GriechenlandProminente Europäer warnen vor Euro-Austritt

Ein Austritt aus der Euro-Zone wäre eine Katastrophe, heißt es in einem Appell an Europas Regierungschefs. Die Griechen bräuchten mehr Zeit, um die Krise zu überwinden. von dpa und reuters

Das griechische Parlament in Athen

Das griechische Parlament in Athen  |  © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Unter dem Titel Rettet den Euro haben mehr als 50 bekannte europäische Persönlichkeiten einen Aufruf an die politischen Führer Europas verfasst, Griechenland in der Euro-Zone zu halten. "Wir gehen davon aus, dass ein Austritt Griechenlands eine wirtschaftliche und politische Katastrophe bedeuten würde", heißt es in dem Appell, der online veröffentlicht wurde . Ein Austritt könnte das Auseinanderbrechen der Euro-Zone bedeuten, was eine tiefe Rezession und eine neue weltweite Finanzkrise zur Folge hätte.

Die Unterzeichner des Aufrufs verlangen von Europas Staats- und Regierungschefs, den Griechen mehr Zeit zu geben , um ihre Wirtschaftskrise zu überwinden. "Es hat sich gezeigt, dass der Weg einer kompromisslosen Sparpolitik ins wirtschaftliche Scheitern führt." Die Griechen bräuchten mehr Zeit, um den Staatshaushalt zu sanieren und ihre Schulden zurückzuzahlen. Die anderen europäischen Länder sollten ihnen dabei helfen, indem sie etwa die Zinsen für Griechenland senken.

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Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem der frühere Außenminister Joschka Fischer , der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel , der deutsche Ökonom Peter Bofinger, Italiens früherer Regierungschef Giuliano Amato , der finnische Ex-Präsident Martti Ahtisaari und Frankreichs früherer Außenminister Bernard Kouchner .

Warnung von größter Bank

Auch Griechenlands größte Bank NBG warnte eindringlich vor einem Austritt aus der Euro-Zone . Die Folgen wären nach Ansicht der National Bank of Greece ein drastischer Rückgang des Lebensstandards, die Halbierung der Einkommen und ein explosionsartiger Anstieg von Arbeitslosigkeit und Inflation. Das Pro-Kopf-Einkommen würde um 55 Prozent sinken, die neue Währung gegenüber dem Euro um 65 Prozent an Wert verlieren und die seit fünf Jahren andauernde Rezession um 22 Prozent anziehen, teilte die Bank mit. Mit ihrer Warnung wolle sie zum politischen Dialog beitragen.

Die Parlamentswahl vom 6. Mai hatte in Griechenland keine klaren Mehrheitsverhältnisse zwischen Anhängern und Gegnern des mit den Gläubigern Griechenlands vereinbarten Sparprogramms erbracht. Deshalb hatte es nach mehreren gescheiterten Versuchen zur Regierungsbildung die Entscheidung für eine erneute Neuwahl gegeben.

Knapp drei Wochen vor der Abstimmung am 17. Juni zeichnet sich dabei ein knappes Rennen zwischen der radikalen Linken (Syriza) und den am Sparkurs festhaltenden Konservativen ab. Die konservative Nea Dimokratia (ND) liegt in einer Umfrage mit 23,4 Prozent leicht vor dem Syriza-Bündnis mit 22,1 Prozent. Die Sozialisten der Pasok bleiben demnach drittstärkste Kraft mit 13,5 Prozent.

Mehrheit will den Euro behalten

Die Mehrheit der Befragten (56,6 Prozent) glaubt, dass die Konservativen die Wahl gewinnen werden. Nur 33,6 Prozent sind der Ansicht, die radikalen Linken hätten ein Chance dazu. Mehr als 80 Prozent wollen, dass Griechenland "um jeden Preis" in der Euro-Zone bleibt.

Auch ohne einen Austritt sind die Folgen des aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen bestehenden Sparprogramms für die Griechen schon sehr hart. Es gab eine Reihe von Firmenpleiten. Die Arbeitslosenquote liegt bei 22 Prozent, unter den 15- bis 24-jährigen Griechen ist sogar jeder zweite ohne bezahlte Arbeit.

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Leserkommentare
  1. [...] Warum wird immer die Mentalität der Griechen Italienern Spaniern etc angesprochen? Was soll daran falsch sein? Angenommen würde man hier in Deutschland sagen,ganz Deutschland muss die Mentalität der Bayern oder der ostdeutschen oder der Berliner nehmen...wuerde es ihnen schmecken? Warum mussunbedingt also der jehnige der anders ist nicht so akzeptiert werden wie er ist? [...] Beste gruesse von einem Schnorer!

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

  2. ZEIT: "Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem der frühere Außenminister Joschka Fischer,.."

    "Die meisten der Unterzeichner sind Mitglieder des European Council on Foreign Relations (ECFR), einer Art europäischem Think-Tank. Zu den ECFR-Gründungsmitgliedern gehören George Soros, Joschka Fischer, Brian Eno oder Rem Koolhaas, die allerdings nicht zu den Unterzeichnern zählen." (Der Spiegel)

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    Als Beispiel u.Beweis dient die Schröder - Fischer Regierung

  3. sie haben ca. 30-40 kommentare geschrieben (insgesamt) und fast ausschließlich ueber griechenland...wie kommt's?
    gibt es eine plausible erklaerung dafuer?
    logisch klingt das ganze nicht :)

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    Vielleicht ist steht seinName auf den Kontoauszug von all den "hilfszahlungen" ganz oben an erster Stelle. Wer weiß :-)

  4. Als Beispiel u.Beweis dient die Schröder - Fischer Regierung

  5. auf meinen Beitrag geantwortet und nicht auf ihre Frage.

    Antwort auf "Interessante These"
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    Ich habe sie gefunden :-)

    Das mit dem Staatskapitalismus kann ich so nachvollziehen. Hat allerdings nicht so gut geklappt. Aber man stelle sich vor, die DDR hätte ihr Uran nicht an die SU verschenken müssen.

  6. Anmerkung zu 42

    Oberweltspekulant George Soros, Joschka Fischer, Hans Eichel, vereinigt im europäischem Think-Tank (ECFR).

  7. "der frühere Außenminister Joschka Fischer, der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel, der deutsche Ökonom Peter Bofinger,...."

    Es waren doch gerade diese "Gutmenschen", die wider besseres Wissen und Warnungen von kompetenter Seite, geradezu blind und beflissen den Beitritt Griechenlands zum Euro ermöglichten.

    Es zeugt von Beratungsresistenz und Blindheit oder ist es Heuchelei, diesen Fehler heute noch mit diesem Aufruf zu rechtfertigen.

    Griechenland bleibt doch auch nach dem Austritt aus dem € noch Mitglied der EU.

    Aber im € hat es weder Chancen noch was zu suchen.

  8. 48. Richtig

    geschlussfolgert

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