ÖlförderungSaudi-Arabien will Ölmarkt beruhigen

Die hohen Rohstoffpreise belasten die Weltwirtschaft. Um den Ölpreis zu senken, will die saudi-arabische Regierung nun die Fördermenge erhöhen. von dpa

Öl-Raffinerie in Saudi-Arabien

Öl-Raffinerie in Saudi-Arabien  |  © Marwan Naamani/AFP/Getty Images

Das weltweit wichtigste Ölförderland Saudi-Arabien will mit einer Ausweitung seiner Fördermenge den Ölpreis senken. Hierfür sollen künftig die Ölexporte in die USA ausgebaut und zuletzt stillgelegte Ölfelder reaktiviert werden, berichtet die Financial Times und bezieht sich auf eine Mitteilung der saudischen Regierung. Das Königreich wolle die Ölpreise wieder auf "ein faires Niveau" zurückführen, zitiert die Zeitung aus einem Kabinettsbeschluss.



Als Zielmarke gab die saudische Regierung laut dem Pressebericht einen Ölpreis bei etwa 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) an. Seit Beginn des Jahres ist der Preis für US-Öl von etwa 98 Dollar auf zeitweise mehr als 110 Dollar gestiegen . Volkswirte äußerten sich zuletzt zunehmend besorgt, dass der rasche Anstieg der Ölpreise zu einer ernsten Bedrohung für die Weltwirtschaft werden könnte.

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Aktuell steht der Preis für US-Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) bei etwa 107 Dollar. "Hohe Ölpreise (...) können zu negativen Effekten für die Weltwirtschaft führen", zitiert die Financial Times den saudischen Kabinettsbeschluss.

Nach Einschätzung der Commerzbank sind die saudi-arabischen Öllieferungen in die USA bereits in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Die Rohstoffexperten der Commerzbank beziehen sich auf Daten der US-Energiebehörde EIA. Demnach sind die saudischen Ölexporte in die USA "in den ersten zehn Wochen des Jahres 2012 um 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag gestiegen". Das sei der höchste Stand seit Mitte 2008.



Die Tendenz steigender Ölexporte aus Saudi-Arabien scheine sich im März fortzusetzen, hieß es weiter bei der Commerzbank. Seit Monatsanfang sollen weitere neun Supertanker mit einem Fassungsvermögen von zwei Millionen Barrel mit dem Ziel US-Golfküste gebucht worden sein. 


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Leserkommentare
  1. Und Sie ist ja auch völlig korrekt, solange der Steigende Ölpreis von der Wirtschaft auch gezahlt werden kann.

    Doch dann ab einer gewissen Preishöhe greift das sogenannte Goldylock Phänomen..

    Der Ölpreis steigt über jene schwelle, die die Wirtschaft als ganzes verkraften kann, und eine Rezession wird ausgelöst. Der Ölbedarf sinkt und im Gegenzug sinken auch die Preise. Dann erholt sich die Wirtschaft, und der Verbraucht steigt wieder , bis er erneut gegen die Preisgrenze prallt, jenseits der die Wirtschaft in eine Rezession schlittert.

    Das Phänomen führt zu dem was die Ölgeologen "the bumpy Plateau" nennen. Eine stark fulktuierende und preislich sehr volatile Ölförder phase, nach der irgendwann wohl endgültig das Förderniveau sinkt.

    Doch noch wichtiger als das Goldilock phänomen ist, dass die neuen reserven die nun wirtschaftlich erschließbar werden eine geringere Energetische Qualität besitzten. Es wird mehr Energie aufgebracht um die Reserven zu produzieren, so dass der Energetische Gewinn sinkt. Statt wie vor 100 Jahren ist der Gewinn nicht 1:100 sondern wie heute 1:15 tendenz weiter stark fallend.

    Irgendwann erreicht dann das System den Punkt an dem man mehr Energie aufwenden muß um Öl zu fördern als es hinterher hergibt. Von diesem Moment an ist das Öl keine Energiequelle mehr. Das Stichwort dafür EROEI Energy return on Energy invested.

    Dieses ist dann das endgültige aus für das Öl.

    Alles dreht sich um die Förderraten und ob diese den Bedarf decken können.

    Antwort auf ""experten"?"
  2. Ich glaube wir unterliegen als Gesellschaft in dem Zusammenhang dem gleichen Wahrnehmungsdefizit wie unsere Vorfahren , die voller Entrüstung jene absurden und gotteslästerlichen Schandmäuler anklagten, die die Frechheit besaßen zu behaupten, die Erde sei keine Scheibe, oder die Sonne, nicht die Erde stehe im Zentrum des Universums.

    Niemand kennt auf Peak Oil eine einfache Antwort. Seit Kindesalter ist uns eingeflößt worden, dass unsere Genialität unser Wille zu Fortschritt, unsere Technik uns so weit über unsere Vorfahren gehoben haben. Wir sind nicht Gottgleich, aber dafür können unsere Ingenieure Ihn Nachbauen ? Und die oberflächliche Betrachtung verführt tatsächlich zu diesem Schluß. Wir kennen nichts anderes. Zweihundert Jahre lang ging es unvorstellbar steil Bergauf. Dass dieses eine historische Anomalie ist erschließt sich nur mit mehr Abstand.

    Doch da liegt das Problem. Es ist eine perspektivische Verzerrung. Technik benötigt Energie. Und die können wir nicht herstellen. Mehr noch. Ohne die Entdeckung der gespeicherten Sonnenenergie von Jahrmillionen, wäre keine unserer Techniken über den Stand von 1850 Hinausgewachsen.

    Und , nicht zu vergessen, unsere Gehirne sind ausschließlich darauf geeicht, quasilineare Prozesse richtig zu begreifen. Exponentielle Wachstumsprozesse wie seit 150 Jahren wiedersprechen all unserer Intuition.

    den besten Link den ich dazu kenne ist der Vortrag Prof. Dr. Albert Bartletts.

    http://www.youtube.com/wa...

    • Atan
    • 21. März 2012 12:14 Uhr

    Wirklich ein ausgezeichneter Vortrag! Erschreckend ist für mich,dass auch in allen möglichen offizielen Reporten ständig von zwei jeweils rationalen Annahmen ausgegangen wird, die dennoch völlig unvereinbar mit einander sind. Nehmen wir mal das "Weissbuch" der EU zum europäischen Verkehrsraum: da steht schlicht drin, eine Beschränkung von Mobilität wäre keine Option, gleichzeitig stehen darin alle möglichen abstrusen Annahmen, z.B. das in 2030 nur noch 50% aller KFZ und aller Flugzeuge mit konventionellen Kraftstoffen laufen sollen. Schon heute müssten dann in ganz Niedersachsen sämtliche Felder nur für die Lufthansaflotte bepflanzt werden. Und Luftverkehr steht bisher nur für etwa 7% der Verkehre, bei gleichzeitiger Annahme einer Verdopplung des Aufkommens bis 2030.
    Also in der Logik der uns regierenden Planer bauen wir in Dtl. bis 2050 überhaupt keine Nahrungsmittel mehr an, sondern nur Pflanzen für Mobilität, gleichzeitig erzeugen wir allen Strom erneuerbar, heizen nicht mehr und benötigen anscheinend kaum Rohstoffe für unsere Chemieindustrie?
    Scheint mir nicht sehr realistisch, aber dennoch werden all diese Wachstumserwartungen wie eisenfeste Fakten gehandelt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die größte Schwäche der Menschen..

    "ist die Unfähigkeit, die Exponentielle Funktion zu verstehen"...

    in der Tat..

    Ich bin schlicht überzeugt, dass die Herrschaften ihre gesamten Studien nicht im Ansatz auf Plausibilität und umsetzbarkeit was Resourcen und Energieverfügbarkeit betrifft jemals überprüft haben..

    gruß

  3. Die größte Schwäche der Menschen..

    "ist die Unfähigkeit, die Exponentielle Funktion zu verstehen"...

    in der Tat..

    Ich bin schlicht überzeugt, dass die Herrschaften ihre gesamten Studien nicht im Ansatz auf Plausibilität und umsetzbarkeit was Resourcen und Energieverfügbarkeit betrifft jemals überprüft haben..

    gruß

  4. Der Ölverbrauch der USA ist von 2008 bis 2011 um 11,4% zurückgegangen. Das ist nur der Anfang der Entwicklung, weil die durch die höheren Preise induzierten Veränderungen nur langsamer wirken.
    http://www.indexmundi.com...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Commerzbank | Saudi Arabien | Dollar | Regierung | US-Dollar | USA
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