Der russische Sukhoi Superjet 100 (Archiv) © STR/AFP/Getty Images

Es sollte ein großer Tag für Russland werden: Der frisch gekürte Präsident Wladimir Putin nahm auf dem Roten Platz die Parade zum Siegestag ab, die Armee protzte mit ihrer Militärtechnologie am Boden und in der Luft, und alles verlief ohne Zwischenfälle. Erst auf dem Rückflug in seine Heimatkaserne verlor einer der Paradehubschrauber ein zwei Tonnen schweres Ladegewicht. Er flog glücklicherweise gerade über ein Waldgebiet. Niemand kam zu Schaden.

Wenig später drang die Katastrophenmeldung aus Indonesien nach Moskau : Der vielzitierte Hoffnungsträger der russischen Luftfahrt aus der frühen Putin-Ära, ein Superjet 100, war bei einem Schauflug am Berghang zerschellt . Putin hatte dem Modell vor zwei Jahren eine "große Zukunft" vorhergesagt.

Der Absturz der Maschine ist ein schwerer Schlag für das Prestige der russischen Flugzeugindustrie. Der Produzent Suchoj muss mit geringeren Verkaufszahlen rechnen. Indonesien hat bereits angekündigt, den geplanten Ankauf der Flugzeuge einzufrieren, bis die Absturzursache geklärt ist. Das kann ein Jahr dauern. Suchoj muss darauf hoffen, dass die Piloten einen tödlichen Fehler begingen. Falls die Untersuchungskommission technische Gründe für das Unglück fände, stünden eine langwierige und teure Überarbeitung des Flugzeugs und mögliche Strafzahlungen an Vertragskunden an.

Wirtschaftlich gescheitert ist der Superjet aber noch nicht. Russische Experten verweisen auf den Absturz eines Airbus A-320 bei einer Luftfahrtschau in Frankreich 1988, der den Verkaufserfolg dieses Modells kaum beeinträchtigte. Der potenzielle Markt für das Mittelstreckenflugzeug bleibt bestehen, da für viele Republiken der früheren Sowjetunion nach dem Einbruch der Fluggastzahlen Anfang der neunziger Jahre jetzt ein starkes Wachstum vorhergesagt wird. Hier genießt ein russischer Flugzeugbauer noch immer einen Heimvorteil, zumal der Superjet mit einem Listenpreis von etwa 30 Millionen Dollar vergleichsweise günstig ist.

Schwierigkeiten von Beginn an

Der Aufstieg in den Weltmarkt dürfte nach dem Unglück in Indonesien allerdings schwerer fallen. Genau da will Suchoj hin. Denn mit dem Superjet sollte Russlands Luftfahrt global wie Phönix aus der Asche auferstehen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die einst ruhmreichen Erbauer der Tupolews, Iljuschins oder Antonows ins unternehmerische Nichts gefallen. Entwicklung und Produktion blieben stehen. Die sowjetische Flugzeugflotte, die als zuverlässig, aber technisch rückständig galt und oft den Komfort eines aufgepolsterten Truppentransporters bot, war auf dem internationalen Markt nicht konkurrenzfähig.

Erst nach Putins Amtsantritt als Präsident im Jahr 2000 versuchte der Staat, die russische Flugzeugindustrie zu sanieren: Die Hersteller Irkut, Iljuschin, Tupolew, Suchoj und MiG wurden in die Vereinigte Flugzeugbau-Holding gezwungen. Der Staat subventionierte fortan großzügig. Noch im April 2011 versprach Präsident Dmitrij Medwedjew der Luftfahrtbranche 176 Milliarden Dollar bis 2020. Den Erfolg der staatlichen Hilfe sollte der Superjet symbolisieren: ein Mittelstreckenflugzeug, 2001 projektiert, das den Kontrahenten von Embraer und Bombardier Kunden abjagt.

Die russischen Techniker konnten das allein nicht schaffen: Mehr als die Hälfte der Bauteile des Superjets stammen von westlichen Partnern. Die Entwicklungskosten betrugen zwei Milliarden Dollar. Nicht alles gelang nach Plan: Der Superjet wurde gut drei Tonnen schwerer als geplant und verbraucht mehr Treibstoff. Im September 2007 rollte das Flugzeug unter dem Einsatz von Fanfaren, Models in Stewardessenkitteln und Trockeneisnebel erstmals vor die Öffentlichkeit. Der Jungfernflug folgte 2008.

Doch der Flugzeugmarkt reagierte kühl auf den Neuling. Der Superjet hatte Lieferschwierigkeiten und technische Kinderkrankheiten. Bis heute sind erst acht Jets im Alltagsbetrieb bei der russischen Aeroflot und der armenischen Armavia unterwegs. Alitalia trat im Dezember 2010 vom geplanten Kauf von 20 Superjets zurück und wandte sich dem Konkurrenten Embraer zu.

Insgesamt verzeichnet Suchoj bisher 168 feste Bestellungen aus Indonesien, Russland, den USA , Mexiko , Armenien und Laos . Zehn Jets sollten in diesem Jahr ausgeliefert werden. Für die geplante Produktion von insgesamt 800 Flugzeugen in den kommenden 17 Jahren ist das zu wenig. Deshalb flog der Superjet auf Werbetour durch Kasachstan, Pakistan und Birma . Auf seiner vierten Station, in Indonesien, stürzte er ab.