Weltwirtschaft: Die große Ratlosigkeit in der Krise
Die globale Finanzkrise hat viele Glaubenssätze der Ökonomie erschüttert. Bis heute ist es nicht gelungen, die entstandene Ratlosigkeit zu überwinden.
Nichts macht uns menschlicher als eine Aporie – der Zustand massiver Verwirrung, in den wir geraten, wenn unsere Gewissheiten zu Bruch gehen, wenn wir auf einmal in einer Sackgasse stecken, nicht mehr erklären können, was unsere Augen sehen, unsere Finger berühren, unsere Ohren hören. In diesen seltenen Momenten, in denen unsere Vernunft darum ringt zu begreifen, was die Sinnesorgane ihr melden, lässt unsere Verwirrung uns demütig werden und stellt den so vorbereiteten Geist auf bis dahin unerträgliche Wahrheiten ein.
Und wenn die Aporie ihr Netz sehr weit auswirft, sodass sich die ganze Menschheit darin verfängt, wissen wir, dass wir einen besonderen historischen Augenblick erleben. Der September 2008 war ein solcher Augenblick. Die Welt hatte sich gerade auf eine Weise selbst in Erstaunen versetzt, die es seit 1929 nicht mehr gegeben hatte. Gewissheiten, die eine jahrzehntelange Konditionierung uns eingebläut hatte, waren schlagartig weg, und mit ihnen Vermögenswerte im Wert von 40 Billionen Dollar weltweit, davon allein 14 Billionen Dollar Vermögen privater Haushalte in den Vereinigten Staaten, 700.000 Arbeitsplätze in den USA pro Monat, unzählige Häuser und Wohnungen überall, die ihre Besitzer nicht mehr halten konnten. Die Liste ist ebenso lang, wie die Zahlen unvorstellbar sind.

Yanis Varoufakis lehrt als Professor für Wirtschaftswissenschaften und ökonomische Theorie an der Universität Athen. In mehr als 20 Jahren Lehrtätigkeit hat er zahlreiche wissenschaftliche Werke veröffentlicht. Er bloggt unter yanisvaroufakis.eu. Sein Buch "Der große Minotaurus" erscheint am 23. Februar 2012 im Kunstmann Verlag.
Die kollektive Aporie wurde durch die Reaktion der Regierungen noch verstärkt, die bis dahin unbeirrt den fiskalischen Konservatismus – die vielleicht letzte Massenideologie des 20. Jahrhunderts – hochgehalten hatten: Auf einmal schütteten sie Billionen von Dollar, Euro, Yen und so weiter in ein Finanzsystem, das noch wenige Monate zuvor glänzend gelaufen war, sagenhafte Gewinne angehäuft und behauptet hatte, den Goldtopf am Ende des globalisierten Regenbogens gefunden zu haben. Und als das nicht ausreichte, begannen unsere Präsidenten und Regierungschefs, Männer und Frauen mit untadeligen neoliberalen Überzeugungen, die Staatsinterventionismus ablehnten, mit einem Eifer, der Lenins Großtaten nach 1917 in den Schatten stellte, Banken, Versicherungen und Autohersteller zu verstaatlichen.
Die verheerenden Folgen der Krise
Im Gegensatz zu früheren Krisen – wie dem Platzen der Dotcom-Blase 2001, der Rezession von 1991, dem Schwarzen Montag, dem Debakel in Lateinamerika in den 1980er-Jahren, dem Abgleiten der Dritten Welt in eine tückische Schuldenfalle und sogar der verheerenden Depression in Großbritannien und Teilen der Vereinigten Staaten in den 1980er-Jahren – war die Krise von 2008 nicht auf eine geografische Region, eine soziale Schicht oder bestimmte Branchen beschränkt. Alle Krisen vor 2008 waren in gewisser Weise lokal begrenzt gewesen.
Diejenigen, die langfristig unter ihnen litten, hatten für die amtierenden Mächte meist keinerlei Bedeutung, und wenn doch auch die Mächtigen den Schock spürten, eilten die Behörden rasch und wirksam zu Hilfe. Demgegenüber hatte der Crash von 2008 sowohl global wie im neoliberalen Kernland verheerende Folgen. Mehr noch: Seine Folgen werden uns noch sehr, sehr lange begleiten.




Was für ein Link war das denn? Man könnte es sich ja googeln.
Der DAX steht wieder kurz vor 7000 und alle reden noch von der Krise! Sobald der DAX über 7000 ist wird die Krise abgesagt und die breite Masse dazu getrieben, wieder bei den Aktien einsteigen. Die Krise kommt erst dann, wenn alle aufgesprungen sind!
der DAX für das Allgemeinwohl auch so aussagekräftig ist !
*GRINS*
der DAX für das Allgemeinwohl auch so aussagekräftig ist !
*GRINS*
Zum Thema Wirtschaftssystem wird viel zu wenig geschrieben. Der Fehler im Zinssystem muss aufgezeigt werden und in die Köpfe der breiten Bevölkerung hinein. Liebe Jornalisten, fangt damit an bevor das Diktat der Finanzoligarchie die Pressefreiheit ganz einstampft.
Unter Systemkritik habe ich anzubieten:
Andreas Hopp: Er erklärt ziemlich gut wieso das Zinssystem die Ursache (fast) allen Übels ist, und hat auch eine Alternative Parat.
Alternatives Gendsystem: Silvio Gesell, das Modell gibt es schon lange und hat in östereich auch funktioniert, bis es verboten wurde.
Bernd Senf, Dirk Müller (auch recht bekannt in den Mainstream Medien)
"Bis heute ist es nicht gelungen, die entstandene Ratlosigkeit zu überwinden."
Man muss nicht gleich die Systemfrage stellen, wie die Kritiker der Occoupy-Bewegung dieser absichtlich fälschlicherweise unterstellen.
Ein Spitzensteuersatz von 90 %, wie in den USA der 1950-ziger Jahre oder von bis zu über 90 % in UK bis in die 1970-ziger wäre schon mal eine Anfang.
Ratlosigkeit in der Krise.
Ratlosigkeit vor der Krise.
Ratlosigkeit nach der Krise.
Ratlosigkeit bei den Geschröpften.
Der Rat der Krise lacht vergnüglich und verdient.
[...]
gms
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/vn
Man muss den Eindruck gewinnen, dass die wichtigste Aufgabe der Polit- und Finanzmarktakteure trotz der aktuell weiter anhaltenden Krise darin besteht, eine beschauliche Erzählung zu etablieren. Eine Erzählung nämlich, die die Schuld für den Zusammenbruch nicht dem globalen Finanzsystem als solchem zuschreibt, sondern lediglich sekundären, zufälligen Abweichungen vom ursprünglichen Plan. Leider besteht die Gefahr, dass sich diese Story am Ende durchsetzt. Sie wird uns aber nicht aufwecken, sondern es uns bestenfalls ermöglichen, weiter zu träumen.
http://pinkepinke-ab2daet...
Gestern lief im TV eine aufschlussreiche Sendung zum Thema
"Dilettantismus".
Haben wir diese Krise Dilettanten zu verdanken, die im Grunde nicht viel von ihrem Bereich verstehen, aber so tun als ob?
Die Tatsache, dass sich die Machtträger dieser Welt weitesgehend von den Finanzmärkten zu Entscheidungsempfängern haben degradieren lassen, bestätigt die These. Letztendlich ist kein Politiker in der Lage umfassend zu erklären, was das eigentliche Problem ist. Ohne aber die Ursachen zu kennen, kann man eine Krise nicht wirklich und wirksam beheben.
Viele Politiker verhalten sich so gesehen dilattantisch.
Aber nicht nur sie selber. Die allgemeine Aporie wurzelt auch im Unverständnis vieler Ökonomen, die diese Krise weder vorhergesehen haben noch jetzt so ehrlich sind, sich ihr Unverständnis einzugestehen.
Auch das, Kennzeichen des Dilattanten, zu glauben, man selbst mache eigentlich alles richtig, die Fehler lägen beim anderen. Die Unfähigkeit also, eigene Denkmuster zu hinterfragen.
Und darin treffen sich Politik und Ökonomie in ihrem Dilettantismus: Der Blick bleibt auf das eigene Feld beschränkt. Der Politiker denkt eigentlich immer nur an seine Neuwahl, der Ökonom rechnet mathematische Modelle durch, ohne die menschliche Komponente miteinzubeziehen.
"große Vermögen etwas Gutes, da man davon ausgeht, dass erst mit letzteren Investitionen möglich werden"
Eigentlich sollte der Kapitalmarkt dafür sorgen, dass Vermögenskonzentration für große Investitionen nicht nötig ist.
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