Frage : Herr Weber, gerade erschüttert ein Solarbeben Deutschland . Beinahe jede Woche strauchelt ein anderes Unternehmen. Ist die Branche noch zu retten?

Eicke Weber : Was wir gerade erleben, ist die Folge einer verfehlten Politik. Allein die Ankündigung Anfang des Jahres, die Einspeisevergütung für Solarstrom weit massiver zu kürzen als geplant und größere Freiflächenanlagen gar nicht mehr zu fördern, führte dazu, dass Kraftwerksprojekte storniert wurden und Banken ihre Kreditlinien für die Solarhersteller nicht verlängert haben. Die Bundesregierung hat sich damit offen gegen die Fotovoltaik gestellt.

Frage : Sie wollte die ausufernden Kosten der Solarförderung bremsen.

Weber: Bisher haben die deutschen Fotovoltaikunternehmen keinen einzigen Cent Subvention aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) bekommen.

Frage : Eine kühne Behauptung angesichts der Milliarden, mit denen die Stromkunden den Solarstrom über die Einspeisevergütung finanzieren.

Weber: Mit der Einspeisevergütung hat der Staat Bedingungen definiert, die es für Investoren lohnend macht, Geld in die Fotovoltaik zu stecken. Übrigens mit Erfolg. Vergangenes Jahr haben Privatleute allein in Deutschland für 20 Milliarden Euro Solaranlagen gekauft. Das ist etwas anderes als eine Subvention.

Frage : Bestreiten Sie, dass die Strompreise wegen der Solarförderung stark steigen?

Weber: Ja, da werden den Verbraucher gerade viele Lügen aufgetischt, um sie gegen die erneuerbaren Energien aufzubringen.

Frage : Wie sieht denn die Wahrheit aus?

Weber: Der Strompreis steigt seit 15 Jahren um durchschnittlich vier Prozent im Jahr, lange bevor die Energiewende ausgerufen wurde. Der durchschnittliche Strompreis in Deutschland beträgt heute 23 Cent die Kilowattstunde. Und davon fließen ganze 3,6 Cent in den Aufbau der Erneuerbaren. Dafür erhalten wir eines der modernsten Energiesysteme der Welt .

Frage : Reden Sie die Kosten der Energiewende nicht schön? Laut einer aktuellen McKinsey-Studie werden die Strompreise bis 2020 inflationsbereinigt um 20 Prozent steigen und Privathaushalte dann 29 statt heute durchschnittlich 23 Cent für die Kilowattstunde zahlen müssen.

Weber: Kann sein, dass es so kommt. Aber die Ursache ist nicht die Energiewende.

Frage : Sondern?

Weber: Die Strompreise steigen vor allem, weil Öl, Gas und Kohle stetig teurer werden.