Leserartikel

WirtschaftDie Verlierer der deutschen Krise

Halb Europa befindet sich im Abschwung, nur Deutschland angeblich nicht. Dabei hätten wir alle Grund zur Sorge, meint Leser Wolfgang Höhler-Brockmann. von Wolfgang Höhler-Brockmann

Die Bundeskanzlerin sagte in ihrer Neujahrsansprache, dass es Deutschland gut gehe. Und tatsächlich, der Normalbürger spürt keine Krise, solange die Regale in den Supermärkten voll sind und das Geld jeden Monat pünktlich auf dem Konto ist. Eine Schlagzeile wie "Mehr als zwölf Millionen Deutsche von Armut bedroht" liest er, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen. Denn man ist selbst nicht betroffen.

Für die mehr als zwölf Millionen Menschen, die an der Armutsgrenze leben, ist die Krise hingegen allgegenwärtig und konkret. Sie gehören zu den Verlierern des Systems. Es sind die Leiharbeiter, Minijobber, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, Alleinerziehende, Menschen, die überhaupt keine Arbeit haben.

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Die Zahl der Verlierer in Deutschland wächst. Für ärmere Menschen sind Leistungen in vielen Lebensbereichen unbezahlbar geworden. Schuld sind Privatisierungen und die Liberalisierung, zum Beispiel im Gesundheitssystem, in der Pflege, im Bildungswesen, bei den Renten und bei vielen öffentlichen Dienstleistungen. Die Industrie und die großen Konzerne missbrauchen die Reformen des Arbeitsmarktes, die einst als alternativlos zur Konjunkturförderung eingeführt wurden, um ihren Profit zu steigern.

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Wir stehen heute in Deutschland einer weit größeren Bedrohung als der Euro-Krise gegenüber. Die ungerechte und ungleichmäßige Verteilung von Besitz und Wohlstand hat dazu geführt, dass die politische Macht in den Händen einiger weniger konzentriert ist. Banken haben zum Beispiel viel zu großen Einfluss auf die Politik. Das ist eine Gefahr für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung – mächtiger, konkreter und gegenwärtiger als alle anderen Gefahren.

Die Bürger müssen wieder nachvollziehen können, welche Interessen tatsächlich hinter politischen Entscheidungen stehen, wer von ihnen profitiert und wer als Verlierer auf der Strecke bleibt.

Immer, wenn unsere Politiker ihre Maßnahmen damit begründen, dass sie alternativlos seien, sollten wir aufhorchen. Weder in der Politik noch in der Wirtschaft sind Entscheidungen tatsächlich alternativlos.

Ändert sich nichts, bedeutet diese Krise das Ende unserer Demokratie.

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Leserkommentare
  1. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein derart kritischer Leserartikel von der Redaktion empfohlen wird. Man scheint langsam zu begreifen, dass die Feinde der Demokratie nicht "links" oder "unten" zu finden sind, sondern im Establishment.

    Man könnte argumentieren: ein Massenmedium wie die ZEIT/ Zeit-Online ist nicht einer Minderheit von 12 Mio. verpflichtet, sondern der immer noch real existierenden Mittelschicht und Oberschicht, die kein Interesse an einem wirklichen Perspektivwechsel haben kann.

    Was sicherlich derzeit die Berichterstattung erschwert, ist diese massive Diskrepanz zwischen Berichterstattung über die nahe Vergangenheit und die Gegenwart und der (feuilletonistischen) Erwartung dessen, was die nahe Zukunft bringen wird. Mehr Armut, mehr Elend, Hunger, noch mehr sozialen Unfrieden, mehr Obdachlosigkeit, mehr Kriminalität, weniger Bildung, mehr Müll und Verwahrlosung, mehr Absetzung der Mittelschicht gegen die vermeintliche Unterschicht.

    Ich kann dem Autor nur zustimmen und freue mich, auch einmal einen ungeschminkten Artikel über die Aussichten lesen zu dürfen!

    45 Leserempfehlungen
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    Ist es nicht vielmehr so, dass dieser Artikel genau auf der Linie liegt die wir Woche für Woche in der Zeit lesen?

    Ist es nicht vielmehr so, dass dieser Artikel entscheidende Fragen meidet (und auch damit auf der Kondenslinie unsere mutlosen Medien liegt)?

    - Wer produziert die Zahlen wie "12Mio Armtsgefährdete" und wieviel verdient sie daran?

    - Wenn Banken und Unternehmen die Politik bestimmen, weil sie Geld haben und daher Politiker offensichtlich nur noch nach deren Maßgaben entscheiden, wie sieht es dann mit den Medien aus, die schnell kritisieren aber nie Verantwortung übernehmen.

    - Die (richtige) Aussage "Eine Demokratie funktioniert nicht ohne freie Medien" bringt keinen Erkenntnisgewinn. Also drehe man die Frage um: "Kann unsere Demokratie mit DIESEN Medien überleben?"

    - Wieviel Ungleichheit sind wir bereit zu ertragen? Wenn wir betrachten: Durchschnittseinkommen (Steuer) 27.0000€ obere 10% ab 65.0000€ und oberes 1% ab 127.000€?

    Gruß

    • Moika
    • 19. Februar 2012 13:46 Uhr

    Deutschland gehört zu der handvoll Staaten, deren gesamt-bürgerlicher Wohlstand zu keinen Zeiten in der Geschichte so hoch war wie heute, das bitte ich nicht zu vergessen.

    Es wird immer Menschen geben, deren persönlicher Ehrgeiz es nicht zuläßt, z.B. beruflich weiter zu kommen als bis zur Hilfskraft - oder eben auch Hartz IV. Die tatsache, daß die Wirtschaft trotz 3 Mio. Arbeitsloser nicht in der Lage ist, selbst Stellen für Hilfsarbeiten zu besetzen, gibt mir schon zu denken. Und es wird immer Menschen geben, deren Ehrgeiz sie zu Anstrengungen animiert die sie aus der Reihe der Verdienenden hervorheben.

    Wenn Sie bemerkt hätten, daß ein Herr Ackermann keine 10 Mio. Euro plus Boni wert ist, gäbe ich Ihnen recht. Wofür, daß er seine untergebenen Angestellten dazu angehalten hat, kriminelle Spekulationskonstrukte zu schaffen und weiter zu verkaufen? Der gehört meiner Meinung nach ebenso auf die Anklagebank wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Porsche, der sich für die Tatsache, den Konzern fast in den Ruin getrieben zu haben, mal schlappe 60 Mio. Euro an Bonus auszahlen ließ.

    Aber das sind privatwirtschaftliche Vereinbarungen, die so nicht justiziabel sind. Das die Aktionäre unter diesen Umständen relativ Stille halten, werde ich nie verstehen. Aber das ist eine andere Sache.

    Nicht jede Woche ins Kino oder ins Theater gehen zu können ist aber doch kein Kriterium für Armut, sondern vielmehr eines ungebremsten Anspruchsdenken. Aber wo beginnt denn wirkliche Armut?

    Die Zeit ist da angekommen, worin sich Kabarettisten bereits im Scheibenwischer des ARD (den es mittlerweile nicht mehr gibt) gut auskannten:

    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...

    Jetzt dürfte man doch auch von einer Zeitung erwarten nicht nur das wiederzugeben, was eigentlich nicht mehr wirklich neu ist und einem Großteil der Bevölkerung doch mittlerweile klar sein dürfte. Zum Beispiel wäre es doch einmal interessant Ross und Reiter beim Namen zu nennen und wo das nicht geht eben Druck zu machen (z.B. bei schlechten Altersheimen oder Gammelfleischhändlern).

    • Infamia
    • 19. Februar 2012 18:59 Uhr

    Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass die ZEIT derartige Themen nicht von sich aus selbst thematisiert. Insofern wundert es mich nicht, dass dieser Artikel eine Redaktionsempfehlung bekommt.

    • nuts
    • 19. Februar 2012 10:16 Uhr

    ...auch ich sehe, dass die Demokratie unbemerkt weiter verdrängt wird. Von wem wird D regiert? Banken und Industrieriesen! Das bekannte Bild der Politiker als "Brueckenköpfe". Man darf nicht vergessen: auch D ist Entwicklungsland. Wohin geht die Entwicklung?
    Auch interressant: Sparen als Ideologie!
    Gruesse

    18 Leserempfehlungen
  2. Sie haben endlich einmal DAS prägnant und treffend formuliert(und der Artikel steht bei Google/ZEIT gleich an erster Stelle), was sich 100te professionelle deutsche Journalisten nicht geraut haben, weil auch in dieser Zunft das buckeln nach oben gang und gäbe geworden ist.
    Leider auch bei der zeit-Redaktion, deren unkritische Artikel zum "Aufschwung" mich und gewiss auch viele andere Leser schwer verärgern.
    [...]

    Ich hoffe, man liest noch mehr von Ihnen!!

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/lv

    14 Leserempfehlungen
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    mit Verlaub: dass Sie den Teil gelöscht haben, bei dem ich auf gewisse Arbeitgebervertreter eingingund ihre für mich wahrscheinliche Haltung zu dem Thema, beweist für mich eher, dass Ihr Blatt diesen persönlichkeiten unkritischer gegenübersteht als es sein sollte.

    Ich bin sehr traurig darüber, aber auch in meiner Meinung bestärkt, dass die ZEIT doch nur ein weiteres Blatt ist, dass mit dem Strom schwimmt, das heisst, mit dem unhinterfragten Neokapitalismus.

    Schöne Grüsse!

  3. Ich kann mich nur anschließen. Sehr kurz, sehr treffend. Und ich merke, wie es meine Realität anspricht, dass ich auch zu den Verlierern gehören kann. Ich habe letztes Jahr, in der Zeit zwischen Studium und meinem jetzigen Job, von Hartz IV gelebt. Dabei musste ich begreifen, dass es mit der sozialen Sicherheit in diesem System nicht weit her ist. Nun habe ich einen Jahresvertrag.
    Beim Lesen dieses Artikels habe ich deutlich die Angst gespürt, nach Ende des Jahresvertrages wieder ohne etwas dazustehen. Und ich denke, genau diese Angst hindert viele in der bürgerlichen Schicht daran, das Problem der Armut als Real zu akzeptieren. Denn dies bedeutet, zu akzeptieren, dass die eigene Existenz unsicher ist und dass man selber zu den Verlierern gehören kann. Und anscheinend scheinen auch die meisten Journalisten und Redakteure diese Realität zu verdrängen und schreiben nicht darüber.

    25 Leserempfehlungen
  4. Der mit Abstand größte Brocken in der Lebenshaltung ist die Miete. Die Miete ist es, die uns das Leben zur Hölle macht.
    Wenn die Miete nicht wäre, dann wären Arbeitslosigkeit und Rente nicht solche Schreckgespenster.

    Deutschland hat die niedrigste Wohneigentumsquote in Europa.
    Der deutsche Staat zahlt exorbitante Transferleistungen für Mieten, die direkt in die Taschen von Immobilienfonds und anderen Kapitalbesitzern wandern. Ein gigantisches Umverteilungssystem von Steuergeldern an Großgrundbesitzer. Ein Wahnsinn!

    Wieso kostet eine einfache sanierte ETW in einer Hochhaussiedlung 100.000 Euro mit Notarkosten usw...?
    Hier stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Ein deutscher Gering- oder Normalverdiener hat heute praktisch keine Chance mehr Wohneigentum zu erwerben. Von Griechenland bis Norwegen hat praktisch jede Familie eines oder mehrer Wohnobjekte. Miete ist in Skandinavien praktisch unbekannt.
    In Norwegen kaufen sich schon Studenten mit staatlicher Unterstüzung die erste ETW.

    Wohnungspolitik ist in Deutschland ein Herrschafts- und Ausbeutungsinstrument. Verdammt, warum sieht das denn keiner?!

    Gebt den Leuten eine Chance, für 20.000 Euro eine einfache Wohnung zu erwerben! Befreit die Leute endlich aus der Mietsklaverei! Gebt auch den einfachen Leuten eine faire Chance auf Vermögensbiildung, damit sie ihren Kindern etwas vererben können.

    Wohnpolitik = Rentenpolitik = Sozialpolitik

    Sieht denn keiner den Zusammenhang? Warum schauen die Medien weg?!

    23 Leserempfehlungen
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    würde ich für 1fam.häuser als angemessen betrachten
    für etagenwohnungen sehe ich es allerdings problematisch
    fangen wir mit preisen an die eine mindestwohnzeit von 15jahren nahelegt - selbst wenn der wiederverkauf eingepreist ist
    was aber als wohnzeit in einer suboptimalen behausung etwas hochgegriffen ist - und etwas wirklich gutes kostet noch viel mehr
    dazu kommt das baualter
    wenn ein haus gerade neugebaut ist und das gut, kann man eine weile ohne große kosten durchkommen
    wenn allerdings das fallrohr getauscht werden muss aber einer der mitbesitzer gerade nicht zahlungsfähig ist und deshalb die beschlussfassung blockiert
    danke
    reicht
    da miet ich lieber und bezahle lieber den vermieter dafür das er sich kümmert, als der bank dasselbe für den kredit zu zahlen und auch noch meine nerfen zu opfern

    Heute wird Flexibilisierung von jedem Arbeitnehmer verlangt. Welcher Job ist so sicher, das eine Finanzierung einer eigenen Wohnung, eines Hauses über einen 10 bis 20 jährigen Zeitraumes sicher ist, was wenn man umziehen muß, weil das Amt es verlangt, der gerade ergatterte neue Job, 200 km entfernt??? Wieder neu kaufen? Vermieten, die damit verbundenen Kosten dert Unterhaltung, verkaufen? Das macht alles keinen Sinn. Das beste Beispiel ist Ostdeutschland. Da haben Millionen ihr Häuschen saniert, die Arbeit verloren, sind die Kinder und Erben weggezogen, weil keine Arbeit, keine Zukunft. Und die Wohnungen , die Häuser dort?

    • el_cura
    • 19. Februar 2012 13:53 Uhr

    jedoch begreifen die Völker nicht, das Wahlen, die die Politiker bestimmen nicht, dass es ein abgekartetes Spiel ist - in Deutschland nicht anders... Es wäre sinnvoll:
    gibt man Arbeitslosen eine Wohnung in den leerstehenden Neubaublocks für eine begrenzte Zeit zum Preis der Nebenkosten - dann kommt man mit 700 Euro im Monat aus und braucht keine Biiliglöhner zu migrieren. Folge: Preissenkungen und Exporterhöhung. ABER stattdessen werden Wohnräume künstlich minimiert, um die Mietpreise hochzuhalten - in Litauen gibt es sowas nicht und da gehen die deutschen Unternehmen hin - Abwanderung der Jobs. In Litauen lebt man mit 300 Euro gut! Aber man muss ja viel verdienen, damit der Nachbar denkt, man ist gut betucht. Das Problem fängt in der Ideologie an und vor der eigenen Haustür, wenn man denn eine hat...

    ...und genau der machte der USA zu schaffen, und auch der Deutschen Bank, die sich mit amerikanischen Pleitehypotheken rum plagen muss. Ein Wunder eigendlich das die Deutsche Bank nicht schon erstickt ist an denen. Deutschland allerdings profitierte davon das sich nicht jeder Prolet in der Wohneigentumszockerei engagieren konnte. Stell Dir mal vor das jeder Mann den Preis seiner Immobilie bestimmen koennte, weil wegen dem leichten Kredit der Kaeufer jeden Preis bezahlen koennte. Die Haeuser/Wohnungen in Deutschland sind bescheiden. Wenn jeder Kredit aufnehmen wuerde und seinen Bugalo in die Taj Mahal renovieren koennte, das wuerde die Eigentumspreise durch den Himmel treiben, bis sich die neue Generation keine Unterkunft mehr leisten konnte. Genau das passierte in der USA. In Deutschland wuerde das auch passieren, aber zum Glueck gibt es dort nicht so viele Eigenheime. Deswegen wurde Deutschland von der Finanzkrise gepuffert. Die Skandinavier haben eine Kultur in der Pump schief angesehen ist. Ihr Volk ist homogen, anders als Deutschland wo viele sich ueberpumpen wuerden wenn sie koennten. Ausserdam hat Sozialpolitik keinen Einfluss auf Eigentumunterkuenfte. Und weil Deutschland keine eigene Waehrung hat, kann die Bundesbank nicht einfach Geld drucken und es an die Hypothekenbanken fuer Null Zins verleihen (verschenken) wie in der USA, was zu der Housingbubble fuehrte. Sei mal dankbar das Deutschlan so ist wie es ist.

  5. Ein guter Leserbrief wie ich finde, auch wenn er nichts Neues enthält.
    Diese Entwicklung dauert schon seit Jahren an und nur wenige haben dieses wahrgenommen. Nun kommen langsam die Folgen davon zum Vorschein, das ist nur die logische Konsequenz.
    Man kann viele Beispiele der vergangenen Jahre nennen welche warnend hätten sein müssen, hier nur genannt: Fusion Daimler-Chrysler, Nokia, Karstatdt, erste Bankenkrise etc.
    Es ist allzu menschlich dass man zuerst auf sich schaut, keine Frage. Nur kann dieses eben nur bis dahin gehen dass es das System nicht mißbraucht, und das war leider der Fall (ein bißchen Griechenland ist überall).
    Erst jetzt wird den Leuten langsam klar dass "die da oben" immer mehr Ressourcen (z.B. Geld) rausziehen und sie selbst den Preis bezahlen müssen (Arbeitslosigkeit bzw. Billiglohn). Dass z.B. ein Familienvater mit 900 Euro netto im Monat als Leiharbeiter bezahlt wird spricht für sich.
    Dass nun auch noch ein Bundespräsident de facto aus seinem Amt gezwungen werden mußte ist nur ein weiteres Zeichen für diesen Zustand (und die Leute glauben auch noch an eine Verschwörung).
    Es gibt eine Vielzahl von Menschen in Deutschland die ehrenamtlich grosse Leistungen bringen und der ganzen Gesellschaft dienen. Schon alleine sie haben es verdient dass das Wort "Verantwortung" wieder seine eigentliche Bedeutung zurückgewinnt. Das sind ihnen die Manager, Politiker und Bankenbosse schuldig. Es nun am Volk es von diesen klar und deutlich einzufordern.

    10 Leserempfehlungen
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    Das Instrument der Ausbeutung ist nicht allein das Wohneigentum, es ist die Eigentumskonzentrationa an sich.

    Die Krise in der wir stecken ist eine Systemkrise des Kapitalismus. In DE existieren 10 000 Milliarden euro Privatvermögen denen die gleiche Menge Schulden gegenüberstehen.

    Allein 2002 bis 2007 stiegen diese von 57,9 auf 61,1 Prozent (Quelle DIW). Bei den ärmsten 10 Prozent wuchs hingegen in dieser Zeit der Anteil an der Verschuldung, und zwar von 1,2 auf 1,6 Prozent.

    Die Auswirkungen sind in allen Bereichen der Wirtschaft dramatisch. Der Vermögenszuwachs ("Zins/Rendite") der in allen Produkten (oder Mieten) enthalten ist beträgt heute 41% unseres BIP.

    Die ungeheuren Summen im Finanzmarkt treiben die Anleger in die Spekulation. Immer mehr Betrügerische Geschäftspraktiken bestimmen das Bankwesen. Die Reichtumskonzentration unterhölt die Demokratie. Geld und Macht werden eins.

    Diese Akkumulation bedeutet auch, dass Geld überall da fehlt wo es eigentlich gebraucht wird. Geld ist überall da knapp wo es unserer Gesellschaft und dem Gemeinwohl zuträglich wäre.

    Kurz gefasst, das Ziel eines Wirtschaftssystems ist die Verteilung der produzierten Güter einer Gesellschaft. Wenn diese immer ungleicher verteilt werden hat das Wirtschaftssystem seinen Sinn verloren.

    Denn wir essen all aus der gleichen Suppenschüssel, wenn sich einer mehr herausnimmt bleibt für alle anderen weniger.

    Oder Noch kürzer, 12 Millionen sind arm WEIL einige Hunderttausend reich sind.

  6. mit Verlaub: dass Sie den Teil gelöscht haben, bei dem ich auf gewisse Arbeitgebervertreter eingingund ihre für mich wahrscheinliche Haltung zu dem Thema, beweist für mich eher, dass Ihr Blatt diesen persönlichkeiten unkritischer gegenübersteht als es sein sollte.

    Ich bin sehr traurig darüber, aber auch in meiner Meinung bestärkt, dass die ZEIT doch nur ein weiteres Blatt ist, dass mit dem Strom schwimmt, das heisst, mit dem unhinterfragten Neokapitalismus.

    Schöne Grüsse!

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  7. wird meist verwendet um die eigene Idee/Meinung egoistisch als die einzige darzustellen. Das ist das gute Recht eines jeden Egomanen.

    Oft kommt es auch als Euphemismus für die Worte planlos und ideenlos zum Einsatz.

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    wird meist eine verkaufte Meinung dargestellt.
    Ueber die letzten Monate/Jahre wurde doch nur allzu deutlich klar, wer hier zu Lande eigentlich die Politik macht und wer die Politik und die Entscheidungen lediglich dem Volke verkauft.

    Die Kanzlerin und Ihre Kumpanen sind auf der letzteren Seite.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Arbeit | Arbeitsmarkt | Armut | Armutsgrenze | Bank | Bundeskanzler
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