Öko-Institut zu Solarförderung"Ich hätte schärfere Einschnitte erwartet"

Die Solarsubventionen müssen sinken, sagt Energieexperte Felix Matthes. Doch Röslers und Röttgens Pläne seien "verkorkst". Europas Politik könne man so nicht gestalten. von 

Solarzellen auf dem Dach eines Bauernhofs im bayrischen Peiting (Archivbild).

Solarzellen auf dem Dach eines Bauernhofs im bayrischen Peiting (Archivbild).  |  © Miguel Villagran/Getty Images

ZEIT ONLINE:  Nach langem Streit haben sich Umweltminister Norbert Röttgen und Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf ein gemeinsames Solar-Konzept geeinigt. Wer hat gewonnen?

Felix Matthes: Keiner von beiden. Herausgekommen ist ein völlig verkorkster Kompromiss. 

Anzeige

ZEIT ONLINE: Alle Experten waren sich einig, dass die Subventionen sinken müssen. Was ist an den Plänen der Minister verkorkst?

Felix Matthes
Felix Matthes

Er ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut.
 

Matthes: Es wäre wichtig gewesen, den überhitzten Photovoltaikmarkt ein wenig abzukühlen, mittelfristig in stabile Bahnen zu lenken und die Systemintegration der Solarenergie voranzutreiben. Der Kompromiss verfehlt alle diese Ziele. Wir werden in den kommenden Monaten erst recht einen Boom erleben, weil die Investoren Torschlusspanik bekommen.

ZEIT ONLINE:  Um das zu vermeiden, sollen die Kürzungen schon zum 9. März greifen. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Torschlusspanik.

Matthes: Wir werden sehen, wann die Vorschläge wirklich im Gesetzesblatt stehen. Aber auch danach wird es weitere Kürzungen geben, die noch beschleunigt werden, weil die Minister für den Ausbau der Photovoltaik klare und paradoxerweise mit der Zeit sinkende Obergrenzen setzen. Zudem wird jeder, der heute eine Anlage in Betrieb nimmt, auf 20 Jahre mit einem festen Satz gefördert. Das führt dazu, dass die Investoren neue Anlagen bauen werden – und zwar so schnell wie möglich.

ZEIT ONLINE:  Wäre es besser gewesen, die Subventionen weniger stark zu kürzen? 

Matthes: Nein. Eine massive Kürzung war angesichts des Kostenverfalls bei der Photovoltaik überfällig. Und im Prinzip ist auch die monatliche Anpassung der Fördersätze richtig. Notwendig wäre es aber gewesen, die Architektur der Förderung anzupassen: Der Platz, den der Markt für Photovoltaik hat, sollte sich über ein Preissignal abbilden, damit auch Innovationen der Photovoltaik-Systeme eine Perspektive bekommen, man denke nur an die Kombination mit Speichern oder ähnliches.

Stattdessen versuchen die Minister Rösler und Röttgen, den Investoren, Technologieanbietern und Netzbetreibern Signale über staatlich festgelegte und letztlich inkonsistente Ausbaukorridore zu geben. Das geht in die völlig falsche Richtung. Die absurdeste Konstruktion ist, dass man die kostengünstigsten Photovoltaikanlagen am restriktivsten behandelt.

ZEIT ONLINE: Durch die Kürzungen wird der Solar-Ausbau in Deutschland stark gebremst. Was bedeutet das für die Energiewende ?

Matthes:  Die Energiewende ist viel mehr als nur Photovoltaik – schließlich erzeugt auf lange Zeit die Windkraft den größten Teil des erneuerbaren Stroms. Die Pläne der Minister wirken aber über den Solarmarkt hinaus, denn sie zerstören das Vertrauen der Investoren in den stabilen und halbwegs konsistenten regulativen Rahmen, den wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bisher hatten. Wie viel Schaden es anrichten kann, wenn Vertrauen verloren geht, sehen wir ja gerade an den Finanzmärkten.

Leserkommentare
  1. interessant, dass schon im header mit der politischen Gesinnung nicht hinterm Berg gehalten wird.
    Die Leserschaft ist politisch so einheitlich , dass selbst eine glaubenskonträre Meinung nichts an der Leserzahl ändern würde. Also einfach mal mit " sinnvolle Kürzung im Sinne des KOsten-Nutzen Dogmas..das wird einfach ignoriert werden.
    Find ich supi, dass die Allgemeinheit nicht mehr für die Wohlfühlpolitik des deutschen Bildungsbürgertums belangt wird. Gegen das Tugendiktat, gegen Fachismus

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was soll den im Header eines INTERVIEWS anderes stehen als eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernthesen des INTERVIEWTEN, welche notwendigerweise dessen persönliche MEINUNG darstellen??

    P.S.: Energieversorgung ist keine "Wohlfühlpolitik", sie ist die Grundlage des Industriestandortes Deutschland. Dass man aufgrund der zunehmenden Verknappung und damit einhergehenden Verteuerung fossiler und nuklearer (auch Uran ist endlich) Energie lieber früher als später auf flächendeckende regenerative Erzeugung umstellen sollte, ist mittelfristig ein reines Kostenargument.
    Auch diese Umstellung selbst ist schließlich energieintensiv; der technologische Fortschritt kann aufgrund endlicher Wirkungsgrade diesen Anstieg nicht beliebig kompensieren.

    Wie in Griechenland muss die deutsche Solarindustrie durch Lohnkürzungen wieder wettbewerbsfähig gegen die Konkurrenz aus Asien, vor allem aus China, gemacht werden.
    Was man von den Griechen verlangt hat (interne Abwertung ist das Zauberwort) wird man wohl auch von den Deutschen verlangen können. Gleicher Lohn und gleiche Sozialleistungen für alle in der Währungsunion! In Griechenland gibt es nicht einmal Hartz IV.
    Auch an Auswanderung nach China von Facharbeiter der Solarindustrie wäre nicht auszusetzen. China braucht auch gute und ausgebildete Fachkräfte.
    Nur so kann die deutsche Solarindustrie, wie die auch griechische Wirtschaft wieder aufblühen.

  2. Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

  3. Das Problem ist doch, dass man zunächst auf Betreiben der EU den Energiemarkt deregulierte und die deutschen Energieversorger EnBW, E.ON, Vattenfall und RWE ihr Hochspannungsübertrgungsnetz verkauften, bzw. verkaufen mussten.

    Neue Energieanbieter sollten den "Markt" liberalisieren und zu sinkenden oder stabilien Strompreisen führen.

    Europaweit ist die Deregulierung ebenfalls vonstatten gegangen.

    Nun muss man feststellen, dass man statt mit wenigen, mit vielen verhandeln muss, um einen europäischen Energiewandel unzusetzen.

    Statt zu liberalisieren, hätte man verstaatlichen sollen oder dies für Deutschland den Big 4 androhen sollen und ein für ganz Europa tragfähiges Energiekonzept erarbeiten und umsetzen sollen.

    Wie wir derzeit feststellen müssen, führt Deregulierung/Privatisierung und Lieberalisierung zur Zersplitterung des Marktes und schlussendlich nahzu zur Handlungsunfähigkeit aus einem Guss.

  4. aber ich verstehe die Kritik nicht. Grundsätzlich sind Kürzungen der horrenden Subventionen ohne Ergebnisse (trotz 7Mrd allein in 2011 kommen lediglich 3% des deutschen Stroms aus Solarzellen) richtig, findet auch er. Aber trotzdem empört er sich mit wirren Sätzen wie: "Der Platz, den der Markt für Photovoltaik hat, sollte sich über ein Preissignal abbilden". Oder was zum Teufel soll das heißen: "inkonsistente Ausbaukorridore"

    Ich werde das Gefühl nicht los, Herr Matthes findet das geplante Gesetz wunderbar, windet sich aber mit unkonkreten Kritikpunkten darum, dies auch so auszusprechen.
    Wer verbietet ihm denn den Mund? Wer finanziert das Öko-Institut, das laut Wikipedia aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervor geht?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bedeutet, dass die staatliche Förderung in dem Maße zurückgenommen wird, in dem die Preise für PV-Module sinken - eine durchaus vernünftige Regelung.

    Im Übrigen hat Herr Matthes viele wichtige Punkte benannt.

    Dass an den Förderrichtlinien permanent herumgebastelt wird zerstört wirklich Vertrauen - besonders angesichts des sehr langen Zeitraumes von 20 Jahren, in denen dann quasi "Besitzstandswahrung" seitens der Altanlagenbesitzer herrscht. Da wird der nächste Kaufrausch, und damit die Überlastung der Netze seitens der Politik geradezu erzeugt.

  5. Effektiver Umweltschutz und Umweltlobbyismus:

    Die Milliarden Solarsubventionen, die Rot-Grün angestoßen haben, sind einfach nur Unsinn.
    Die Solartechnik ist teuer und uneffizient, besonders weil zusätzliche Speicher nötig sind. Windkraft ist erheblich günstiger und der Ressourceneinsatz zur Herstellung ist auch niedriger.
    Außerdem stellt die Solarsubvention eine Umverteilung von Unten-nach-Oben da, weil Immobilienbesitzer oder Kapitalbesitzer massiv profitieren, während die Allgemeinheit die Einspeisevergütung bezahlen muss.
    Das Unternehmen nicht nachhaltig Arbeitsplätze sichern, deren Geschäftsmodell darin besteht, Subventionen abzugreifen, sollte auch klar sein.

    Effektiver Umweltschutz wäre z.B. bei Fleisch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen. Fleisch benötigt erhebliche Umweltressourcen, vor allem Wasser und Ackerfläche, und die Tiere produzieren große Mengen CO2 und Methan.

  6. Warum werden eigentlich nicht die offenen und versteckten Subventionen für die Atomkraft, Kohle, Öl und Gas hergenommen und in den Ausbau der Energieversorgung der Zukunft (Sonne, Wind, Geothermie, Wellen,..) und Alternativen zu Öl in allen anderen Bereichen (Kunststoffe,..) gesteckt? Dazu noch eine Aufhebung der unterschiedlichen Höhen für Endverbraucher-Energiepreise und Industrie-Energiepreise.

    Der Umbau wäre in wenigen Jahren bewerkstelligt, so wie zuletzt beim subventionierten Wechsel von Kohle auf Öl. Es gäbe zukunftssichere Jobs auf Dauer, die Abhängigkeit von Diktatoren würde reduziert, Energie würde einen Spott kosten. Die Demokratien könnten wieder wahre Werte in der Welt vorleben. Anstatt für die Wirtschaft alles was noch an Humanismus und Gerechtigkeit vorhanden ist immer weiter auf dem Altar der Notwendigkeit zu opfern.

    Was unterscheidet ein Land das ethische Ideale wirtschaftlichen unterordnet, von einer Diktatur?

    Die Untergrabung des Umbaus kann eigentlich nur wenigen Zielen dienen. Aufrechterhaltung einer veralteten Ordnung um die Bürger zu kontrollieren. Langfristig die Verwicklung in Kriege um die letzten Ölressourcen, was die deutsche Rüstungsindustrie freuen wird...und die Ressourcen umso schneller vernichten wird. Diffamierung der neuen Energieformen zugunsten unbeherrschbarer Risiken (Atomkraft) bzw. absehbarer Katastrophen (Umweltverschmutzung, Fracking, Klimawandel,..).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wir brauchen keine Subventionen, sondern eigentlich eine Wirtschaft, die ihre gesamte leistungsfähigkeit und das gesamte Kapital in den Ausbau der Erneuerbaren Energien steckt insbesondere mit Hinblick auf mobilität.

    Der Peak of Oil ist ein Ereignis mit derart monumentalen Folgen dass sich nur wenige der bedeutung bewußt sind.

    Und erwartet wird er ca 2020..

    Allerdings wiederspreche ich Ihnen, dass wir so einfach einen Umstieg nur durch mehr Kapitaleinsatz realisieren können.

    Öl war und ist Kohle in Vielerlei hinsicht bei weitem Überlegen. In so fern mußte es sich durchsetzen..

    Die erneuerbaren aber bei aller notwendigkeit können nicht leisten was Öl uns 150 Jahre ermöglicht hat.

    Wenn Sie alleine mal nachrechnen, wie schwer speicher für Strom zu realisieren sind. Für die USA zb. würden bei einer Energiereserve Vorhaltezeit von 7 Tagen (strom plus mobilität), 5000 Staudämme der doppelten Höhe des Hoover damms notwendig. Alleine für die dafür notwendige Betonbereitstellung der Mauern, müßten die USA 3 Jahre Ihre gesamte Energie in BEton leiten...

    Öl ist ein einzigartiger Stoff von dem wir unglaubliche Mengen konsumieren. Und genau darinn liegt das Problem.

    Wollten wir zb. mit solar die deutsche autoflotte dann mit wasserstoff betreiben müsste die weltproduktionskapazität an reinstsilizium dafür ca 100 Jahre tätig werden.

    So sieht es aus.

    Party is over ... schon sehr bald.

    [...]

    Die Solarindustrie ist durch die sehr hohe Förderung und gleichzeitger Senkung der Herstellungskosten in eine Blase gebracht worden. Überproduktion, zu viele Firmen, zu viele Mitarbeiter und China produziert billiger (70-80% aller Solaranlagen sind in China produziert). Diese Überhitzung muß gebremst werden, da sind sich alle Experten einig. Wie ist die Frage, Herr Matthes gibt ja teilweise der regierung recht. Laut seiner Meinung sollte die Regierung mit einem Schlag alle Probleme lösen - Überproduktion, Innovationsföderung, Energieumbau, Europa und und.

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/mo

    • HH7
    • 23. Februar 2012 22:32 Uhr

    ...man kann es drehen oder wenden, wie man will.

    Die Transferunion fordert ihren Preis - und der schlägt unmittelbar auf Wirtschaft und Innovationen durch.

  7. Von diesem Solarobjekt (Archivbild, Foto) wird es keinen Ampere Solarstrom ins Netz geben, egal wie
    viele Kilowatte Solarzellen auf dem Dach installiert sind! Fragen Sie den Forschungskoordinator –Warum?- da hat er, genau wie Rösler und Röttgen, keine Ahnung, was Solarstrom ist! Der installierte chinesische Scheißdreck ist noch lange kein Solarstrom. Wenn auch alle Dächer in D gepflastert werden, wird es nicht mehr SOLARSTROM geben… In Bayern denkt man ernst die Wände bei Scheunen pflastern anfangen… Warum sollten operative und schlaue Bauern die blödsinnigen EE-Gesetze nicht richtig nutzen? Schauen Sie das ganze Geplapper an, was ist da vom Solarstrom?!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service