Energiewende : Rösler verlangt schnelleren Netzausbau der Länder

Die Bundesregierung will in Kürze ihren Plan zum Ausbau der Stromnetze vorlegen. Wirtschaftsminister Rösler sieht die Bundesländer in der Pflicht.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler © Kay Nietfeld/dpa

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat die Bundesländer aufgefordert, ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. "Mit dem Netzentwicklungsplan schafft der Bund jetzt die Basis für den Ausbau der Leitungen", sagte der FDP-Vorsitzende der Bild -Zeitung. "Beim Netzausbau tragen aber auch die Länder eine hohe Verantwortung." Die bereits festgelegten Ausbauprojekte wie die Verbindung zwischen Thüringen und Bayern müssten von den Ländern schnell vorangebracht werden.

Die Bundesregierung will in der kommenden Woche ihren Netzentwicklungsplan vorlegen. Der Ausbau der Stromnetze gilt als eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende , läuft bislang aber nur sehr zögerlich an. Kanzlerin Angela Merkel will sich heute zusammen mit Rösler und Umweltminister Altmaier in Bonn bei der Bundesnetzagentur über den Ausbau der Netze informieren. Nach Schätzungen der Deutschen Energieagentur sind etwa 4.500 Kilometer Höchstspannungsleitungen notwendig. Hinzu kommen Tausende Netzkilometer auf der Verteilebene.

Rösler sagte, unbedingte Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende seien "zusätzliche fossile Kraftwerke, der Bau neuer Stromleitungen und die Bezahlbarkeit von Energie". Nur wenn Strom für Verbraucher und Unternehmen bezahlbar bleibe, werde der Umbau der Energieversorgung akzeptiert.

Merkel verspricht schnelleren Ausbau

Merkel hatte am Wochenende Schwierigkeiten beim Ausbau des Stromnetzes eingeräumt . Gerade beim Bau der Überlandleitungen, um Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren, gebe es Probleme. "Hier sind wir an vielen Projekten im Rückstand", sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft . Sie wolle sich bei der Netzagentur informieren, was politisch getan werden könne, "um die Dinge zu beschleunigen".

Gründe für die Verzögerungen sind unter anderem die Zurückhaltung der Netzbetreiber bei Investitionen und Proteste von Bürgern vor Ort gegen zusätzliche Freileitungen. Merkel will die Bürger deshalb an der Planung beteiligen. Wenn die Regierung am 4. Juni die neuen Netzpläne vorgestellt habe, "dann kommt eine Phase der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort", sagte die Kanzlerin.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf der schwarz-gelben Bundesregierung vor, bislang keinen Plan entwickelt zu haben, wie die einzelnen Schritte der Energiewende verzahnt und die Akteure vom Bund bis zu den Kommunen effektiv zusammenarbeiten können. Die Kanzlerin habe viel Zeit verschwendet. "Merkel muss jetzt liefern. Wir brauchen endlich einen Masterplan für die Umsetzung der Energiewende, der allen Interessen und allen Akteuren gerecht wird", sagte Nahles.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

ich habe da mal eine Frage

wir dezentralisieren die Stromwirtschaft und brauchen neue Trassen?

also wenn ich dezentralisiere brauche ich weniger Trassen. Ich brauche intelligentere Netze, aber doch keine neuen! Außer ich will Standorte sichern, bei denen die Produktionsfaktoren nicht mehr stimmen.
Energieintensive Industrien müssen dann halt umziehen und nicht umgekehrt!

"Natürlich"

Weil sie in Deutschland weder die EEG-Umlage zahlen (bzw nur 0,0X ct/kWh) und von den Netzgebühren befreit sind.
Der Börsenstrompreis ist ohnehin gerade wegen den EEs günstig.

Also günstiger Börsenstrompreis + praktisch keine EEG-Umlage + keine Netzkosten = ein "völlig uninteressantes" Investitionsumfeld

Ich verstehe nicht, dass die Leute so leichtgläubig sind.
Der gesamte Trick der Industrie ist dauerhaft jammern, wie schlimm die Situation ist, um den Status Quo zu rechtfertigen bzw weiter zu verbessern.
Konzerne sind an Gewinnmaximierung interessiert. Sie kennen keine Scham wie unsereins. Du könntest ihnen den Strompreis ganz erlassen, und sie würden anfangen Steuererleichterungen zu verlangen, damit sie die ganzen Gewinne nicht so hoch besteuern müssen.

@bornie - Erfahrung macht klug...

...die meisten Umzüge sind schief gegangen, aus vielerlei Gründen, nenen Sie eine Grossindustrie, die wegen den
Strompreisen umgezogen ist...

Und wer 2-mal denselben Fehler macht, den bestraft die Dummheit!

Vor 2 Jahren meinte die DENA, dass der Netzumbau bis 2020 6 Mia. €kostet - heute verkündet die Regierung es müssten 32
Mia. sein - und in 2 Jahren? 360 Mia.?

Bei der Steigerungsrate - nein, nicht von den Grünen, nicht von Links und nicht von den Piraten: die Zahlen kommen von der DENA - dem so kompetenten Kasperl der Stromwirtschaft
- und heute von der Gurken-Wildsautruppe!...

Klingel's?

Dienstleistungsgesellschaft

will man den Schritt in die Dienstleistungsgesellschaft weiterführen, was der zu erwartenden Entwicklung entspräche, wäre das Ablösen der Industrie eine folgerichtige Maßnahme. Dann sollten die Regierungen, statt die Industrie zu hofieren, den Bildungssektor stärken. Oder man läßt anderen Ländern den Vortritt und verharrt im Industriezeitalter. Aber vielleicht braucht es ja auch neue Länder, um Neues zu tun.

Und nun??

Will man denn aus der Atomenergie aussteigen? Natürlich, oder doch nicht? Jetzt sofort oder doch später?
Will man die Macht der Stromkonzerne brechen? Aber natürlich, oder doch nicht? Ein wenig, oder doch komplett?

Wo wollen wir denn hin?

Klimaschutz und Schonung der Umwelt? Ja.
Bezahlbare Energiepreise? Ja.
Freier Strommarkt? Ja.
Stromerzeugene Kraftwerke, die sich in den Lebensraum des Menschen integrieren? Ja.
Energiepolitik, die nicht auf Kosten der nachfolgenden Generationen geht? Ja.
Gesicherte Arbeitsplätze? Unbedingt.

Das mag sich zwar wiedersprechen, aber wenn alle mitziehen kann das auch gelingen.
Setzt natürlich voraus
- das man wieder lernt vorausschauen zu planen
- das man sich mit dem Thema "Intelligente Energienetze" etc. mal auseinandersetzt
- das man vielleicht nicht immer nur an die grossen Projekte denkt, z. B. riesige Windparks etc.,
sondern mal mehr Richtung dezentrale Energiegewinnung, z.B. in den eigenen 4 Wänden nachdenkt
- das man sich in unserer Überflussgesellschaft mal Gedanken darüber macht, mal ein wenig kürzer
zu treten was den Energieverbrauch betrifft

Es geht alles. Wir können das natürlich alles auch selbst irgendwie regeln, aber leider müssen wir
die Herren und Damen Politiker mitschleppen.
Und diese haben eines verlernt: Weiter als nur 4 Jahre zu denken und zu handeln.
Vielleicht sollte man nicht nur auf den nächsten Posten in der Energiewirtschaft schielen, sei es beim
Stromkonzern, sei es beim Windradbauer......