Die Revolution des Gewächshauses, sie wird vielleicht im schwedischen Linköping passieren, einer beschaulichen Stadt mit rund 145.000 Einwohnern, mitten in Schweden . Dort plant das Unternehmen Plantagon zurzeit mit dem lokalen Energieversorger und der Kommune den Bau des weltweit ersten vertikalen Gewächshauses. Es wird die Form eines gläsernen Kegels haben und mehr als fünfzig Meter hoch sein.

Um die Sonne optimal auszunutzen, sollen Hunderte, wenn nicht Tausende kleiner Transportwagen Pflanzkübel auf einem Laufband von oben nach unten durch das Hochhaus kutschieren. Auf rund 4.000 Quadratmetern will Platangon vor allem asiatisches Gemüse anbauen, von Pak Choi bis zum chinesischen Brokkoli Kailaan. Spätestens 2014 wollen die Schweden das erste Mal ernten. In dem Mehrstufen-Gewächshaus lasse sich mehr als drei Mal so viel Gemüse produzieren wie im normalen Treibhaus, wirbt Plantagon.

Vertical Farmingals Alternative

Dem schwedischen Start-Up geht es um mehr als nur um höhere Erträge. Am Ende steckt dahinter eine Revolution der industriellen Landwirtschaft und ihrer Logistik. "Warum soll eine Öko-Tomate 10.000 Kilometer rund um den Globus fliegen, wenn wir sie auch vor Ort, beim Nachfrager, produzieren können", sagt Plantagon-Sprecherin Carin Balfe Arbman. "Unser Gewächshaus in der Stadt schont Umwelt und Klima." Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden in einigen Jahrzehnten rund 80 Prozent der Menschen weltweit in Städten leben. Sie klima- und umweltfreundlich mit Lebensmitteln, Wasser und Energie zu versorgen wird eine der größten Herausforderungen für Städteplaner sein.

Seit Jahren forschen daher Wissenschaftler und Klimaschützer an Gewächshäusern für die Stadt. Der weltweit prominenteste Verfechter des Vertical Farmings ist der US-Forscher Dickson Despommier, ein Mikrobiologe, der inzwischen mit seiner eigenen Firma Konzepte zu Stapel-Gewächshäusern entwickelt und mit Büchern und Vorträgen darüber Geld verdient. Despommier scheut nicht das große Wort: "Die Welt wäre ein viel besserer Ort, wenn wir vertikal Landwirtschaft betreiben würden", sagt er in einem seiner Videos. "Dann wäre sie im ökologischen Gleichgewicht."