Golf von MexikoDrill, baby, drill!

Dutzende Bohrinseln sind in Betrieb, neue Fördergebiete vergeben, die Fischer halten nach der BP-Entschädigung still. Die größte US-Umweltkatastrophe scheint verdrängt.

Fischer am Golf von Mexiko

Fischer am Golf von Mexiko

Darauf haben sie in Louisiana seit 22 Monaten gewartet. Seit dem Tag, an dem es auf der Ölbohrinsel Deepwater Horizon draußen im Golf von Mexiko zur Explosion gekommen ist und das auslaufende Öl vielen Küstenbewohnern die Existenz raubte. Sie hofften auf Vergeltung oder wenigstens auf ein wenig Gerechtigkeit. Und auf Normalität.

Am späten Freitagabend schließlich kam die Nachricht: Die Kläger, rund 116.000 Fischer, Hotel- und Restaurantbesitzer, haben sich mit BP geeinigt. Rund 7,8 Milliarden Dollar wird der Konzern an Entschädigungen zahlen.
Für das Unternehmen ist das Thema damit abgeschlossen, man will nach vorne blicken. Für das abgelaufene Quartal stand ein Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar in den Büchern, die Dividende für die Aktionäre hat BP um 14 Prozent erhöht. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Konzern-Chef Bob Dudley und verspricht den Anteilseignern, künftig noch tiefer zu bohren und die Präsenz im Golf von Mexiko auszubauen.

Tatsächlich ist draußen vor der Küste die Erinnerung an die größte Katastrophe in der Geschichte des Landes bereits verblasst. 39 Bohrinseln sind inzwischen wieder in Betrieb – nur 13 weniger als zu besten Zeiten. Auch die Zahl der neu erteilten Bohrlizenzen ist fast auf altem Niveau. Zwischen dem 28. Februar 2011, als die erste Lizenz nach der Explosion vergeben wurde, und dem 27. Februar 2012 hat die zuständige Behörde 61 neue Bohrungen in Tiefseegewässern genehmigt. In den zwölf Monaten vor dem Unglück waren es nur sieben mehr.

Umweltschützer warnen vor steigenden Risiken

Und Washington treibt das Geschäft mit den Tiefseebohrungen weiter voran. Mitte Dezember versteigerte die Regierung zum ersten Mal seit dem Unglück neue Gebiete zur Gewinnung von Öl, mehrere Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie South Carolina. Auch BP war mit von der Partie: Für über 27 Millionen Dollar erwarb der Konzern Parzellen im Golf. Eine weitere Auktion ist für das Frühjahr angesetzt.

Der Ölkonzern Shell steckt unterdessen Milliarden in die Vorbereitung von Bohrungen in der Arktis und ist optimistisch, noch im Sommer mit den Bohrungen beginnen zu können – obwohl Umweltexperten vor den Gefahren warnen, die das Bohren in eisbedeckten Gebieten mit sich bringt.

"Überhaupt nichts hat sich geändert", sagt Paul Orr, Leiter der Umweltorganisation Louisiana Environmental Action Network, angesichts dieser Entwicklung. Die Bohrungen würden tiefer und tiefer, damit steige das Risiko einer neuen Katastrophe. Jeden Tag, ist sich der Umweltschützer sicher, gebe es draußen vor der Küste kleinere Lecks, durch die Öl ins Meer fließe. Die Regierung spiele mit dem Feuer, niemand schaue genau genug hin.

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Die Behörden widersprechen. "Die neuen Regeln haben das Geschäft sicherer gemacht", heißt es von der Ocean Energy Management, Regulation and Enforcement, das für die Vergabe der Bohrlizenzen zuständig ist.
Tatsächlich hat sich zumindest auf dem Papier viel getan. Die Konzerne müssen strengere Auflagen bei der Beantragung neuer Bohrlizenzen und beim Bau der Bohrlöcher erfüllen. Nur, wenn sie nachweisen, dass sie für einen eventuellen Notfall gerüstet sind, bekommen sie den Zuschlag. Die Kontrollen wurden verschärft, das Personal der chronisch unterversorgten Behörde aufgestockt, das Budget erhöht. 

Leserkommentare
  1. Sehenswerte Arte Doku zum Thema:

    Profit um jeden Preis: Die BP-Story

    http://www.arte.tv/de/396...

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  2. Die Gier des Menschen hat keine Grenzen bis er eines Tages im eigenen Schlamm erstickt!

    Eine Leserempfehlung
  3. BP und die anderen können bohren, soviel sie wollen. Dadurch werden sie auch nicht schneller mehr neues Öl finden :p
    Das einzige, was sie erreichen, ist, die vorhandenen Reserven noch schneller wegzublasen.

    >>Profit um jeden Preis: Die BP-Story<<

    Ja, kann man weiterempfehlen. 'Das Öl ist verschwunden' - das ist so herrlich idiotisch :D
    Klar verdunsten die leichten Bestandteile, die schweren sinken auf den Meeresboden. Zwei Jahre nach dem Desaster ist das Rohöl kein Rohöl mehr. Aber ist es deswegen verschwunden oder unschädlich?

    Nichtmal die amerikanischen BILD-Leser glauben so einen Scheiß, dazu muß man wahrscheinlich Konzernchef bei den Ölmultis sein. Mein persönlicher Tip: bei der nächsten Katastrophe (dann wahrscheinlich vor Brasilien, auf 6000m oder so) die Herren Manager über dem ölverklebtem Meer abwerfen, dann kann ihre eigene Medizin sie heilen.
    Die spinnen, die Römer !

    4 Leserempfehlungen
  4. "Erst wenn die letzte Quelle versiegt- und der letzte Baum verdorrt ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht trinken kann."

  5. giesst Talgkerzen, ihr Gutmenschen, alles starke Maenner hier die hunderte Kilometer am Tag laufen

  6. Vorbei und verdrängt, aber eben nur wenn man weit genug entfernt ist.
    Empfehle: http://www.taz.de/Folgen-der-lkatastrophe-in-Louisiana/!88954/

  7. Treibstoffindustrie ermöglichte, in Deutschland die
    absolute Marktdominanz zu bekommen, zahlt der deutsche
    Kleinmobilitätsnachfrager jetzt über die Apotheken
    in den Schatten stellenden Preise
    an deutschen Zapfsäulen nicht nur, über die
    im Weltmaßstab völlig überhöhten Steuern auf Öl basierte
    Treibstoffe, für allen möglichen
    nutzenlosen Humbug unserer eigenen Regierung, sondern
    auch noch die, im Opfer privilegierenden US-Justizsystem erstrittene, überzogene Entschädigung, die einer erzwungenen Strukturförderung durch den Kapitalstaubsauger Öl-Multi gleich kommt.
    Und dabei sollen noch Zivilprozesse mit noch höheren
    Schadenssummationen folgen.

    Dazu die deutsche Politik jeder Couleur, die seit Jahren
    darauf zielt, daß nur noch "Kader" mit ihren, durch Unternehmen geleasten Fahrzeugen nebst Benzinkarten, sowie recht wohlhabende Zeitgenossen in den Genuß selbstbestimmter Mobilität
    kommen brauchen. Für den Rest übersubventioniert man ja schließlich ungefragt den ÖPNV. Und bei neuen Konzepten
    steht auch nicht die Versorgung mit günstiger Massenmobilität, wie beim VW käfer im Focus, sondern
    die Erteilung von Abzocklizenzen an Kollektive.

  8. sagte ein Meeresgetierfischer vom Golf, daß der Absatz
    immer noch 40% unter Vorölpestniveau sei, weil die Kunden das Vertrauen verloren hätten. Gleichzeitig beklagte er die hohen Treibstoffpreise für sein Fischerboot.
    Es ist doch nicht das Problem von BP, daß die Kunden
    die Tatsache, daß längst wieder einwandfreie Meerestiere aus dem Golf gezogen werden, nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Vielleicht haben die Leute wegen der hohen Treibstoffpreise, wo die Nachfrage ja bekanntermaßen recht unelastisch ist, auch weniger Geld über, um sich gesunde und teure Nahrung aus dem Meer zu gönnen ?

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