Deutsche Bank und Streumunition : "Ackermann sagt nicht die Wahrheit"

Die Deutsche Bank hat ihr Versprechen gebrochen, nicht mehr Streumunition zu finanzieren, sagt Thomas Küchenmeister von der Organisation Facing Finance im Interview.

ZEIT ONLINE: Die Deutsche Bank hat im November erklärt, die Geschäfte mit Herstellern von Streumunition einzustellen. Sie werfen der Bank nun Wortbruch vor. Weshalb?

Thomas Küchenmeister: Wir haben die Behauptung der Bank zusammen mit dem holländischen Analyseinstitut Profundo überprüft. Sie stimmt nicht. Die Bank unterhält weiterhin Geschäftsbeziehungen zu Produzenten von Streumunition. Das Volumen der Geschäfte beläuft sich auf immerhin 1,4 Milliarden Euro.

ZEIT ONLINE: Die Bank hat damals versprochen, keine "neuen Geschäftsbeziehungen" einzugehen. Handelt es sich womöglich um alte Verpflichtungen?

Küchenmeister: Nein. Die Bank hat sich noch in diesem Februar an einem Kredit für einen Hersteller in Höhe von einer Milliarde Dollar beteiligt. Zwischen der Erklärung und dem Geschäft lagen drei Monate. Uns ist nicht bekannt, dass Kreditgeschäfte mit so einem langen Vorlauf abgeschlossen werden. Einen Tag bevor der Kredit vergeben wurde, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in der Tagesschau , die Bank sei aus der Finanzierung von Streubomben ausgestiegen.

ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich das?

Küchenmeister: Das kann ich nicht. Einerseits ist die Bank in Deutschland krampfhaft bemüht, ihren Ruf zu verbessern. Andererseits sagt Ackermann schlicht nicht die Wahrheit. Die öffentliche Wirkung eines solchen Wortbruches ist verheerend. Vielleicht weiß Ackermann selbst nicht mehr, was in seinem Unternehmen vor sich geht, vor allem in den Tochterfirmen in den USA . Womöglich bestimmen längst andere im Unternehmen die Richtung.

ZEIT ONLINE: Sie meinen den designierten Chef an der Spitze der Bank, Anshu Jain ?

Thomas Küchenmeister

Thomas Küchenmeister ist Gründer der Organisation "Facing Finance – Finanzmärkte im Visier", die herausfinden will, welche Geldinstitute gegen internationale Normen und Verträge verstoßen. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Sprengkörpern. Bis vor wenigen Jahren leitete er die deutsche Sektion der Internationalen Kampagne zur Ächtung von Landminen. 1997 bekam die Organisation den Friedensnobelpreis.

Küchenmeister: Er ist ein überzeugter Investmentbanker. Wir hören immer wieder, dass es bankinterne Konflikte zwischen den Abteilungen gibt, und zwar zwischen denjenigen, die ökologische und soziale Standards durchsetzen wollen, und den Investmentbankern in Amerika , denen es nur um Rendite geht. Ich fürchte, dass der neue Vorstand den Investmentbankern im Konzern zu noch mehr Einfluss verhelfen wird.

ZEIT ONLINE: Die Geschäfte mit Streumunition machen weniger als ein Tausendstel der Bilanzsumme der Deutschen Bank aus.

Küchenmeister: Umso unerklärlicher ist es, dass die Bank an ihnen festhält. Die Investments wären leicht zu ersetzen – mit ähnlich hoher Rendite.

ZEIT ONLINE: Warum gerät eigentlich immer die Deutsche Bank in die Kritik?

Küchenmeister: Es geht nicht nur um Streumunition. Es gibt zahlreiche Kritiker, die der Bank eine Beteiligung an der Spekulation mit Nahrungsmitteln und am Geschäft mit großen landwirtschaftlichen Flächen , dem sogenannten land grabbing , vorwerfen. Sie soll auch in den USA  Wohnungsbesitzer enteignet haben, die in der Finanzkrise alles verloren haben. Alles scheint der Profitmaximierung untergeordnet zu sein. Die Bank setzt damit ihre Reputation aufs Spiel.

ZEIT ONLINE: Der Bundestag entscheidet an diesem Donnerstag über ein Investitionsverbot in Streumunition. Warum sollte ein solches Gesetz helfen?

Küchenmeister: Wir unterstützen den Vorstoß der Opposition für ein solches Gesetz. Er beruht auf unseren Vorschlägen. Selbst viele Banken sind nicht ausdrücklich gegen ein Verbotsgesetz, weil es dann endlich Regeln für alle Institute geben würde. Jeder wüsste, was erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz würde auch die Tochterfirmen der Deutschen Bank zwingen, mit den Geschäften aufzuhören

ZEIT ONLINE: Die Koalition hat angekündigt, gegen den Antrag zu stimmen.

Küchenmeister: Union und FDP setzten weiter allein auf die Selbstverpflichtung der Branche. Das reicht nicht aus. Es würde außerdem bedeuten, dass man den Wortbruch der Deutschen Bank einfach im Raum stehen lässt.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Anshu Jain...

...hat seinen Posten bei der deutschen Bank bekommen, weil er die Nummer mit den geplatzten amerikanischen Immobilienkrediten eingefädelt hat und ein schickes "Gesamtpaket" an die Deutsche Bank verhämmert hat.
Der Mann hat einfach seinen Job gemacht. Kommen Sie doch einem Investmentbanker nicht mit Moral,sonst bekommen Sie folgendes zu hören: "Wenn ich es nichttue, macht das Geschäft ein anderer." Dummerweise hat er damit recht.
Wir können das nun moralisch verwerflich finden, ändern wird sich nichts. Solange wir ein auf Zins und Zinseszins basierendes Währungssystem haben, gibt es kein Entrinnen.
Jemand wie Anshu Jain hat bei der DB längst den Hut auf.Der schafft nämlich mit seiner Drückerbande die Kohle ran. Natürlich wird ihm noch ein Deutscher als Vorstandskollege drangehängt, um zumindest den Anschein zu erwecken, dass die DB immer noch ein deutsches Unternehmen ist.
Selbstverständlich ist dies nur meine bescheidene, polemische Meinung.
Ich kann schliesslich nichts dafür, dass dieses Thema so bei mir ankommt.Oder?Was solls, sag ich es nicht, tut`s ein anderer.:)

Kriegsmaterial und die Deutsche Bank

Jahrzehntelange Unterstützung selbstherrlicher und anti-
demokratischen Regierungen wird auch in der Gegenwart,
frohlockend nach Profit,weitergeführt.
Mit der Finanzierung von Kriegsmaterial erhalten einige
Banken die angestrebte Rendite von 25 Prozent.

Wer durch diese Agitation der Aufrechterhaltung von
Tötungsmaschinen stirbt, ist nebensächlich.