Mark Zuckerberg hatte eine klare Botschaft an alle, die ihm und seinem Unternehmen im Zuge des Facebook-Börsengangs zwölf Milliarden Dollar geben sollen. Sie lautete: Ihr seid mir total egal.

Über 500 Fondsmanager, Banker und private Anleger hatten sich in der vergangenen Woche erwartungsvoll im Ballsaal des Sheraton in Manhattan versammelt. Dort sollten Zuckerberg und seine Top-Manager auf einer vor einem Börsengang üblichen Roadshow um Investoren werben. Zuckerberg schockte die Anzugträger nicht nur damit, dass er im schwarzen Kapuzen-Sweatshirt und Turnschuhen statt mit Seidenkrawatte und hochglanzpolierten Maßschuhen ankam.

Als er seine geplante Rede halten sollte, entschuldigte ihn Finanzchef David Ebersman: Der Chef sei auf dem Klo. Nach sechs Fragen erklärte die Facebook-Mannschaft die Vorstellung für beendet, verschwand durch die Hintertür und brauste in einem Cadillac Escalades davon. Die Wall Street war brüskiert. "Das ist unreif" , schäumte der Aktienanalyst Michael Pachter. "Wenn er nach Geld fragt, dann sollte er sich auch respektvoll zeigen!"

Wall Street und Silicon Valley brauchen sich

Pachters Rüge wiederum war für Zuckerbergs Kollegen aus dem Silicon Valley Anlass, den Analysten zu kritisieren. Pachter sei ein "Depp" und ein "Warmduscher", hieß es in Internetforen. "Es geht doch nur ums Produkt und das Geschäft – von mir aus kann Mark in seiner verdammten Unterwäsche auftauchen", schrieb Dave McClure, der angeblich 500 Start-ups mit gegründet hat.

Es ist nicht der erste Konflikt zwischen den Money Men und den Techies. Die Differenzen reichen zurück, solange irgendjemand im New Yorker Finanzdistrikt und im Silicon Valley denken kann. Beide Seiten brauchen sich gegenseitig. Die Techies wollen Geld für ihre coolen Erfindungen, die Banken wollen einfach nur Geld.

Und auch die Leute aus dem Silicon Valley stören sich am Äußeren der Banker. Nicht immer bleiben sie dabei höflich. Zum Beispiel im Fall von Scott Stanford, der von Goldman Sachs entsandt wurde. Sein "User Interface", gemeint war sein Gesicht, sei abstoßend. Vor allem sein zurückgegeltes Haar störe, erzählten Insider der Start-up-Szene des Silicon Valley dem New York Magazine .

Facebook allerdings fühlte sich dadurch nicht daran gehindert, vergangenes Jahr einen geheimen Deal einzugehen, bei dem Goldman Facebook-Anteile in Höhe von 450 Millionen Dollar an bevorzugte Kunden verscherbeln sollte. Der Plan flog auf, die Börsenaufsicht wurde wach, und Goldman musste einen peinlichen Rückzieher machen. Auch bei Facebook hinterließ das Geschäft das, was die Schwaben ein Gschmäckle nennen würden.