Gute Nachrichten über Griechenland , Spanien und Portugal sind selten geworden. Eine aber kam jetzt vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln . Die Exporte der drei Krisenländer sind zuletzt überraschend stark gestiegen, wie der Außenwirtschaftsexperte des Instituts, Jürgen Matthes, in einer aktuellen Studie schreibt . Auch die Marktanteile der Länder im Ausland wuchsen demnach; ihre Handelsbilanzdefizite schrumpften.

Matthes interpretiert das als Signal der Hoffnung: "Offenbar ist das Exportangebot der südeuropäischen Staaten doch weltmarkttauglicher als oft vermutet." Während manche Ökonomen fordern, die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer durch Lohnsenkungen in Höhe von 20 bis 30 Prozent zu verbessern, bezweifelt Matthes diese Notwendigkeit.

Für seine Studie hat der IW-Experte Außenhandelsdaten Griechenlands , Spaniens , Portugals und Italiens herangezogen. Er verglich Statistiken aus dem Jahr 2008, in dem die Lehman-Pleite den Ausbruch der internationalen Finanzkrise markiert, mit Daten des Jahres 2011. Das Ergebnis: Vor 2008 hatten die Südeuropäer – mit Ausnahme Italiens – sehr große Defizite angehäuft. Diese gingen danach aber – außer in Italien – stark zurück. Am stärksten, von 5,8 Prozent auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sank Spaniens Handelsdefizit. Griechenland (von 11,1 auf 5,5 Prozent) und Portugal (von 9,4 auf 3,9 Prozent) bauten ihr Handelsminus immerhin um mehr als die Hälfte ab.

Exporte steigen wie in Deutschland

Ein Grund dafür liegt in der Rezession selbst. Die Menschen in den Krisenländern können sich weniger leisten als zuvor, und viele Unternehmen produzieren weniger. Beides lässt die Importe sinken oder zumindest langsamer wachsen. Doch Ökonom Matthes hält die andere Seite der Bilanz für wichtiger: den starken Anstieg der Exporte . "2011 sind die Waren- und Dienstleistungsausfuhren von Portugal, Griechenland und Spanien im Vergleich zum Vorjahr um ungefähr sieben bis neun Prozent gestiegen", sagt er. "Etwa so stark wie in Deutschland."

Das Erstaunliche: Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Südeuropäer, gemessen beispielsweise auf Basis der Lohnstückkosten oder Exportpreise, hat sich im untersuchten Zeitraum nur geringfügig verbessert. Es muss andere Ursachen für den Export-Aufschwung geben, folgert Matthes. "Wahrscheinlich haben die Unternehmen die Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen erhöht", sagt er. "Oder sie schöpfen Effizienzvorteile aus, die sie bislang ignoriert haben. Oder ihre Gewinnmargen sinken."

Was immer die konkreten Gründe sein mögen, ist aus Matthes' Sicht aber auch gar nicht entscheidend. "Offenbar haben Griechenland, Portugal und Spanien ihre Positionen im Wettbewerb verbessert, obwohl sich an ihrer Preis- und Kostensituation nur wenig geändert hat", sagt er. Da seien weitere Lohnkürzungen "in einer Größenordnung von um die 30 Prozent wohl nicht notwendig". Damit widerspricht er Ökonomen wie Hans-Werner Sinn . Sie sehen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer als entscheidend an – und argumentieren, Lohnkürzungen im eigentlich nötigen Ausmaß seien politisch nicht durchsetzbar. Ifo-Chef Sinn plädiert deshalb schon lange für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Nur dadurch könne das Land wieder wettbewerbsfähig werden.

Matthes' Studie enthält aber noch einen weiteren Hoffnungsschimmer. Handelsdefizite werden üblicherweise durch Auslandsschulden finanziert. Wenn das Handelsminus der Südeuropäer weiter schrumpft, könnte auch ihre Schuldenlast leichter zu tragen sein.