"Schluss mit dem Wassersparen", lautet die pointierte Botschaft eines Beitrages von Pierre-Christian Fink in der jüngsten ZEIT. Ein Streit um den Nutzen des Wassersparens ist seit Langem entbrannt: Vor allem die kommunalen Trinkwasserversorger und Abwasserentsorger argumentieren, ein geringerer Wasserverbrauch führe nur zu Problemen – etwa zu verkeimten Leitungen. Ist Wassersparen hierzulande also Unsinn, ja sogar schädlich? Muss endlich Schluss sein mit einem liebenswürdigen, aber in der Sache verfehlten Öko-Hirngespinst?

Dem ist mitnichten so. Die Argumente der Kritiker des Wassersparens erscheinen doch arg verkürzt.

Eines ihrer Hauptargumente lautet, es gebe in Deutschland mehr als genug Wasser. Dabei beziehen sich die Kritiker auf das angeblich üppige globale "Wasserdargebot" in Deutschland, also die Gesamtmenge des sich jährlich erneuernden Wassers. Tatsächlich werden nur rund 20 Prozent hiervon genutzt. Die übrigen 80 Prozent des Wassers scheinen demnach ungenutzt nur auf ihre Entnahme zu warten.

Das klingt nach Wasser im Überfluss, ist aber ein Trugschluss. Denn zunächst einmal sind die Gesamtmenge und die regionale Verfügbarkeit zwei verschiedene Paar Schuhe. Brandenburg oder Sachsen-Anhalt sind keineswegs "wasserreich". Beide Länder haben zum Teil schon heute eine negative klimatische Wasserbilanz. Zudem erweckt das Argument den Eindruck, die Menge des Wassers könne problemlos zu 100 Prozent ausgeschöpft werden – was so nicht stimmt. Die Vertreter der Überflussthese übersehen regelmäßig, dass Wasserressourcen in erster Linie Teil des natürlichen Wasserhaushaltes sind und dort viele, vor allem ökologische Funktionen übernehmen.

Das ist auch die Perspektive des neuen Wasserhaushaltsgesetzes. Danach müssen unsere Wasserressourcen "als Bestandteil des Naturhaushaltes, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut" geschützt werden. Würden wir dem Wasserhaushalt 100 Prozent des verfügbaren Dargebotes entziehen, wäre eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Gewässer in all ihren Funktionen nicht mehr möglich. Nicht ohne Grund entspricht es einer internationalen Konvention, von "Wasserstress" zu sprechen, sobald 20 Prozent der verfügbaren Wassermenge entnommen werden. Dieser Wert wird in Deutschland insgesamt sowie in einigen Regionen immer noch erreicht oder gar überschritten.

Ja, Deutschland ist kein Mangelgebiet. Dennoch sind Wasserressourcen ökonomisch und ökologisch knapp – in dem Sinne, dass ihre Nutzung Verzichte an anderer Stelle erforderlich machen. Jeder Liter steht nur einmal zur Verfügung. Minderwertigeres Trinkwasser aus Uferfiltrat und Fernwasserversorgung kündet seit Langem von Knappheiten bei der Wasserbereitstellung. Durch den regional differenzierten Klimawandel werden außerdem regionale und saisonale Wasserklemmen künftig wahrscheinlicher.

Daneben geht es auch um die Qualität des Wassers: Was nützt die schönste Grundwasserneubildungsrate, wenn lokale Vorkommen durch agrarische Pestizid- oder Nitrateinträge zur Trinkwasserversorgung zunehmend ungeeignet werden? Natürlich könnte man diese Knappheitskonflikte durch scharfe Auflagen oder Verbote gegen die Landwirtschaft lösen. Aber ist das realistisch? Eine Entschärfung von Knappheitskonflikten gelingt auch dadurch, dass sich die Ansprüche an qualitativ hochwertige Wasserentnahmen insgesamt zurückhaltend entwickeln.