Schuldenkrise"Angela Merkel will den Euro nicht zerstören"

... aber gemeinsam mit der Bundesbank ist sie gerade dabei, sagt der Spekulant George Soros. Im Interview warnt er vor neuen Krisen und fordert einen Politikwechsel. von 

Das gläserne Gebäude einer Bank am Pariser Platz in Berlin . Im Untergeschoss sitzen Ökonomen aus aller Welt zum Mittagsessen. Das Institute for New Economic Thinking hat zur Konferenz gerufen: Es soll darüber nachgedacht werden, was die Ökonomie aus der großen Krise lernen kann. Auch deshalb ist George Soros , einer der Gründer des Instituts, in der Stadt. Soros, 81, ist der wohl bekannteste Investor der Welt. Berühmt wurde er, als er 1992 gegen das britische Pfund wettete und in einer Nacht rund eine Milliarde Dollar gewann. Soros ist etwas spät dran, aber gut gelaunt. Ein kleinerer Herr mit grauem Scheitel und wachen Augen, tadellos gekleidet.

ZEIT ONLINE: Herr Soros, in einem Interview mit dem Magazin Newsweek haben sie vor einigen Wochen eine ziemliche düstere Zukunft gezeichnet. Sie werden sogar mit den Worten zitiert, dem Westen stehe eine Periode des "Bösen" bevor. Halten sie einen Totalzusammenbruch unseres Finanzsystems noch immer für möglich?

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George Soros: Ja. Der Zusammenhalt der Euro-Zone ist in größerer Gefahr als noch vor wenigen Monaten. Das macht mir Angst. Wenn die Währungsunion zerbricht, wird auch der Schengen-Vertrag infrage gestellt werden, womöglich sogar der europäische Binnenmarkt und die Europäische Union selbst. Das alles beginnt nun, möglich zu werden.

ZEIT ONLINE: Die Europäer hatten zuletzt den Eindruck, das Schlimmste der Krise sei vorbei. Die Zinsen der Krisenländer sind gefallen, sogar der Export im Süden der Währungsunion kommt wieder in Gang.

Soros: Es ist irreführend zu sagen, die Krise sei vorbei. Es gibt eine Erholung, weil die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldspritze in Höhe von einer Billion Euro die Märkte beruhigt hat. Die fundamentalen Probleme und Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion haben sich zuletzt jedoch verschärft, unter anderem durch das Eingreifen der Notenbank.

ZEIT ONLINE: Die Zeichen der Erholung sind nur eine Täuschung?

Soros: Die EZB hat eine Kreditklemme im Euro-Raum verhindert. Aber gleichzeitig hat sie mit ihrer Geldspritze die Nationalisierung des Finanzsystems gefördert. Für italienische und spanische Banken eröffnete sich durch das Eingreifen der EZB ein lukratives Geschäft: Sie haben sich für ein Prozent Geld von der Zentralbank geliehen und davon Staatsanleihen ihres Heimatlandes mit einem Zinssatz von vier bis fünf Prozent gekauft, ohne auf das Risiko zu schauen. Die logische Folge ist, dass die Staatsanleihen der Krisenländer von den heimischen Instituten gehalten werden, was es wahrscheinlicher macht, dass der Euro zerbricht. Die Bundesbank wiederum beginnt, sich gegen den Kollaps zu schützen. Das aber hat den Effekt einer self-fullfilling prophecy : Wenn die Bundesbank Angst bekommt, werden auch andere Angst kriegen.

ZEIT ONLINE: Die Deutschen sind seit einigen Monaten so etwas wie ihr Lieblingsfeind – voran die deutsche Kanzlerin. Angela Merkel hat vor allem die öffentlichen Schulden im Währungsraum im Blick. Liegt sie damit falsch?

Soros: Natürlich sind die Schulden ein Problem. Aber sie können das Problem nicht nur mit Sparprogrammen lösen. Die Wirtschaftsleistung wird schrumpfen, mit dem Effekt, dass die Schulden weiter wachsen werden. Sparen mag richtig sein, aber das geht nur mit Wachstum.

ZEIT ONLINE: Wenn die Dinge auf der Hand liegen: Warum versteht die Kanzlerin das nicht?

Soros: Ich kann verstehen, dass die deutsche Öffentlichkeit das nicht versteht. Die Deutschen sehen, dass Sparsamkeit ihnen geholfen hat. Warum sollte das nicht auch in Europa helfen? Die Deutschen denken außerdem, dass sie alles getan haben, was getan werden muss. Für den Rest sollte jeder selbst in Europa verantwortlich sein. Ich habe für eine solche Haltung durchaus Sympathien.

ZEIT ONLINE: Aber?

Soros: Die Sparprogramme in Europa führen im Moment in eine Depression. Angela Merkel und die Bundesbank sind durchaus in der Lage zu verstehen, dass die Politik, die sie in Europa verfolgen, den Euro und die Europäische Union zerstören wird. Natürlich will Angela Merkel als bekennende Europäerin das nicht. Das hat die Qualität einer griechischen Tragödie: Deutschland ist wie ein Sohn, der seinen Vater tötet, ohne das zu wissen – im Glauben ein guter Sohn zu sein.

Leserkommentare
    • J-M
    • 13. April 2012 15:16 Uhr

    "Wir müssen das Grundproblem verstehen. Mit dem Euro-Beitritt haben die Mitgliedsstaaten das Recht, ihr Geld zu drucken, an die Zentralbank abgetreten. Dadurch befinden sie sich in der Rolle eines Entwicklungslandes, das sich in fremder Währung verschuldet hat."

    Erbarmungslos gut auf den Punkt gebracht.

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    Glauben Sie wirklich Soros setzt sich jetzt selbstlos für die Rettung des Euro ein, nur weil er so ein großer Freund der europäischen Einigung ist ? Und einfach so um selbstlos zu helfen verbreitet er jetzt Weisheiten, auf die die dummen Normalbürger einfach nicht von alleine kommen, weil sie nicht so klug sind wie der Superinvestor Soros ? Was für eine erbärmliche Heuchelei !!

    Wenn Soros wirklich etwas an Europa liegen würde, würde er sich für eine Finanztransaktionssteuer einsetzen. Ich bin mir sicher insgeheim würde sich Soros freuen, wenn der Euro zerbricht. Jedenfalls mehr als Merkel sich freuen würde, der er vorwürft sie würde den Euro zerstören wollen. Ich vermute Soros empfindet auch eine klammheimliche Freude, wenn er sieht dass Deutschland von der EU immer mehr finanzielle Belastungen auferlegt werden und die Deutschen am Ende doch die Buhmänner sind... So wird wenigstens von den Spekulaten, die an der Krise verdienen, abgelenkt, nicht wahr ??

    • J-M
    • 13. April 2012 15:53 Uhr

    alex09: "Wenn Soros wirklich etwas an Europa liegen würde, würde er sich für eine Finanztransaktionssteuer einsetzen."

    Soros: "Eine Finanztransaktionssteuer wäre da effektiv. Ich denke, dass man sie auch ohne die USA und Großbritannien nur in der Euro-Zone einführen könnte."

    alex09: "Ich bin mir sicher insgeheim würde sich Soros freuen, wenn der Euro zerbricht. Jedenfalls mehr als Merkel sich freuen würde, der er vorwürft sie würde den Euro zerstören wollen."

    Soros: "Angela Merkel will den Euro nicht zerstören." (Das ist übrigens auch die Überschrift des Interviews)

    alex09: "So wird wenigstens von den Spekulaten, die an der Krise verdienen, abgelenkt, nicht wahr ??"

    ZEIT ONLINE: "Verschlimmern Spekulanten im Moment die Situation in Europa?"

    Soros: "Ja, natürlich, auch die Hedge-Fonds."

    Dieser Herr Soros ist schon gewieft. Er sagt des Gegenteil von dem, was Sie wissen, das er denkt, damit nur Gedankenleser und Zukunftsseher wie Sie erkennen, was er denkt. Mann, Mann, Mann erst vor über zwanzig Jahren gegen Währungen spekulieren und schon heute davor warnen. Dieser Mann ist wirklich ein Wendehals und gefährliches Chamäleon. Gott sei dank gibt es alex09, der ganz genau weiß, was die Leute denken und sich nicht mit dem aufhalten muss, was sie sagen.

    Teile absolut diese Meinung.

    Erstens geht es nicht um Gelddrucken, sondern um die Geldschöpfung über Target 2. Und das machen alle nationalen Notenbanken vor Ort. Damit hat Soros das Notenbanksystem samt der internen Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten nicht verstanden.
    Auf einen Studenten heruntergebrochen würde das heißen, dass er Aktivkonten von Passivkonten nicht unterscheiden kann. Studienaus nach dem ersten Semester. Das "aus" spart man sich aber als Hedgefondsbetreiber, weil der die Märkte manipulieren kann.
    Die Euroländer sind auch nicht in der Rolle eines Entwicklugslandes das sich in anderer Währung verschuldet hat, sondern in gleicher Währung mit unterschiedlicher Kaufkraft und Kostenstruktur. Und für die seltsamen Kostenstrukturen haben sich die Länder eigenverantwortlich entschieden. Jetzt wissen wir auch warum Soros Millionen für seine gezüchtetten Wissenschaftrler ausgibt: Die sind schon nobelpreisnah, wenn sie den Unterschied von Aktiva und Passiva verstanden haben. Auf meinen Kommentar Nr. 5 sei verwiesen. Das Soros in allen anderen Belangen ebenfalls schief liegt, bedarf keiner Ausführungen mehr, wenn das "Fundament" schon brüchig ist.

  1. Warum soll ausgerechnet der "Investor" George Soros, der reich geworden ist indem er gegen das Pfund spekuliert hat, sich jetzt selbstlos für die Euro Rettung einsetzen ?? Was beruft ihn dazu auf diesem Gebiet Ratschläge zu erteilen ?

    Natürlich ist es für Soros leicht zu fordern, dass die dt. Steuerzahler erinfach noch mehr Milliarden gen Süden transferieren müssen, da er ja bereits im Luxus lebt und ihm die verfallende deutsche Infrastruktur, und die dt. Arbeitnehmer die zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen, herzlich egal sein dürften.

    Soros tut so als sei die EU kein Staatenbund, sondern ein zentraler Staat wie Italien wo jährlich ohne Gegenleistung Milliarden gen Süden transferiert werden. In Europa ist dies jedoch nicht möglich, da in allen EU Staaten der Wille dazu fehlt eine gemeinsame europäische Identität aufzubauen. Das sieht man zum Beispiel an den polemischen Nazi Vergleichen in griechischen und britischen Zeitungen...

    Ich vermute Soros Sichtweise ist von seinen persönlichen Vorlieben bzw. Abneigungen gegenüber einzelnen EU Staaten geprägt. Ich persönlich entwickle langsam eine Ablehnung gegen Investoren und Banker, die sich für die Schlausten halten und von normalen Bürgern verlangen, dass diese die Zeche für ihre Zockerei zahlen sollen !!!

  2. Glauben Sie wirklich Soros setzt sich jetzt selbstlos für die Rettung des Euro ein, nur weil er so ein großer Freund der europäischen Einigung ist ? Und einfach so um selbstlos zu helfen verbreitet er jetzt Weisheiten, auf die die dummen Normalbürger einfach nicht von alleine kommen, weil sie nicht so klug sind wie der Superinvestor Soros ? Was für eine erbärmliche Heuchelei !!

    Wenn Soros wirklich etwas an Europa liegen würde, würde er sich für eine Finanztransaktionssteuer einsetzen. Ich bin mir sicher insgeheim würde sich Soros freuen, wenn der Euro zerbricht. Jedenfalls mehr als Merkel sich freuen würde, der er vorwürft sie würde den Euro zerstören wollen. Ich vermute Soros empfindet auch eine klammheimliche Freude, wenn er sieht dass Deutschland von der EU immer mehr finanzielle Belastungen auferlegt werden und die Deutschen am Ende doch die Buhmänner sind... So wird wenigstens von den Spekulaten, die an der Krise verdienen, abgelenkt, nicht wahr ??

  3. OK Herr Soros fordert also einen Politikwechsel und natürlich soll Deutschland viel mehr zahlen....

    Ich fordere eine Finanztransaktionssteuer und ich fordere, dass Zocker wie Soros die kompletten Kosten für die Finanzkrise übernehmen, die von Spekulanten angerichtet worden ist. Von Soros Milliarden könnte Spanien noch ein viele Prachtbauten errichten und Griechenland könnte noch einige Jahre das Ostergeld für Beamte finanzieren.

    • Creo
    • 13. April 2012 15:42 Uhr

    ..wird das nicht zu unserem Vorteil sein! Es muß einen Neuanfang geben ohne die alte Garde und deren Vorstellungen. Alle Kissingers dieser Welt sollten dann hoffentlich den Weg allen Irdischen gegangen sein! Auf die eine oder andere Art..
    Kissinger hat mehr Blut an seinen Händen als Gaddafi, Saddam, Bin laden und Bush zusammen!

    • ludna
    • 13. April 2012 15:45 Uhr

    "Die Sparprogramme in Europa führen im Moment in eine Depression. "

    Und in der Depression enstehen Nationalismus und Extremismus mit allem was dazu gehört.

    • J-M
    • 13. April 2012 15:53 Uhr

    alex09: "Wenn Soros wirklich etwas an Europa liegen würde, würde er sich für eine Finanztransaktionssteuer einsetzen."

    Soros: "Eine Finanztransaktionssteuer wäre da effektiv. Ich denke, dass man sie auch ohne die USA und Großbritannien nur in der Euro-Zone einführen könnte."

    alex09: "Ich bin mir sicher insgeheim würde sich Soros freuen, wenn der Euro zerbricht. Jedenfalls mehr als Merkel sich freuen würde, der er vorwürft sie würde den Euro zerstören wollen."

    Soros: "Angela Merkel will den Euro nicht zerstören." (Das ist übrigens auch die Überschrift des Interviews)

    alex09: "So wird wenigstens von den Spekulaten, die an der Krise verdienen, abgelenkt, nicht wahr ??"

    ZEIT ONLINE: "Verschlimmern Spekulanten im Moment die Situation in Europa?"

    Soros: "Ja, natürlich, auch die Hedge-Fonds."

    Dieser Herr Soros ist schon gewieft. Er sagt des Gegenteil von dem, was Sie wissen, das er denkt, damit nur Gedankenleser und Zukunftsseher wie Sie erkennen, was er denkt. Mann, Mann, Mann erst vor über zwanzig Jahren gegen Währungen spekulieren und schon heute davor warnen. Dieser Mann ist wirklich ein Wendehals und gefährliches Chamäleon. Gott sei dank gibt es alex09, der ganz genau weiß, was die Leute denken und sich nicht mit dem aufhalten muss, was sie sagen.

  4. Soros: "Angela Merkel und die Bundesbank sind durchaus in der Lage zu verstehen, dass die Politik, die sie in Europa verfolgen, den Euro und die Europäische Union zerstören wird."

    Was soll diese Übertreibung Ihres Gurus Soros ? Wenn jemand Europa zerstört, dann sind es die Spekulanten und nicht die Politik von Merkel oder die Bundesbank. Der Maastricht Vertrag, der von allen EU Staaten unterschrieben wurde, hat klar gesagt, dass ein "bailout" anderer Staaten ausgeschlossen ist. Ist Merkel jetzt die Böse wenn sie an diese Dinge erinnert ?

    Was haben all die Rettungsmilliarden der letzten Monate bewirkt ? Die Schuldenkrise ist so schlimm wie vor einem Jahr und zwischen den EU Staaten brechen alte Ressentiments und Vorurteile wieder auf. Wer garantiert, dass es bei den Nettozahlern keine Populisten geben wird, wenn immer mehr Steuergelder in den Süden abfließen und dort versickern ? Was ist wenn die Niederlande und Finnland den Euro verlassen ? Dann noch Slowenien und andere sparsam wirtschaftende Staaten ?

    Soros: "Eine Finanztransaktionssteuer wäre da effektiv. Ich denke, dass man sie auch ohne die USA und Großbritannien nur in der Euro-Zone einführen könnte."

    Klar, Soros zockt ja auch an der Wall Street und in der Londoner City. Da kann es ihn nur freuen, wenn die lästigen Konkurrenten in Frankfurt und Paris mehr Steuern zahlern müssen.

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    • J-M
    • 13. April 2012 19:38 Uhr

    "Was soll diese Übertreibung Ihres Gurus Soros ?"

    Ich vermute mal, dass Sie "Überhöhung" meinen. Es ist sicherlich nicht "mein Guru", den ich hier überhöhe. Ich lese lediglich, was der Mann sagt und das widerspricht dem, was Sie ihm unterstellen.
    In Ihrem ersten Post haben Sie ja noch davon gesprochen, dass er sich für eine Finanzsteuer in Europa einsetzen sollte. Nachdem ich zeigte, dass er dafür eintritt, sind Sie auf einmal der Ansicht, dass dafür einzutreten genauso beweist wie nicht dafür einzutreten, dass ihm Europa egal ist. Das ist schon kurios.

    Auch für das erste Zitat gilt, dass Sie Soros unterstellen, er glaube Merkel WOLLE den Euro zerstören. Ich habe dies mit der Überschrift des Interviews widerlegt. Ihr erneutes Zitat belegt lediglich, dass er glaubt, dass sie es (ohne es zu wollen) tut.

    Und so könnte es ewig weiter gehen. Sie leben in Ihrer kleinen Welt, in der es die bösen Spekulanten ohne Gewissen gibt. Diese sind böse, egal was sie sagen oder tun. Sie gestatten diesen Menschen nicht, frühere Handlungen zu bedauern oder ihre Meinung zu ändern. Einmal böser Spekulant, immer böser Spekulant. Das ist für Sie sehr bequem. Sie sind der, der alles weiß, jedermanns geheime Gedanken und Absichten kennt und auf den trotzdem keiner hört. Wirklich sehr heroisch.

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