FinanzministerEuro-Zone erweitert Rettungsfonds auf 800 Milliarden

Frankreich hatte mehr gefordert, Berlin wollte weniger. Nun haben sich die Finanzminister auf 800 Milliarden Euro zum Schutz gegen eine Ausweitung der Krise geeinigt. von afp und dpa

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Minister Jean-Claude Juncker, im Gespräch mit Irlands Finanzminister Michael Noonan

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Minister Jean-Claude Juncker, im Gespräch mit Irlands Finanzminister Michael Noonan  |  © Keld Navntoft/AFP/Getty Images

Die Euro-Länder weiten den Rettungsmechanismus gegen die Währungskrise auf über 800 Milliarden Euro aus. Das beschlossen die Finanzminister bei ihrem Treffen in Kopenhagen nach Angaben der österreichischen Ressortchefin Maria Fekter . Der ESM hatte nach bisherigen Vereinbarungen einen Umfang von 500 Milliarden Euro.

Der permanente Rettungsmechanismus ESM soll den bisherigen Rettungsfonds EFSF ablösen. Eine Zeit lang sollen die beiden Instrumente parallel nebeneinander bestehen. Die bereits bestehenden 200 Milliarden Euro an Krisenhilfen aus dem EFSF bekommen weitere 500 Milliarden aus dem ESM. Fekter zählte dann noch rund 100 Milliarden Euro an bilateralen Hilfskrediten an Griechenland und Hilfsgelder aus EU-Töpfen hinzu.

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Die Ministerin äußerte sich zuversichtlich, dass die Beschlüsse an den Finanzmärkten für Beruhigung sorgen. "Die Märkte signalisieren bereits relative Ruhe. Damit kann man erkennen, dass sie mit dem umgehen können, was wir hier aufgestellt haben", sagte Fekter.

Gesamte Einzahlung in ESM bis Mitte 2013

Die Ministerin erklärte weiter, dass die Einzahlung der gesamten Tranchen in den ESM bis Mitte 2013 erwartet werde und solange beide Mechanismen nebeneinander bestehen sollen. Der ESM tritt im Sommer im Kraft, erreicht aber erst später seine volle Ausleihkraft von 500 Milliarden Euro, da ein Barkapital von insgesamt 80 Milliarden Euro in mehreren Tranchen von den Euro-Ländern überwiesen wird.

Die Bundesregierung konkretisierte, dass die Summe von 800 Milliarden Euro keine erneute Ausweitung der Rettungsfonds darstelle. Es handele sich um die in den vergangenen Tagen festgelegte Position der Bundesregierung, die eine vorübergehend höhere Summe der kombinierten Rettungsschirme betreffe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Allerdings war in der  Diskussion die Summe von 700 Milliarden Euro genannt worden.

Juncker verärgert über Fekter

Verstimmungen gab es in der Euro-Gruppe darüber, dass die österreichische Ressortchefin Fekter die mit Spannung erwartete Entscheidung vorab vor Journalisten verkündete. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte eine Pressekonferenz offenbar aus Verärgerung über Fekter ab. "Juncker ist sauer", sagte ein Diplomat gegenüber der Nachrichtenagentur AFP . Offiziell wurden jedoch Zeitgründe für die Absage genannt. Normalerweise ist es die Aufgabe Junckers, die Entscheidungen des Gremiums zu verkünden und zu erläutern.

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Leserkommentare
  1. ...dass bis Ende das Jahres das Teil auf eine Billionen erhöht wird. Das ist gut für die Bildung, denn dann weiss wenigstens jeder, dass nach Milliarden Billionen folgen.

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    taktik letztlich immer Erfolg hat.
    Ganz gleich, wie drastisch die Zäsur, die man zu setzen gedenkt auch anmuten mag, serviert man sie in Scheiben, schluckt der Gegner, ganz gleich ob nun Bürger oder Politiker, schlicht und erfreifend immer.

    Ich halte auch eine Wette, nämlich, daß Schäuble (oder jeder andere Finanzminister) 2016 keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen wird.
    Natürlch wird das an "nicht zu kalkulierenden internationalen Ereignissen" liegen.
    Einsatz ist mein Monatsgehalt von ca. 1100 €
    Gruß Ironpolem

    schon lustig dass Jedermann nurnoch darüber witzelt, aber das scheint ein Notsituationsfunktion des Gehirns zu sein. Würde man das ganze nicht mit Humor nehmen können, wäre man schon längst durchgedreht. So hat man wenigstens Unterhaltung für sein Geld.

  2. dann sollte man unbedingt alternativlos diesen Rettungsschirm aufstocken!
    Es werden Wetten angenommen!
    Es steht mir bis zum Hals :
    - keine Haftung für andere Eurostaaten
    - eine einmalige Rettungsaktion für Griechenland
    - keine weiter Erhöhung Deutscher Bürgschaften
    - Unabhaengigkeit der EZB
    ...........
    Wer will es jemandem verübeln der Steuern hinterzieht wenn das Geld derartig verantwortungslos in Ausland transferiert wird ?

  3. Der Staat, der Aufstockungen fordert, sollte den Löwenanteil der Aufstockung selbst tragen. Da wäre schnell Ruhe im Karton.

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    Wenn die Forderungen des ESM-Gouverneursrates - für uns wird das Schäuble sein - gegen die Mitgliedstaaten von einem, oder mehreren Ländern nicht erfüllt werden (binnen 7 Tagen) wird die Ausfallsumme auf die zahlungswilligen/fähigen Staaten umgelegt!

    Unfassbar!

    das war auch schon mein Vorschlag zu Eurobods - bitte - alle Staaten die diese nützlich finden mögen sie auflegen!

  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und beachten, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/ls

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    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

  5. taktik letztlich immer Erfolg hat.
    Ganz gleich, wie drastisch die Zäsur, die man zu setzen gedenkt auch anmuten mag, serviert man sie in Scheiben, schluckt der Gegner, ganz gleich ob nun Bürger oder Politiker, schlicht und erfreifend immer.

    Antwort auf "Ich wette..."
  6. Wenn die Forderungen des ESM-Gouverneursrates - für uns wird das Schäuble sein - gegen die Mitgliedstaaten von einem, oder mehreren Ländern nicht erfüllt werden (binnen 7 Tagen) wird die Ausfallsumme auf die zahlungswilligen/fähigen Staaten umgelegt!

    Unfassbar!

    Antwort auf "Mein Vorschlag"
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    Widerspruch und Klage ausgeschlossen.

  7. Widerspruch und Klage ausgeschlossen.

    Antwort auf "Lesen Sie den ESM."
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    Entfernt. Verzichten Sie bitte auf Unterstellungen. Die Redaktion/kvk

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Jean-Claude Juncker | Maria Fekter | Bundesregierung | AFP | ESM | Euro
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