Seltene ErdenKampf um Chinas Rohstoffe eskaliert

EU, Japan und die USA verklagen China bei der Welthandelsorganisation. Das Land hatte den Export Seltener Erden beschränkt. Der Rohstoff wird weltweit gebraucht. von afp, dpa und reuters

Die EU , die USA und Japan haben die Exportrestriktionen für seltene Metalle aus China vor die Welthandelsorganisation gebracht. Die EU beantrage ein Schlichtungsverfahren zu den Restriktionen Chinas bei der Ausfuhr der sogenannten Seltenen Erden, sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht . Mit Exportquoten, Zöllen und Mindestpreisen benachteilige China die Abnehmer weltweit und verstoße damit gegen seinen Beitrittsvertrag zur Welthandelsorganisation. "Diese Maßnahmen schaden Produzenten und Verbrauchern in der EU und in der ganzen Welt", sagte De Gucht.

Die Seltenen Erden wie Scandium, Lanthan oder Promethium werden unter anderem für die Auto- und Kommunikationsindustrie gebraucht . China hatte ihren Export beschränkt, hat aber faktisch eine Monopolstellung als Lieferant. Verarbeiter warnen seither vor den Folgen des Engpasses auf dem Weltmarkt. Auch gegen Benachteiligungen bei den für die Stahlindustrie wichtigen Metallen Wolfram und Molybdän geht die EU bei der Handelsorganisation vor.

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Erst im Januar hatte die Handelsorganisation die chinesischen Ausfuhrrestriktionen bei einigen Spezialrohstoffen für illegal erklärt. China verteidigte sich in einer ersten Reaktion auf die Klage, solche Ausfuhrbeschränkungen seien zulässig, wenn sie gleichzeitig mit einer Verringerung der heimischen Produktion und des Verbrauchs im Land einhergingen.

Grundstoff

Seltene Erden sind metallische Grundstoffe. Im Periodensystem sind es 17 Elemente, darunter Scandium, Yttrium und Lanthan. Sie haben außergewöhnliche Eigenschaften und gelten als unentbehrlich etwa für Metalllegierungen und Spezialgläser. In vielen Schlüsseltechnologien spielen sie eine wichtige Rolle. Die Bandbreite ihrer Verwendung reicht von Batterien über Mobiltelefone, Laser, Flachbildschirme bis hin zu Luftwaffensystemen. Auch für die Herstellung von Hybrid-Fahrzeugen sind die Rohstoffe unverzichtbar.

Geschichte

Entdeckt wurden sie Ende des 18. Jahrhunderts in Schweden. Sie kamen in seltenen Mineralien vor und wurden als Oxide (Sauerstoffverbindungen, früher auch "Erden" genannt) isoliert. Daher stammt der Begriff Seltene Erden. 97 Prozent dieser Spezialrohstoffe auf dem Weltmarkt stammen aus China, das die Ausfuhr nach Japan mittlerweile praktisch eingestellt hat. Auch Unternehmen in der Europäischen Union sowie in den USA sind betroffen.

China diskriminiere ausländische Unternehmen nicht, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhuain einem Kommentar und deutete Gegenmaßnahmen an. "Angesichts derart unangemessener und ungerechter Vorwürfe wird China nicht zögern, seine legitimen Rechte in Handelsfragen zu verteidigen", hieß es.

Neue Vorkommen entdeckt

Die Bitte um eine Beratung in dem Streit ist der Auftakt zu einem Schlichtungsverfahren, das mit einem Schiedsspruch der Organisation enden kann. Vor dem Antrag warteten die USA und die EU zunächst den Ausgang eines anderen Handelsverfahrens gegen China ab. Die Volksrepublik hatte zuletzt im Rohstoffstreit mit großen Industrieländern vor der WTO erneut eine Niederlage eingesteckt. Die Organisation bestätigte ein früheres Urteil, das China Exportbeschränkungen für begehrte Rohstoffe wie Zink oder Magnesium untersagt. China hatte gegen den ersten Beschluss Berufung eingelegt.

Vergangenes Jahr entdeckten japanische Forscher im Pazifik Vorkommen der seltenen Metalle . Der Fund könnte das Monopol Chinas infrage stellen. In Australien und weiteren Ländern wird derzeit versucht, die Förderung Seltener Erden selbst stärker voranzutreiben. Es dürfte aber noch etwa ein Jahrzehnt dauern, bis Vorkommen der Mineralien neu erschlossen werden können.

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Leserkommentare
  1. Verlängerung der Produktlebenszeit,
    Effizientes Recycling,
    Urban Mining

    ansonsten auch mal gerne Verzicht.

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    Die Ignoranz einiger Foristen ist schon spektakulaer...diese seltenen Erden (Neodym als Stichwort) werden unter anderem auch gebraucht fuer Elektromotoren und in Generatoren fuer Windturbinen...Die Leute, die sich hier beschweren, sind genau diejenigen, die mehr alternative Energien wie Windkraft fordern und auf umweltvertraegliche Mobilitaet wie Elektroautos pochen...aber ja, dann faehrt man halt noch etwas laenger mit der gleichen Spritlaube rum und wir schalten die Atommeiler wieder an...

    Hier ist eigentlich schon alles genannt und das in sowenigen Worten! Toller Kommentar!

    Wer sie "geplante Obsoleszens auf die Fahnen schreibt, wer "Wachstum" mit "Versorgung" verwechselt (letzteres brauchen wir, ersteres nicht), wer für den Mülleimer produziert anstatt einheitliche Schnittstellen von anfang an zu produzieren (letztlich brauchen wir nur einen neuen CPU und einen neuen Grafikchip - jedes Jahr, der Rest wird dennoch ständig erneuert), der darf sich nicht wundern wenn die Rohstoffe knapp werden. Aber das sieht der Ökonom nicht vor! Für die Wirtschaft die nicht Versorgung sondern Wachstum anstrebt sind Rohstoffe auf diesem Planeten unbegrenzt - sonst geht die Rechnung nicht auf (und sie geht nicht auf!)
    Liebes China,
    sei clever und behalte deine wertvollen Rohstoffe, damit WIR entlich lernen!

  2. Der Abbau wurde in den USA und der EU, wo es Vorkommen gibt, wegen Bedenken der Umweltverträglichkeit eingestellt.
    Auf die Art wie in China diese Erden abgebaut werden sollten EU, USA und China ein Abbau-Stopp in China fordern.

  3. ... machen etwas, was die guten Amerikaner, Japaner und Europäer nie tun würden, wenn sie in dieser Situation wären. Wer es glaubt. Man sieht sich im Leben halt häufig mehr als einmal. Noch bedauerlicher für uns ist aber, dass wir nicht mehr von Politikern und schon gar nicht von Staatsmännern vertreten werden, sondern nur noch von Populisten. Mit Menschen ohne Überzeugung und Haltung ist auf dem internationalen Terrain nichts zu gewinnen.

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    ...bin gespannt ob und wie die Chinesen auf die Vorwürfe reagieren. Nachdem der gesamte Westen so dämlich war große Teile seiner Produktion nach China zu verlagern, dürfte klar sein, wer am längeren Hebel sitzt.

    Und letztlich exportiert China die seltenen Erden ohnehin, aber eben bereits verbaut in Elektronik-Schnickschnack.

    "Noch bedauerlicher für uns ist aber, dass wir nicht mehr von Politikern und schon gar nicht von Staatsmännern vertreten werden, sondern nur noch von Populisten."

    "Die Politiker von heute hängen an den Strippen der Interessenverbände und hampeln uns auf der Berliner Puppenkiste Demokratie vor" (G. Schramm)

    Sie denken nur, dass das Populisten sind - in Wahrheit sind es Statisten und manchmal rutscht einem dieser Statisten das dann auch mal raus:

    http://www.youtube.com/wa...

  4. Boah eh! Wo ist das Problem?

    Vor hundert Jahren hätte man locker darauf 'ne Antwort gehabt: Schickt ein paar Kanonenboote - und gut is'!

    Die Bundeswehr hat ja mittlerweile Übung in Außenverteidigung. Heute Hindukusch morgen Peking...

    Bevor sich einer aufregt: Der vorletzte Bundespräsident ist auch gegangen weil er zugegeben hat, dass Deutschland legitimerweise seine Wirtschaftsinteressen verteidigen muss.

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    Ich glaube wohl kaum das eine Armee,einer anderen Nation, in China auch nur den Hauch einer Chanse hätte diese zu zwingen
    Ausfuhrbeschränkungen zu unterbinden.
    China baut an eigenen Flugzeugträgern-Atomwaffen besitzen sie ohnehin -Schlachtschiffe sowieso und offiziell haben sie 2,3 Millionen Soldaten unter Waffen.zum vergleich:Lettland hat 2.274.735 Einwohner.
    Die gesamte Chinesische Armee ist ein eigener Staat sozusagen,
    Ein alter Grenzstreit zwischen Russland und China zur Zeit der Sowjetunion wurde von seitens Russland immer sehr zurückhaltend beantwortet,warum wohl? niemand würde sich mit China millitärisch anlegen wollen auch nicht die USA.
    China ist ohnehin in nicht allzuweiter Zukunft die weltmacht Nr.1

  5. Die EU und ihre Vorgänger, sprich die Briten, Spanier, Franzosen etc., in gewisser Weise auch die Deutschen, hatten seit 1492 Zeit, die internationalen Handelsbeziehungen einigermassen frei von Machtinteressen zu gestalten. Dies haben sie nicht getan, sondern die restliche Welt über die Jahrhunderte mit Schutzzöllen und Handelsschranken schickaniert und gnadenlos ausgebeutet, notfalls mit Waffengewalt.
    Die USA. Führen heute und ganz aktuell einen Krieg nach dem anderen in Ölstaaten, um auch die letzten nicht-US-dominierten Reserven in ihre Gewalt zu bringen.

    Und dieser Club beschwert sich über zu hohe Rohstoffpreise. Ich fass es nicht.

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    ...ist auch nur eine Waffe des Großkapitals, nebst IWF und Weltbank. Ziel ist nicht etwa die Hebung des Wohlstandes, sondern ein ganz klar neoliberales Szenario:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Zitat: "Ziel der WTO ist der Abbau von Handelshemmnissen und somit die Liberalisierung des internationalen Handels mit dem weiterführenden Ziel des internationalen Freihandels."

    Sie ist eine dieser Organisationen die zwar von Nationalstaaten gegründet wurden, die aber faktisch keiner demokratischen Kontrolle mehr unterliegen (ähnlich der EU). Sie SCHAFFT die Sachzwänge die man hier gemeinhin mit "Globalisierung" umschreibt. Sie ist eine der Triebfedern.

    Apropro EU, wir können noch froh sein, dass es NUR die WTO gibt und nicht das MAI, wie mal geplant:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Auch wenn die Kommission und unsere *Elite* das zumindest in Europa umzusetzen trachtet. Hätte es das gegeben, wären wir noch einen Schritt weiter in Richtung Finanzdiktatur und Race to the bottom.

    • IQ130
    • 13. März 2012 14:05 Uhr

    Tatsächlich hilft ein wenig Verzicht. Es muss nicht das Dritt-Handy sein. Den Laptop ein Jahr länger benutzen.
    DAS ist ökologisch!

    Ganz einfach.

  6. Verarbeiter warnen seither vor den Folgen des Engpasses auf dem Weltmarkt.

    Da müssen sich die Verarbeiter mal fragen lassen, was sie in den vergangenen 80ig Jahren bezüglich eines wirklichen Recyclings getan haben. Und warum Chemiker und Physiker sich mit irgendwelchem Killefitz beschäftigen müssen, anstelle wirkliche Forschung und Entwicklung betreiben zu dürfen.

    Sobald man in den Vorständen der Firmen aufräumt und die unproduktiven BWLer rausschmeißt und durch Physiker, Chemiker und Ingenieure ersetzt, läuft der Laden auch wieder. Nicht umsonst sind die von Physikern, Chemikern und Ingenieuren geführten Firmen Weltspitze. Da braucht es eben wieder Firmen, die über Zeiträume von 10-20-30 Jahren planen.

    • 327hs
    • 13. März 2012 14:18 Uhr

    In diese Situation hat sich die gesamte westliche Welt selbst hineinmanövriert. Eine frühzeite Lagesondierung und Aufklärung hätte die Bedeutung dieser Rohstoffe erkennen lassen sollen. Dann hätte die USA, Kanada oder Australien jtzt nicht solche massiven Probleme, ihre bereits stillgelegten Abbaustätten wieder in Betrieb zu nehmen. In diesem Sinne kann ich mich den Vorrednern nur anschließen. Verantwortungsbewusster Umgang mit Rohstoffen und Produkten. Ist es richtig, dass ich mir als iPhone 4-Bestitzer in diesem Jahr das iPhone 5 kaufen muss? Natürlich steht es jedem frei, selbst darüber zu entscheiden. Aber bitte nicht jammern, wenn die Rohstoffpreise steigen. Konsumverzicht senkt Preise!

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    Ein vielleicht etwas banaler Kommentar:
    Zu den Seltenenen Erden (Lanthanide, neudeutsch Lamthanoide) gehören 14 Chemische Elemente, unter denen sich von den im Artikel erwähnten lediglich Promethium befindet. Scandium gehört jedenfalls nicht dazu, Lanthan allenfalls als Namensgeber. Beide gehören zur 3.Nebengruppe im Periodischen Sytem der Elemente, gemeinsam mit Yttrium und Actinium (ab dem sich 14 den Lanthaniden ähnliche Elemente, die Actiniden ableiten, von denen die meisten Isotope radioaktiv sind).

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Europäische Union | China | WTO | WTO | Metall | Nachrichtenagentur
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