StudieWelche Bedingungen Demos erfolgreich machen

Welchen Einfluss haben Demonstrationen auf politische Entscheidungen? Harvard-Ökonomen fanden heraus, dass das Wetter dabei eine wichtige Rolle spielt. von Frederic Spohr

Blockupy-Demonstranten in Frankfurt am Main

Blockupy-Demonstranten in Frankfurt am Main  |  © Carsten Koall/Getty Images

Es war eine der größten Demonstrationen, die Frankfurt in den vergangenen Jahren erlebt hat: Mehr als 20.000 Menschen aus ganz Europa gingen am vergangenen Samstag gegen Banken und Sparpolitik auf die Straße . Monatelang hatten Kapitalismuskritiker zuvor vor der EZB kampiert.

Doch haben Demonstrationen überhaupt einen Einfluss auf die Politik? Ein Forscherteam um den Harvard-Ökonomen Stan Veuge hat diese Frage empirisch untersucht . Sein Ergebnis dürfte die Blockupy-Demonstranten freuen. Wenn genug Leute auf die Straße gehen, beeinflussen sie damit in der Regel Entscheidungen von Politikern, stellt der Forscher fest.

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Die Wirkung von Protesten zuverlässig zu messen, ist eine knifflige Aufgabe – Ursache und Wirkung lassen sich oft nicht genau voneinander trennen. Um das Problem zu lösen, entwickelten die Wissenschaftler ein cleveres Forschungsdesign: Sie analysierten den Aufstieg der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung in den USA , der mit Großdemonstrationen am 15. April 2009 begann. Nicht überall in den USA waren die Kundgebungen gleich gut besucht, unter anderem deswegen, weil es in manchen Städten regnete, in anderen aber die Sonne schien. Dieser zufällige Faktor sorgte dafür, dass in Orten mit identischer Bevölkerungsstruktur und ähnlichem Wahlverhalten die Protestzüge unterschiedlich lang waren. Für die Ökonomen perfekte Forschungsbedingungen – fast wie in einem Laborexperiment konnten sie untersuchen, welche Folgen die Demonstrationen auf die Politik hatten.

In Orten, in denen es regnete und weniger Menschen demonstrierten, hatte die Tea Party noch Monate später einen schweren Stand, stellten die Forscher fest. Wo hingegen die Sonne schien, nahm die Bewegung deutlich schneller Fahrt auf: Auch zu den folgenden Demos kamen mehr Leute, es flossen üppigere Spenden und die Tea Party erhielt mehr Aufmerksamkeit von den Medien. Außerdem bekannten sich mehr Menschen in sozialen Netzwerken zu der Protestbewegung.

Gutes Wetter beeinflusst den Protesterfolg

Und die Straßenproteste beeinflussten auch die Politik, stellten die Forscher fest: Abgeordnete aus Regionen, in denen am 15. April die Sonne geschienen hatte, stimmten später im Repräsentantenhaus deutlich konservativer ab als Kollegen aus verregneten Landstrichen. Selbst bei der Kongresswahl 2010 war der Einfluss der Straßenproteste noch messbar: Jeder zusätzliche Demonstrant brachte den Republikanern bis zu 15 zusätzliche Stimmen.

Die Forscher vermuten, dass gut besuchte Proteste vor allem unentschlossene Wähler beeinflussten und diese dann später häufiger die Republikaner wählten. "Außerdem hat die große Beteiligung an den Demonstrationen die Aktivisten vermutlich euphorisiert und zu eifrigeren Missionaren gemacht", sagt Harvard-Ökonom Veuger. Daher sein klarer Rat an alle unzufriedenen Bürger: Plakate malen und auf zur Demo. Denn auch in Zeiten von Facebook und Twitter gelte: "Nichts ist so wirkungsvoll wie die direkte Kommunikation auf der Straße."

Erschienen im Handelsblatt

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Leserkommentare
  1. Dann kommt der Wasserwerfer und lässt es eben künstlich regnen... wir sind hier in Deutschland, wir müssen Demos Wochen vorher anmelden, wohingegen Wetterprognosen für die nächsten fünf Tage schon eher an Wahrsagerei erinnern.

    Also eine Frage des Glücks?

    Davon abgesehen interessiert es doch die wenigsten Politiker wegen was die Leute auf die Straße gehen um zu demonstrieren. Die werden nur alle paar Jahre gewählt, der Rest ist eher Nebensache.

    2 Leserempfehlungen
  2. das sagt etwas über mobillisierungspotentiale aus
    wenn auch nichts neues
    aber wie steht es mit der frage"Welchen Einfluss haben Demonstrationen auf politische Entscheidungen.." der politischen entscheider?
    was ja die eigentliche zielrichtung des protestes ist.
    mit vielen leuten in der sonne rumzulaufen ist ja ganz schön
    aber...

    2 Leserempfehlungen
  3. Wenn Ökonomen etwas untersuchen, was nichts mit Ökonomie zu tun hat, sollte man (Zeit-Online) vielleicht stutzig werden. Und nicht nur dann ;-)

    Aha. Das Wetter beeinflußt also die Teilnehmerzahl und das wiederum das Abstimmungsverhalten... das ist alles? Ernsthaft? Harvard?

    Also entweder war das Forschungsdesign nicht "clever" sondern dilettantisch oder sie haben außer dieser schwachen Wetter-Hypothese einfach nichts brauchbares herausfinden können. Mich würde mal interressieren wie signifikant diese Aussage ist. Wenn Forscher das Wort "vermutlich" benutzen, sind zumindest Zweifel angebracht.

    Wie sieht es wohl mit der tatsächlichen Ökonomie-Forschung aus?

    Eine Leserempfehlung
  4. ist die studie halbwegs sinnvoll
    wenn man ein produkt mit demonstrationsähnlichen veranstaltungen bewerben will z.b.
    ein ansatz der in den 90ern hier nicht so gut gelaufen ist
    und
    wenn sie bezahlt worden ist ;)

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