Öffentlicher DienstGewerkschaften und Arbeitgeber einigen sich auf kräftiges Lohnplus

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst enden mit einem Gehaltsplus von 6,3 Prozent. Innenminister Friedrich nennt die Anhebung die "Schmerzgrenze" der Arbeitgeber. von dpa und reuters

Ver.di-Chef Frank Bsirske und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) geben das Tarifergebnis für den öffentlichen Dienst bekannt.

Ver.di-Chef Frank Bsirske und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) geben das Tarifergebnis für den öffentlichen Dienst bekannt.  |  © Bernd Settnik dpa/lbn

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst mit einer Einigung auf ein sattes Lohnplus beendet. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat einem Einigungsvorschlag der Arbeitgeber für einen neuen Tarifvertrag im öffentlichen Dienst mit knapper Mehrheit zugestimmt.

Die Gehälter der zwei Millionen Beschäftigten in den Kommunen und beim Bund sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre stufenweise um 6,3 Prozent steigen. Die erste Erhöhung von 3,5 Prozent soll rückwirkend zum 1. März 2012 erfolgen. Weitere Raten von jeweils 1,4 Prozent folgen dann im Januar und im August 2013. Mit Zins und Zinseszins sind dies dann 6,41 Prozent . Auszubildende erhalten eine höhere Vergütung und werden nach einjähriger Bewährungszeit unbefristet übernommen.

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Im Streit um die Urlaubsdauer verständigten sich die Tarifpartner darauf, dass künftig alle Neueingestellten einen Urlaubsanspruch von 29 Tagen erhalten sollen. Für bereits Beschäftigte wurde demnach eine Besitzstandsklausel vereinbart. Das Bundesarbeitsgericht hatte kürzlich Lebensalterstaffelungen beim Urlaubsanspruch für nichtig erklärt.

Keine Mindestanhebung kleinerer Gehälter

Nicht durchsetzen konnten sich die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einer Mindestanhebung kleinerer Gehälter. Ver.di-Chef Frank Bsirske nannte es bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, eine "soziale Komponente" für die Bezieher kleiner Einkommen zu vereinbaren. Für einzelne Berufssparten wurden Verbesserungen vereinbart.

Die Bundesregierung zeigte sich "insgesamt zufrieden" über den Tarifabschluss. Innenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) sprach von einer guten Nachricht. "Mit der Lohnerhöhung haben in dieser Tarifrunde die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes gewonnen. Wir wollen sie auch ordentlich bezahlen." Die Belastung für den Bundeshaushalt betrage rund 550 Millionen Euro. 

Leserkommentare
    • xylant
    • 31. März 2012 9:32 Uhr
    1. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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    Jeder weiß inzwischen, dass in Deutschland seit Jahren grad mal der Inflationsausgleich gezahlt wurde, der im Nu wieder aufgebraucht war. Am Ende gab es für nahezu alle Beschäftigen, auch der im ÖD, ein Gehaltsminus. Jeder weiß es, führende Wirtschaftswissenschaftler kritisieren dies inzwischen und fordern deutlich mehr als den Inflationsausgleich. Und für die Beschäftigen im ÖD soll das alles nicht gelten? Auf was für einem Planeten leben Sie eigentlich? Sollen die Beschäftigen im ÖD Ihren Dreck für lau wegkehren?

    Alle wollen immer mehr, viele haben es bitter nötig und wiederum viele haben eigentlich genug, doch wannn ist die materiele Angst am größten ?
    Was ist gerecht, was Unsinn und was ist Wahnsinn?
    Wer kann zufrieden sein und wessen Neid ist gerechtfertigt ?
    1000 Aber, 1000 Wenn`s, 1000 Wieso´s, 1000 Warum´s und das wird sich wohl nie ändern.
    Trotz allem was Menschen wissen, können und glauben, es wird nie das Richtige und Perfekte dabei heraus kommen.

    Schon immer leben die "Stärkeren" auf kosten der
    "Schwächeren", darum fehlt hier wiedermal die soziale Komponente und die Schere der Löhne innerhalb des öffentlichen Dienstes klafft, wie überall in unserem Wirtschaftssystem, immer weiter auseinander.

    Aus den Einkünften aus Kapital (keine Tarifverhandlungen nötig, nur das Niedrighalten von Steuern und Abgaben ist notwendig ) ergeben sich ganz andere Zuwächse, die sich überproportional immer mehr beschleunigen und am Ende die ganze reale Wirtschaft, oder was wir dafür halten, ruiniert.

    Darum freue ich mich für alle, die für kurze Zeit, in diesem reallen Spiel, eine kleine Verbesserung ihrer finanziellen Situation erfahren, auch wenn es sich für viele kaum spüren lässt.

    Schön ist der Auftagt, wenn sich bei den Zuschauern, um deren Löhne es geht, der "Frust" und die "Zufriedneheit" immer wieder in "Hoffnung" aufrafft, um dann seifenblasenänlich zu platzen, ooh........

    Und so weiter und so weiter und so weiter... ,
    ob ich das noch erleben werde, - was ?

    Schönen Gruß

  1. Sind das Gering-, Normal oder Spitzenverdiener? Und wieso mischt sich ein Staatsbediensteter ein in die Verhandlungen, auf seiten der Arbeitgeber? Nehmt an, ich weis nichts und überarbeitet den Artikel nochmal.

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    den Bundesinnenminister Friedrich.
    Antwort: Weil er für die Arbeitgeberseite im öffentlichen Dienst (also: Staatsdienst) der Verhandlungsführer ist.
    Aber muss dafür der Artikel überarbeitet werden?

  2. Es ist doch nicht wahr, dass die Kassen wegen der Steuereinnahmen voll und das Geld nun reichlich über sei. Wahr ist vielmehr, dass auch für diese Gelder neue Schulden gemacht werden müssen. Hier belügt und betrügt sich ein ganzes Volk selbst und zwar auf Kosten der eigenen Kinder. Die Selbstzufriedenheit der Verhandlungsführer beider Seiten ist ein abstoßendes Schauspiel.

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    die Beschäftigten noch Geld mitbringen? Doch wohl nicht. Ob wir das Geld haben oder nicht? Wer weiß das in unserer Republik noch? Seit 2008 weiß doch niemand mehr wo es so richtig lang geht, was unsere Finanzen betrifft. Da können noch so kluge Kommentare kommen, sie kratzen alle nur an der Oberfläche und ob es denn genauso ist? Keine Ahnung!!!
    Ich gönne es den Menschen, daß sie nun endlich mal, auch ein wenig übrig behalten, nach all den Jahren der Stagnation.

    "Wahr ist vielmehr, dass auch für diese Gelder neue Schulden gemacht werden müssen."

    Nein! Es muss "nur" wieder Steuergerechtigkeit hergestellt werden.

    Dann haben die öffentlichen Haushalte wieder Geld für anständige Löhne und können auch ihren sonstigen Aufgaben nachkommen.

    Denn die Staatsschulden sind in Wahrheit die Guthaben der oberen 10% und den explodierenden Gewinne der Konzerne zu "verdanken".

    • Creo
    • 31. März 2012 11:28 Uhr

    sich über die Rettungsschirme auch aufgeregt?! Alle 2 Mio Beschäftigten im Öffentlichen Dienst (das für Beamte der Tarifabschluss auch zählen soll ist ein Witz) bekommen jetzt n paar Euro mehr. Warum nicht?! Ich leiste gute Arbeit und verdiene immer noch weniger wie in der freien Wirtschaft! Das ganze kostet nicht mal 500 Mio.! Wo ist das Problem? Die Millarden die wir den Gläubigern (Privatleute die schon das Konto voll haben) in Griechenland hinterher werfen sind das über was wir uns alle aufregen sollten aber das ist ja systemimmanent.. Das Menschen für gute Arbeit auch entsprechend entlohnt werden wollen ist aber eben auch systemimmanent!!

    Ihr alle braucht den öffentlichen Dienst also entlohnt ihn fair!!

    Angesichts von Steuergeld- Milliardengräbern, wie Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie oder... Citytunnel, Afghanistan, ESM & Bankenrettung ist das doch ziemlich preiswert. Entäuschend ist der fehlende Mindestbetrag von 200 €.

    • Puki
    • 31. März 2012 9:49 Uhr

    Gefordert waren 6,5% für 12 Monate und nun versucht man uns 6,3% (verzinst 6,4%)auf 24 Monate als Erfolg zu verkaufen? Keine soziale Komponente und die Hälfte vom geforderten Betrag. Kein Wunder das den Gewerkschaften die Mitglieder weglaufen....

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    Die 6.5% waren immer für eine Laufzeit von 2 Jahren gefordert. Warum diese Forderung aber so, und nicht mit jährlich 3.2% kommuniziert wurde, entzieht sich meinem Verständnis. So entstehen solche Missverständnisse.

    • xpeten
    • 31. März 2012 11:08 Uhr

    für angemessen halten, während in unseren Nachbarstaaten eine Lohnkürzung nach der ansderen verkündet wird,

    sieht man wieder genau, an welcher Krankheit die deutsche Gesellschaft leidet.

    NACH TARIF BEZAHLT WERDEN, JAMMERN AUF SEEEHR HOHEM NIVEAU!!!

    Ja, ich habe auch mal versucht zu rechnen und komme bei Berücksihtigung der Inflation auf weniger als 30 Euro mehr Bruttolohn für einen Durchschnittsverdiener. Ein wahrhaft großer Schluck aus der Pulle...

    • dmtude
    • 31. März 2012 9:53 Uhr

    wer soll das bezahlen.

    Der Durchschnittsverdienst im ÖD liegt bei 3200 Euro/Monat. Der steigt dann auf 3400 Euro im Monat. Wenn man nun den Durchschnitssverdienst aller Deutschen nimmt der um 2700 Euro/Monat liegt un davon daraus den ÖD noch rausrechnet, dann hat man griechische Verhältnisse.

    Und die 550 Mio Mehrbelastung für den Bundeshaushalt ist doch auch Augenwischerei, da der Großteil bei den Ländern und Kommunen sitzt und die wissen ja in D schon lang nicht mehr aus noch ein.

    Auch steigen damit ja die Bezüge der Parlamentarier automatisch da diese sich ja an den Steigerungen des ÖD orientieren.

    Aber es sind ja Wahlen und da muss man wie in GR Wohltaten unter seine Untergebenen bringen, damit die wieder wählen.

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    • NoG
    • 31. März 2012 10:10 Uhr

    sie muessten fuer eine vergleichbarkeit die einkommen im oeffentlichen dienst denen gegenueberstellen die berufsgruppenspezifisch auch vergleichbar sind.

    ein ausgebeuteter schlachthofangestellter oder eine schlecht bezahlte frisoese passt da schon mal nicht mit rein.

    ihr vorgehen entspraeche schon eher griechischen verhaeltnissen - statistikfaelschung. :)

    Bis vor einigen Jahren arbeitete ich im Öffentlichen Dienst. Oder um genauer zu sein in einem Max-Planck-Institut, dessen Gehälter denen des öffentlichen Dienstes angelehnt sind. Die Gehälter im Forschungsbereich sind leider eher winzig.

    Nun arbeite ich in der freien Wirtschaft. Alle 2 Jahre gibt es nach harten individuellen Verhandlungen 2% mehr.

    Hier wie dort: die Durchschnittsgehälter werden von der Masse der Mitarbeiter wohl sehr nach unten gezogen. Die wenigen an der Pyramidenspitze .....

    Woher haben Sie denn diese Zahlen? Sie können doch nicht den öffentlichen Dienst als gesamtes nehmen. Das jeweilige Einkommen hängt ja wohl von dem einzelnen Beruf ab, der eine bestimmte Qualifikation erfordert. Sie vergleichen so Äpfel mit Birnen. Was soll der Vergleich mit Griechenland?

    Wenn ich die vom ÖD über ihre Armut klagen höre, dann denke ich immer an die Leiharbeiter in der Privatwirtschaft, die von so erstrittenen Lohnerhöhungen überhaupt nicht profitieren, und bei denen Streiks nix bringen.
    .
    Auch die zahlen mit ihren Steuern für den ÖD am Ende die Zeche.

    ... 3200 netto oder brutto?

  3. den Bundesinnenminister Friedrich.
    Antwort: Weil er für die Arbeitgeberseite im öffentlichen Dienst (also: Staatsdienst) der Verhandlungsführer ist.
    Aber muss dafür der Artikel überarbeitet werden?

  4. die Beschäftigten noch Geld mitbringen? Doch wohl nicht. Ob wir das Geld haben oder nicht? Wer weiß das in unserer Republik noch? Seit 2008 weiß doch niemand mehr wo es so richtig lang geht, was unsere Finanzen betrifft. Da können noch so kluge Kommentare kommen, sie kratzen alle nur an der Oberfläche und ob es denn genauso ist? Keine Ahnung!!!
    Ich gönne es den Menschen, daß sie nun endlich mal, auch ein wenig übrig behalten, nach all den Jahren der Stagnation.

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    • TDU
    • 31. März 2012 10:12 Uhr

    Überhaupt kein Neid aber ein paar Bekannte aus der "freien" Wirtschaft wo die Durchnittslöhne und Arbeitsplatzsicherheit geringer sind und ich auch, fragen sich das jeden Tag, ob man nicht Geld mitbringen sollte.

  5. Ver.di und Co. = Inflationstreiber ersten Ranges

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    Von der aktuellen Rally an den Rohölmarkten - und deren Einfluss auf die Verbraucherpreise - mal abgesehen:

    Die ersten Runden der Inflationsspirale gingen ganz klar an selbsternannte "Ordnungspolitiker", die entgegen jedweder marktwirtschaftlicher Prinzipien faule Kredite von Banken und Staaten nicht abschreiben ließen, sondern mit viel STEUERGELD garantierten und stützten und somit zwingend notwendige Wertberichtigungen - auch bei den laufenden Kapitalertragsforderungen!!- einfach im Handstreich unterbanden.

    Die Geldflut Draghis tut ihr Übrigstes, dass die Banken derzeit gar nicht mehr wissen wohin mit dem vielen Geld, mit dem er sie zubetoniert hat. Gottlob gibt es in Europa keine Kapitalverkehrskontrolle mehr, sonst hätte man evtl die Investmentabtilungen der Banken ja noch daran hindern können, in Deutschland die Immobilienblase anheizen zu können - für deren Ausfallrisiko wird sich am Ende schon wieder irgendein Rettungsschirm finden (s.o.), da darf man dann auch mal aufs Ganze gehn...

    Und Sie meinen, Ver.dis 550-Mio-Lohnerhöhung ist hier der große Inflationstreiber, wenn wir bei den "Rettungspaketen" mit dem tausendfachen noch nicht auskommen.

    Wenn Sie nachts nicht schlafen können, liegt es vermutlich auch nicht am Glühwürmchen, welches neben der Straßenlaterne glimmt, die in ihr Fenster strahlt...

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