Finanzmärkte : Schwarz-Gelb will Blitzgeschäfte an der Börse regulieren

Der Hochfrequenzhandel ermöglicht Börsengeschäfte in Mikrosekunden. Weil die Folgen zerstörerisch sein können, will die Koalition den Handel notfalls stoppen können.

Die schwarz-gelbe Regierungskoalition will einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge den computergesteuerten Hochfrequenzhandel an der Börse stärker regulieren. Ziel sei es, Aufsichtsbehörden und Börsenbetreibern es auch im Alleingang zu ermöglichen, den Hochfrequenzhandel aussetzen zu können. Aufseher sollten zudem Zugang zu den im Computerhandel verwendeten Algorithmen erhalten.

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing sagte dem Blatt, dass die Börsenaufsicht jederzeit in der Lage sein müsse, den Handel auf null abzubremsen. Bisher ist es schwer, den Handel zu stoppen, ohne große Haftungsrisiken einzugehen. "Wir dringen auf eine nationale Lösung und wollen nicht warten", sagte Wissing. Bis Ende Juni solle ein Eckpunktepapier erarbeitet werden, im Herbst solle ein Gesetzesvorschlag folgen. "Wir denken, dass das Bundesfinanzministerium uns unterstützen wird", sagte Wissing.

Nach Angaben der Zeitung könnte der deutsche Vorstoß allerdings Ärger bei der EU-Kommission hervorrufen. Denn die Regierungen der Mitgliedstaaten sollten auf eigene Gesetze verzichten, wenn bereits auf europäischer Ebene an einer Regelung gearbeitet wird: Die Regulierung des Hochfrequenzhandels ist demnach Bestandteil der Finanzmarktrichtlinie Mifid, die derzeit zwischen EU-Mitgliedsstaaten und dem Parlament diskutiert wird.

Verantwortlich für Kursabsturz

Beim Hochfrequenzhandel kaufen und verkaufen Computer automatisiert Wertpapiere nach den Vorgaben ihrer Betreiber. In Sekundenbruchteilen können so viele Hundert Kauf- und Verkaufsanweisungen gegeben werden. Dieser Handel macht Schätzungen zufolge in Deutschland mehr als 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus.

Experten machen den Hochfrequenzhandel für zum Teil massive Kursstürze an Börsen in der Vergangenheit verantwortlich. An der New Yorker Börse hatte es beispielsweise am 6. Mai 2010 einen dramatischen Kursrutsch gegeben. Der Dow-Jones-Index war zeitweise um neun Prozent eingebrochen und hatte damit mehr als 1.000 Punkte verloren. Für die massiven Kursbewegungen wurde damals der Computerhandel verantwortlich gemacht.
 

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

gekippt wurde sie vor allem wegen...

... der Weigerung Großbritanniens, eine Finanztransaktionssteuer auch nur zu diskutieren; denn sie würde den Finanzplatz London stark treffen. Stattdessen wurde dort eine minimale Umsatzsteuer auf Börsengeschäfte iengeführt, wovon der größte Teil der Geschäfte in der Londoner City allerdings gar nicht erfasst wird. Viele Geschäfte werden außerhalb der Börse und ohne jegliche Behördenaufsicht durchgeführt, z. B. die "over-the-counter"-Derivate. Die Londoner City ist das Trojanische Pferd der internationalen Finanzmafia in der Europäischen Union, dessen Aufgabe es vor allem ist, eine effektive Regulierung der Branche zu verhindern. Die Schweiz als nicht-EU-Land ist leicht zu knüppeln, aber das wirkliche Problem ist London.

Interessanter Vorstoss

...den ich unterstützen kann, aber warum will Deutschland das alleine für sich durchsetzen und arbeitet nicht mit der EU zusammen, die was aehnliches vorhat!?
Man muss den Markt weltweit regeln, wenns nicht geht, dann wenigstens innerhalb EU...wenn das auch nicht geht, dann National (wobei ich hier auch meine Bedenken bezueglich solchen nationalen Alleingängen habe).

Aus diesem Grund brauchen wir...

...eine aktive, handlungs- und ideenstarke
Rot/Grüne Regierung, welche schon immer an der Regulierung der Finanzmärkte interessiert ist. Mit Herzchen und roten Roten kommt man da sicher weiter bei knallharten Verhandlungen mit Großbritannien. Ich bin mir sicher, wenn Hannelore Kraft als mögliche Kanzlerin beim Anblick eines
Straußes Blumen beim Empfang zum G8 Gipfel in gerührten Freudentränen ausbricht, wird Herrn Cameron gleich das Herz in die Hose rutschen und an der Londoner Börse werden die Kurse einbrechen. Wie können die Deutschen nur eine so knallharte Verhandlungspartnerin schicken...
Und weil das alles so einfach ist, lehne ich mich jetzt entspannt zurück, denn die Rettung ist ja nah.

IRONIE AUS.