De ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina eröffnen im Garten des Schlosses Bellevue das Sommerfest des Bundespräsidenten. (Archivbild) © dpa

Christian Wulff wird nicht mehr erwähnt. Der Name des ehemaligen Bundespräsidenten und die Turbulenzen im Schloss Bellevue – lieber kein Wort dazu. Fragt man Unternehmen in diesen Tagen nach ihrer Nähe zur Politik, nach Geld und Günstlingen und nach dem Sponsoring politischer Veranstaltungen in Berlin und anderswo, dann sind sie alle noch vorsichtiger als früher.

"Alle schauen jetzt genauer hin", heißt es bei einem Autokonzern – und damit seien beide Seiten gemeint: Politik und Wirtschaft. Wer lädt wen ein? Wer nimmt wessen Einladung an? Wer finanziert Partys und Parteitage? Wulffs Affären und das unschöne Bild, das seine Unternehmerfreunde dabei abgaben, ist potenziellen Sponsoren eine Warnung: "Die Öffentlichkeit ist viel aufmerksamer als in der Vergangenheit", sagt einer aus der Industrie. "Wie wir wahrgenommen werden, entscheidet künftig darüber, ob wir uns engagieren."

Früher war die Sorge, in der Öffentlichkeit in den Dunstkreis der Korruption zu geraten, nicht so groß, wenn Unternehmen etwa das jährliche Sommerfest des Bundespräsidenten im Park des Bellevue finanzierten. Der Sponsoringbericht des Bundesinnenministeriums, der die Zuwendungen an die Bundesverwaltung auflistet, weist für die Jahre 2009 und 2010 Gaben an das Bundespräsialamt in Höhe von insgesamt knapp 3,1 Millionen Euro aus (Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor). Insgesamt flossen in den beiden Jahren 93,4 Millionen Euro an Ministerien und Behörden. Platz eins mit großem Abstand: das Gesundheitsministerium mit Zuwendungen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro.

Zu den größten Sponsoren des präsidialen Sommerfestes gehörten die AOK , Daimler , Vattenfall oder Rewe . Dieses Jahr wird die Liste um einige prominente Namen kürzer sein. Einen Strich unter alle seine Sponsoringaktivitäten zieht der Staatskonzern Deutsche Bahn : "Wir beteiligen uns an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship nicht mehr", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der "Leipziger Volkszeitung". Dazu gebe es einen Beschluss der Konzernführung. Explizit nennt Grube die Wulff-Affäre als Grund für den Rückzug.

Andere Unternehmen sind diplomatischer. Der Elektronikkonzern Philips – 2009/2010 mit zusammen knapp 72.000 Euro beim Sommerfest des Bundespräsidenten dabei – hat mehr mit sich selbst zu tun. "Wir werden uns dieses Jahr nicht beteiligen", sagt eine Sprecherin. Das Unternehmen streiche im laufenden Sanierungsprozess Kosten – auch beim Sponsoring. Im Übrigen lege man als niederländischer Konzern Wert auf "ethisches Verhalten". Einen direkten Zusammenhang zu Wulff sieht man natürlich nicht.