Für die Energiewende müssen in den kommenden zehn Jahren etwa 32 Milliarden Euro in die Stromnetze investiert werden. Allein die Modernisierung und der Ausbau der Trassen an Land kosteten bis 2022 rund 20 Milliarden Euro, teilten die Übertragungsnetzbetreiber mit. Für die Windkraft auf hoher See kämen da noch rund zwölf Milliarden Euro hinzu.

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW überreichten Bundeskanzlerin Angela Merkel den Entwurf des ersten nationalen Netzentwicklungsplans. Er bildet die Grundlage für den Netzausbau, der im Detail nun ausgearbeitet werden soll und bis Ende des Jahres in ein Gesetz einfließen soll.

In Deutschland müssten neue Leitungen mit einer Länge von rund 3.800 Kilometern gebaut werden, erläuterte der Geschäftsführer von Tennet, Martin Fuchs. Darüber hinaus müssten bestehende Trassen mit einer Länge von rund 4.000 Kilometern modernisiert werden.

Hoher Bedarf an neuen Nord-Süd-Leitungen

Schwerpunkt seien leistungsstarke Nord-Süd-Leitungen. Sie gelten derzeit als Flaschenhals der Energiewende. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energie muss immer mehr Strom vor allem aus dem windreichen Norden zu den großen Verbrauchsregionen im Westen und im Süden transportiert werden.

Der Ausbau kommt dem Bedarf jedoch seit Jahren kaum hinterher. Bereits 2009, also vor dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft , war der Bau von Leitungen mit einer Länge von 1.834 Kilometern per Gesetz beschlossene Sache. Davon wurden aber erst 214 Kilometer realisiert , wovon weniger als 100 auch tatsächlich in Betrieb gingen.

Merkel: "Energiewende ist machbar"

Trotz dieser Schwierigkeiten gab sich Kanzlerin Merkel zuversichtlich, dass der vorgesehene Zeitplan für den Atomausstieg eingehalten werden könne. "Die Energiewende, so wie wir sie vor einem Jahr beschlossen haben, ist machbar." Mit beschleunigten Genehmigungsprozessen könne der derzeit beklagte Rückstand beim Netzausbau noch aufgeholt werden.

Den nun vorgestellten nationalen Netzentwicklungsplan bezeichnete Merkel als ganz wichtigen Schritt. Sie bekräftigte zudem, es werde keinen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken über die geplanten Abschaltzeitpunkte hinaus geben. Es bleibe "natürlich bei dem Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022", sagte sie.

In den Koalitionsfraktionen von Union und FDP waren zuvor Zweifel an der Machbarkeit der Energiewende laut geworden. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hatte nicht ausgeschlossen, dass mehr Gas- und Kohlekraftwerke gebaut werden müssten. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs ( CDU ) brachte längere Laufzeiten von Atommeilern ins Gespräch.

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier dagegen schloss sich Merkels Zuversicht an: "Die Energiewende kann gelingen." Der Ausbau der erneuerbaren Energie müsse aber besser mit dem Ausbau der Netze verzahnt werden. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Energie zum Abnehmer kommt."