Zum Weltwassertag gibt es allen Grund, zu feiern: Unicef und Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wurde das Millenniumsziel zur Trinkwasserversorgung bereits 2010 erreicht, fünf Jahre vor der gesetzten Frist. Bis 2015 sollten 88 Prozent aller Menschen mit Trinkwasser versorgt sein ; 1990 waren es noch 76 Prozent. Das heißt, dass heute zwei Milliarden Menschen mehr als 1990 in den Genuss von Trinkwasser kommen. Die Nachricht ist umso spektakulärer, wenn man die Folgen bedenkt: weniger Kinder sterben, weniger Menschen werden krank, weil sie kein verschmutztes Wasser mehr trinken müssen, und mehr Menschen können Zeit in ihre Ausbildung und ihre eigentlichen Jobs investieren anstatt Wasser für den täglichen Bedarf heranzuschleppen.

Allerdings sind die Erfolge regional sehr unterschiedlich zu bewerten. Mehr als die Hälfte der Anschlüsse entstanden in China und Indien . In Sub-Sahara Afrika hingegen gibt es so gut wie keine Fortschritte, in Zentralasien und Ozeanien sind sogar Rückschritte zu verzeichnen. Und es ist vor allem die städtische Bevölkerung, die profitiert. In den Least Developed Countries sind nach wie vor nur elf Prozent der Bevölkerung an die Wasserversorgung angeschlossen; in deren ländlichen Regionen sind es sogar nur drei Prozent.

Privates Kapital hat zur verbesserten städtischen Wasserversorgung beigetragen: Zwischen 1990 und 2007 stieg die Anzahl der von Public-Private-Partnership -Projekten (PPP) mit Trinkwasser versorgten Menschen von sechs auf 160 Millionen. Erkauft wurde das allerdings mit erheblichen Kosten, auch weil die staatliche Aufsicht schlecht funktionierte.

Privatisierungen helfen, sind aber kein Allheilmittel

Eine Studie der Weltbank aus dem Jahr 2009 die PPP unter die Lupe nimmt, berichtet, dass neun Prozent der Verträge mit Privaten wegen schlechter Leistungen und überteuerter Wasserpreise vorzeitig aufgekündigt oder nicht erneuert wurden, die meisten davon in Sub-Sahara Afrika und Lateinamerika. Von 65 untersuchten Ländern sind 24 wieder zur öffentlichen Trinkwasserversorgung übergegangen.

Während sich anfangs fünf Wassermultis 80 Prozent des Marktes in Entwicklungsländern aufteilten, bekamen sie inzwischen Konkurrenz von nationalen Unternehmen. Diese können besser als die Großen auch kleinere Städte und Gemeinden versorgen. Ihr Marktanteil liegt inzwischen bei 40 Prozent. Das ist eine gute Entwicklung. Public - Private - Partnerships sind eine Alternative zur Wasserversorgung durch die öffentliche Hand – aber sie sind kein Allheilmittel.

Das Millennium-Entwicklungsziel zur Trinkwasserversorgung gab vor, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zwischen 1990 und 2015 zu halbieren. Es gab wenig Daten, um den Fortschritt auf dem Weg dorthin zu bewerten. Deshalb griff man auf einen Hilfs-Indikator namens "verbesserter Zugang" zurück. Von einem verbesserten Zugang wird schon gesprochen, wenn ein Haushalt Zugang zu einer Quelle oder einem Anschluss hat, der unbedenkliches Wasser liefert. Das können Haus- und Hofanschlüsse sein, öffentliche Wasserhähne, geschützte Brunnen und Regenwassersammler.

Verbesserter Zugang bedeutet aber nicht unbedingt eine zuverlässige Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Die Messgröße sagt auch nichts über die Qualität des Trinkwassers, über Rationierungen und schon gar nichts darüber, ob das Wasser bezahlbar ist. Deshalb ist die Zahl der Menschen, die tatsächlich mit sauberem Trinkwasser versorgt sind, wahrscheinlich um ein Vielfaches geringer, als die Erfolgsmeldung von Unicef und WHO glauben machen.