mit der Problematik auseinander. Während des Studiums fanden viele meiner Kommilitonen Makroökonomie langweilig. Doch wahrscheinlich muss man es nur richtig verpacken, damit sich die Menschen dafür interessieren.

Dadurch entsteht ein allgemeineres und besseres Verständnis dafür, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert. Und dass wir daraus lernen können, was wir in Zukunft anders machen sollten.

 
Leserkommentare
  1. ... wenn die Mechanismen, die das System eigentlich im gesellschafts- und wirtschaftsverträglichen Gleichgewicht halten sollen, außer Kraft gesetzt werden.

    Die heutigen Reichen haben nichts mehr zu fürchten.

    Sie können sich bedenkelos aus sämtlichen Solidarsystemen ausklingen, die Gesetzgeber geben ihnen jede Möglichkeit, und gleichzeitig können sie sich felsenfest darauf verlassen, dass ihr mit dem der Allgemeinheit vorenthaltenem Geld angesparter Kapitalstock von den Regierungen mit Steuergeld gerettet wird, wann immer eine Rettung der großen Kapitalstöcke ansteht, und wann immer noch ein Steuerzahler übrig ist, dem die Lasten aufgebürdet werden können.

    Wie Sie sage. Interessant.

    9 Leserempfehlungen
  2. Politische Bildung beinhaltet auch, sich mit grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhängen zu befassen. Wenn die Wahlberechtigten verstehen, welche Partei welche Lösung für die Herausforderungen anbietet, können sie auch erst eine bewußte Entscheidung treffen.

    Erschreckend finde ich allerdings, wieweit selbst die Haushaltsautonomie Deutschlands aufgrund von EU-Zahlungen und Haftung für EZB oder EFSF eingeschränkt worden ist. Inzwischen kann man getrost für mehrere Monate Urlaub auf einer einsamen Insel verbringen und sicher sein, daß sich in Europa in der Zwischenzeit nicht viel zum Besseren gewandelt hat. Vermutlich wird diese Hilflosigkeit auch das Interesse an der Makroökonomie wieder schwinden lassen. Spätestens, wenn alle Schulden in Schattenhaushalte, Rettungsschirme oder in die Bilanz der EZB ausgelagert worden sind.

    2 Leserempfehlungen
  3. Egal wo man ist, sobald man sich ins Internet einstöpselt, ist man wieder zu Hause. Wenn man will. Muß man aber nicht. Man muß beim Kaffee auch nicht über den Eurofallschirm sprechen. Wozu auch? Es gibt Spannenderes im Leben.

    Eine Leserempfehlung
    • Ranjit
    • 12.02.2012 um 12:36 Uhr

    Ich würde argumentieren, dass nicht Makro- sondern Verhaltensökonomik plötzlich spannend ist.

    Denn Hand aufs Herz, wie lässt sich die aktuelle Krise besser erklären? Mit Theorien die von rationalen Akteuren ausgehen oder mit Theorien die argumentieren, dass Menschen systematisch irrational sind?

    http://de.wikipedia.org/w...

    3 Leserempfehlungen
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    • ezoo
    • 13.02.2012 um 23:00 Uhr

    ...oder systematisch asozial?

    • ezoo
    • 13.02.2012 um 23:00 Uhr

    ...oder systematisch asozial?

  4. Fakt ist das wir in einer Scheindemokratie leben,wo die Wirt-
    schaft und deren oberen Diktatoren das absolute sagen und
    das ganze wirtschaftliche Steuerrad unter ihrer Kontrolle haben.Die Gewerkschaften sind chancenlos gegen diese Macht
    der Leute die von diesen System profitieren.Das Schlimme ist
    das proportional immer weniger von dieser Wirtschaftsord-
    nung profitieren.Hinzu kommt das eine Diktatur nicht nur
    Menschen einsperrt sondern wie im Kapitalismus Menschen
    ausgrenzt und wegwirft.No Chance nicht zu gebrauchen weg
    mit diese Taugenichtse so verhält sich die Wirtschaft.
    Die soziale Marktwirtschaft liegt im sterben.

    2 Leserempfehlungen
    • coburg
    • 12.02.2012 um 13:58 Uhr

    Ich hab' 'ne gute Nachricht für Euch.
    Lehnt Euch zurück, trinkt noch'n Kaffee
    und schaut Euch das hier an:

    http://www.dorftv.at/vide...

    Demzufolge sind die Griechen
    das erste moderne Volk des 21.Jahrhunderts.

    Morgen macht ihr dann zur Abwechslung mal 'n blauen Montag.
    Einstimmung dazu gibt's hier:

    http://www.youtube.com/wa...

    Und dabei legt ihr dann noch eine Gedenkminute ein
    für einen wirklich großen und weisen Künstler!

    • hurt
    • 12.02.2012 um 14:00 Uhr

    ...zu diesem schönen Leserartikel. In den derzeitigen Verwerfungen steckt die Chance, dass sich mehr Menschen über absolut wesentliche Dinge wie Wirtschaftsordnungen informieren und Gedanken machen.

  5. "Während des Studiums fanden viele meiner Kommilitonen Makroökonomie langweilig. Doch wahrscheinlich muss man es nur richtig verpacken, damit sich die Menschen dafür interessieren."

    Leider heisst diese Verpackung nicht selten: Angst.

    ps Auch finde ich, dass die Krise den Makroökonomen (bzw. deren Theorien) nicht gerade zum Ruhm gereicht.

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    Ich gebe Ihnen Recht, dass vielleicht gerade die Angst viele dazu treibt sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Doch jetzt machen die Leute es. Und vielleicht werden sich daraus neue Denkrichtungen ergeben, die vielleicht auch bei heutigen Ökonomen einen Paradigmenwechsel bewirken.
    Zu erkennen, dass unsere aktuellen Theorien nicht besonders Ruhmreich sind, ist genau das, auf welches ich aufmerksam machen will.

    Ich gebe Ihnen Recht, dass vielleicht gerade die Angst viele dazu treibt sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Doch jetzt machen die Leute es. Und vielleicht werden sich daraus neue Denkrichtungen ergeben, die vielleicht auch bei heutigen Ökonomen einen Paradigmenwechsel bewirken.
    Zu erkennen, dass unsere aktuellen Theorien nicht besonders Ruhmreich sind, ist genau das, auf welches ich aufmerksam machen will.

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