Steuerabkommen : Auf der Jagd nach den griechischen Milliarden

In der Schweiz sollen sich große griechische Vermögen befinden. Mit einem Steuerabkommen will Athen an das Geld kommen. Aber die Verhandlungen stocken.

Lavrentis Lavrentiadis stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Von der Unternehmensberatung Ernst & Young wurde der Waschmittelfabrikant 2005 zum Unternehmer des Jahres in Griechenland gekürt. "Ich fühle mich geehrt durch diesen angesehenen Preis", sagte der 34-Jährige. Sein Unternehmen Neochimiki sei eines "der am schnellsten wachsenden Firmen in Europa". Inzwischen ist der Vorzeigemanager vierzig und sein Ruf ruiniert. Lavrentiadis steht im Zentrum eines der größten Wirtschaftsskandale der griechischen Geschichte. Millionen an EU-Geldern soll er ins Ausland geschafft haben. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche wurden Mitte Februar bei dem Züricher Finanzdienstleister GHP Arbitrium drei Konten von Lavrentiadis mit einem Guthaben von insgesamt 160 Millionen Euro eingefroren.

Die Griechen schätzen die Schweiz nicht nur wegen der Berge, sondern auch wegen ihrer sicheren und anonymen Bankschließfächer. Doch die vermeintlich sicheren Konten der Schweizer Geldinstitute sollen nun geknackt werden – im Interesse der griechischen Regierung, die Steuergelder eintreiben will, aber auch Europas. "Reiche Griechen entziehen sich ihrer Steuerpflicht und ihrer Verantwortung für ihr Land und hinterziehen Steuern in Milliardenhöhe und transferieren diese auf Schweizer Banken", sagte Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor wenigen Tagen.

Keine schnelle Lösung in Sicht 

Jorgos Brouzos

Jorgos Brouzos, 32, schreibt seit 2008 für die Handelszeitung. Er studierte an der Universität Zürich Politikwissenschaft, Staatsrecht und Geschichte.
 

Vor rund einem Jahr versuchte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos erstmals, an die unversteuerten griechischen Vermögen zu kommen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen ordnete er eine Telefonkonferenz mit der Schweizer Ministerin Eveline Widmer-Schlumpf an. Das Gespräch soll sich vor allem um eine mögliche Abgeltungssteuer für unversteuerte griechische Vermögen gedreht haben. Griechenland will einen Steuerdeal nach deutschem Vorbild mit der Schweiz aushandeln. Der Steuersatz, mit dem unversteuertes griechisches Geld nachträglich legalisiert würde, könnte zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Im vergangenen Oktober gab es die ersten Gespräche. Seither findet ein reger Briefverkehr zwischen den zuständigen Ministerien in Bern und Athen statt. Das Abkommen ist in den Grundzügen bereits ausgehandelt.

Dennoch geht es derzeit nicht weiter voran. Weder die Griechen noch die Schweizer sträuben sich gegen den Deal – der Widerstand kommt aus Brüssel. Die EU-Kommission hat sich bereits kritisch zu den bestehenden Schweizer Steuerabkommen mit Deutschland und Großbritannien geäußert. Nach Ansicht der Kommission überschreiten die EU-Mitgliedsstaaten ihre Kompetenzen, wenn sie auf eigene Initiative bilaterale Übereinkünfte mit der Schweiz abschließen. 

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Warum macht die EU kein Steuerabkommen

mit der Schweiz.

Kleiner Hinweis, das die EU mal die Grenzen zur Schweiz zumachen könnte? Dazu gehört auch, Guthabenkonten in EU - Ländern von Landsleuten anderer Staaten, denen mitzuteilen!

Die anderen Steuerschlupflöcher in der Welt, können auch Geschlossen werden. Einschränkungen bei Handelsbeziehungen können Wunder bewirken!

Und das, zum Vorteil fast aller Staaten.

Richtig

Sie haben voellig recht, man koennte alle Steuerparadise relativ schnell mit sanftem Druck zwingen, Informationen ueber auslaendische Guthaben offenzulegen, ich fuerchte nur, dass daran nicht wirklich ein Interesse besteht, denn wir duerfen ja nicht vergessen, das auch die Politiker aller Staaten zu den Top 10% Verdienern gehoeren. Und wenn ich mich recht erinnere, wurden doch illegale Spendengelder im Zuge der CDU Spendenaffaere entdeckt wurden, auch in der Schweiz angelegt. Ausserdem gibt es sicherlich unter den Parteispendern auch einige, die unversteuertes Geld in der Schweiz oder Cayman Islands angelegt haben.

Leider nicht ganz so einfach

Wussten Sie, dass es drei britische Kanalinseln - allesamt Steuerschlupflöcher der übelsten Art - gibt, die nicht England, sondern der Queen persönlich gehören? Selbst wenn die britische Regierung es wollte, könnte sie gegen diese Briefkasten-Inselchen nichts unternehmen. Es sei denn, es gäbe eine klassische Revolution mit Abschaffung der Monarchie und Enteignung der Adligen. Ähnlich wie die Deutschen, die ebenfalls den Fehler machten, Adel und Kirchen einen Teil ihrer Privilegien zu lassen, versäumten es die Briten, in günstiger historischer Stunde Tabula rasa zu machen.