Wenn es um ihren eigenen Berufsstand geht, wird Aristea Bougatsou deutlich: "Die Medien haben in Griechenland keine Führer und Führungen, die diesen Namen verdienen", sagt sie. "Und sie haben keine Moral."

Bougatsou, 48, ist die wohl beste investigative Journalistin in Griechenland. Seit den neunziger Jahren deckt sie mit ihren Recherchen illegale Praktiken und dubiose Geschäfte von Politikern und Unternehmern auf. Gerade jetzt, mitten in der schwersten Krise des Landes seit Jahrzehnten , gäbe es für sie genug Arbeit. Doch seit vier Monaten hat die Reporterin der linksliberalen Zeitung Eleftherotypia aufgehört zu schreiben. Ungewollt.

Seit Weihnachten sind die Büros ihrer Redaktion in der Athener Innenstadt verwaist. Die 750 Beschäftigten des Blattes befinden sich seither im Dauerstreik. Bougatsou und ihre Kollegen haben seit August kein Gehalt mehr bekommen, die Zeitung hat Insolvenz angemeldet, derzeit läuft das Verfahren.

Griechenlands Medienhäuser stecken in einer schweren Krise. Von den einst 13 Unternehmen, die an der Athener Börse notiert waren, sind noch neun geblieben. Der Umsatz brach in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres im Vergleich zu Vorkrisenzeiten um die Hälfte ein. Die Verluste beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 115 Millionen Euro.

Besonders hart traf es die einflussreiche Mediengruppe DOL. Deren Verluste beliefen sich bis zum Herbst auf rund 31 Millionen Euro. Derart unter Druck musste das Unternehmen die werktägliche Druckausgabe seines Flaggschiffes To Vima einstellen. Auch die Pegasus-Gruppe, zu der die Tageszeitung To Ethnos gehört, und das Unternehmen Tyletypos, das den größten privaten Fernsehsender Mega-Channel besitzt, erwirtschafteten hohe Verluste.

Die Medienhäuser sehen sich vor allem mit sinkenden Werbeerlösen konfrontiert. Der Sparkurs der griechischen Regierung trifft die Verbraucher hart, der private Konsum ist seit Monaten rückläufig. In der Erwartung, dass ihre Produkte ohnehin keine Abnehmer mehr finden, kürzen viele Unternehmen ihre Werbebudgets.

Viele der Medienhäuser sind hoch verschuldet. Die offenen Kredite beliefen sich zuletzt auf 725 Millionen Euro, das ist deutlich mehr als der Jahresumsatz. Weil ihnen neue Einnahmequellen fehlen, versuchen die Unternehmen mit neuen Krediten die Finanzlöcher zu stopfen. Doch die Geldinstitute haben den Kreditfluss vorerst gestoppt.