ZEIT ONLINE: Herr Chatzipanagiotidis, Sie haben am Montag morgen einen LKW auf die Reise nach Griechenland geschickt. Was haben Sie aufgeladen?

Niko Chatzipanagiotidis: Reis, Nudeln, Mehl, Speiseöl, Fischkonserven, Zahnpasta, Seife, Shampoo – alles was zum Leben wichtig ist. Insgesamt rund 4,5 Tonnen, die Bürger aus Heiligenhafen gespendet haben. Dazu kommen noch Hilfsgüter, die die orthodoxe Kirchengemeinde in Frankfurt gesammelt hat.

ZEIT ONLINE: An wen werden Sie die Sachen dort verteilen?

Chatzipanagiotidis: Mit der Organisation Ärzte der Welt und einem Priester auf Chalkidiki werden wir die Lebensmittel direkt an Griechen verteilen, die kein Geld mehr für diese Dinge haben. 

ZEIT ONLINE: Ist die Lage dort schon so schlimm, dass sich die Menschen keine warme Mahlzeit und keine Zahnpasta mehr leisten können?

Chatzipanagiotidis: Es ist schlimm und es wird vor allem von Tag zu Tag schlimmer. Ich telefoniere täglich mit Menschen in Griechenland. Zum Teil müssen Eltern ihre Kinder in Heime abgeben, weil sie sie nicht mehr ernähren können. Arbeitslosengeld gibt es in Griechenland nur ein Jahr und es wurde im Zuge der Sparprogramme noch einmal gekürzt. Nach einem Jahr ist man in Griechenland komplett auf sich allein gestellt. Dazu kommt, dass Dinge des täglichen Lebens dort zum Teil deutlich teurer sind als hier in Deutschland. Das macht die Situation für viele so bedrohlich.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Hilfstransport nach Griechenland zu organisieren?

Chatzipanagiotidis: Ich bin jedes Jahr in Griechenland und habe in den vergangenen zwei Jahren beobachtet, wie sich die Situation dort rapide verschlechtert hat. Vor knapp vier Wochen habe ich mich dann mit einigen Freunden bei mir im Restaurant zusammen gesetzt und wir haben beschlossen, einen Hilfstransport zu organisieren.

ZEIT ONLINE: War es schwer, die Menschen in Heiligenhafen zum Spenden für Griechenland zu überzeugen, immerhin werden dort inzwischen deutsche Fahnen verbrannt?

Chatzipanagiotidis: Bei einigen musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Bilder aus Griechenland mit den brennenden Deutschland-Fahnen hat natürlich jeder gesehen. Dabei war das nur ein kleiner Teil der Demonstranten. Der Großteil der Griechen hat friedlich protestiert und empfindet auch keinen Hass auf Deutschland.

ZEIT ONLINE: Trotzdem hat der deutsche Bundestag ja gerade wieder milliardenschwere Hilfen für Griechenland beschlossen. Verstehen die Menschen, dass noch mehr Hilfe nötig ist?

Chatzipanagiotidis: Dieses Argument habe ich oft gehört. Nach dem Motto: Die kriegen doch schon Milliarden von uns. Aber von dem Geld aus den Hilfspaketen sehen die normalen Griechen nichts.