Offene ImmobilienfondsKleinanleger und das große Geld

Mehrere offene Immobilienfonds werden abgewickelt. Weitere dürften folgen und auch Dachfonds sind betroffen. Für die Anleger drohen Riesenverluste. Lohnt sich eine Klage? von Rolf Obertreis

Eigentlich sollen Offene Immobilienfonds vor allem Kleinanlegern ermöglichen, sich an Immobilienprojekten zu beteiligen. Doch viele haben sich im Zuge der Finanzkrise vor allem Ärger eingehandelt. Ob und wie viel Geld sie zurückbekommen, ist häufig völlig offen. Jetzt kommt die Entwicklung der Offenen Immobilienfonds in eine entscheidende Phase. Sechs Fonds werden derzeit abgewickelt, sieben sind eingefroren , so dass etwa 1,5 Millionen Anleger derzeit keinen Zugriff auf insgesamt rund 24 Milliarden Euro haben oder nur nach und nach Geld zurückbekommen.

Die Krise trifft seit längerem auch Dachfonds, die das Geld wiederum in einzelne Fonds stecken. Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS , die Landesbank Berlin und Credit Suisse haben jetzt die Anteilsrücknahme von drei solcher Dachfonds eingestellt und sperren damit weiteres Anlagekapital in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Insgesamt sind acht Dachfonds dicht. Im Mai droht der nächste Rückschlag: Dann müssen die zwei größten der derzeit geschlossenen Offenen Immobilienfonds mit einem Vermögen von insgesamt 12,3 Milliarden Euro kundtun, ob sie aufmachen oder auch abgewickelt werden.

Anzeige

Ende Februar verwalteten 36 Fonds nach Angaben des Branchenverbandes BVI ein Vermögen von insgesamt 85 Milliarden Euro. Aktuell ist durch die geschlossenen und in Abwicklung befindlichen Fonds mehr als ein Viertel dieses Kapitals blockiert. Dass mehr und mehr Dachfonds in die Bredouille kommen ist nach Angaben von Matthias Danne, Vorstandsmitglied der Dekabank, des Fondsanbieters der Sparkassen, logisch. Wenn so viele Offenen Immobilienfonds geschlossen seien, könne das Modell nicht mehr funktionieren. "Und es gibt keine Aussicht, dass sich das ändert." Beim jetzt von der DWS gesperrten Dachfonds stecken fast 97 Prozent des Fondsvolumens in Offenen Immobilienfonds, davon angeblich 40 Prozent in den beiden größten geschlossenen Fonds SEB Immoinvest und CS Euroreal, die jeweils rund sechs Milliarden Euro verwalten. Beide Fonds sind seit Mai 2010 dicht.

Verluste sind vorprogrammiert

Bei insgesamt vier der sechs eingefrorenen Fonds endet im nächsten Monat die gesetzlich erlaubte Zwei-Jahres-Frist für eine Schließung. Ist eine Öffnung dann nicht möglich, müssen sie abgewickelt werden: Die vom Fonds gekauften Gewerbeimmobilien müssen verkauft werden, das Geld geht an die Anleger. Weil dies unter Druck geschieht sind Verluste programmiert. Um das Risiko zu reduzieren wurden die Fonds erst einmal geschlossen. Hintergrund ist die zu geringe Liquidität: 30 Prozent der Mittel müssen die Fonds eigentlich flüssig haben.

Anteile der geschlossenen Fonds können zwar noch verkauft werden, etwa über die Börse in Hamburg . Aber die Abschläge sind mit bis zu 50 Prozent auf den ursprünglichen Anteilswert erheblich. Anwälte raten Sparern wegen möglicher Falschberatung über eine Klage nachzudenken. Anfang April erging bereits ein erstes Urteil des Landgerichts Frankfurt: Die Commerzbank soll zwei Anleger entschädigen, die 2008 Anteile am P2 Value von Morgan Stanley erworben hatten, dabei aber angeblich nicht auf das Verlustrisiko durch ein mögliches Einfrieren des Fonds aufgeklärt wurden. Aber die Commerzbank will in die Berufung gehen. Verbraucherschützer warnen, überstürzt zu klagen und viel Geld für Anwälte auszugeben. Jeder einzelne Fall müsse vorab geprüft werden. Die Anlegerschutzkanzleien Nieding+Barth und Tilp bereiten derzeit nach eigenen Angaben ein Musterverfahren vor, um die Kosten niedrig zu halten. Rund 3.000 Anleger mit Forderungen von 250 Millionen Euro wollen sie vertreten.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ..."Kleinanleger baden die Fehler der institutionellen Anleger aus"...
    Ich meine damit diejenigen Kleinanleger, die direkt in den offenen Immobilienfonds angelegt haben. Auch Selbständige, die einen Auszahlnplan für ihren Ruhestand hatten. Das würde heute noch funktionieren und die meisten Fonds hätten nicht geschlossen werden müssen, hätten nicht institutionelle Anleger die offenen Immobilienfonds zur kurzfristigen, sicheren Geldanlage "missbraucht". Als die dann alle auf einmal "raus" wollten ging das verständlicherweise nicht, weil so viel Liquidität einfach nicht vorgehalten werden kann.
    Meine Lösung: Der Gesetzgeber limitiert die maximale "Abhebesumme" pro Jahr und Verkäufer auf 50 000 Euro.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dmtude
    • 16. April 2012 16:50 Uhr

    ist es zu spät.

    Denn wenn man es aber genau nimmt, ist es doch immer das Selbe. Anlagen werden beworben und auch durch die Medien (man will ja keine Anzeigekunden verlieren) gepusht und am Ende fallen die KLeinanleger auf den Mund.

    Wird mit Riester so sein wie mit den hier so gern beworben nachhaltigen Anlagen. Und wenn man mal ins Archiv gucken würde , dann würde man auch dort sicher Artikel über sichere Anlagen in Immo-Fonds finden.

    Teilweise sind aber auch die Kleinanleger schuld, denn die schalten bei Geldanlagen imho immer ihre Gehirn aus, wo sie bei Autos oder Konsumgüter sich endlos informieren, gehen sie meist blauäugig in solche Investments.

    Und bei den Algern die gewonnen haben, steht leider nicht wie hoch die reingeagnegn sind, denn bei den meisten KA dürfte es sich doch um
    Summen um die 10K handeln. Unternehmer jetz mal aussen vor. Und ob sich da die Kosten für die Anwälte (die Gewinnen übrigens immer) rentieren wage ich mal zu bezweifeln.

    • bkkopp
    • 16. April 2012 15:48 Uhr

    Offene Immobilienfonds waren schon immer eine unseriöse Veranstaltung weil sie die Illusion bedienten, dass man Liquiditätspräferenz (kurzfristige Verfügbarkeit) und langfristige Sachwertinvestitionen so locker miteinander verknüpfen kann.

    REITs, börsennotiert, wären immer schon vernünftiger gewesen.
    But, common sense is not very common. Leider ganz besonders nicht bei Kapitalanlagen für Kleinanleger.

    • dmtude
    • 16. April 2012 16:50 Uhr

    ist es zu spät.

    Denn wenn man es aber genau nimmt, ist es doch immer das Selbe. Anlagen werden beworben und auch durch die Medien (man will ja keine Anzeigekunden verlieren) gepusht und am Ende fallen die KLeinanleger auf den Mund.

    Wird mit Riester so sein wie mit den hier so gern beworben nachhaltigen Anlagen. Und wenn man mal ins Archiv gucken würde , dann würde man auch dort sicher Artikel über sichere Anlagen in Immo-Fonds finden.

    Teilweise sind aber auch die Kleinanleger schuld, denn die schalten bei Geldanlagen imho immer ihre Gehirn aus, wo sie bei Autos oder Konsumgüter sich endlos informieren, gehen sie meist blauäugig in solche Investments.

    Und bei den Algern die gewonnen haben, steht leider nicht wie hoch die reingeagnegn sind, denn bei den meisten KA dürfte es sich doch um
    Summen um die 10K handeln. Unternehmer jetz mal aussen vor. Und ob sich da die Kosten für die Anwälte (die Gewinnen übrigens immer) rentieren wage ich mal zu bezweifeln.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Commerzbank | Morgan Stanley | Credit Suisse | DWS | Dachfonds | Euro
Service