SchuldenschnittAnlegerschützer drohen Athen mit Klage

Griechenland muss mit einer Klage der deutschen Kleinanleger rechnen. Sie wollen sich nicht zwingen lassen, auf ihre Schulden zu verzichten. Dies verstoße gegen EU-Recht.

Ein Mann auf der Börse in Athen

Ein Mann auf der Börse in Athen

Deutsche Kleinanlegervertreter drohen der griechische Regierung wegen des milliardenschweren Schuldenschnitts mit einer Klage. Die nachträgliche Einführung von Zwangsumschuldungsklauseln verstoße gegen EU-Recht, sagte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Daniel Bauer, im Deutschlandfunk. "Wir werden jetzt rechtliche Maßnahmen ergreifen."

Ziel sei es, dass zumindest die Kleinanleger 100 Prozent ihrer Forderungen zurückerhielten. "Es gibt Beispiele in anderen Ländern, die haben gezeigt, dass hier vor allem Hedgefonds gerichtlich erfolgreich waren." Insbesondere die Kleinanleger mit kurzfristigen Anleihen seien von der historischen Umschuldung betroffen. Sie müssten ihre Papiere in Bonds mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren tauschen, aber viele von ihnen würden aus Altersgründen die Fälligkeit kaum noch erleben.

Anzeige

Auch seien die Privatgläubiger beispielsweise gegenüber der Europäischen Zentralbank benachteiligt worden, sagte der SdK-Vorstand. Denn die EZB müsse ihre griechischen Anleihen nicht umtauschen, da die Papiere zuvor einfach umbenannt worden seien. Zudem sei in Griechenland im Gespräch, die heimischen Kleinanleger besser zu stellen. Aber auch bei einer Staatspleite dürfe man Rechtsgrundsätze nicht verletzen, sagte Bauer.

Die meisten Privatgläubiger Griechenlands hatten bis Fristende am Donnerstag dem freiwilligen Schuldenschnitt zugestimmt. Damit konnte das Land den nächsten Finanzhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds den Weg ebnen.

IWF will 28-Milliarden-Euro-Kredit für Griechenland vorschlagen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde erklärte am Freitag, sie habe sich nach Gesprächen mit der griechischen Regierung mit der IWF-Leitung darauf verständigt, einen Kredit in Höhe von 28 Milliarden für Griechenlands "ehrgeiziges Wirtschaftsprogramm" in den kommenden vier Jahren zu empfehlen. So wird der IWF den Mitgliedsstaaten einen neuen Kredit für Griechenland vorschlagen. Eine Entscheidung im IWF-Vorstand soll am Donnerstag fallen. Bislang war eine Kreditsumme von 23 Milliarden Euro vorgesehen.

"Die Wettbewerbsfähigkeit und eine tragfähige finanzielle Position wiederherzustellen, erfordert von Griechenland nachhaltige und tiefe strukturelle Reformen über einen längeren Zeitraum durchzuführen", sagte Lagarde weiter. Ihre Entscheidung, dem krisengeschüttelten Land über einen ausgedehnten Zeitraum "substanzielle finanzielle Unterstützung" gewähren zu wollen, sei angesichts dieser großen Herausforderung angemessen.

 
Leserkommentare
  1. Denn Schuldner sind nicht gleich Schuldner. Die griechische Regierung hat hierbei wieder getrickst, Großanleger sind nicht gleich Kleinanleger, dementsprechend ist der wirtschaftlich dadurch entstandene Schaden für die Volkswirtschaft auch unterschiedlich.

    Es ist traurig, aber die Zahl, dass 85% auf ihre Schulden verzichtet haben heißt gar nichts. Was ist, wenn ein Großteil der Schulden bei den verbliebenen 15% ist?

    Eine Leserempfehlung
  2. Hans Eichel hat öffentlich den Kauf griechischer Staatsanleihen empfohlen. Der sozialdemokratische Finanzherkules wird selbstverständlich und großzügig für die Verluste der Kleinanleger gerade stehen.

    4 Leserempfehlungen
  3. Haben die Kleinanleger Schulden bei den Griechen oder Forderungen?

    3 Leserempfehlungen
  4. Lustig, lustig

    Mich müsste man nicht zwingen auf meine Schulden zu verzichten. Das mache ich sogar ganz freiwillig ;)

    Ich gehe aber mal davon aus, dass Forderungen gemeint sind.

    MfG
    AoM

    3 Leserempfehlungen
  5. Hoffentlich kommen sie mit ihrer Klage nicht durch. Vielleicht haben sie es noch nicht ganz verstanden:

    "Insbesondere die Kleinanleger mit kurzfristigen Anleihen seien von der historischen Umschuldung betroffen"

    Wer kurzfristige Anleihen gekauft hat, tat dies als Griechenland in der Krise war.
    - Ein Ausfall der Zahlung war also ein Risiko, das gerne in Kauf genommen wurde.
    - Folglich hat er nicht 100% für die Anleihen bezahlt. Jetzt geht es nichtmal um einen Zahlungsausfall, sondern um gewisse Verluste!

    Und zu guter Letzt:
    Für die Kleinanleger geht's um entgangene Gewinne, für die andere Seite ums finanzielle Überleben.

    Herzlichst Severin

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt sicherlich nicht wenige Kleinanleger, die den Versicherungen der Politiker geglaubt haben und die Papiere gehalten, die sie zum Nennwert(!) gekauft haben. Diese Leute verlieren keineswegs "Gewinne", sondern schlicht ihr "Erspartes". Und nicht vergessen: Noch vor zwei Jahren haben uns alle Politiker und Banker erklärt, Griechenland wäre gerettet und es wäre unangemessen und illoyal, seine Staatsanleihen zu verkaufen!

    Und im Übrigen muss man eigentlich jeden "Spekulanten" loben: Nur die,die GEKAUFT haben, haben verhindert, dass der Kurs der Papiere noch viel stärker in den Keller ging.

    Es gibt sicherlich nicht wenige Kleinanleger, die den Versicherungen der Politiker geglaubt haben und die Papiere gehalten, die sie zum Nennwert(!) gekauft haben. Diese Leute verlieren keineswegs "Gewinne", sondern schlicht ihr "Erspartes". Und nicht vergessen: Noch vor zwei Jahren haben uns alle Politiker und Banker erklärt, Griechenland wäre gerettet und es wäre unangemessen und illoyal, seine Staatsanleihen zu verkaufen!

    Und im Übrigen muss man eigentlich jeden "Spekulanten" loben: Nur die,die GEKAUFT haben, haben verhindert, dass der Kurs der Papiere noch viel stärker in den Keller ging.

  6. ... kann die neuen Bonds jederzeit verkaufen,
    dafür gibts die Börse.

    Bis wann ist ein Kleinanleger eigentlich ein Kleinanleger?

    Für alle Beteiligte, außer für die Advokaten vielleicht, wäre es besser gewesen, wenn Griechenland ein geordnetes Insolvenzverfahren gewählt hätte.

    gms

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...der Kleinanleger, also sagen wir mal einer mit 10.000 Euro Nennwert, kann die keineswegs verkaufen. Dafür wird er schlicht zu wenige dieser Anleihen bekommen, um damit Handel treiben zu können. Bis auf den ESF Sicherungsschein sind die neuen "Wertpapiere" ohnehin nicht annähernd den neuen Nennwert wert, sonst wären ja 1000 Euro griechische Staatsanleihen, die ja in Zukunft zu 315 Euro + 150 Euro ESF Sicherungsschein umgetauscht werden sollen, nicht für 200(!) Euro zu haben gewesen. Durch die "Umschuldung" steigt also weder die Kreditwürdigkeit Griechenlands, noch sinkt die Verschuldung signifikant, denn GR bekommt ja vom Stabilitätsfond neue Kredite in enormer Höhe und hat auf eine Umschuldung der EZB Kredite verzichtet. Gerade letzteres sehe ich ausgesprochen kritisch.

    Die Nachträgliche Einführung der CAC ist außerdem schlicht Vertragsbruch, ganz unabhängig davon, ob man Verluste einkalkuliert oder nicht. Inhaltlich ist das ja nichts anderes als wenn sich z.B. ihre Lebensversicherung nach zehn Jahren überlegt den Abschlussvermittlern aus ihren Beiträgen nochmal eine zusätzliche Provision zu bezahlen, weil sonst die Vertreiber von der Fahne gehen. (und ja, nicht wenige Griechen haben direkt oder indirekt mit Staatsschulden für die Rente gespart).

    ...der Kleinanleger, also sagen wir mal einer mit 10.000 Euro Nennwert, kann die keineswegs verkaufen. Dafür wird er schlicht zu wenige dieser Anleihen bekommen, um damit Handel treiben zu können. Bis auf den ESF Sicherungsschein sind die neuen "Wertpapiere" ohnehin nicht annähernd den neuen Nennwert wert, sonst wären ja 1000 Euro griechische Staatsanleihen, die ja in Zukunft zu 315 Euro + 150 Euro ESF Sicherungsschein umgetauscht werden sollen, nicht für 200(!) Euro zu haben gewesen. Durch die "Umschuldung" steigt also weder die Kreditwürdigkeit Griechenlands, noch sinkt die Verschuldung signifikant, denn GR bekommt ja vom Stabilitätsfond neue Kredite in enormer Höhe und hat auf eine Umschuldung der EZB Kredite verzichtet. Gerade letzteres sehe ich ausgesprochen kritisch.

    Die Nachträgliche Einführung der CAC ist außerdem schlicht Vertragsbruch, ganz unabhängig davon, ob man Verluste einkalkuliert oder nicht. Inhaltlich ist das ja nichts anderes als wenn sich z.B. ihre Lebensversicherung nach zehn Jahren überlegt den Abschlussvermittlern aus ihren Beiträgen nochmal eine zusätzliche Provision zu bezahlen, weil sonst die Vertreiber von der Fahne gehen. (und ja, nicht wenige Griechen haben direkt oder indirekt mit Staatsschulden für die Rente gespart).

  7. Woher nehmen sie ihre Informationen, welcher Zeitraum mit 'kurzfristig' gemeint ist? Es muss sich nicht immer um Zeiten wie in den Staaten handeln in denen solche Papiere nur wenige Wochen halten. Für den griechischen Fall würden schon Papiere mit 5 Jahren Laufzeit genügen um vor der Kriese erworben worden zu sein.
    Auch geht es nicht zwangsläufig um entgangene Gewinne sondern entgangenes Erspartes. Werden die Papiere auf 30 Jahre verlängert kann sich ein Renter nur noch auf das Wissen stützen, daß seine Kinder dereinst wenn sie das Alter des ursprünglichen Anlegers erreichen, mal auf die Ersparnisse der Eltern zugreifen können. Gewinne hin oder her, das gesparte Geld ist für einen älteren Anleger schlicht weg. Quasi als würde ihr Girokonto eben in Termingeld umgewandelt.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gibt es wohl immernoch ein Paar Regeln, die hier gelten, so zu sagen das 1x1 der Kapitalwirtschaft.
    Jeder der nicht weiss, dass Rendite und Sicherheit nicht Hand in Hand gehen koennen in diesem System, sollte sich lieber davon fern halten sein Geld irgendwo anzulegen ausser seinem Sparbuch. Viel mehr wenn das auch noch "Erspartes" ist und kein Spielgeld...
    Wer bei so riskanten Papieren (und das sind Papiere mit 20% und mehr Rendite, wenn Banken fuers Tagesgeld schwerlich 2% Zinsen anbieten) denkt, dem stehen die Gewinne nur zu...der hat was verpasst und der tut mir auch nicht leid. Das ist business von der anderen Seite der Muenze

    gibt es wohl immernoch ein Paar Regeln, die hier gelten, so zu sagen das 1x1 der Kapitalwirtschaft.
    Jeder der nicht weiss, dass Rendite und Sicherheit nicht Hand in Hand gehen koennen in diesem System, sollte sich lieber davon fern halten sein Geld irgendwo anzulegen ausser seinem Sparbuch. Viel mehr wenn das auch noch "Erspartes" ist und kein Spielgeld...
    Wer bei so riskanten Papieren (und das sind Papiere mit 20% und mehr Rendite, wenn Banken fuers Tagesgeld schwerlich 2% Zinsen anbieten) denkt, dem stehen die Gewinne nur zu...der hat was verpasst und der tut mir auch nicht leid. Das ist business von der anderen Seite der Muenze

  8. 8. Zocken

    Pech gehabt, das gibt's auch :)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service