Agrar-Spekulation : "Die Deutsche Bank verhält sich verantwortungslos"
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 "Es ist schwer, gute Spekulation von gefährlichen Finanzwetten zu unterscheiden"

De Schutter: Es gibt zwei Wege, dagegen vorzugehen. Am leichtesten ist es, die Transparenz der Märkte zu erhöhen, auf denen Agrargüter physisch gehandelt werden. So kann man Unsicherheit vermeiden, die Finanzinvestoren verführen könnte, auf steigende oder fallende Preise zu wetten. Im Moment geht die internationale Politik in diese Richtung, angeführt von den G 20.

Die andere Option ist ebenso wichtig, aber viel komplizierter: die Finanzmärkte direkt zu regulieren. Dessen haben sich die G 20 nicht ausreichend angenommen; und die Finanzlobby leistet starken Widerstand. Fortschritte gibt es einzig in den USA , wo Investoren seit vergangenen Oktober nur noch bis zu bestimmten Grenzen mit Agrargütern spekulieren dürfen. Die Europäische Union ist da sehr viel langsamer. Das liegt aber nicht nur an der starken Finanzlobby. Es ist einfach schwer, gute Spekulation von gefährlichen Finanzwetten zu unterscheiden.

ZEIT ONLINE: Gute Spekulation?

De Schutter: Auch Händler, die mit physischen Agrarprodukten handeln, müssen sich gegen Preisschwankungen absichern. Dafür brauchen sie Derivate. Hier erfüllen die Finanzmärkte eine nützliche Funktion.

ZEIT ONLINE: Sollten Indexfonds für Rohstoffe verboten werden? Die Deutsche Bank ist harsch kritisiert worden , weil sie mit solchen Fonds handelt.

Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

De Schutter: Rohstoff-Indexfonds sollten verboten werden. Die Deutsche Bank ist in diesem Markt führend, aber sie verhält sich verantwortungslos. Sie tut so, als hätte sie keinen Einfluss auf die Entwicklung der Preise. Es stimmt, dass es Preisschwankungen schon immer gegeben hat. Aber seit institutionelle Investoren um das Jahr 2006 anfingen, mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu spekulieren, werden die Agrarmärkte durch reine Finanzlogik beherrscht. Angebot, Nachfrage und Lagerbestand hingegen spielen nur noch eine winzige Rolle. Das hat den Markt wirklich destabilisiert – selbst große Konzerne wie Nestlé oder Danone beklagen, dass es für sie sehr schwer geworden ist, vorherzusehen, wie die Preise sich entwickeln.

ZEIT ONLINE: Auch in der realen Welt wird die Konkurrenz um knappe natürliche Ressourcen härter. Ackerland ist zum begehrten Anlageobjekt geworden.

De Schutter: Dass reiche Investoren sich fruchtbares Land in Entwicklungsländern sichern, ist ein besorgniserregendes Phänomen. Die Verbraucher der reichen Länder, die Geld besitzen , treten dadurch in Konkurrenz zur lokalen Bevölkerung, die über keine Nachfragemacht verfügen. Ich fürchte, dass sich die weltweite Ungleichheit dadurch noch verschärft.

Was nicht heißen soll, das Investitionen in Ackerland per se schlecht sind. Die Investoren aber sollten die lokalen Landrechte nicht antasten und die Bauern mit einbeziehen. Sie sollten den Farmern technische Unterstützung geben und Kredite gewähren. Im Gegenzug würden die Bauern ihre Ernte an den Investor verkaufen. Sie könnten ein zusätzliches Einkommen erzielen, und er hätte eine stabile Bezugsquelle. Solche Arrangements könnten funktionieren. Nicht nachhaltig sind aber große Monokulturen, die vor allem für den Export produzieren, keine Jobs schaffen und sehr viel fossile Energie verbrauchen.

ZEIT ONLINE: Meist erfährt man von Negativbeispielen. Können Sie einen Fall nennen, in dem Kleinbauern und Investoren gut zusammenarbeiten?

De Schutter: Die Investition einer niederländischen Firma in Mali . Das Unternehmen stellt Biodiesel her und hat lokale Bauern unter Vertrag genommen, um Jatropha anzubauen. Normalerweise bauten die Leute dort Mais an. Jetzt wächst auf ihren Feldern Mais und Jatropha. Die Niederländer gaben Dünger, die Ernten stiegen. So haben die Bauern jetzt mehr Mais als zuvor, und sie verdienen zusätzlich Geld durch den Verkauf der Energiepflanze. Möglich war das aber nur, weil die Bauern auf eine gute Balance zwischen Nahrungspflanzen und Ölpflanzen geachtet haben, und weil sie von vornherein gut organisiert waren. So hatten sie eine starke Verhandlungsposition und konnten mit dem Investor einen vorteilhaften Vertrag aushandeln. 

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Kommentare

80 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Menschen verhungern lassen, das nennt man wohl Mord.

Aus Versehen, das wäre wohl eine fahrlässige Tötung.

Für sowas noch bni zu kassieren, das nenne ich einfach nur lässig.

Nichts dagegen zu tun, das ist wohl Beihilfe zum Mord.

[...]

Und stellt man in halb öffentlichem Raum die logischen Schlussfolgerungen, dann wird man zensiert.

Verrückte Welt.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/au.

Exaxt

Wir haben das Paradies auf Erden, und doch zerstört Mensch dies tagtäglich. Schauen wir in die Natur, in die Landschaften, die in all ihrer Pracht im Wechsel der Jahreszeiten und klimatischen Veränderungen einen Teppich der vollkommenen Schönheit uns auslegt. Und was macht die Menschheit daraus? Sie tritt ihn mit Füßen, mißachtet ihn, d.h. unzählige Millionen, mehrere Milliarden unserer Spezies sind stets damit beschäftigt, zu überleben in Systemen, die ein Wegschauen, eine Ignoranz der Harmonie einfordern, um bestimmten Eliten zu dienen. Das versteckte, moderne Sklaventum bleibt somit unerkannt, Hauptsache man schlägt sich durch, rücksichtslos, jeder sich selbst der Nächste ist. Kein Wunder, daß Lug und Trug herrschen, die Gesellschaft mal wieder zerfällt, ganze Nationen sich belauern.
Das Narunsmittelspekulation Menschenleben Zerstört ist aber auch schon länger bekannt,
"Hände weg vom Acker, Mann!"
http://www.heise.de/tp/ar...

Unsere Art der Zivilisation, des Fortschritts und Konsums ruiniert die Welt und die Existenzgrundlagen der Menschen als Gesamtheit. Von dieser wird ein großer Teil nur noch behandelt wie eine "überflüssige Biomasse".
Unsere Gesellschaft hat den Zenit längst erreicht, es wird keine Perestroika, keine Renaissance, keine Revolution mehr geben wenn unser Desinteresse, unsere Ignoranz gegenüber unseren Mitmenschen weiter bestehen bleibt.

Drastische Worte, aber wohl wahr

Sie schreiben:

"Unsere Art der Zivilisation, des Fortschritts und Konsums ruiniert die Welt und die Existenzgrundlagen der Menschen als Gesamtheit. Von dieser wird ein großer Teil nur noch behandelt wie eine "überflüssige Biomasse".
Unsere Gesellschaft hat den Zenit längst erreicht, es wird keine Perestroika, keine Renaissance, keine Revolution mehr geben wenn unser Desinteresse, unsere Ignoranz gegenüber unseren Mitmenschen weiter bestehen bleibt."

Drastische Worte. Ich fürchte aber, Sie haben Recht.

Danke für ihren Kommentar

Die Spezies Mensch ist der eigentliche Schädling auf unserem Planeten. Wir müssen es endlich schaffen, uns soweit in Grenzen zu halten, dass noch etwas übrig bleibt neben uns.

Es kann nicht nur darum gehen, die Lebensqalität des Menschen (in den Industrienationen) als oberstes Ziel zu haben, sondern das Fortbestehen des Naturraumes Erde an sich. Dem hat sich alles andere unterzuordnen, auch der typische reiche Europäer.

So wird am Hunger nicht nur verdient, er wird gemacht!

...Viele entschieden sich für das Geschäft mit dem Hunger. In der zweiten Jahreshälfte 2007 legten viele Banken erstmals Agrarrohstoff-Fonds auf, mit denen ihre Kunden auf Preisentwicklungen am Markt der Nahrungsmittel wetten können. Schon 2008 wurden die Folgen sichtbar: Die Lebensmittelpreise explodierten auch auf den Märkten für die physische Ware.
https://www.attac.de/inde...

Zustimmung

Was Sie da beschreiben, ist die unschoene Wahrheit ueber den Zustand der Menscheit Insgesamt und der westlich gepraegten im Besonderen. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, unsere Spezies ist kraeftig dabei, den Ast abzusaegen, auf dem wir sitzen und den Rest um uns herum mit uns in den Abgrund zu reissen. Aber dieser Planet wird sich nicht im geringsten darum scheren und das tun, was er am besten kann. Innerhalb von Millionen Jahren durch Ausprobieren neues Leben erschaffen und dann hoffentlich nicht wieder auf die Idee verkommen, aufrecht laufende Affen auszuprobieren.

Wie einfältig der Herr von der UNO

Ist das Land Niger nicht welches das seit Jahren wegen bürgerkriegsähnlichen Zuständen durch Islamismus bedingt Schlagzeilen macht? Ist Niger nicht das Land mit reichen Ölvorkommen? Ich gehe stark davon aus, dass die größten Probleme bzgl. der Unterversorgung allein aus der Tatsache herrühren, das Investoren Geld investieren wollen.

Aber sicherlich werden mir 50 Kommentare erklären, wie das genau mit der Deutschen Bank und Nestle und armen Afrikaner funktioniert.

Niger/Nigeria, UN und Deutsche Bank

Liebe(r) apollo23,

meinen Sie vielleicht Nigeria?

Im Niger gibt es zwar auch Öl (und Uran), aber der wichtigste Sektor der Wirtschaft ist die Landwirtschaft. Die Ernten sind durch die Dürre stark geschrumpft, deshalb warnen die Vereinten Nationen vor einer Hungerkrise.

Die Deutsche Bank kann für die Ernteausfälle selbstverständlich nichts - aber die Tatsache, dass sie und andere Banken seit ein paar Jahren vermehrt in die Agrarmärkte investieren, lässt die Preise dort stärker schwanken als zuvor. Dadurch wächst die Unsicherheit für Verbraucher und Produzenten, und gerade für die Armen wird es schwieriger, sich zu versorgen. Darum dreht sich die Kritik.

Beste Grüße,
Alexandra Endres

Die Kausalität wonach Investitionen der

Deutschen Bank in die Agrarmärkte dieser Region zu Preisschwankungen führen belegen Sie wodurch? Wie steht es um Preisschwankungen davor aus, also ohne Eingriffe namentlich der Deutschen Bank?

Es bleibt dennoch ein Märchen welches Sie verbreiten. Das Problem Afrikas ist das Problem der Ineffizienz ihrer Agrarindustrie. Zum Vergleich, der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft betrug 2006 in Tansania 75% und in den Niederlanden 1%. der Bevölkerung.

Diese Missverhältnis gilt es zu überwinden, weswegen man Spekulation, welche für die Preisbildung wichtig sind, benötigt Frau Endres.

Aber Sie können den Leuten ja gerne weiter erzählen, es müsste nur mehr gespendet und noch mehr Brunnen gebohrt werden.

@ Frau Endres

Natürlich wäre es am besten, wenn Güter der Grundversorgung von Spekulation ausgeschlossen wären. Aber in Deutschland wurde mal propagiert, dass es auch ohne Strom geht (Mittelalter Begeisterung) und danach wurden die Energieversorger privatisiert, der Verbraucher zahlt und nicht der Staat. Sparen ist dann die Devise für die Abgehängten.

Das liesse sich für Deutschland auch auf den Nahrungsmittelbereich oder auch auf das Wasser übertragen. Wir haben ja genug zu essen und zu trinken, also könnte hierzulande doch Spekulation erlaubt sein.

Alles bis ins kleinste regeln geht weltweit allerdings nicht. Und das kritisiere ich an den zahlreichen Beauftragten. Immer nur gut und böse aber keine Lösungen im Angebot, die den divergierenden Interessen gerecht werden könnten. Wobei die Bennenung Einiger als böse oder verantwortungslos eben m. E. keine Lösung ist.

Derivate werden doch von Banken ausgegeben.

Derivate sind ein Produkt, das durch zusätzliche Ausgabe oder Zurücknahme Preismanipulationen zulässt? Besonders dann, wenn die Bank, Derivate im Eigenhandel hat.

Kann auch sein das ich mich Irre?

Ich Spekuliere halt nicht mit Derivaten, oder sonstigen Hebelpapieren, oder auf Kredit! Daher Beschäftigen mich diese Papiere nicht, ausser das Sie Verboten gehören, für Spekulanten!

Derivate sollten wiederum nur die Kaufen können, wo eine reale Geschäftabsicht dahintersteht. So wie Früher, Weitervearbeitung oder Veredelung! Dafür ist es auch Sinnvoll.

Das ist nur eine Seite der Medallie

Ja, Spekulation kann auch ihr Gutes haben. Wenn jemand auf steigende Nahrungsmittelpreist spekuliert indem er z.B. Nahrung hortet oder künftige Erträge aufkauft, weil er künftige Knappheit glaubt, ist das erstmal etwas Positives. Dann führt nämlich die erwartete künftige Knappheit schon vorher zu steigenden Preisen. Und höhere Preise führen erstens zu sparsamerem Umgang mit dem knappen Gut (je teurer des Getreide desto weniger lohnt es sich etwa, das Zeug zu verfeuert) und sind andererseits ein Anreiz, mehr dafür herzustellen.

Ganz abseits aller Spekulation gibt es einen Zusammenhang zwischen Nahrungs- und Energiepreisen. Steigen Nahrungspreise nicht, werden andere landwirtschaftliche Erzeugnisse attraktiver für die Bauern und es wird weniger Nahrung angebaut. Letztlich führt das auch zum Preisanstieg.

Unter'm Strich ist es also leicht, auf Spekulanten zu schimpfen aber weniger einfach, zu unterscheiden, ob Nahrungsknappheit durch Spekulation oder Spekulation (auch im Sinne des Anlegens von Vorräten) durch absehbare Knappheit ausgelöst wird.

Wenn Menschen hungern, weil sie sich kein Essen leisten können, muss man in erster Linie bei der Einkommensverteilung ansetzen und nicht die Nahrungspreise subventionieren (siehe ermäßigter MWSt.-Satz bei uns - da wird Nahrungsverbauch gegenüber anderen Waren und Dienstleistungen sogar gefördert).

Eben nicht hilfreich

Aber wieso das Geld einem Erzeuger geben, damit er dann seine Produkte unter Herstellungspreis verkauft? Dann doch lieber gleich denen etwas geben, von denen man will, dass sie sich Essen leisten können.

Künstlich niedrig gehaltene Preise schaden einerseits der Erzeugung, mindern auf der anderen Seite die Sparsamkeit derer, die sich auch die "normalen" Preise leisten könnten und greifen vor allem dann nicht, wenn es auch für diese Preise keine Garantie gibt, dass sie sich jeder leisten kann. Hat man aber ein Sozialsystem, das ein gewisses Minimaleinkommen je Haushalt sicherstellt, kann man dieses Haushaltseinkommen auch raufsetzen anstatt die Nahrung zu subventionieren.

In einem Land, in dem sich die Ärmsten keine Nahrung leisten können, besteht sogar die Gefahr, dass bei subventionieren Preisen die Reichen sich einfach mehr kaufen (man kann mit Grundnahrungsmitteln sogar Tiere züchten, wenn bestimmte Leute lieber Fleisch auf'm Teller haben.).

Aber klar doch

Was soll die Analogie mit dem Haus?

Aber wenn's sein muss:
Wenn ich möchte, dass Leute besser wohnen, dann hilft es sehr wohl, wenn ich ihnen Geld gebe: Dann können Sie nämlich entweder in ein anderes Haus ziehen oder mit ihrem Vermieter darüber verhandeln, eine Rennovierung auf die Miete umzulegen.

Gebe ich in dem Beispiel dem Vermieter Geld, ist das Haus nachher besser aber die bisherigen Mieter müssen ausziehen, weil für dieses bessere Haus jetzt Andere bereit sind eine höhere Miete zu zahlen...

Aber zu Sache: Welche "großen" und "kleinen" meinen Sie eigentlich? Geht es Ihnen jetzt darum, dass sich jeder ausreichend Nahrung leisten kann oder wie die Produktion organisiert ist? Letztlich muss doch das Ziel sein, dass sich auch Essen leisten kann, wer selbst keines anpflanzt (und eben nicht, dass ALLE selbst ihre Nahrung anbauen müssen).

die betriebsgröße

war es von der ich sprach
große betriebe können auf diesem planeten durchaus die fläche eines deutschen bundeslandes erreichen
damit kann auch keiner der hiesigen kleinbauern konkurieren
weshalb deren schutz durch subventionen und schutzzölle durchaus sinnvoll ist
und natürlich geht es um beides
die verfügbarkeit und die organisationsform
natürlich müssen die kunden sich die nahrung leisten können
das passiert aber erst wenn der niedrigschwellige geldkreislauf in gang kommt
der bauer bezahlt tischler,erntehelfer,maurer, usw usf..

Wurzel des Übels

Die Deutsche Bank ist ein Unternehmen, welches im Auftrag und Interesse seiner Kunden handelt - nicht mehr und nicht weniger. Die Investoren wollen Rendite sehen. Die Rendite bei Nahrungsmittelspekulationen, Drogen und Waffen ist nunmal höher als bei Staatsanleihen und langweiliger, klassischer Industrie. Und wenn der Chef dann Renditeziele in Größenordnungen um 25% ausruft, dann befiehlt der gesunde Menschenverstand, daß jemand anders dafür den Preis zahlen wird.

Schuld sind daher nicht alleine die ausführenden Organe, die Deutsche Bank (wie auch alle anderen Banken), sondern die Investoren, mithin alle, die Geld mit Renditezielen anlegen - und denen es letztendlich egal ist, wo die Rendite eigentlich herkommt.
Auch wenn es letztendlich sogar die Wegrationalisierung des eigenen Arbeitsplatzes ist :-)

Nicht von ungefähr boomt "ethic banking". Investment unter ethischen Gesichtspunkten. Das klingt wie ein Widerspruch in sich, ist es sicher auch - wenn man damit Rendite verbindet.
Wie auch bei "Öko"-Labels muss man hier Vorsicht walten lassen.

Dennoch möchte ich persönlich hier daher aus gegebenem Anlaß die Bochumer GLS-Bank erwähnen und empfehlen, wo das Geldanlegen zu reduziertem oder auch Nullzins möglich ist.

Spekulationsbremse

Gerade deshalb müssen wir den Investoren die Chance nehmen, ihr Geld in diesem Bereich anzulegen. Ein schlichtes Verbot wird da nicht reichen, da diese Spekulationen weltweit angelegt sind. Wie wäre es denn mal mit einem intelligenten Schutzschirm, der Angebot und Nachfrage kontrollierbar macht? Das wäre für die Geberländer billiger, als immer erst dann zu reagieren, wenn es zu spät ist.

"Im Auftrag und Interesse seiner Kunden handelt"

Was ist das denn für eine zynische Denkweise?

Die Profit-Interessen der Kunden haben gefälligst nicht höher eingeschätzt zu werden als die Versorgungslage der Weltbevölkerung.

"Im Auftrag ihrer Kunden" kann die Deutsche Bank nur Geschäftsmodelle praktizieren, die sie selbst in Form eines "Produktes" anbietet.

Selbstverständlich kann die Deutsche Bank die Spekulation mit Lebensmitteln unterlassen, indem sie dieses Produkt eben nicht mehr anbietet.

Zynismus? Willkommen in der Realität.

"Die Profit-Interessen der Kunden haben gefälligst nicht höher eingeschätzt zu werden als die Versorgungslage der Weltbevölkerung."
Das sind ethische und moralische Werte, für die in der reinen Lehre des Kapitalismus kein Platz ist.

Nein, ich muss mich korrigieren: Ethik und Moral werden durchaus berücksichtigt - under dem Punkt Kosten. Rücksichtnahme auf die Versorgungslage der Weltbevölkerung verursacht Kosten. Soziales Engagement verursacht Kosten. Umweltschutz verursacht Kosten. Die Liste ist lang.

Das sind alles -zumindest kurzfristig- Profitbremsen.

Bestenfalls im PR-Budget ist für Ethik und Moral Platz, denn mit "Image" kann man u.U. (!) den Absatz ankurbeln.

Ein Waffenhändler ("Wehrtechnik") oder gar Munitionsproduzent kann sich die PR aber ganz ehrlich schenken. HIER würde es wohl zwangsläufig zynisch: Agressoren effektiv und damit unter Minimierung von Leiden abwehren?

"Selbstverständlich kann die Deutsche Bank die Spekulation mit Lebensmitteln unterlassen, indem sie dieses Produkt eben nicht mehr anbietet."
Warum sollte sie das tun? Der Kunde verlangt nach bestmöglicher Rendite. Es liegt in der Macht des Kunden, diese Produkte oder auch gleich das gesamte Bank-Institut liegenzulassen.

In der Praxis schert sich aber doch selbst heute, im Jahr 5 DER Finanzkrise, zwar ein wachsender aber dennoch weiterhin nur verschwindend kleiner Teil der Bevölkerung darum, woher die Zinsen=RENDITE auf sein Konto eigentlich kommen, und was da eigentlich alles dahintersteckt...

Sie sind auf der richtigen Spur ...

"Der Drogendealer handelt auch nur im Interesse seiner Kunden und trotzdem ist der Handel mit Drogen und deren Besitz verboten."

Das, was die Banken gemacht haben und auch heute noch machen, ist nicht verboten. Aller offensichtlich vorhandenen durchaus kriminellen Energie zum Trotz ist praktisch niemand in den Knast gewandert. Die politische Rückendeckung für dieses Treiben sollte nicht verwundern, wohl aber Besorgnis auslösen. Zorn ist ausreichend vorhanden.

Wie gut das mit dem Verbot - bezugnehmend auf Ihren Drogenvergleich - funktioniert, sehen wir z.B. an Mexiko und Kolumbien: ein Verbot alleine schafft ein Problem nicht aus der Welt. Es wird nur verlagert und reduziert (im Sinne derjenigen, die das jeweilige Verbot aussprechen) "bestenfalls" die Sichtbarkeit.

Was die Spekulationen, in diesem Fall mit Lebensmitteln, betrifft, handelt es sich auch hier nur um Symptome eines gänzlich aus der Balance geratenen Zustands, sowie eines schädlichen Systems(*). Mit Verboten alleine wird man diese Hydra nicht besiegen. Ganz abgesehen davon, daß die Politik in den letzten 5 Jahren eindrucksvoll bewiesen hat, in wessen Auftrag sie handelt, hat sie doch keine einzige effiziente Gegenmaßnahme ergriffen. Selbst eine in der Bevölkerung so populäre Maßnahme wie die Tobin bzw. Finanztransaktionssteuer ist gescheitert.

(*) grundlegende Systemkritik passt nicht in diesen Kommentar, und dies ist auch der falsche Platz. Es gibt mehr als genug Webseiten, die sich mit diesem Thema befassen.

RE: Die Wurzel des Übels sind...

nicht die Anleger.

Vielmehr ist die Wurzel des Übels die herabwürdigende und nur auf Ausbeutung ausgerichtete Haltung der Politik und Wirtschaft.

Symbolisch für diese Haltung ist die in der Sendung Vis-a-Vis getätigte Aussage der Prof. gertrud Höhler, welche sich als
Autorin und Beraterin von Politik und Wirtschaft: Helmut Kohl bat sie schon um Rat, ebenso Josef Ackermann. Gertrud Höhler, Professorin für Literaturwissenschaft, gehört heute zu den gefragtesten deutschen Beraterinnen von Politik und Wirtschaft...
würdigen lässt.

In diesem Interview bezeichnet Frau Höhler z.B. die Hartz IV-Leistungsbezieher als "loser", welche Sinngemäss nicht in das Wirtschaftssystem der BRD integrierbar sind.
Weiterhin forderte Frau Höhler, von Seitens der Regierung, die Alimentierung der Hartz IV-Bezieher, noch zu verschärfen.
Mediathek:
http://www.3sat.de/mediat...

Zu was dieses führt, kann man heute schon feststellen.
- Ausbau des Niederiglohnsektors
- Gewinnmaximierung der Unternehmen durch vermehrte MiniJobs
- Altersarmut der jetzigen Generationen
- usw. usw.

Genau dieses Klientel der Wirtschafts- und Politikberater führen dazu, das die Ausbeutung von ganzen Schichten auf aller Welt vorangetrieben wird.

Die Wurzel alles Übels sind die Berater, welche die Politik und Wirtschaft in einen Kreislauf versetzen, der momentan geringfügig höhere Gewinne erziehlen lässt. Jedoch bei genauem hinsehen, auf weite Sicht hin, die Systeme in ein Chaos stürzen.

Gruss

Ich will Ihnen mal etwas sagen,

es kotzt mich total an, bei Vorschlägen, die dringend nötige Veränderungen anmahnen, um eine düstere Zukunft von unseren Kindern abzuwenden,

von Hardcore-Wirtschaftsliberalen und Ultra-Marktradikalen als realitätsfern diffamiert zu werden.

Die Thesen des Allan Smith, auf die sich Leute wie Sie beziehen, sind mittlerweile bald 250 Jahre alt und stammen damit aus der dunklen Vorzeit der Zivilisation, als noch ungezügelte und rücksichtslose Ausbeutung und Kinderarbeit rund um die Uhr an der Tagesordnung waren, und als Begriffe wie Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Verantwortung noch nicht existierten,

diese Denkweise hat in einer modernen Gesellschaft absolut keinen Platz mehr, der Turbo-Kapitalismus gehört an die Kette gelegt,

und für eine solche Forderung muss man nicht einmal links sein sondern man muss sich lediglich vorstellen, was in 25 Jahren ist wenn man nichts unternimmt.

Vielleicht lesen Sie meine Kommentare nochmal durch ...

"Die Thesen des Allan Smith, auf die sich Hardcore-Wirtschaftsliberale und Ultra-Marktradikale wie Sie beziehen .."
Ich stimme Ihrem letzten Kommentar vollständig zu. Ich habe nur festgestellt wie es ist, und es auch kritisiert - ich habe es sicher nicht begrüßt.

Was ich aber höchst bedauerlich finde, ist die auch aus Ihren Beiträgen erkennbare Tendenz, den "schwarzen Peter" ganz einfach auf die bösen Bankster zu schieben? "Die dürfen doch nicht einfach ...".

Das ist das gleiche wie beim nächsten Lebensmittelskandal laut zu klagen, aber weiter für 2€/kg Biohack einzufordern. Ausbeutung von asiatischen Kinderarbeitern ist scheisse, aber T-Shirts für 3€ aus H&M sind ok. Gewerkschaften sind böse und man macht nicht mit, aber wenn sie einen guten Abschluss für einen erzielen, dann nimmt man doch daran teil. Der Sprit ist zu teuer - aber für die 2ct Vorteil fahre ich doch nicht zu ner freien Tanke. Wenn beim Kaisers Leute fürs Einlösen eines liegengelassenen Getränkebons gekündigt werden ist das gemein, aber geshoppt wird da trotzdem weiter. Atomstrom nein Danke, aber sorry mehr als 20ct/kWh Strom kann ich mir nicht leisten.

Und schlussendlich: Rendite, Profite, Turbokapitalismus, kurzfristiges, nicht nachhaltiges Wirtschaften ist des Teufels Werk - aber auf die guten Zinsen meines Kontos, Rendite meines XYZ-Finanzprodukts möchte man trotzdem nicht verzichten.

Ein Drittel der Bevölkerung ist tatsächlich handlungsunfähig - der Großteil vom Rest klagt, aber er handelt nicht...

Nullzins ist Betrug

"Dennoch möchte ich persönlich hier daher aus gegebenem Anlass die ...-Bank erwähnen und empfehlen, wo das Geldanlegen zu reduziertem oder auch Nullzins möglich ist."

Nullzins ist Betrug am Anleger. Die Unternehmer die sich dessen Geld zwecks Investitionen leihen, müssen zu mindest die Inflation (knapp 3%) ausgleichen und ihn ggf. etwas am produzierten Mehrwert beteiligen. Im Moment müsste eine langfristige Geldanlage meiner Ansicht nach etwa 3%-4% bringen, ohne das den Preis dafür andere zahlen müssen.

Unternehmen wie die Deutsche Bank verachte ich persönlich. Wer sein Geld umweltbewusst investieren will, der kann sich mal die Umweltbank anschauen. Die Renditen sind zwar niedriger, dafür wird das Geld innerhalb Deutschlands in Umweltprojekte investiert.