EnteignungBolivien verstaatlicht Tochter von spanischem Stromkonzern

Die bolivianische Regierung enteignet den Stromversorger TDE. Präsident Morales begründet, das Unternehmen habe im Land nicht investiert. von reuters

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat angeordnet, ein Tochterunternehmen des spanischen Stromkonzerns Red Electrica zu verstaatlichen. Der Stromversorger Transportadora de Electricidad (TDE) solle enteignet werden, da er nicht in Bolivien investiert habe, sagte Morales . Alle Aktien des Unternehmens sollen von dem staatlichen Unternehmen Empresa Nacional de Electricidad (Ende) übernommen werden, wie die Nachrichtenagentur ABI berichtete.

Morales wies am Dienstag die Armee an, die TDE-Zentrale in Cochabamba einzunehmen. "Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer", sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache. TDE verwaltet ein Kabelnetz von rund 1.900 Kilometern Länge in dem südamerikanischen Land. Die spanische Red Electrica hält indirekt 99,9 Prozent an dem Unternehmen, das 2011 einen Gewinn von 12,5 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Damit steuerte TDE knapp drei Prozent zum Gewinn von Red Electrica bei. Mit der Übernahme von TDE ist fast die gesamte Stromversorgung in Bolivien unter staatlicher Kontrolle.

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In den vergangenen Jahren hatte Morales zum 1. Mai wiederholt Verstaatlichungen von Unternehmen angeordnet. In spanischen Regierungskreisen hieß es, die Behörden stünden in Kontakt mit Bolivien, um die technischen und diplomatischen Aspekte der Verstaatlichung zu diskutieren.

Verstaatlichungen in Argentinien

Auch in Argentinien drohen Konzernen der ehemaligen Kolonialmacht Spanien Enteignungen. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte Mitte April die Verstaatlichung der Tochter YPF des spanischen Konzerns Repsol angekündigt und diese mit der Bedeutung der Energieversorgung begründet. Der bolivianische Präsident versprach, dass Repsol in Bolivien keine Enteignung zu befürchten habe. Die Investitionen des Unternehmes im Land würden "immer respektiert" werden, sagte Morales bei einem gemeinsamen Auftritt mit den Repsol-Präsidenten Antonio Brufau bei der Einweihung einer Gasfabrik.

Branchenexperten zufolge handelte es sich bei YPF-Enteignung um die größte Verstaatlichung im Energiesektor, seit Russland vor rund zehn Jahren den Ölkonzern Yukos des damaligen Inhabers Michail Chodorkowskij unter die Kontrolle des Kreml brachte. Repsol beziffert den Wert der Tochter YPF auf 18 Milliarden Dollar und kündigte eine entsprechende Entschädigungsforderung an. Spanien versucht derzeit, Argentinien mit Sanktionsdrohungen von dem Vorhaben abzubringen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Evo Morales | Argentinien | Bolivien | Energieversorgung | Enteignung | Gewinn
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