Christian WulffPolit-Sponsoring gerät in Verruf

Die Wulff-Affäre schreckt Sponsoren von politischen Veranstaltungen ab. Auch das Sommerfest im Schloss Bellevue ist betroffen. von Henrik Mortsiefer

De ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina eröffnen im Garten des Schlosses Bellevue das Sommerfest des Bundespräsidenten. (Archivbild)

De ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina eröffnen im Garten des Schlosses Bellevue das Sommerfest des Bundespräsidenten. (Archivbild)  |  © dpa

Christian Wulff wird nicht mehr erwähnt. Der Name des ehemaligen Bundespräsidenten und die Turbulenzen im Schloss Bellevue – lieber kein Wort dazu. Fragt man Unternehmen in diesen Tagen nach ihrer Nähe zur Politik, nach Geld und Günstlingen und nach dem Sponsoring politischer Veranstaltungen in Berlin und anderswo, dann sind sie alle noch vorsichtiger als früher.

"Alle schauen jetzt genauer hin", heißt es bei einem Autokonzern – und damit seien beide Seiten gemeint: Politik und Wirtschaft. Wer lädt wen ein? Wer nimmt wessen Einladung an? Wer finanziert Partys und Parteitage? Wulffs Affären und das unschöne Bild, das seine Unternehmerfreunde dabei abgaben, ist potenziellen Sponsoren eine Warnung: "Die Öffentlichkeit ist viel aufmerksamer als in der Vergangenheit", sagt einer aus der Industrie. "Wie wir wahrgenommen werden, entscheidet künftig darüber, ob wir uns engagieren."

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Früher war die Sorge, in der Öffentlichkeit in den Dunstkreis der Korruption zu geraten, nicht so groß, wenn Unternehmen etwa das jährliche Sommerfest des Bundespräsidenten im Park des Bellevue finanzierten. Der Sponsoringbericht des Bundesinnenministeriums, der die Zuwendungen an die Bundesverwaltung auflistet, weist für die Jahre 2009 und 2010 Gaben an das Bundespräsialamt in Höhe von insgesamt knapp 3,1 Millionen Euro aus (Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor). Insgesamt flossen in den beiden Jahren 93,4 Millionen Euro an Ministerien und Behörden. Platz eins mit großem Abstand: das Gesundheitsministerium mit Zuwendungen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro.

Zu den größten Sponsoren des präsidialen Sommerfestes gehörten die AOK , Daimler , Vattenfall oder Rewe . Dieses Jahr wird die Liste um einige prominente Namen kürzer sein. Einen Strich unter alle seine Sponsoringaktivitäten zieht der Staatskonzern Deutsche Bahn : "Wir beteiligen uns an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship nicht mehr", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der "Leipziger Volkszeitung". Dazu gebe es einen Beschluss der Konzernführung. Explizit nennt Grube die Wulff-Affäre als Grund für den Rückzug.

Andere Unternehmen sind diplomatischer. Der Elektronikkonzern Philips – 2009/2010 mit zusammen knapp 72.000 Euro beim Sommerfest des Bundespräsidenten dabei – hat mehr mit sich selbst zu tun. "Wir werden uns dieses Jahr nicht beteiligen", sagt eine Sprecherin. Das Unternehmen streiche im laufenden Sanierungsprozess Kosten – auch beim Sponsoring. Im Übrigen lege man als niederländischer Konzern Wert auf "ethisches Verhalten". Einen direkten Zusammenhang zu Wulff sieht man natürlich nicht. 

Leserkommentare
    • Hermez
    • 12. März 2012 11:09 Uhr

    .....erwsicht!Was?:)

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    Im Artikel unerwähnt bleibt, dass Bahnchef Grube den Journalistenrabatt aufhebt. Jeder Journalist muss seine Bahncard jetzt selbst ganz bezahlen. Das ist auch gut so; warum bleibt das aber im Artikel unerwähnt? Die Journalisten rühmen sich damit, dass sie in der Wulff-Affäre gut gearbeitet haben und alles aufgedeckt haben, warum dann nicht seine eigenen Vorteile und Schnäppchen thematisieren?

    • neu_de
    • 12. März 2012 11:25 Uhr

    Sponsoring ist falsch. Es ist Koruption - und nichts anderes.

    FRAGE: Wieso sollte ein Unternehmen Geld ohne Gegenwert herausgeben? Nur wenn es der Eigenwerbung oder der Einflussnahme dient. Und vor allem beim Gesundheitsministerium ist die Sache ja ersichtlich.

    Diese Sponsoring gehört meiner Meinung nach Verboten.

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    ... und Parteispenden von nicht natürlichen Personen gleich mit.

    Wollte grade auch nur den Satz schreiben, das es sich bei Sponsoring um verdeckte Bestechung handelt, oder warum sonst kostet eine einseitige Werbeanzeige pro Exemplar im Grünen Parteimagazin 6 bis 7 mal so viel wie beim Spiegel?
    Warum kostet der Quadratmeter für Stände auf Parteitagen der Union und der SPD 5 mal so viel wie auf der IFA?

    In Deutschland kann man sich seine Politiker kaufen. Wenn ich meinem Abgeordneten ein Haus schenke und ihn dann bitte sich in der PArtei für meine Interessen ein zu setzen ist dies NICHT strafbar. Das ist ein verfluchter Skandal und die Medien sind ängstlich und gehen das Thema nicht an. Jeder Bundesbürger der dieses Beispiel erklärt bekommt wird zu der Überzeugung kommen das dies geändert werden muss. Ausser die Reichsten und die Politker die ihr Schmiergeld bekommen.
    Aber aus der Affäre Wulff zieht Günther Jauch den Schluss das sich gezeigt das die KAnzlerin wohl unbestechlich ist. Da kann man nur von bewußter Volksverdummung sprechen, oder warum hat die Kanzlerin mit ihrer MEhrheit seit 2005 nichts an dem Abgeordnetengesetz geändert?

    WEil sie eine Politik der Korruption pflegt. Die Vermögen von Millionären und Millardären steigen in Deutschland seit der JAhrtausendewende jährlich um 8-10%.
    Diese Tatsache reicht mir schon aus um die These, dass die Interessen der Reichsten in der Politik überrepräsentiert werden, zu bestätigen.
    Wo bleibt die Presse. Man hat an Wulff gesehen das man mit Bestechung Auflage macht.

  1. Wäre es bitte möglich mehr Imput zubekommen, mich würde mehr interessieren, wie genau oder für welche Zwecke explizit, das gesponserte Geld verwendet wurde?
    Die Buffetkosten inklusive Bewirtung, wird die gesamten gesponserten Summen ja nicht voll und ganz verschlungen haben sollen.

    Ich danke Ihnen im Voraus!

    • Nibbla
    • 12. März 2012 11:26 Uhr

    Wenn dieser Trend anhalten sollte, hat am Ende Herr Wulf ironischerweise doch was für dieses Land getan.

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    entweder es geht weiter wie vorher, wenn alles vergessen ist, oder das sponsoring bekommt einfach ein anderes gesicht, welches juristisch nciht jganz so schmuddelig aussieht.

    • Slater
    • 12. März 2012 11:27 Uhr

    Sponsoring von Politik-Veranstaltungen ist sowieso fraglich,
    noch schlimmer Dinge wie 'steuerlich absetzbar'

    der Staat sollte genau soviele Steuern einnehmen wie benötigt
    und davon dann solche Feste bezahlen, wenn diese nötig sind,

    kann doch wirklich nicht schwer sein

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    • Slater
    • 12. März 2012 11:31 Uhr

    demnächst wird noch Wulffs Pension gesponsort,
    um den Steuerzahler nicht zu belasten

    • Harzer
    • 12. März 2012 11:27 Uhr

    ... einfach besser aufpassen und es den Politikern ungesehen gleich in die Tasche stecken ... ... .

  2. 'Das Engagement in den Vorjahren habe die Erwartungen nicht erfüllt, heißt es dort.'
    Welche Erwartungen waren das denn bitteschön? Soll der Bundespräsident Werbung für die Sponsoren machen?
    Auf die Antwort wäre ich ja mal gespannt.

    • Slater
    • 12. März 2012 11:31 Uhr

    demnächst wird noch Wulffs Pension gesponsort,
    um den Steuerzahler nicht zu belasten

    Antwort auf "grundsätzlich"

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