Agrar-Spekulation"Die Deutsche Bank verhält sich verantwortungslos"
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 "Es ist schwer, gute Spekulation von gefährlichen Finanzwetten zu unterscheiden"

De Schutter: Es gibt zwei Wege, dagegen vorzugehen. Am leichtesten ist es, die Transparenz der Märkte zu erhöhen, auf denen Agrargüter physisch gehandelt werden. So kann man Unsicherheit vermeiden, die Finanzinvestoren verführen könnte, auf steigende oder fallende Preise zu wetten. Im Moment geht die internationale Politik in diese Richtung, angeführt von den G 20.

Die andere Option ist ebenso wichtig, aber viel komplizierter: die Finanzmärkte direkt zu regulieren. Dessen haben sich die G 20 nicht ausreichend angenommen; und die Finanzlobby leistet starken Widerstand. Fortschritte gibt es einzig in den USA , wo Investoren seit vergangenen Oktober nur noch bis zu bestimmten Grenzen mit Agrargütern spekulieren dürfen. Die Europäische Union ist da sehr viel langsamer. Das liegt aber nicht nur an der starken Finanzlobby. Es ist einfach schwer, gute Spekulation von gefährlichen Finanzwetten zu unterscheiden.

ZEIT ONLINE: Gute Spekulation?

De Schutter: Auch Händler, die mit physischen Agrarprodukten handeln, müssen sich gegen Preisschwankungen absichern. Dafür brauchen sie Derivate. Hier erfüllen die Finanzmärkte eine nützliche Funktion.

ZEIT ONLINE: Sollten Indexfonds für Rohstoffe verboten werden? Die Deutsche Bank ist harsch kritisiert worden , weil sie mit solchen Fonds handelt.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

De Schutter: Rohstoff-Indexfonds sollten verboten werden. Die Deutsche Bank ist in diesem Markt führend, aber sie verhält sich verantwortungslos. Sie tut so, als hätte sie keinen Einfluss auf die Entwicklung der Preise. Es stimmt, dass es Preisschwankungen schon immer gegeben hat. Aber seit institutionelle Investoren um das Jahr 2006 anfingen, mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu spekulieren, werden die Agrarmärkte durch reine Finanzlogik beherrscht. Angebot, Nachfrage und Lagerbestand hingegen spielen nur noch eine winzige Rolle. Das hat den Markt wirklich destabilisiert – selbst große Konzerne wie Nestlé oder Danone beklagen, dass es für sie sehr schwer geworden ist, vorherzusehen, wie die Preise sich entwickeln.

ZEIT ONLINE: Auch in der realen Welt wird die Konkurrenz um knappe natürliche Ressourcen härter. Ackerland ist zum begehrten Anlageobjekt geworden.

De Schutter: Dass reiche Investoren sich fruchtbares Land in Entwicklungsländern sichern, ist ein besorgniserregendes Phänomen. Die Verbraucher der reichen Länder, die Geld besitzen , treten dadurch in Konkurrenz zur lokalen Bevölkerung, die über keine Nachfragemacht verfügen. Ich fürchte, dass sich die weltweite Ungleichheit dadurch noch verschärft.

Was nicht heißen soll, das Investitionen in Ackerland per se schlecht sind. Die Investoren aber sollten die lokalen Landrechte nicht antasten und die Bauern mit einbeziehen. Sie sollten den Farmern technische Unterstützung geben und Kredite gewähren. Im Gegenzug würden die Bauern ihre Ernte an den Investor verkaufen. Sie könnten ein zusätzliches Einkommen erzielen, und er hätte eine stabile Bezugsquelle. Solche Arrangements könnten funktionieren. Nicht nachhaltig sind aber große Monokulturen, die vor allem für den Export produzieren, keine Jobs schaffen und sehr viel fossile Energie verbrauchen.

ZEIT ONLINE: Meist erfährt man von Negativbeispielen. Können Sie einen Fall nennen, in dem Kleinbauern und Investoren gut zusammenarbeiten?

De Schutter: Die Investition einer niederländischen Firma in Mali . Das Unternehmen stellt Biodiesel her und hat lokale Bauern unter Vertrag genommen, um Jatropha anzubauen. Normalerweise bauten die Leute dort Mais an. Jetzt wächst auf ihren Feldern Mais und Jatropha. Die Niederländer gaben Dünger, die Ernten stiegen. So haben die Bauern jetzt mehr Mais als zuvor, und sie verdienen zusätzlich Geld durch den Verkauf der Energiepflanze. Möglich war das aber nur, weil die Bauern auf eine gute Balance zwischen Nahrungspflanzen und Ölpflanzen geachtet haben, und weil sie von vornherein gut organisiert waren. So hatten sie eine starke Verhandlungsposition und konnten mit dem Investor einen vorteilhaften Vertrag aushandeln. 

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Leserkommentare
  1. Aus Versehen, das wäre wohl eine fahrlässige Tötung.

    Für sowas noch bni zu kassieren, das nenne ich einfach nur lässig.

    Nichts dagegen zu tun, das ist wohl Beihilfe zum Mord.

    [...]

    Und stellt man in halb öffentlichem Raum die logischen Schlussfolgerungen, dann wird man zensiert.

    Verrückte Welt.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/au.

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    so traurig

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/au.

    Wir haben das Paradies auf Erden, und doch zerstört Mensch dies tagtäglich. Schauen wir in die Natur, in die Landschaften, die in all ihrer Pracht im Wechsel der Jahreszeiten und klimatischen Veränderungen einen Teppich der vollkommenen Schönheit uns auslegt. Und was macht die Menschheit daraus? Sie tritt ihn mit Füßen, mißachtet ihn, d.h. unzählige Millionen, mehrere Milliarden unserer Spezies sind stets damit beschäftigt, zu überleben in Systemen, die ein Wegschauen, eine Ignoranz der Harmonie einfordern, um bestimmten Eliten zu dienen. Das versteckte, moderne Sklaventum bleibt somit unerkannt, Hauptsache man schlägt sich durch, rücksichtslos, jeder sich selbst der Nächste ist. Kein Wunder, daß Lug und Trug herrschen, die Gesellschaft mal wieder zerfällt, ganze Nationen sich belauern.
    Das Narunsmittelspekulation Menschenleben Zerstört ist aber auch schon länger bekannt,
    "Hände weg vom Acker, Mann!"
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Unsere Art der Zivilisation, des Fortschritts und Konsums ruiniert die Welt und die Existenzgrundlagen der Menschen als Gesamtheit. Von dieser wird ein großer Teil nur noch behandelt wie eine "überflüssige Biomasse".
    Unsere Gesellschaft hat den Zenit längst erreicht, es wird keine Perestroika, keine Renaissance, keine Revolution mehr geben wenn unser Desinteresse, unsere Ignoranz gegenüber unseren Mitmenschen weiter bestehen bleibt.

    ...Viele entschieden sich für das Geschäft mit dem Hunger. In der zweiten Jahreshälfte 2007 legten viele Banken erstmals Agrarrohstoff-Fonds auf, mit denen ihre Kunden auf Preisentwicklungen am Markt der Nahrungsmittel wetten können. Schon 2008 wurden die Folgen sichtbar: Die Lebensmittelpreise explodierten auch auf den Märkten für die physische Ware.
    https://www.attac.de/inde...

  2. Ist das Land Niger nicht welches das seit Jahren wegen bürgerkriegsähnlichen Zuständen durch Islamismus bedingt Schlagzeilen macht? Ist Niger nicht das Land mit reichen Ölvorkommen? Ich gehe stark davon aus, dass die größten Probleme bzgl. der Unterversorgung allein aus der Tatsache herrühren, das Investoren Geld investieren wollen.

    Aber sicherlich werden mir 50 Kommentare erklären, wie das genau mit der Deutschen Bank und Nestle und armen Afrikaner funktioniert.

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    • cielo
    • 24. April 2012 15:21 Uhr

    Sie warten ja schon gespannt auf Infos! Ich kann Ihnen das Buch von Jean Ziegler:"Der Hass auf den Westen" empfehlen, damit klärt sich einiges auf.
    Ihr süffisanter letzter Satz lässt aber darauf schliessen, dass Sie schon eine verfestigte Meinung von dem Thema haben, ich habe nicht gesagt Wissen, sondern Meinung!

    Redaktion

    Liebe(r) apollo23,

    meinen Sie vielleicht Nigeria?

    Im Niger gibt es zwar auch Öl (und Uran), aber der wichtigste Sektor der Wirtschaft ist die Landwirtschaft. Die Ernten sind durch die Dürre stark geschrumpft, deshalb warnen die Vereinten Nationen vor einer Hungerkrise.

    Die Deutsche Bank kann für die Ernteausfälle selbstverständlich nichts - aber die Tatsache, dass sie und andere Banken seit ein paar Jahren vermehrt in die Agrarmärkte investieren, lässt die Preise dort stärker schwanken als zuvor. Dadurch wächst die Unsicherheit für Verbraucher und Produzenten, und gerade für die Armen wird es schwieriger, sich zu versorgen. Darum dreht sich die Kritik.

    Beste Grüße,
    Alexandra Endres

    .
    Hier der aktuelle Newsletter:

    http://foodwatch.de/newsl...

    Auf der Homepage:

    http://www.foodwatch.de/

    gibt es weitere Berichte und Unterschriften-Aktionen.

  3. 3. Q.E.D.

    so traurig

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    nicht nur das - ein weiterer Punkt:

    Qui bono - und da gibt ja auch schon die Überschrift die Antwort - nicht wahr...

    Liebe Grüße

    • Bus-x
    • 24. April 2012 15:18 Uhr

    Aber dann würde so mancher (Investment) Geier sterben oder zumindest weniger Geld verdienen. Es ist schon ein armseliges Denken nur profitorintiert zu leben.

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    • GDH
    • 24. April 2012 18:00 Uhr

    Ja, Spekulation kann auch ihr Gutes haben. Wenn jemand auf steigende Nahrungsmittelpreist spekuliert indem er z.B. Nahrung hortet oder künftige Erträge aufkauft, weil er künftige Knappheit glaubt, ist das erstmal etwas Positives. Dann führt nämlich die erwartete künftige Knappheit schon vorher zu steigenden Preisen. Und höhere Preise führen erstens zu sparsamerem Umgang mit dem knappen Gut (je teurer des Getreide desto weniger lohnt es sich etwa, das Zeug zu verfeuert) und sind andererseits ein Anreiz, mehr dafür herzustellen.

    Ganz abseits aller Spekulation gibt es einen Zusammenhang zwischen Nahrungs- und Energiepreisen. Steigen Nahrungspreise nicht, werden andere landwirtschaftliche Erzeugnisse attraktiver für die Bauern und es wird weniger Nahrung angebaut. Letztlich führt das auch zum Preisanstieg.

    Unter'm Strich ist es also leicht, auf Spekulanten zu schimpfen aber weniger einfach, zu unterscheiden, ob Nahrungsknappheit durch Spekulation oder Spekulation (auch im Sinne des Anlegens von Vorräten) durch absehbare Knappheit ausgelöst wird.

    Wenn Menschen hungern, weil sie sich kein Essen leisten können, muss man in erster Linie bei der Einkommensverteilung ansetzen und nicht die Nahrungspreise subventionieren (siehe ermäßigter MWSt.-Satz bei uns - da wird Nahrungsverbauch gegenüber anderen Waren und Dienstleistungen sogar gefördert).

    • cielo
    • 24. April 2012 15:21 Uhr

    Sie warten ja schon gespannt auf Infos! Ich kann Ihnen das Buch von Jean Ziegler:"Der Hass auf den Westen" empfehlen, damit klärt sich einiges auf.
    Ihr süffisanter letzter Satz lässt aber darauf schliessen, dass Sie schon eine verfestigte Meinung von dem Thema haben, ich habe nicht gesagt Wissen, sondern Meinung!

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    Danke für die Buchempfehlung.

  4. Was die Menschen tatsächlich benötigen, sind nicht neue Abhängigkeiten vom Export, sondern Brunnen, Bildung und Gesundheit. Wir unterstützen daher ein Projekt in der Sahel-Zone, das genau dieses macht: Kindergärten und Schulen betreiben, Tageskliniken betreiben und Brunnen bauen für die ehemaligen Schüler, damit diese auf den dürren und kargen Flächen eine Chance haben.

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    liquid democracy

    es ist genug für alle da, bis auf die, die eine mindestens 25% Eigenkapitalrendite benötigen.

    packen wir sie dahin wohin die hingehören! Auf den Müll der Geschichte!

    Darf man fragen, wer "wir" ist? Und welches Projekt Sie da unterstützen?

    Bitte schauen Sie sich mal um auf folgender Website: www.sahel.de. Früher haben wir selbst Container gepackt und dorthin geschickt, alte Fahrräder von hier wurden dort zu Rollstühlen umgebaut etc. Wir kennen die Gründerin, Frau Rhode, seit langem persönlich, sie hatte einen Buchladen in unserer Stadt, bevor sie nach Afrika ging. Aus den Projekten sind viele selbständige Existenzen hervorgegangen.

  5. 8. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/au.

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  • Schlagworte Bank | Deutsche Bank | Europäische Union | Agrarmarkt | Agrarprodukt | Biodiesel
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