Porzellanmanufaktur Meissen"Kunden kamen mit Anlagesummen in unsere Geschäfte"

Gerade in der Krise haben die Kunden teure Kunstwerke gekauft, sagt Christian Kurtzke, Chef der Porzellanmanufaktur Meissen. Die Mentalität der Kunden habe sich geändert. von 

Christian Kurtzke, Chef der Meissener Porzellanmanufaktur

Christian Kurtzke, Chef der Meissener Porzellanmanufaktur  |  © John Macdougall/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Kurtzke, der deutsche Luxusmarkt boomt. Schlägt sich das direkt auf den Absatz von Meißener Porzellan nieder?

Christian Kurtzke: Wir merken das natürlich. Allerdings nicht so sehr beim klassischen Porzellan, der Markt ist eher rückläufig. Aber seit zweieinhalb Jahren stellen wir wieder Schmuck her, Meissen war ursprünglich mal eine Schmuckmanufaktur, Keramik wurde mit Edelsteinen kombiniert. Meissen Joaillerie ist heute unser am schnellsten wachsender Geschäftsbereich, er wächst in hohem Maße zweistellig.

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ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich das?

Kurtzke: Es gibt auf dem deutschen Schmuckmarkt im Luxussegment relativ wenige starke Marken. Wenn Sie da als Marke einsteigen, können Sie ein enormes Wachstum realisieren. Beim Schmuck merken wir, wie sich die Natur unserer Geschäfte verändert. Etwa wenn jemand vor einem Service steht und sagt: 'Naja, mit der Investition warten wir mal lieber noch.' – aber den Armreif für sechs-, sieben- oder neunhundert Euro spontan mitnimmt.

ZEIT ONLINE: Haben Finanz- und Eurokrise solche Käufe beeinträchtigt?

Kurtzke: Die Krise hat sich auf unsere Geschäftsbereiche unterschiedlich ausgewirkt. Der sogenannte Accessible Luxury – Produkte für drei-, vier-, fünfhundert Euro, die auch Kunden aus der oberen Mittelschicht kaufen – war am stärksten betroffen, weil diese Kunden sich in der Krise anders verhalten. Am gehobenen Bereich ist sie aber relativ spurlos vorübergegangen. Wir haben Kunden, die bei uns für 400.000 Euro einkaufen, da macht die Krise nicht viel aus.

ZEIT ONLINE: Es heißt doch: Wer den Aktienmärkten nicht mehr vertraut, der investiert gern in Luxusgüter.

Kurtzke: Dass verstärkt auf Materielles gesetzt wurde, haben wir erstmals 2009 gemerkt. Da kamen Kunden wirklich mit Anlagesummen in unsere Geschäfte. Gerade bei unseren limitierten Kunstwerken verzeichneten wir ein hohes Wachstum. Sie haben quasi eine eingebaute Wertsicherung, weil sie handgearbeitet sind und die Arbeitskraft, die dahinter steckt, über die Jahre teurer wird.

ZEIT ONLINE: Das Prestige solcher Kunstwerke schätzen auch die Chinesen. Wie wichtig sind Ihnen die asiatischen Wachstumsmärkte im Vergleich zum deutschen?

Kurtzke: Deutschland ist der wichtigste Markt von allen. Nur wenn ich am Heimatmarkt stark bin, kann ich im Ausland erfolgreich sein. Richte ich mein Portfolio komplett nach Asien aus, bin ich entwurzelt und renne den dortigen Märkten hinterher. Das ist meine Einstellung, mit der ich allerdings relativ alleine dastehe.

ZEIT ONLINE: Die Krise einmal außer Acht gelassen: Wie erklären Sie sich den deutschen Luxusboom ?

Kurtzke: Die Mentalität ändert sich, das Genussprinzip ist auf dem Vormarsch. Es gibt eine Trendwende in die Richtung 'Luxus als Erlebnis'. Das merkt man zum Beispiel beim Thema Wellness und Spa, das in den USA und in Asien ja schon lange gang und gäbe ist. Mittlerweile zahlen auch Deutsche drei-, vierhundert Euro für einen Tagesaufenthalt im Wellnesshotel.

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Leserkommentare
  1. ich habe gerade erfahren müssen, wie sich Kunst und Antiquariat keineswegs als Geldanlage eignen. Wegen eines Umzugs musste ich Antiquitäten (Bilder, alte Grafik, Porzellan, Möbel...), die ich nicht mitnehmen konnte, verkaufen. Dabei stellte ich fest, dass "wegen der Krise" keine Käufer mehr gab, dass alles nichts mehr wert war, dass Händler ihre Lager übervoll hatten... Ich mußte weit unter dem Preis verkaufen, den ich in den 80er Jahren selbst bezahlt hatte.
    Daher ist es nur eine Täuschung, dem Publikum vorzugaukeln, Antiquitäten seien eine Geldanlage: Wenn die Kassen knapp sind, dann ist alles nichts wert, was nicht an der Börse notiert ist.

  2. ... dass in Deutschland, wie heute bereits in vielen europäischen Ländern üblich, eine Luxussteuer auf solche Gegenstände eingeführt wird.

  3. wenn's bei Ihnen so gut läuft, dann werden Sie jetzt sicher die rausgeworfenen Porzelliner, Maler und Formenbauer (fast 25% der gesamten Belegschaft) wieder einstellen. Und Ihren anderen Mitarbeitern wieder Weihnachts- und Urlaubsgeld auszahlen, nein?

    Eine Leserempfehlung
  4. Das ist der Kapitalismus - Millionen Menschen hungern auf dem Globus und in diesem Land wird gejammert das sich wegen
    der kapitalistischen Krise keine Käufer für teuren Krempel mehr finden lassen.

    Was sind das nur für Lebewesen? - Menschen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Edelstein | Euro | Euro-Krise | Kunstwerk | Schmuck | Absatz
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