In Deutschland steigt der Anteil der Geringverdiener bei jungen Erwachsenen deutlich stärker als im deutschen Durchschnitt. Wie aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ( DIW ) hervorgeht, muss jeder dritte junge Arbeitnehmer in Deutschland mit Einkommen unter der Niedriglohn-Schwelle auskommen. 

Nicht einmal jeder zweite schaffe innerhalb von fünf Jahren den Aufstieg auf ein höheres Einkommensniveau. Allerdings könnten junge Geringverdiener ihre Niedriglohn-Jobs häufiger als Karriere-Sprungbrett nutzen als ihre älteren Kollegen, sagte Wissenschaftler Daniel Schnitzlein. Als Niedriglohngrenze wurden zwei Drittel des Durchschnittslohns angenommen – in Westdeutschland ein Stundenlohn von 9,53 Euro, im Osten von 7,22 Euro.

Deutlich bessere Aufstiegsmöglichkeiten hätten junge Erwachsene bei guter Ausbildung und Vollzeitbeschäftigung in einem großen Unternehmen. Problematisch wertete der Wissenschaftler allerdings die Situation von Frauen , deren Chance auf einen Karrieresprung elf Prozent niedriger liege als bei Männern.

Die Schere zwischen Arm und Reich klaffe immer weiter auseinander, sagte der DIW-Experte Markus Grabka. Im Vergleich mit anderen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vergrößerten sich die Einkommensunterschiede hierzulande überdurchschnittlich schnell. Auch das Armutsrisiko in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen: Jeder Siebente in Deutschland verfügt über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens. Besonders betroffen von dem steigenden Armutsrisiko seit der Jahrtausendwende sind demnach Kinder , Jugendliche und jungen Erwachsenen bis 29 Jahren.

DIW fordert Umverteilung durch Steuern

Zum Ausgleich der Einkommenslücke bringt das DIW Steuermodelle ins Gespräch, die dem Staat mehr Geld zur Umverteilung zur Verfügung stellen sollen. Eine Vermögenssteuer von 0,5 Prozent, die gezielt die etwa 400.000 Millionäre belaste, könnte jährlich etwa 9,4 Milliarden Euro einbringen, hat Wissenschaftler Stefan Bach errechnet. Ein weiterer Vorschlag: eine Luxussteuer von zehn Prozent auf alle Güter, die mehr als 10.000 Euro kosten. Wer weniger als 125.000 Euro im Jahr verdient, soll sich das Geld bei der Steuererklärung zurückholen können.

Um die Einkommensunterschiede auszugleichen, dürfe das über die Steuern eingenommene Geld aber nicht einfach zur Erhöhung des Hartz-IV-Satzes eingesetzt werden, betonten die Wissenschaftler. Eine simple Umverteilung könne in der Bevölkerung falsche Anreize schaffen. Der konkrete fiskalische Nutzen der Steuervorschläge sei nicht berechnet worden, sagte Grabka. "Wir wollten einfach Ideen geben, an welchen Stellschrauben man ansetzen könnte."