Konjunktur in Deutschland Fette Jahre sind möglich

Der deutschen Wirtschaft geht es blendend. Aber wie lange wird die positive Entwicklung anhalten? Lange, wenn wir die Euro-Krise meistern.

Stahlherstellung in Salzgitter

Stahlherstellung in Salzgitter

Wann kommen die fetten Jahre für Deutschland? Jetzt, ist die derzeit gängige Antwort. Allerorten, insbesondere unter den professionellen Prognostikern, herrscht überwiegend Optimismus. Die Wachstumsaussichten werden fast täglich nach oben revidiert, und man preist die Stärke der deutschen Wirtschaft. Der Pessimismus vom vergangenen Sommer und Herbst, als Rezessionsbefürchtungen aufkeimten, ist passé.

Stattdessen erstrahlt die Zukunft Deutschlands in vielen Augen in rosa-rotem Licht. Doch die Optimisten vergessen eines: Ihr Freudenfest findet vor der Kulisse einer möglicherweise zerfallenden Währungsunion statt.

Dabei spricht auf den ersten Blick eine ganze Reihe von Argumenten für eine anhaltend positive Entwicklung in Deutschland. Bereits die vergangenen beiden Jahre waren durch ein auch im internationalen Vergleich überaus kräftiges Wachstum von drei Prozent und mehr gekennzeichnet. Damit lag Deutschland mit an der Spitze der Euro-Zone – ein vor wenigen Jahren noch von vielen Kritikern vermeintlicher deutscher Strukturprobleme für unmöglich gehaltenes Ergebnis. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt ist die positive Entwicklung sichtbar, die Arbeitslosigkeit ist auf ein Niveau gesunken, das es zuletzt vor über zwanzig Jahren gegeben hat.  

Gustav A. Horn

leitet das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung

Die Löhne steigen mittlerweile wieder deutlicher, ein Prozess, der sich in den laufenden Tarifverhandlungen fortsetzen dürfte. Dies führt zu höheren Haushaltseinkommen und zu mehr privatem Konsum. Die niedrigen Zinsen verstärken diesen Prozess und führen zudem noch zu mehr Investitionen. All dies wird noch befeuert von den Exporterfolgen der deutschen Industrie, vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. Dieses Bündel vielversprechender Tendenzen sollte nach Ansicht vieler in einen langen Wachstumsprozess münden, der den allgemeinen Wohlstand in Deutschland merklich steigert. Also, doch alles gut?

Es mag verständlich sein, dass man sich über die Unbill der Gegenwart durch leuchtende Zukunftsaussichten hinwegtröstet. Realistisch ist das nicht. Blickt man auf die aktuelle Lage in der Euro-Zone, kann man die Augen vor einigen Risiken nicht verschließen, die das künftige Wachstum in ganz Europa und damit auch in Deutschland erheblich belasten können.  

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Leser-Kommentare
  1. Nichts handfestes, sondern reinste "Glaubensbekennung". Nicht mehr und nicht weniger sagt dieser Artikel über etwas aus. Man hätte auch nur zu schreiben brauchen: "Alles ist möglich".

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    Das ist die nachvollziehbare Kernaussage des Artikels.

    Die niedrige Arbeitslosigkeit und die stabile Konjunkturentwicklung in Deutschland sind durch eine Austeritätspolitik gegenüber der Erwerbsbevölkerung erreicht worden, die jetzt in den Krisenländern nachvollzogen werden muß, damit diese im Wettbewerb wieder eine Chance haben. So weit, so grausam. Gleichzeitig ist es notwendig, die Staatsverschuldung abzubauen, wenn nicht in Wachstumsphasen, wann dann? Anderenfalls berauben wir uns (und unsere Nachfolger) durch ausufernden Schuldendienst um jeden Handlungsspielraum. Für D: 2000 Milliarden Staatsverschuldung und jeder 9. Steuereuro zur Tilgung/Zinszahlung sollten alle Zweifel daran wegwischen.

    Gleichzeitig muß die Eurozone stabilisiert werden. Die EU-Volkswirtschaften sind in ihrer jetzigen Form ohne Euro nicht denkbar, ihre Bedeutung auf den globalisierten Märkten ohne den Euro verschwindend.

    k.

    Das ist die nachvollziehbare Kernaussage des Artikels.

    Die niedrige Arbeitslosigkeit und die stabile Konjunkturentwicklung in Deutschland sind durch eine Austeritätspolitik gegenüber der Erwerbsbevölkerung erreicht worden, die jetzt in den Krisenländern nachvollzogen werden muß, damit diese im Wettbewerb wieder eine Chance haben. So weit, so grausam. Gleichzeitig ist es notwendig, die Staatsverschuldung abzubauen, wenn nicht in Wachstumsphasen, wann dann? Anderenfalls berauben wir uns (und unsere Nachfolger) durch ausufernden Schuldendienst um jeden Handlungsspielraum. Für D: 2000 Milliarden Staatsverschuldung und jeder 9. Steuereuro zur Tilgung/Zinszahlung sollten alle Zweifel daran wegwischen.

    Gleichzeitig muß die Eurozone stabilisiert werden. Die EU-Volkswirtschaften sind in ihrer jetzigen Form ohne Euro nicht denkbar, ihre Bedeutung auf den globalisierten Märkten ohne den Euro verschwindend.

    k.

    • Chali
    • 28.03.2012 um 11:25 Uhr

    dass sich ein Kopf wie Gustav Horn auf so ein Niveau herablässt:
    Erst
    "fette Jahre für Deutschland"
    dann nur noch für die "doitsche Wirtschaft",
    dann nur noch für "die deutsche Export-Wirtschaft"

    Immer Wirtschaft, nie die hier lebenden Menschen.

    13 Leser-Empfehlungen
    • deDude
    • 28.03.2012 um 11:26 Uhr

    ... fragt sich nur für wen?! Muss etwa mit neuen Massenentlassungen, Lohnkürzungen und Zwangsräumungen gerechnet werden damit die "Fetten Jahre" für die oberen Zehntausend noch ein bisschen weitergehen?

    10 Leser-Empfehlungen
  2. Das ist die nachvollziehbare Kernaussage des Artikels.

    Die niedrige Arbeitslosigkeit und die stabile Konjunkturentwicklung in Deutschland sind durch eine Austeritätspolitik gegenüber der Erwerbsbevölkerung erreicht worden, die jetzt in den Krisenländern nachvollzogen werden muß, damit diese im Wettbewerb wieder eine Chance haben. So weit, so grausam. Gleichzeitig ist es notwendig, die Staatsverschuldung abzubauen, wenn nicht in Wachstumsphasen, wann dann? Anderenfalls berauben wir uns (und unsere Nachfolger) durch ausufernden Schuldendienst um jeden Handlungsspielraum. Für D: 2000 Milliarden Staatsverschuldung und jeder 9. Steuereuro zur Tilgung/Zinszahlung sollten alle Zweifel daran wegwischen.

    Gleichzeitig muß die Eurozone stabilisiert werden. Die EU-Volkswirtschaften sind in ihrer jetzigen Form ohne Euro nicht denkbar, ihre Bedeutung auf den globalisierten Märkten ohne den Euro verschwindend.

    k.

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    • NoG
    • 28.03.2012 um 12:15 Uhr

    hoffung fuer griechenland:

    http://www.zeit.de/serie/...

    zweimal (mehr oder weniger) landwirtschaft.
    ich behaupte mal diesen griechen waere mit einer eigenen, schwaecheren waehrung weitaus mehr geholfen.

    [Der Schlüssel ist die Bewältigung der Eurokrise. Das ist die nachvollziehbare Kernaussage des Artikels.]

    Es gibt keine Eurokrise, keine Schuldenkrise. Es ist eine Krise, die durch Dummheit entstanden ist, weil man das selbstgeschaffene System nicht versteht.

    [in Deutschland sind durch eine Austeritätspolitik gegenüber der Erwerbsbevölkerung erreicht worden]

    Und zu was hat es gebracht?

    Damit wir doch Export(vize)weltmeister uns nennen konnten. Das dieser Exportüberschuss aber zu Lasten einer anderen Volkswirtschaft und der eigenen Binnennachfrage ist, ist die andere Seite. Was wird wohl mit den Jobs in Deutschland passieren, wenn die anderen Nationen wettbewerbsfähiger werden? Müssen die hier arbeitende Bevölkerungsschicht noch billiger arbeiten?

    Dieses System arbeitet nur für eine kleine Bevölkerungsschicht rund um den Globus, damit die sich als Sklavenhalter (Eliten?!?) aufspielen dürfen.

    [Gleichzeitig ist es notwendig, die Staatsverschuldung abzubauen, wenn nicht in Wachstumsphasen, wann dann?]

    Geld entsteht in unserem System nur durch eine Kreditaufnahme. Diese Kreditaufnahme (lassen wir den Zins weg) stellt eine Schuld dar. Ohne Schulden kein Geldvermögen.

    Imho könnte man das Wort "Schuldenkrise" auch anders nennen: "Vermögensverteilungskrise", denn wo ist das Geld den hin, welches wir durch die Exportüberschüsse produziert haben?

    • NoG
    • 28.03.2012 um 12:15 Uhr

    hoffung fuer griechenland:

    http://www.zeit.de/serie/...

    zweimal (mehr oder weniger) landwirtschaft.
    ich behaupte mal diesen griechen waere mit einer eigenen, schwaecheren waehrung weitaus mehr geholfen.

    [Der Schlüssel ist die Bewältigung der Eurokrise. Das ist die nachvollziehbare Kernaussage des Artikels.]

    Es gibt keine Eurokrise, keine Schuldenkrise. Es ist eine Krise, die durch Dummheit entstanden ist, weil man das selbstgeschaffene System nicht versteht.

    [in Deutschland sind durch eine Austeritätspolitik gegenüber der Erwerbsbevölkerung erreicht worden]

    Und zu was hat es gebracht?

    Damit wir doch Export(vize)weltmeister uns nennen konnten. Das dieser Exportüberschuss aber zu Lasten einer anderen Volkswirtschaft und der eigenen Binnennachfrage ist, ist die andere Seite. Was wird wohl mit den Jobs in Deutschland passieren, wenn die anderen Nationen wettbewerbsfähiger werden? Müssen die hier arbeitende Bevölkerungsschicht noch billiger arbeiten?

    Dieses System arbeitet nur für eine kleine Bevölkerungsschicht rund um den Globus, damit die sich als Sklavenhalter (Eliten?!?) aufspielen dürfen.

    [Gleichzeitig ist es notwendig, die Staatsverschuldung abzubauen, wenn nicht in Wachstumsphasen, wann dann?]

    Geld entsteht in unserem System nur durch eine Kreditaufnahme. Diese Kreditaufnahme (lassen wir den Zins weg) stellt eine Schuld dar. Ohne Schulden kein Geldvermögen.

    Imho könnte man das Wort "Schuldenkrise" auch anders nennen: "Vermögensverteilungskrise", denn wo ist das Geld den hin, welches wir durch die Exportüberschüsse produziert haben?

  3. gibt es auch noch ein Europa der Europäer.
    Eine zerfallende Währungsunion und eine destabilisierte EU würden die Idee eines in Frieden und Wohlstand vereinten Europa nachhaltig beschädigen.

    Ich, die ich nichts anderes kenne, würde das als immensen Verlust empfinden.

    kassandra

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    • Karl63
    • 28.03.2012 um 11:57 Uhr

    immer noch sehr deutlich entfernt. Wenn man die Situation Mitte des Vergangenen Jahrzehnts als Maßstab nimmt, dann ist der Aufbau von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätzen durchaus vielversprechend, aber gelöst sind die Probleme am Arbeitsmarkt damit noch lange nicht.
    Die Augenblickliche Krise des Euroraumes offenbarte recht deutlich, dass mit dem Euro geschaffene Regelwerk ("Maastricht - Kriterien") hatte mehr theoretischen Charakter und entsprach nicht unbedingt der Realität der Fiskalpolitik der Mitglieder der Eurozone.
    Eine Auflösung der Eurozone ist dennoch keine ernsthafte Alternative, selbst Griechenland will den Euro unbedingt behalten. Offensichtlich überwiegen auch dort die Vorteile, trotz der momentan sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage.

  4. 7. Wenn,

    das Wörtchen WENN nicht wär, wäre das Leben halb so schwer.

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  5. UND WAS IST MIT DEN STAATSSCHULDEN?

    Ich kann nicht mehr! Sagen Sie Herr Horn, in welcher Welt leben sie eigentlich?
    http://www.tagesschau.de/...
    Wir haben derzeit 2.021 Mrd Schulden.
    Laut ARD gingen diese um 0,3% zurück im letzten Quatarl.
    Laut Handelsblatt Lag das Wirtschaftwachstum 2011 bei 3% Was viel ist. Wenn ich jetzt mit der Zinseszinsformel 100 Jahre weiter rechne bin ich haben wir die Schulden auf Sagenhafte 607,6 Mrd Reduziert. In Hundert Jahren. Und das nur wenn wir keine neuen Schlden auf nehmen. Wacht mal auf Ihr Treumer !!!!

    Das Handelsblatt kommt im übrigen zum Ergebnis, dass Wachstum im letzten Quartal geschrumpft ist. Ergo: Sie Lügen!
    http://www.handelsblatt.c...

    Im übrigen sind die Reallöhne im Letzten Quartal nicht mehr gestiegen! Noch eine Lüge! Liebe Zeit was für Leute Beschäftigen sie eigentlich?
    http://www.agitano.com/ma...

    4 Leser-Empfehlungen
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    die Staatsverschuldung in den meisten Ländern ist zu hoch, als dass sie jemals zurück gezahlt werden könnte. Die Pleite ist unausweichlich, das ist schlicht weg die Realität! Anstatt die Verursacher, die Finanzindustrie, in die Schranken zu weisen baut die Politik unser Sozialsystem ab. Die Maßnahmen werden trotzdem nicht ausreichen. Das wird sich in Renten, Bildung ect. und Ausbildungsförderung widerspiegeln und immer dramatischer zuspitzen. Arbeiter und Dienstleister verdienen weltweit 42 Bio wohingegen in der Finanzindustrie 1500! Bio verdient werden. Durch den Zinsdruck wird der Geldstrom von der arbeitenden Gesellschaft hin zur Finanzindustrie immer weiter gehen. Wie soll sich angesichts dieser Verhältnisse die Situation verändern? Der Prozess muss gestoppt werden, sonst wird es bald auch in Europa durch die Verarmung Slums und stetig steigende Kriminalität geben (auf mittelfristige Sicht). Das ist keine Schwarzmalerei, die Umverteilung wird immer, immer weiter gehen! Verschwenden Sie nicht ihre Zeit mit nebensächlichen Artikeln, diese Krise muss das absolute Hauptthema werden, Sie müssen die Politik aufs schärfste verunglimpfen, um die breite Masse gegen diese Politik auf zu hetzen! Es ist an der Zeit endlich auf zu stehen. Wir müssen anfangen zu kämpfen, sonst wird aus der Wirtschaftskrise eine Humane Katastrophe! < - - So könnte eine Überschrift lauten. Recherchieren Sie! Stellen Sie immer wieder die Frage: „Was ist mit den Schulden?“

    Lieber Herr Horn,
    ich möchte mich bei ihnen für die harsche Wortwahl entschuldigen. Aber sie sehen wie sie jemanden, der viel liest und die Wirtschaftspolitik kritisch hinterfragt, zur Weißglut bringen können. Sie haben als Journalist eine große Verantwortung, seien sie sich dessen bewusst!

    die Staatsverschuldung in den meisten Ländern ist zu hoch, als dass sie jemals zurück gezahlt werden könnte. Die Pleite ist unausweichlich, das ist schlicht weg die Realität! Anstatt die Verursacher, die Finanzindustrie, in die Schranken zu weisen baut die Politik unser Sozialsystem ab. Die Maßnahmen werden trotzdem nicht ausreichen. Das wird sich in Renten, Bildung ect. und Ausbildungsförderung widerspiegeln und immer dramatischer zuspitzen. Arbeiter und Dienstleister verdienen weltweit 42 Bio wohingegen in der Finanzindustrie 1500! Bio verdient werden. Durch den Zinsdruck wird der Geldstrom von der arbeitenden Gesellschaft hin zur Finanzindustrie immer weiter gehen. Wie soll sich angesichts dieser Verhältnisse die Situation verändern? Der Prozess muss gestoppt werden, sonst wird es bald auch in Europa durch die Verarmung Slums und stetig steigende Kriminalität geben (auf mittelfristige Sicht). Das ist keine Schwarzmalerei, die Umverteilung wird immer, immer weiter gehen! Verschwenden Sie nicht ihre Zeit mit nebensächlichen Artikeln, diese Krise muss das absolute Hauptthema werden, Sie müssen die Politik aufs schärfste verunglimpfen, um die breite Masse gegen diese Politik auf zu hetzen! Es ist an der Zeit endlich auf zu stehen. Wir müssen anfangen zu kämpfen, sonst wird aus der Wirtschaftskrise eine Humane Katastrophe! < - - So könnte eine Überschrift lauten. Recherchieren Sie! Stellen Sie immer wieder die Frage: „Was ist mit den Schulden?“

    Lieber Herr Horn,
    ich möchte mich bei ihnen für die harsche Wortwahl entschuldigen. Aber sie sehen wie sie jemanden, der viel liest und die Wirtschaftspolitik kritisch hinterfragt, zur Weißglut bringen können. Sie haben als Journalist eine große Verantwortung, seien sie sich dessen bewusst!

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