Erster ArbeitsmarktChancen für Langzeitarbeitslose sinken

Für Hartz-IV-Empfänger ist es schwieriger geworden, einen regulären Job zu bekommen. Immer weniger Langzeitarbeitslose schaffen es auf den ersten Arbeitsmarkt. von afp und dpa

Bei der Arbeitssuche

Bei der Arbeitssuche  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Trotz insgesamt verbesserter Chancen für Hartz-IV-Bezieher auf dem Arbeitsmarkt finden immer weniger Langzeitarbeitslose eine reguläre Beschäftigung. Im vergangenen Jahr hätten 183.600 Empfänger des Arbeitslosengeldes II, die länger als ein Jahr keinen festen Job hatten, eine reguläre Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt aufnehmen können, berichtete die Passauer Neue Presse unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschafts-Bundes. Dies seien 8.600 weniger als im Jahr zuvor.

"Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Beschäftigten, die nach Job-Verlust ins Hartz-IV-System abrutschten, um 42.600 auf 736.800", kritisiert Wilhelm Adamy, Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik des DGB , in der Studie.

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Im Vergleich zu 2008 hätten 2011 sogar 16.800 Hartz-IV-Empfänger weniger in reguläre Beschäftigung vermittelt werden können, die länger als ein Jahr arbeitslos waren. "Es sind vorrangig die Kurzzeitarbeitslosen, die integriert werden", sagte Adamy. Die Zahl aller Hartz-IV-Empfänger, die einen neuen Arbeitsplatz erhielten (Kurz- und Langzeitarbeitslose), stieg demnach zwischen 2008 und 2011 um 69.400.

Aus instabiler Beschäftigung in Hartz IV

Das Bundesarbeitsministerium hatte mit den verbesserten Chancen aller Hartz-IV-Empfänger auf dem Arbeitsmarkt argumentiert, um zu erklären, dass immer mehr Beschäftigte nach Arbeitsplatzverlust sofort Arbeitslosengeld II erhalten: Wer zunächst nur kurzfristig einen Job findet, zahlt in der Regel nicht lange genug in die Arbeitslosenversicherung ein, um bei erneutem Jobverlust Anspruch auf Arbeitslosengeld I zu erwerben.

Aus DGB-Sicht ist es vorrangig die Zunahme instabiler Beschäftigung wie Leiharbeit und befristeter Beschäftigung, die dazu führe, dass mehr Beschäftigten nach Jobverlust nur noch Hartz-IV-Bezüge blieben. 2011 waren 26,4 Prozent derjenigen, die arbeitslos wurden, sofort auf solche Leistungen angewiesen.

Der DGB fordert, die Hürden für den Bezug von Arbeitslosengeld I zu senken. So soll die Arbeitslosenversicherung nach sechs statt bisher zwölf Monaten Beitragszahlung Leistungen gewähren.

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Leserkommentare
  1. Das hört sich erstmal negativ an. Wenn man aber näher analysiert, WAS das grösstenteils für Jobs sind, die an den LZA vorbei gehen, wird es weniger dramatisch.
    Es handelt sich vor allem um "Stellen", die den Unternehmer reich und den LZA nicht vermögender machen als bei Hartz4.
    Stellen, die niemand braucht.

    Ich hoffe, viele Langzeitarbeitslose sind selbstbewusst genug, das zu verstehen und sogar froh darüber zu sein, wenn ihnen solche Arbeit erspart bleibt.

    13 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 23. April 2012 9:43 Uhr

    Auch die Abgaben hindern die Menschen am Arbeiten. Ab € 700,00 verdoppeln sich die Beiträge z. b. für Krankenkasse für den, der auf eigene Rechung nur putzen will. Der Gewerbeschein kostet € 35, der Beitrag für die Handwerkskammer € 120,00.

    Diese Unflexibilität der Staatsorgane und seiner Beiorganisationen wie Krankenkassen und Verbände machen allen das Leben schwer, die es aus eigener Kraft schaffen wollen. Und dann kommt noch dazu das Fürsorgeargument. Das dient nur dem Staatshaushalt und hält auch unten. Wenn sich alle versammeln würden, die arbeiten wollen, würde die Politik vielleicht mal nachdenken.

    Aber Protest muss ja immer gegen etwas sein. Deswegen wird das nichts werden, und das "die meisten wollen gar nicht arbeiten" weiter als Alibi genutzt, und alle dürfen Bürgergeld, 5 Euro mehr und sonstige, den Einzelnen entmündigende Lösungen versprechen.

    Dabei ist es völlig egal wie hoch der Lohn in Zahl ist, wenn man nur davon leben und ein bisschen teilhaben kann. Aber Bescheidenheit zahlt sich nun überhaupt nicht mehr aus. Ist mittlerweile gleich Armut.

    USA z. B. hat zu wenig Staat und Vorsorge, Deutschland zu viel Staat. Jetzt bezahlt man die Zeche, die Ehrhardt vorausgesehen hat. Aber gut solange Konzeptionslosigkeit und "Spielerei" viele Wähler politisch begeistert, kann ja alles noch nicht so schlimm sein.

    7 Leserempfehlungen
    • Nizzre
    • 23. April 2012 9:45 Uhr

    Ich sehe das als grundsätzlich gute Meldung. Es gibt also etwa eine Dreiviertel Mio. Menschen im "erwerbsfähigen Alter", die unter normalen Umständen und Anforderungen nicht vermittelbar sind.

    Dahinter stecken natürlich einzelne Schicksale, aber in der Regel keine "Schuld", die man einem Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zuweisen müsste.

    Dazu gehören viele, die umfassende Beschwernisse haben.
    Viele sind auf die eine oder andere Weise gehandicaped, aber eben nicht "behindert" oder nicht behindert genug, um Sonderrechte zu haben.
    Andere leiden unter psychischen Problemen, sind aber nicht krank genug, um berufsunfähig zu sein.
    Wieder andere haben soziale Auffälligkeiten.
    Noch andere können nach einer Reha keinen Fuß mehr fassen.
    Die nächsten sind nach einer Betriebsschließung einfach in einem "aussterbenden Beruf" und schon so nah an der Rente, dass sich umschulen nicht mehr rechnet.
    Und dann sind da noch diejenigen, die keine Sprache richtig sprechen, die "nicht Ausbildungsfähigen" und die Migranten ohne jedes Talent zum Deutsch oder Englisch lernen.

    Es gibt sicher viele traurige Fälle.

    Aber diese Menschen sind nicht alle "hochgebildete Ingenieure, die man zwingen will, sich zu Niedriglohn zu versklaven", wie hier im Forum gern kolportiert wird.

    Sondern es sind vor allem Menschen mit großen Handicaps.
    Und ich finde es ist fast tröstlich, dass es nur - auf die Gesamtlage in Deutschland gesehen - so wenige sind.

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    An und für sich haben Sie das gut beschrieben. Allerdings muss man ein paar Korrekturen anbringen. Zu diesem Bereich gehören durchaus auch anerkannte Schwerbehinderte, solange sie mehr als 3 Stunden täglich erwerbsfähig sind. De facto halten sich die "Sonderrechte" sehr in Grenzen. Ausserdem kann man sogar mit einer vollen Erwerbsminderungsrente in den Hartz4-Bezug fallen, wenn diese nur arbeitsmarktabhängig bewilligt wurde und die Rente nicht zum Leben reicht.
    Da man jedoch prinzipiell mehr als 3 Stunden erwerbsfähig ist, kann man nicht mit der Grundsicherungsrente aufstocken,
    und muss daher aufstockend Arbeitslosengeld 2 beziehen,
    obwohl es nach der Begutachtung der Krankenversicherung keinen Sinn macht, sich zu bewerben.

    .. manche möchten es gerne so sehen. Auch wenn Sie es nicht wahr haben wollen: es gibt sie in Mengen, die Hhochqualifizierten, die ganz einfach "aus dem Arbeitmarkt herausfallen", weil sie BERECHTIGT gutes Geld verdienen, eigene Gedanken haben und sich nicht in eine Stromlinienförmigkeit bringen lassen. Der sachverständige Leser wird merken, das alles dies unabdingbare Eigenschaften sind die dieses Land mit know how am Leben erhalten.

  2. "Aber diese Menschen sind nicht alle "hochgebildete Ingenieure, die man zwingen will, sich zu Niedriglohn zu versklaven", wie hier im Forum gern kolportiert wird."

    Oha,und für die Anderen weniger gebildeten ist es also nur legitim wen sie zu Löhnen arbeiten gehen die ihre Lebenshaltungskosten nicht decken?
    Ich glaube manchen Foristen würde die Lektüre des Grundgesetzes nicht schaden!

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    • Nizzre
    • 23. April 2012 10:14 Uhr

    Mein lieber Warhog,
    Sie nutzen mein Zitat vorsätzlich sinnentstellend.
    Ich habe an keiner Stelle über Löhne gesprochen, sondern lediglich zitiert, was hier im Forum häufig als Musterbeispiel für einen Langzeitarbeitslosen dargestellt wird.

    Selbstverständlich sollte jeder Mensch einen existenzsichernden Lohn für seine Arbeit erhalten.

    Das ist aber hier nicht Thema.

  3. Ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung nicht. Wenn es insgesamt weniger hartz 4 empfänger gibt, dann ist es doch auch nur natürlich, dass die Zahl der hartz 4 empfänger die es in eine beschäftigung schafft - absolut gesehen - sinkt.

    Insbesondere wenn man Selektionseffekte bedenkt. (Die berufsgeeigneteren werden eher eingestellt und mit jedem jahr mit sinkender zahl an hartz 4 empfängern bleibt ein "härterer Kern")

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    Na Sie sind ja lustig.
    Und ich Dummerchen dachte doch tatsächlich, dass mittlerweile jeder in D weiß, wie die Statistik getrickst und gefälscht wurde?
    Aber gut. Recherche ohne Bildzeitung oder RTL ist ja nicht jedem gegeben...

    • WNYC
    • 23. April 2012 10:11 Uhr

    Erstens:
    Die Tarifgemeinschaft des DGB hat zusammen mit der Leiharbeitsbranche hanebüchene Verträge abgeschlossen, 2004 schon hatten sie nicht erkannt, dass sie sich mit dem "Satan" ins Bett legen. Daher sind die Krokodilstränen des DGB jetzt mehr als heuchlerisch. Der DGB ist jedenfalls nicht mehr die Gruppe, die dem Arbeitnehmer helfen kann, das muss aus der Legislative kommen.

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    • WNYC
    • 23. April 2012 10:12 Uhr

    Zweitens:
    Ich habe vielerart Verbindungen beruflicher Art zu Beschäftigungsträgern, die im Auftrag der BA Arbeitslosen helfen sollen. Es ist ein Witz. Hartz IV muss abgeschafft werden. Das folgende ist keine pauschaliserende Diffamierung, sondern meine Beobachtung, nach Jahren von bezirklicher Zusammenarbeit entstanden: Die Langzeitarbeitslosen, die Hartz IV bekommen und in oft sinnlose 1,50 Euro Jobs gezwungen werden sind oft ältere Menschen, vor allem ältere Frauen, ehemalige Strafgefangene, (Ex-)Alkoholiker, psychisch Erkrankte, sozial Verängstigte, intellktuell unterdurchschnittlich begabt, oft des Deutschen nicht richtig mächtig und (interessanterweise sehr selten!) arbeitsunwillig. Es ist menschenverachtend, diesen Menschen das Geld zu kürzen. Sie haben einfach KEINE Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt. Man sollte ihnen 1200 netto geben und ihnen ein menschenwürdiges Leben bieten, als dass man sie ständig schikaniert mit Entgelt und MAEs und überflüssigen ins nichts führende Weiterbildungen, die wirklich oft an irrsinnige Beschäftigungstherapie grenzen. Und dann diesen Leuten das Geld zu kürzen ist noch schlimmer.

    12 Leserempfehlungen
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    würde ich Ihren Kommentar 1000000x empfehlen!!

    Sie haben es auf den Punkt gebracht.

    >>Man sollte ihnen 1200 netto geben und ihnen ein menschenwürdiges Leben bieten... .<<

    Mit "1200 netto" ändern Sie nichts an der Situation und helfen auch den Menschen nicht aus der Misere. Sie können auch 1500 Euro nehmen, aber die Arbeit und damit die gesellschaftliche Anerkennung können Sie den Menschen damit nicht geben. Die bleiben trotzdem ausgegrenzt und die meisten, die noch nicht abgestumpft sind oder die sich schon außerhalb der gesellschaftlichen Normen in Paralellwelten eingerichtet haben, empfinden die Verweigerung, sie in der Arbeitswelt aktiv "mitspielen" zu lassen, auch als Ausgrenzung.

    Hilfreich kann hier nur Arbeit sein und wenn es denn sein muss, auch hoch subventionierte Arbeit, mit der man auch was Produktives leisten kann - und nicht nur Pümpelarbeit, wie gegenwärtig in den 1-Euro-Jobs.
    Dass es solche "sozialen Betriebe" (ich meine damit nicht die Fördergesell. usw., sondern letztlich wirtschaftlich ausgerichtete Betriebe, die ihre Konkurerenzfähigkeit durch Subventionen erhalten) in D nicht gibt, liegt am Widerstand der Kammern (IHK usw.), die hinter jeder sozialen Absicht sofort schlimme Konkurrenz wittern und jeden Versuch abwürgen.

    In der Schweiz hat man mit Erfolg solche Konzepte getestet und schließlich erlaubt man auch Behinderten, vermarktbare Produkte herzustellen. Warum nicht auch anderen Chancenlosen?
    Stellen wir doch z.B. wieder etwas von dem, was wir nach China ausgelagert haben, subventioniert in D her. Das hilft evtl. besser.

    • Nizzre
    • 23. April 2012 10:14 Uhr

    Mein lieber Warhog,
    Sie nutzen mein Zitat vorsätzlich sinnentstellend.
    Ich habe an keiner Stelle über Löhne gesprochen, sondern lediglich zitiert, was hier im Forum häufig als Musterbeispiel für einen Langzeitarbeitslosen dargestellt wird.

    Selbstverständlich sollte jeder Mensch einen existenzsichernden Lohn für seine Arbeit erhalten.

    Das ist aber hier nicht Thema.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte DGB | Hartz IV | Arbeitslosengeld | Arbeitslosenversicherung | Arbeitsmarkt | Arbeitsmarktpolitik
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