Schuldenkrise Die wahren Gründe für die Sparpolitik

In den Krisenstaaten sollen die Einkommen sinken und das Arbeitsrecht gelockert werden. Ganz ähnlich ging auch der IWF vor 30 Jahren vor.

Bettlerin vor der Bank of Greece in Athen

Bettlerin vor der Bank of Greece in Athen

Die Auflagen für Griechenland und die anderen Krisenländer sind hart: Nicht nur die Staatsausgaben sollen sinken – etwa durch Entlassungen im Staatsdienst – auch der Lohn soll im öffentlichen und im privaten Sektor radikal gekürzt werden. Überdies wird das Arbeitsrecht durch und durch liberalisiert: Der Kündigungsschutz wird gelockert und es soll mehr befristete Arbeitsverträge geben.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihre Regierung sind energische Wortführer dieser Politik. Was treibt sie an? Sitzen sie einer falschen Theorie auf? Schließlich geben doch eine ganze Reihe seriöser Kritiker zu bedenken, dass Ausgabenkürzungen das Bruttoinlandsprodukt weiter absenken und damit die Steuereinnahmen, was das Defizit noch weiter vergrößert. Oder nimmt Merkel das in Kauf, weil sie andere Ziele verfolgt?

Anzeige

Als Kanzlerkandidatin hat Merkel Anfang 2005 in der Financial Times Deutschland einen sehr grundsätzlichen Aufsatz ("Das Prinzip der individuellen Freiheit") veröffentlicht. In dem Text vertritt sie den Standpunkt Friedrich August von Hayeks (des bedeutendsten Vorkämpfers des Neoliberalismus): Die "historische Mission" von Hayeks Werk "Die Verfassung der Freiheit" sei mit dem "Zusammenbruch der sozialistischen Diktaturen" zu einem Teil erfüllt. "Der andere Teil ist dagegen heute Gegenstand heftiger Diskussionen. Denn die Vorzüge des Wohlfahrtsstaates werden in der politische Diskussion mehr denn je abgewogen gegen die daraus folgenden Probleme einer hohen Staatsverschuldung und einer Lähmung der wirtschaftlichen Antriebskräfte." Ausführlich kritisiert sie in ihrem Beitrag den "ungezügelten Ausbau des Wohlfahrtstaates".

Ein größerer Wohlfahrtsstaat heißt nicht mehr Schulden

Nun ist es falsch, den Wohlfahrtsstaat gleichzusetzen mit Verschuldung. Das zeigt schon ein Blick in die Geschichte. In den USA nahm die Staatsverschuldung während der Präsidentschaft Reagans und der beiden Bushs kräftig zu. Alle drei waren wahrlich keine Verfechter des Wohlfahrtsstaates. Unter Präsident Clinton hingegen, der den Sozialstaat ausbaute, ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt erheblich gesunken.

Auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar machte Merkel in ihrer Rede dennoch deutlich, dass sie an ihren damals formulierten Überzeugungen festhält: Europa sei ernsthaft dabei, seinen Arbeitsmarkt zu "öffnen" und andere Schritte einzuleiten, um das Wachstum zu erhöhen. Nicht nur Sparmaßnahmen, sondern auch strukturelle Reformen führten zu mehr Jobs. "Aber weil es eine Demokratie ist, mag der Fortschritt langsam sein. (…) Aber wir werden nicht mutlos sein beim Verfolgen dieses Projektes."

Herbert Schui
Herbert Schui

ist ein pensionierter Ökonom und Politiker. Seit 2005 sitzt er für die Partei Die Linke im Bundestag. Zuvor lehrte er viele Jahre lang als Professor an der Universität für Wirtschaft und Politik in Hamburg.

Verlangsamt also die Demokratie den Fortschritt? Als das Haushaltsrecht des Bundestags beim europäischen Finanzmarktsicherungsfonds zur Debatte steht, sagt die Kanzlerin im Deutschlandfunk Anfang September, dass wir froh seien, in einer Demokratie zu leben und dass das "Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments" sei. Zufrieden aber scheint sie damit nicht zu sein. Denn gleich danach bemerkt sie: "Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist (…)."

In Davos bittet sie die anwesenden Wirtschaftsführer um Geduld. Man müsse "den Atem haben, diese Reformen auch wieder wirken zu lassen." Die Geschäftswelt solle die Vorteile der Demokratie nicht aus dem Auge verlieren – und "den Nachteil der Langsamkeit dann auch demutsvoll hinzunehmen." Sie wirbt also um Verständnis für die – wie sie es offenbar sieht – Mängel der Demokratie, also deren Langsamkeit. Sie will daran arbeiten, sie marktkonform zu machen. Vor der größeren Öffentlichkeit aber möchte Kanzlerin Merkel diese Bemerkungen in Davos doch lieber verbergen. Alle hier zitierten Passagen haben Journalisten der New York Times und von Welt Online aufgeschrieben – im offiziellen Redetext der Kanzlerin sind sie nicht zu finden.

Dem Fortschritt in Form eines niedrigen Lohns und eines deregulierten Arbeitsmarktes steht die Demokratie entgegen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung (die abhängig Beschäftigten, die Altersrentner) in ihrem Interesse eine andere Lösung für möglich hält. Soll deswegen eine etwas veränderte, eine marktkonforme Demokratie her? Der Widerspruch zwischen Mehrheitsinteresse und Auflagen manifestiert sich in Streiks und Demonstrationen – besonders ausgeprägt in Griechenland. Die Regierungen der Krisenländer wiederum repräsentieren im Großen und Ganzen das Interesse von gesellschaftlichen Schichten, die mit den Auflagen durchaus einverstanden sind – auch wenn diese Regierungen, wie kürzlich in Spanien oder Portugal, von der Mehrheit gewählt sind. Das ist der Konflikt. An der Sparpolitik wird nicht festgehalten, weil sie die Defizite tatsächlich verringerte, sondern weil mit ihr der Lohn und die Standards des Arbeitsrechts verschlechtert werden können. Allgemein gerechtfertigt wird dies mit der bekannten – mythischen – Formel, wonach ein "offener", ein nicht "verkrusteter" Arbeitsmarkt zu mehr Wachstum führt.

Leser-Kommentare
  1. Man muß kein Finanzgenie sein um festzustellen, daß das Militär und reiche Griechen inklusive Politiker als einzige von den Sparmaßnahmen weitgehenst verschont geblieben sind.
    Ich habe mir auch schon die Frage gestellt, ob ein Absenken des Mindestlohn von 700 auf 500 Euro die ultimative Lösung ist oder einfach nur einigen Interessenvertreter nützt. Den Wut der einfachen Griechen, die sich betrogen fühlen, kann ich somit durchaus nachvollziehen.

    47 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Obwohl der Mindestlohn in Griechenland höher ist als in den Nachbarländern von Hellas, halte ich die Absenkung des Mindestlohnes auch für falsch. Das Land ist nicht wegen einem zu hohen Mindestlohnn verschuldet, sondern wegen dem laschen Umgang mit Steuerhinterziehern, wegen verschwenderischer Ausgaben für hohe Gehälter von Staatsbediensteten und wegen einem aufgeblasenen Millitäretat. Hieran soll sich anscheinend nichts ändern.

    Die griechischen "Eliten" verteidigen ihre Pfründe und Privilegien. Durch die Kürzung des Mindestlohnes und durch Nazi Vergleiche in einigen griechischen Medien wird der Zorn geschickt auf "die" Deutschen gelenkt. So wird nicht gefragt, was in Griechenland wirklich schief läuft und man hat einen Sündenbock, an dem man seine Wut auslassen kann. Ich halte dieses Verhalten für extrem egoistisch und kurzsichtig.

    Obwohl der Mindestlohn in Griechenland höher ist als in den Nachbarländern von Hellas, halte ich die Absenkung des Mindestlohnes auch für falsch. Das Land ist nicht wegen einem zu hohen Mindestlohnn verschuldet, sondern wegen dem laschen Umgang mit Steuerhinterziehern, wegen verschwenderischer Ausgaben für hohe Gehälter von Staatsbediensteten und wegen einem aufgeblasenen Millitäretat. Hieran soll sich anscheinend nichts ändern.

    Die griechischen "Eliten" verteidigen ihre Pfründe und Privilegien. Durch die Kürzung des Mindestlohnes und durch Nazi Vergleiche in einigen griechischen Medien wird der Zorn geschickt auf "die" Deutschen gelenkt. So wird nicht gefragt, was in Griechenland wirklich schief läuft und man hat einen Sündenbock, an dem man seine Wut auslassen kann. Ich halte dieses Verhalten für extrem egoistisch und kurzsichtig.

    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:03 Uhr

    hier nur wieder zu schreien, dass das ja ein Sozialist, Kommunist oder gar Stalinist ist (weil in der LINKEN) und 80% der Leute hören nicht mehr zu, wie man ja an den Wahlen und auch den Umfragen sieht, in denen 80% das wollen, was die Linke vertritt, solange sie nicht wissen, dass dies die Linke vertritt, dann ist es nämlich plötzlich Schwachsinn und Schlimmeres.

    Dabei haben gerade Politiker wie Gysi und Lafontain genau all das vorausgesagt, was eingetroffen ist.

    Beispiel Gysi:
    http://www.meinpolitikblo...

    Aber der ist ja auch ein Stalinist, wie einfach jeder, der den Götzen "marktkonforme Demokratie" nicht bedingungslos anbetet.

    74 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Guter Artikel, weil kurz und knapp zusammengefasst dargestellt wird welche Zauberlehrlinge in der Regierung sitzen. Ausführlicher kann man den Sachverhalt bei Naomi Klein in dem Buch "Die Schockstrategie" nachlesen. Das neoliberale Mission kann nur funktionieren, wenn die Menschen sich nicht wehren und da ist in letzter Zeit zum Glück einiges an Bewegung entstanden wie z.B. die occupy wallstreet Aktionen. Bitte mehr Artikel zu der Fragestellung warum der Rüstungshaushalt Griechenlands nahezu unangetastet bleibt.

    den kann man einfach mal einen plutokratischen Faschismus gegenüber stellen (marktkonforme Demokratie):

    „Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“

    Frau Merkel sollte sich mal mit den Ewigkeitsklauseln unseres Grundgesetzes auseinandersetzen!

    www.cdu.de/doc/pdf/05_06_...

    Guter Artikel, weil kurz und knapp zusammengefasst dargestellt wird welche Zauberlehrlinge in der Regierung sitzen. Ausführlicher kann man den Sachverhalt bei Naomi Klein in dem Buch "Die Schockstrategie" nachlesen. Das neoliberale Mission kann nur funktionieren, wenn die Menschen sich nicht wehren und da ist in letzter Zeit zum Glück einiges an Bewegung entstanden wie z.B. die occupy wallstreet Aktionen. Bitte mehr Artikel zu der Fragestellung warum der Rüstungshaushalt Griechenlands nahezu unangetastet bleibt.

    den kann man einfach mal einen plutokratischen Faschismus gegenüber stellen (marktkonforme Demokratie):

    „Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“

    Frau Merkel sollte sich mal mit den Ewigkeitsklauseln unseres Grundgesetzes auseinandersetzen!

    www.cdu.de/doc/pdf/05_06_...

  2. hat das in dem Buch "Die Schock Strategie" eindrucksvoll, zugegeben teils sehr polemisch, dargelegt.

    Wenn man anhand der statistischen Jahrbücher einen Überblick über die geleisteten Arbeitsstunden der letzten Dekaden in Deutschland gewinnt, wird man feststellen, dass diese auf einem Niveau geblieben sind.
    Wo aber landen die Leistungsüberschüsse der Leistungssteigerungen, die nicht von der Inflation aufgezehrt werden,in diesem Zeitraum?

    15 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hat das in dem Buch "Die Schock Strategie" eindrucksvoll, zugegeben teils sehr polemisch, dargelegt.

    Man muss sich aber auch sehr zusammenreissen, bei diesem Thema nicht polemisch zu werden. Frau Klein schreibt aus dem Munde einer Globalisierungsgegnerin. Dies beeinflusst aber nur die Wortwahl und Ausdrucksweise, nicht die Fakten die definitiv wahr sind.

    Die Schockstrategie ist Realität und Griechenland ihr neuestes Opfer.

    Ich habe das Buch vor Jahren direkt nach Erscheinen gelesen und sehe die Aussenpolitik seitdem in einem ganz anderen Licht.

    • bugme
    • 15.02.2012 um 19:47 Uhr

    ...das auf Pump leben sorgt dafür, dass der Gesellschaftsposten Zinsen immer größer wird. Wenn wir da nicht gegensteuern, wird er die nächste Generation komplett lähmen.

    hat das in dem Buch "Die Schock Strategie" eindrucksvoll, zugegeben teils sehr polemisch, dargelegt.

    Man muss sich aber auch sehr zusammenreissen, bei diesem Thema nicht polemisch zu werden. Frau Klein schreibt aus dem Munde einer Globalisierungsgegnerin. Dies beeinflusst aber nur die Wortwahl und Ausdrucksweise, nicht die Fakten die definitiv wahr sind.

    Die Schockstrategie ist Realität und Griechenland ihr neuestes Opfer.

    Ich habe das Buch vor Jahren direkt nach Erscheinen gelesen und sehe die Aussenpolitik seitdem in einem ganz anderen Licht.

    • bugme
    • 15.02.2012 um 19:47 Uhr

    ...das auf Pump leben sorgt dafür, dass der Gesellschaftsposten Zinsen immer größer wird. Wenn wir da nicht gegensteuern, wird er die nächste Generation komplett lähmen.

  3. Griechenland, wie viele andere Länder in Europa auch, sind in der Weltwirtschaft abgehängt worden. Sie wurden jedes Jahr weniger konkurrenzfähig, zur gleichen Zeit zu der die BRIC Staaten hunderte Millionen aus der Armut gehoben haben.

    Unsere PIGS Staaten sind am weitesten abgeschlagen. Der Wohlstand und die Lohnerhöhungen wurden über "billige" Schulden und die inner-europäischen Transfers finanziert. Diese Strategie ist nun an ihre Grenzen gestoßen.
    Selbst wenn wir noch mehr Geld über Transfers verschenken, wird es die Probleme nicht lösen sonder nur etwas Zeit kaufen.

    Durch die WTO sind uns die Hände gebunden um die Konkurrenz auszusperren. Also bleibt den PIGS und den anderen Europäern nichts anderes übrig als Wohlstand aufzugeben um konkurrenzfähig zu werden. Eine Abwertung des Euros wäre eine Option.

    PS: Großbritannien löst seine Probleme eben so wenig durch die aktuelle Strategie des Gelddruckens.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie soll denn abgewertet werden bei flexiblen Wechselkursen? Die einzige Moeglichkeit waere, die EZB wuerde lustig mit Euros US-Dollars kaufen, dies bedeutet aber eine Geldmengenerweiterung und gerade das kritisieren Sie an GB's Politik.

    Sie haben anscheinend kein Wort vom Gesagten verstanden.
    Es geht bei der ganzen Austeritätspolitik nicht um die Schuldenreduktion. Die Schulden von Griechenland nehmen immer noch zu.

    Außerdem stimmt ihre Aussage nicht: alle PIIGS-Staaten haben vor der Bankenkrise 2008 ihre Schulden anteilig am BIP reduziert..

    Richtig - aus den Verträgen der WTO gibt es kein Entkommen. Es ist schon eigenartig, wie auf der einen Seite das Ende des Sozialismus als "Sieg der Freiheit" gefeiert wird, andererseits in unserem System das Diktat des Handels alle anderen Interessen unter sich begräbt.
    Aber ich bin trotzdem optimistisch, ich habe den Eindruck, daß viele beginnen, diese Dinge kritisch zu betrachten, langfristig bleibt vielleicht dann doch nicht alles beim alten.

    Wie soll denn abgewertet werden bei flexiblen Wechselkursen? Die einzige Moeglichkeit waere, die EZB wuerde lustig mit Euros US-Dollars kaufen, dies bedeutet aber eine Geldmengenerweiterung und gerade das kritisieren Sie an GB's Politik.

    Sie haben anscheinend kein Wort vom Gesagten verstanden.
    Es geht bei der ganzen Austeritätspolitik nicht um die Schuldenreduktion. Die Schulden von Griechenland nehmen immer noch zu.

    Außerdem stimmt ihre Aussage nicht: alle PIIGS-Staaten haben vor der Bankenkrise 2008 ihre Schulden anteilig am BIP reduziert..

    Richtig - aus den Verträgen der WTO gibt es kein Entkommen. Es ist schon eigenartig, wie auf der einen Seite das Ende des Sozialismus als "Sieg der Freiheit" gefeiert wird, andererseits in unserem System das Diktat des Handels alle anderen Interessen unter sich begräbt.
    Aber ich bin trotzdem optimistisch, ich habe den Eindruck, daß viele beginnen, diese Dinge kritisch zu betrachten, langfristig bleibt vielleicht dann doch nicht alles beim alten.

  4. erwehren, als wenn mit Griechenland ein Exempel statuiert werden soll, nach dem Motto, da seht ihr mal wohin man kommt, wenn ihr nicht unsere "Reformen" akzeptiert und unterstützt.Das ist mehr als zynisch. Hier wird ein ganzes Volk auf den Altar des Kapitalismus der schlimmsten Form geopfert. Was ich in diesem Artikel nicht nachvollziehen kann, ist wie man bei sinkenden Löhnen, noch mehr konsumieren und somit das Wirtschaftswachstum ankurbeln kann??? Vielleicht verstehe ich da die Zusammenhänge nicht. Das ist genauso, das man mit Geld, welches man nicht hat, Millionen scheffeln kann, ohne das andere dafür bluten. Wie geht dies alles???

    18 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:22 Uhr

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    • Otto2
    • 15.02.2012 um 17:03 Uhr

    Merkel: "Aber weil es eine Demokratie ist, mag der Fortschritt langsam sein. (…) Aber wir werden nicht mutlos sein beim Verfolgen dieses Projektes."
    "Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist (…)."
    Sie ist offensichtlich der Meinung, dass die Demokratie die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft behindert. Sie möcht die Demokratie also so gestalten, dass das genau nicht stattfindet.
    Machen wir uns nichts vor: Dann ist es keine Demokratie mehr! Dann bestimmt einzig und ganz allein das Kapital.
    Merkel ist mit dieser Meinung nicht allein. Erinnern sie sich bitte an die Vorstellung des Buches von Steinbrück durch Helmut Schmidt. Der machte dabei eine Bemerkung, mit der er zum Ausdruck brachte, dass mit diktatorischen Mitteln (es ging um China) wohl der Kapitalismus besser funktionierte. Steinbrück widersprach ihm (in der Öffentlichkeit des Fernsehens) pflichtgemäß.
    Herr Schuli verweist im Artikel auf den spanischen Ministerpräsidenten, dem die Auflagen gegen (!) sein Volk in den Kram passen. Die EU-Spitze will also die Finanzkrise nutzen, in ganz Europa Stück für Stück soziale Rechte abzubauen. Das geht ab einem gewissen Punkt natürlich nur, wenn man auch demokratische Rechte abbaut. Bei einer "marktgerechten Demokratie" ist die Demokratie ein Placebo!

    "erwehren, als wenn mit Griechenland ein Exempel statuiert werden soll, nach dem Motto, da seht ihr mal wohin man kommt, wenn ihr nicht unsere "Reformen" akzeptiert und unterstützt.Das ist mehr als zynisch. Hier wird ein ganzes Volk auf den Altar des Kapitalismus der schlimmsten Form geopfert."

    Die Griechen sind Opfer eines Sozialismus-Experimentes geworden. Kapitalismus hat es seit der Einführung des Euros in Griechenland real gar nicht mehr gegeben. Fallen niemanden die Parallelen zur DDR auf ? Korruption, Vetternwirtschaft, horrende Schulden , unfähigkeit sich dem Wettbewerb zu stellen ? Al dies sind Krankheiten eines wuchernden Sozialstaates.

    • klaro
    • 16.02.2012 um 14:04 Uhr

    Versuchen Sie folgendes: Leihen Sie Ihrem verschuldeten Nachbarn immer mehr Geld, damit er sich die Güter, die Sie produzieren haben, kaufen kann. Wenn er die Schulden nicht zurückzahlt, geben Sie ihm am besten immer mehr, damit er Ihre produzierten Güter kaufen kann. Vermutlich sind Sie dann der Gewinner in diesem Geschäftsverhältnis.
    Diese einfache Analogie werden Sie verstehen. Was hat das mit einem Exempel zu tun!

    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:22 Uhr

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    • Otto2
    • 15.02.2012 um 17:03 Uhr

    Merkel: "Aber weil es eine Demokratie ist, mag der Fortschritt langsam sein. (…) Aber wir werden nicht mutlos sein beim Verfolgen dieses Projektes."
    "Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist (…)."
    Sie ist offensichtlich der Meinung, dass die Demokratie die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft behindert. Sie möcht die Demokratie also so gestalten, dass das genau nicht stattfindet.
    Machen wir uns nichts vor: Dann ist es keine Demokratie mehr! Dann bestimmt einzig und ganz allein das Kapital.
    Merkel ist mit dieser Meinung nicht allein. Erinnern sie sich bitte an die Vorstellung des Buches von Steinbrück durch Helmut Schmidt. Der machte dabei eine Bemerkung, mit der er zum Ausdruck brachte, dass mit diktatorischen Mitteln (es ging um China) wohl der Kapitalismus besser funktionierte. Steinbrück widersprach ihm (in der Öffentlichkeit des Fernsehens) pflichtgemäß.
    Herr Schuli verweist im Artikel auf den spanischen Ministerpräsidenten, dem die Auflagen gegen (!) sein Volk in den Kram passen. Die EU-Spitze will also die Finanzkrise nutzen, in ganz Europa Stück für Stück soziale Rechte abzubauen. Das geht ab einem gewissen Punkt natürlich nur, wenn man auch demokratische Rechte abbaut. Bei einer "marktgerechten Demokratie" ist die Demokratie ein Placebo!

    "erwehren, als wenn mit Griechenland ein Exempel statuiert werden soll, nach dem Motto, da seht ihr mal wohin man kommt, wenn ihr nicht unsere "Reformen" akzeptiert und unterstützt.Das ist mehr als zynisch. Hier wird ein ganzes Volk auf den Altar des Kapitalismus der schlimmsten Form geopfert."

    Die Griechen sind Opfer eines Sozialismus-Experimentes geworden. Kapitalismus hat es seit der Einführung des Euros in Griechenland real gar nicht mehr gegeben. Fallen niemanden die Parallelen zur DDR auf ? Korruption, Vetternwirtschaft, horrende Schulden , unfähigkeit sich dem Wettbewerb zu stellen ? Al dies sind Krankheiten eines wuchernden Sozialstaates.

    • klaro
    • 16.02.2012 um 14:04 Uhr

    Versuchen Sie folgendes: Leihen Sie Ihrem verschuldeten Nachbarn immer mehr Geld, damit er sich die Güter, die Sie produzieren haben, kaufen kann. Wenn er die Schulden nicht zurückzahlt, geben Sie ihm am besten immer mehr, damit er Ihre produzierten Güter kaufen kann. Vermutlich sind Sie dann der Gewinner in diesem Geschäftsverhältnis.
    Diese einfache Analogie werden Sie verstehen. Was hat das mit einem Exempel zu tun!

  5. Autor Schui hat diese in Griechenland und Portugal jetzt praktizierte "innere Abwertung" mit Anpassungsrezession gut beschrieben. Innerhalb des Euro gibt es für die beiden Länder keine andere Möglichkeit, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Solange diese Länder im Euro bleiben, ist dies vielleicht nicht der schönste, aber der einzige Weg.

    Mit Austritt aus dem Euro und anschließender Abwertung würden die Reallöhne in den betroffenen Ländern ebenfalls sinken müssen. Aber jedenfalls könnten diese Länder dann eine expansive staatliche Ausgabenpolitik betreiben und dies würde die Rezession vermutlich milder und kürzer machen.

    Eine "sozialistische" Alternative wäre, sehr, sehr viel Geld in die Krisenländer zu pumpen, und zwar mit ungewissem Ausgang. In Griechenland würde das Geld vermutlich, wie alle Hilfen bisher, in Konsum und Korruption und ohne langfristige positive Folgen verschwinden. Für soviel Geld würde auch die Ruhestandsbezüge des Autors nicht ausreichen, so dass die Kosten auf dem deutschen Steuerzahler und Arbeitnehmer hängen bleiben würden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:30 Uhr

    Eine sozialistische Alternative wäre zuerst einmal der Griff nach dem unrechtmäßig akkumulierten Geldmassen, die dem sozialistischenn Prinzip zuwiderlaufen.

    Sprich, man schnappt sich so ca ein Drittel der gigantischen Vermögenswerte der Oberschicht (wodurch diese von 80% des Volkvermögens auf ~56% des Volksvermögens fallen würden) und begleicht damit die Schulden. Tada.

    Die einen sind immer noch stinkreich und man muss gar keine Sklaverei einführen.

    Wäre natürlich nur ein erster Schritt und sicherlich ist das alles nicht mit geltendem Recht machbar, aber hey, vor 80 Jahren war geltendes Recht, dass man vergast wird, wenn man den falschen Glauben hat.

    Geltends Recht ist noch lange nichts vernünftiges oder richtiges. Und wenn ein gesamtes Volk in die Armut getrieben werden soll, damit die Oligarchen ihren obszönen Reichtum behalten können, ist das zwar kein Vergasung, aber ein gehöriger Schritt in diese falsche Richtung.

    Geld in Griechenland müsste dann nebenbei niemand pumpen, das findet ohnehin nur statt, weil es eben auch in Deutschland nicht das Geld der Oberschicht ist und diese es dort ja auch wieder zurückbekommen.

    Es fließt kein Geld in Europa nach Griechenland, sondern über Griechenland in die Tresore der dekadenten Gläubiger. Das ist das exakte Gegenteil von Sozialismus.

    Sie haben die Vorschläge der Linken (von Ihnen "sozialistische Alternative" genannt) nicht ganz treffend beschrieben. Hier ein Interview mit Sahra Wagenknecht zu dem Thema, in dem ihr Vorschlag grob beschrieben wird: http://www.ardmediathek.d...

    Ausserdem würde ich nicht immer von Sozialismus sprechen, solange nicht klar ist, wo dieser sich z.B. von sozialer Marktwirtschaft abgrenzt.

    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:30 Uhr

    Eine sozialistische Alternative wäre zuerst einmal der Griff nach dem unrechtmäßig akkumulierten Geldmassen, die dem sozialistischenn Prinzip zuwiderlaufen.

    Sprich, man schnappt sich so ca ein Drittel der gigantischen Vermögenswerte der Oberschicht (wodurch diese von 80% des Volkvermögens auf ~56% des Volksvermögens fallen würden) und begleicht damit die Schulden. Tada.

    Die einen sind immer noch stinkreich und man muss gar keine Sklaverei einführen.

    Wäre natürlich nur ein erster Schritt und sicherlich ist das alles nicht mit geltendem Recht machbar, aber hey, vor 80 Jahren war geltendes Recht, dass man vergast wird, wenn man den falschen Glauben hat.

    Geltends Recht ist noch lange nichts vernünftiges oder richtiges. Und wenn ein gesamtes Volk in die Armut getrieben werden soll, damit die Oligarchen ihren obszönen Reichtum behalten können, ist das zwar kein Vergasung, aber ein gehöriger Schritt in diese falsche Richtung.

    Geld in Griechenland müsste dann nebenbei niemand pumpen, das findet ohnehin nur statt, weil es eben auch in Deutschland nicht das Geld der Oberschicht ist und diese es dort ja auch wieder zurückbekommen.

    Es fließt kein Geld in Europa nach Griechenland, sondern über Griechenland in die Tresore der dekadenten Gläubiger. Das ist das exakte Gegenteil von Sozialismus.

    Sie haben die Vorschläge der Linken (von Ihnen "sozialistische Alternative" genannt) nicht ganz treffend beschrieben. Hier ein Interview mit Sahra Wagenknecht zu dem Thema, in dem ihr Vorschlag grob beschrieben wird: http://www.ardmediathek.d...

    Ausserdem würde ich nicht immer von Sozialismus sprechen, solange nicht klar ist, wo dieser sich z.B. von sozialer Marktwirtschaft abgrenzt.

    • Olyom
    • 15.02.2012 um 16:22 Uhr
    7. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    40 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 15.02.2012 um 18:39 Uhr

    ...und wir haben nur wenig Erfahrung mit der Situation einer überschuldeten Nation ohne eigene Währung. Dagegen nimmt sich aber die Problematik der ehemaligen DDR aus wie ein Kinderspiel. Es kann für die Griechen, Portugiese und Spanier eine Hölle werden. Mit etwas Pech reißt es uns mit.

    Das scheinen Sie soweit so zu sehen. Interessant ist, dass Merkel in Ihrem Namen handelt und Ihr Vertreter ist.

    • joG
    • 15.02.2012 um 18:39 Uhr

    ...und wir haben nur wenig Erfahrung mit der Situation einer überschuldeten Nation ohne eigene Währung. Dagegen nimmt sich aber die Problematik der ehemaligen DDR aus wie ein Kinderspiel. Es kann für die Griechen, Portugiese und Spanier eine Hölle werden. Mit etwas Pech reißt es uns mit.

    Das scheinen Sie soweit so zu sehen. Interessant ist, dass Merkel in Ihrem Namen handelt und Ihr Vertreter ist.

  6. wäre noch ein wenig verharmlosend,
    ein System das eine so enorme strukturelle Gewalt auf seine Bevölkerung ausübt, wird ohne komplette Überwachung und Unterdrückung in allen lebensbereichen, mit allen verfügbaren und noch nicht verfügbaren technischen Mitteln, nicht lange stabil funktionieren.

    so langsam wird einem denke ich klar das kapital der souverän der 21 jahrhunderts wird, das Humankapital hat seinen zweck erfüllt, doch eins ist nicht in diese Kalkulation mit eingeflossen,
    der Mensch legt sich nicht einfach zum sterben hin.

    33 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist einzuräumen, dass "marktkonforme Demokratie" ein Pleonasmus ist. Eine Demokratie, die nicht marktkonform ist, ist keine.

    Es ist einzuräumen, dass "marktkonforme Demokratie" ein Pleonasmus ist. Eine Demokratie, die nicht marktkonform ist, ist keine.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service