Börsengang FacebookEin Dämpfer für die Spekulanten

Die Verluste der Facebook-Aktien zeigen lediglich, dass sich die Investoren verzockt haben. Für das Unternehmen könnte das sogar ein Vorteil sein, kommentiert M. Gatzke.

Den Facebook-Aktionären, die schon wenige Tage nach dem Börsenstart lautstark über die Kursverluste jammern, kann man nur zurufen: Selbst schuld!

Zu 38 Dollar waren die Papiere am Freitag an die Börse gegangen, am Montag nach Börsenschluss in New York notierten sie nur noch bei 34 Dollar. Viele Investoren, die auf einen schnellen Profit in den ersten Tagen spekuliert hatten, wurden enttäuscht.

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Aber so funktioniert das Spiel: Auf der einen Seite steht Facebook zusammen mit den Konsortialbanken, die einen möglichst hohen Erlös erzielen wollten. Weshalb die Banken den Börsengang in den vergangenen Wochen und Monaten kräftig bewarben. Auf der anderen Seite stehen Investoren, auf der ständigen Suche nach einer lukrativen Anlage, einem schnellen Gewinn, einer guten Wette.

Im Falle von Facebook haben sich beide Seiten verzockt. Die Konsortialbanken um Morgan Stanley, weil sie nur wenige Tage vor dem Börsendebüt den Preis und die Zahl der Aktien, die ausgegeben werden, erhöht hatten. So sollte auch der vermeintlich letzte Dollar aus dem Börsengang herausgequetscht werden. Dieses Ziel wurde jetzt erreicht, allerdings auf Kosten der Aktionäre, die deshalb massiv Kritik an Facebook und den beteiligten Banken üben.

Marcus Gatzke
Marcus Gatzke

Marcus Gatzke leitet das Ressort Wirtschaft, Karriere und Auto bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Viele Investoren haben aber ebenso nicht gesehen oder wollten nicht sehen, dass der Hype um den Börsengang von den Fakten längst nicht mehr gestützt wurde. Sie wetteten immer noch auf einen kräftigen Kurssprung gleich zum Start.

Was bedeutet das alles nun für das Unternehmen Facebook? Womöglich überhaupt nichts. Konkurrent Google hatte kurz vor seinem Börsenstart 2004 genau das Gegenteil getan und den geplanten Emissionskurs gesenkt. Viele vermeintliche Börsenfachleute hatten daraufhin ein Google-Fiasko prognostiziert. Heute stehen die Aktien des Unternehmens jedoch bei über 600 Dollar. Das ist mehr als das Siebenfache des Ausgabepreises.

Vielleicht ist es sogar von Vorteil, dass der Hype um die Facebook-Aktien endet. Denn schließlich kommt es auf die reale, langfristige Entwicklung des Unternehmens an und nicht auf die kurzfristigen Wunschträume einiger Investoren und Banken.

 
Leserkommentare
  1. Beobachtet man die ersten Meldungen zu den möglichen Investoren, so fällt insbesondere auf, dass professionelle Investoren überaus kritisch und zurückhaltend waren.

    Höchstwahrscheinlich haben vornehmlich private Anleger verloren.

    Sollte dem so sein, zeigt sich wieder, dass überschäumende Wirtschaftsblasen von raffgierigen Haushalten (Facebook, spanische und griechische Immobilien) erst angefacht werden. Schuld waren später wieder nur die Banken. Der Bürger ist per se ohne Schuld.

    10 Leserempfehlungen
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    Die meisten Menschen sind gierig, die immer höheren Renditen, das kostenlose Girokonto, die Tausende gebührenfreien Geldautomaten.

    Die Leute wollen immer alles haben, schneller, besser, billiger. Dass die Banken um diese Konditionen anzubieten mit den Kundengeldern spekulieren müssen ist die logische Schlussfolgerung der persönlichen Gier des Einzelnen.

    Da kaufen Senioren auf einmal Lehman-Zertifikate oder Angestellte kaufen ein Haus in Spanien als Anlageobjekt. Irgendwann platzt jede Blase, doch nicht man selbst ist Schuld, sondern immer nur die Anderen.

    Schuld an der Finanzkrise sind nicht die Deutsche Bank oder JP Morgan oder sonst wer. Schuld sind deren Kunden, die bei der Sparkasse oder der Volksbank den Hals nicht vollgekriegt haben.

    Aber die Augen zu machen und sich nicht dafür interessieren wie ein kostenloses Girokonto gegenfinanziert wird, ist aus dem Mikrokosmos des Individuums gesehen natürlich bequemer.

    Facebook, dass nach diversen Berichten von Handelsblatt und FTD hauptsächlich von nicht-institutionellen "Investoren" gekauft wurde, zeigt mal wieder die unglaublich große Gier des "einfachen Bürgers"

    Die meisten Menschen sind gierig, die immer höheren Renditen, das kostenlose Girokonto, die Tausende gebührenfreien Geldautomaten.

    Die Leute wollen immer alles haben, schneller, besser, billiger. Dass die Banken um diese Konditionen anzubieten mit den Kundengeldern spekulieren müssen ist die logische Schlussfolgerung der persönlichen Gier des Einzelnen.

    Da kaufen Senioren auf einmal Lehman-Zertifikate oder Angestellte kaufen ein Haus in Spanien als Anlageobjekt. Irgendwann platzt jede Blase, doch nicht man selbst ist Schuld, sondern immer nur die Anderen.

    Schuld an der Finanzkrise sind nicht die Deutsche Bank oder JP Morgan oder sonst wer. Schuld sind deren Kunden, die bei der Sparkasse oder der Volksbank den Hals nicht vollgekriegt haben.

    Aber die Augen zu machen und sich nicht dafür interessieren wie ein kostenloses Girokonto gegenfinanziert wird, ist aus dem Mikrokosmos des Individuums gesehen natürlich bequemer.

    Facebook, dass nach diversen Berichten von Handelsblatt und FTD hauptsächlich von nicht-institutionellen "Investoren" gekauft wurde, zeigt mal wieder die unglaublich große Gier des "einfachen Bürgers"

  2. Wieso hat sich das Unternehmen verzockt, verstehe ich etwas von Marktwirtschaft nicht?

    Die Eigentümer haben Dinge die laut aktueller Bewertung $34 wert sind, für $38 verkauft. Das sieht für mich höchst erfolgreich aus.

    Verzockt hätte sich das Unternehmen, wenn die Aktien sofort nach Ausgabe kräftig gestiegen wären, denn dann hätte man zuwenig dafür verlangt?

    9 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber GGGgustav,

    wenn Sie so argumentieren, haben Sie natürlich recht. Aber für die Reputation von Morgan Stanley ist ein solcher Börsengang sichern nicht hilfreich. Und die Aktie könnte weiter fallen:

    http://online.wsj.com/art...

    Viele Investoren könnten sich ausgenommen fühlen.

    Herzlichen Gruß,

    Marcus Gatzke

    • strlcp
    • 22.05.2012 um 16:27 Uhr

    Die Eigentümer haben Dinge die laut aktueller Bewertung $34 wert sind, für $38 verkauft. Das sieht für mich höchst erfolgreich aus.

    soweit stimmt das.
    das geschäzte wert von facebook ca. der 30 fache jahresumsatz und das 1000fache des gewinns ist, könnte man den wert aber deutlich niedriger ansetzen.

    es sieht also noch erfolgreicher aus!

    http://www.impulse.de/rec...

    Redaktion

    Lieber GGGgustav,

    wenn Sie so argumentieren, haben Sie natürlich recht. Aber für die Reputation von Morgan Stanley ist ein solcher Börsengang sichern nicht hilfreich. Und die Aktie könnte weiter fallen:

    http://online.wsj.com/art...

    Viele Investoren könnten sich ausgenommen fühlen.

    Herzlichen Gruß,

    Marcus Gatzke

    • strlcp
    • 22.05.2012 um 16:27 Uhr

    Die Eigentümer haben Dinge die laut aktueller Bewertung $34 wert sind, für $38 verkauft. Das sieht für mich höchst erfolgreich aus.

    soweit stimmt das.
    das geschäzte wert von facebook ca. der 30 fache jahresumsatz und das 1000fache des gewinns ist, könnte man den wert aber deutlich niedriger ansetzen.

    es sieht also noch erfolgreicher aus!

    http://www.impulse.de/rec...

  3. Dieser Börsengang ist ein Beispiel dafür, das "die bösen Spekulanten" (nämlich die, die das Papier orderten, um es am nächsten Tag gewinnbringend zu verkaufen) auch kräftig auf die Nase fallen können.

    Was die längerfristigen Anleger angeht, also die, die am langfristigen Erfolg von Facebook profitieren möchten, so ist es nach zwei Tagen sicherlich verfrüht, ihnen eine Prognose zu machen. Sie tun mir auch nicht leid. Richtig leid tun mir die Käufer der Telekomaktie im Jahre 1996, in die viele Kleinsparer mit fragwürdiger Werbung und Weckung falscher Erwartungen gelockt wurden. Hier aber weiß doch (hoffentlich?) jeder, dass Facebook wie eine Rakete ist, die entweder in den Himmel steigen wird oder aber auf der Startrampe explodiert. Gute Reise!

  4. wer ist eigentlich Facebook. Da schau ich mir doch lieber mal "Social Network" an.

    Eine Leserempfehlung
  5. Klar! Es hat bedeutend mehr Geld (Eigenkapital) kassiert, als es wert ist und womöglich jemals wert sein wird. Ich denke, darum ging's doch gerade.

  6. Redaktion

    Lieber GGGgustav,

    wenn Sie so argumentieren, haben Sie natürlich recht. Aber für die Reputation von Morgan Stanley ist ein solcher Börsengang sichern nicht hilfreich. Und die Aktie könnte weiter fallen:

    http://online.wsj.com/art...

    Viele Investoren könnten sich ausgenommen fühlen.

    Herzlichen Gruß,

    Marcus Gatzke

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    Wer Aktien zu einem KGV von 100 kauft, dem ist nicht zu helfen. Das ist meines Erachtens an Dummheit kaum noch zu überbieten. Da endet dann auch mein Mitleid.

    • Asura
    • 22.05.2012 um 14:11 Uhr

    Anleger allen Ernstes geglaubt hat, facebook würde drastisch zulegen oder besser mittelfristig überhaupt zulegen können, dem sollte man fast die Befähigung absprechen, an der Börse handeln zu dürfen.

    Wer Aktien zu einem KGV von 100 kauft, dem ist nicht zu helfen. Das ist meines Erachtens an Dummheit kaum noch zu überbieten. Da endet dann auch mein Mitleid.

    • Asura
    • 22.05.2012 um 14:11 Uhr

    Anleger allen Ernstes geglaubt hat, facebook würde drastisch zulegen oder besser mittelfristig überhaupt zulegen können, dem sollte man fast die Befähigung absprechen, an der Börse handeln zu dürfen.

  7. Wer Aktien zu einem KGV von 100 kauft, dem ist nicht zu helfen. Das ist meines Erachtens an Dummheit kaum noch zu überbieten. Da endet dann auch mein Mitleid.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verzockt"
    • Asura
    • 22.05.2012 um 14:08 Uhr

    zum Start."

    Da haben sie ja offensichtlich richtig gewettet, bedenkt man, dass der Kurs erst einmal auf ca. 43$ schoss und erst danach so rapide absackte, sodass er gestützt werden musste.

    Sowohl erster Umstand, als auch letzterer stinken beide geradezu nach Manipulation durch gewisse Investitionsbanken.

    Eine Leserempfehlung

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