Europapolitiker Schulz: "Ein Austritt aus dem Euro ist keine Option"
Deutschland sollte nicht so tun, als verteile es milde Gaben in Griechenland, sagt EU-Parlamentschef Martin Schulz im Tagesspiegel-Interview. Ein Euro-Austritt würde das Land ins Chaos stürzen.
Frage: Herr Schulz, Kanzlerin Angela Merkel gerät zunehmend unter internationalen Druck, das Volumen des Euro-Rettungsschirms ESM zu erhöhen. Was raten Sie der deutschen Regierungschefin?
Martin Schulz: Angela Merkel braucht keinen Rat von mir. Aber ich sage, dass wir die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms brauchen. Damit würden wir ein deutliches und notwendiges, vor allem psychologisches Signal aussenden: Wir verteidigen unsere Währung. Wir verteidigen unsere Europäische Union.
Frage: Beim EU-Gipfel haben die Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche den Fiskalpakt unterzeichnet, der die Haushaltsdisziplin erhöhen soll. Rechnen Sie damit, dass der Pakt neu verhandelt werden muss, falls in Frankreich der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande die Wahlen gewinnen sollte?
Schulz: Natürlich gibt es die Notwendigkeit, innerhalb der EU zu sparen. Daran zweifelt niemand. Ich darf daran erinnern, dass es Peer Steinbrück war, der in Deutschland als Finanzminister die Schuldenbremse eingeführt hat. Aber François Hollande hat recht, wenn er am Fiskalpakt kritisiert, dass er zu einseitig auf Sparen setzt. Deshalb habe ich den Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Gipfel klar gesagt, dass wir jetzt eine Wachstumsinitiative brauchen, mit Investitionen in Zukunftstechnologien sowie in Beschäftigung. Denn nur wenn sie Wachstum haben, werden Griechenland und andere Länder ihre Schulden bezahlen können. Für diesen Vorschlag habe ich viel Zustimmung bekommen.
Frage: Sie waren in der vergangenen Woche in Griechenland – einerseits als Präsident des EU-Parlaments, andererseits aber auch als Deutscher. Wie sind Sie als Deutscher aufgenommen worden?
Schulz: Das war eine schwierige Reise. Die Menschen in Athen, die von dramatischen Kürzungen betroffen sind, haben das Gefühl, dass alle in Europa über sie reden, aber niemand mit ihnen direkt spricht. Sie wissen zwar, dass sie Reformen brauchen, aber sie haben das Gefühl, dass vor allem Rentner und Jugendliche ohne Jobs die Zeche zahlen müssen. Die Auflagen, die Europa vorgibt, werden als Diktat empfunden, teilweise auch als demütigend. In ihrem Frust haben sich dann manche deutlich im Ton vergriffen. Das habe ich sehr klar kritisiert. Ich habe deutlich gemacht, wie groß die Anstrengungen sind, die Deutschland unternimmt, um Griechenland zu helfen. Das ist in Athen angekommen. Ich habe aber auch gesagt, dass wir im wohlverstandenen Eigeninteresse helfen, denn wir als Exportnation profitieren am meisten vom Euro. Deshalb sollte auch in Deutschland niemand so tun, als wären wir der wohlhabende Onkel, der Gaben verteilt.
Frage: Innenminister Hans-Peter Friedrich hat angeregt, Griechenland Anreize zu geben, damit es die Euro-Zone verlassen kann. Gibt es in Griechenland die Befürchtung, dass aus dieser Einzelmeinung eines Kabinettsmitglieds die offizielle deutsche Regierungslinie werden könnte?
Schulz: Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, es ist angekommen, dass ein Austritt aus dem Euro keine wirkliche Option ist. Wenn Griechenland den Euro verlassen würde, ändert sich nichts, denn auch dann werden wir einem europäischen Nachbarn helfen müssen, damit das Land nicht im Chaos versinkt. Ich sage Ihnen: Chaotische Zustände in Griechenland und der Aufstieg von radikalen Parteien dort – das ist eine beängstigende Vorstellung. Nach einem erfolgreichen Rausbrechen Griechenlands aus dem Euro würde sich die Spekulation direkt gegen das nächste Euro-Land richten. Deshalb müssen wir zügig ein deutliches Signal setzen, dass wir unsere Währung verteidigen. Deshalb plädiere ich für die Aufstockung des Rettungsschirms.
Frage: Griechenland soll den Schuldendienst nun vorrangig über ein Sonderkonto abwickeln. Wie wird die Einrichtung dieses Treuhandkontos in Griechenland aufgenommen?
Schulz: Ich hatte nicht den Eindruck, als ob dies besonders problematisch gesehen wird. Jedenfalls spielte es bei meinem Besuch in Athen keine Rolle. Es wird wohl akzeptiert, dass die Gelder sinnvoll eingesetzt werden, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.
Frage: In welchen Wirtschaftsbereichen sehen Sie Wachstumschancen für Griechenland? Wie kann die EU dabei helfen, Hellas wirtschaftlich auf die Beine zu helfen?
Schulz: Gerade in den Bereichen Verkehr – die Häfen sind Tore für den gesamten Mittelmeerraum – und bei der Solarenergie sehe ich Chancen. Eine Mittelmeerunion, bei der die Südeuropäer mit den Nordafrikanern im Bereich Solarenergie kooperieren, wäre für uns alle eine riesige Chance und würde Europa unabhängiger machen vom teuren Öl und Gas. Wenn die bereits für die nächsten Jahre eingeplanten EU-Fördermittel für Griechenland gebündelt und vorgezogen würden, könnten wir ein nachhaltiges Wachstumsprogramm auflegen und damit die Wettbewerbschancen der Südeuropäer wieder erhöhen. Das ist in unserem eigenen Interesse, weil dann die Bürgschaften, die wir gegeben haben, nicht fällig werden, weil die betroffenen Länder selbst wieder auf die Beine kommen.
Frage: Die Schwesterpartei der SPD in Griechenland, die Pasok, muss sich bei den bevorstehenden Wahlen auf massive Verluste einstellen. Was könnte das für die künftige Regierungsbildung bedeuten?
Schulz: Der Pasok-Vorsitzende George Papandreou ist derjenige, der als griechischer Ministerpräsident die notwendigen und schmerzhaften Reformen begonnen hat. Er hat im Interesse des Landes Parteiinteressen zurückgestellt. Ich hoffe sehr, dass sich die vernünftigen Kräfte im Land durchsetzen können, denn eine Radikalisierung kann niemand gebrauchen.





Die Freiheit der Meinungsäußerung bleibt dem Herren Schulz doch unbenommen.
Allerdings sollt jemand in seinen Sphären darauf achten, welche Äußerung man in welcher Funktion macht, und welche nicht.
Am Beispiel des Herrn Breuer (Ex CEO der Deutsche Bank) sieht man, dass es da durchaus Grenzen gibt, die beachtet werden sollten.
Verehrter Censorix: Haben Sie mich nun verstanden?
Grüße
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche und begründen Sie Ihre Meinung, zugunsten einer konstruktiven Auseinandersetzung, mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/lv
"Wir verteidigen unsere Europäische Union"
Und gegen wen verteidigen wir diese Schätze?
Wer ist unser Gegner?
Warum wird er nicht benannt, nicht gesucht, nicht unschädlich gemacht?
Wem nützt es?
"Ein Euro-Austritt würde das Land ins Chaos stürzen."
Dieser Satz ist an Heuchelei wohl kaum zu überbieten. Sie und Ihre Clique sind diejenigen die das Land ins Chaos stürzen!
Die ganzen Rettungsfonds sind KEINE Lösung des Problems, sonder nur eine Verzögerung.
Ökonomisch sinnvoll wäre es wieder eine Drachme einzuführen und einen radikalen Schuldenschnitt zu machen. Nur so kann das Land sich neu aufbauen. Griechenland kann sich unmöglich aus der Schuldenspirale befreien, da es in diesem Land schon immer Inflationen gab. Seitdem das Land im Euro ist, ist Griechenland ja nicht mehr in der Lage sein Geld abzuwerten um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dadurch würden die griechischen Produkte wieder wettbewerbsfähig werden.
Die brutalen Sparmaßnahmen die Sie dem griechischen Volk aufgezwungen haben, geben der Wirtschaft den Gnadenschuss.
Ein radikaler Schuldenschnitt würde alle Schulden auf null setzen. Die einzigen die dabei die Zeche zahlen sind die Gläubiger, also die Banken.
Ich würde gerne mal von Herrn Schulz erklärt bekommen warum wir mit unseren Steuern dafür in die Bresche springen sollen, dass eine Bank leichtfertig Kredite vergeben hat.
Es liegt also der Verdacht nahe dass Herr Schulz und seine Kollegen es den Banken rechtmachen wollen, indem sie durch die sogenannten Rettungsfonds die Verschuldung der Euroländer weiter antreiben wollen, anstatt die Gläubiger in ihre Verantwortung zu beziehen. Immer brav weiter die Zinsen zahlen, Abgrund ich komme!
Was heißt "Die Auflagen, die Europa vorgibt, werden als Diktat empfunden"? Dies ist keine Empfindung, sondern Realität, da müssen wir nicht rumschulzen.
Ebenso müssen wir den Hellenen nicht erklären, wohin das Geld fließt.
Und, jeder dem hier noch kein Totenschein ausgestellt wurde weiß ebenso, dass die Industrie deutsche Ingenieure beschäftigt und albanische Arbeiter. Die EU-Fördermittel sind somit nice-to-have, für die Anderen..
In Griechenland, wie in Deutschland, sehnen sich die Menschen wieder nach Anstand. Verschonen sie uns bitte mit diesen billigen Erklärungen.
Athen brennt! Mitten im Balkan.
was an der isländischen Lösung schlecht ist?
- Geordneter Bankrott
- Bankster verfolgen (die meisten haben sich nach London abgesetzt)
- IMF rausjagen
- Regierung rauskicken
- Verteidigung der Souverenität
- Korrupte Politiker anklagen
Sicher, damit wird man nicht zum Darling der Finanzjournalisten oder der Neo-Liberalen, aber nach zwei Jahren ist Ruhe.
5 Empfehler wissen auch nicht, dass Island den Euro nie gehabt hat.
5 Empfehler wissen auch nicht, dass Island den Euro nie gehabt hat.
Die Drachme einfuehren , wie denn? Ueber Nacht damit nicht der letzte Euro flieht? Auf welcher rechtlichen Grundlage? Das ist niederes Neid Stammtischgeschwafel. Alles schweigt und steckt den besoffenen Kopf in den Sand. Die Troika(!!Alle Banken Baenker) haben verfuegt die Loehne zu senken, Zusatzrenten zu streichen, zahlungen fuer Medikamente zu kuerzen !!. Sie haben nicht gefordert das Griechenland Zahlungen fuer Krieggeraet das noch nicht eingetroffen ist sofort einstellt. Ueberfluessiges Kriegsgeraet verkauft. Das austehende Steuern eingetrieben werden. Das Geldtransfers ins Ausland ueberwacht und verfolgt werden, notfalls unterbunden, das geflohenes Kapital beschlagnahmt und zurueckgeholt wird, das Saatsbetriebe verkauft werden. Das zuviel gezahlte Renten zurueckgefordert werden!! Das Subventionen gestrichen werden. NEIN Sie pumpen Milliarden in einen siechenden Apparat und Banken ohne sich zu kuemmern, treiben die Buerger in Armut.
troika so nett gesagt so unschuldig klingend
Den Euro gibt es noch gar nicht so lange, aber manche Mitforisten tun so, als ob er schon seit jeher mit der Kontinentalplatte verschmolzen wäre !
Manchmal muss man eine Idee, auch wenn sie vorderscheinlich gut war, zu Grabe tragen! Die sog. Vorteile des Euro wiegen bei Weitem nicht seine Nachteile auf ! Da man sich nicht dazu aufraffen kann, den Zockern das Handwerk zu legen, wäre ich gerne wieder bereit in Europa mit Fremdwährung zu bezahlen !
Fand ich sowieso schöner !
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