Euro-KriseGriechische Szenarien für Anleger

Die griechische Krise spitzt sich erneut zu. Was kommt: Drachme oder Euro? Chaos oder Ruhe an den Märkten? Vier Möglichkeiten, auf die Anleger sich vorbereiten können. von Veronika Csizi

Eine Frau geht an Unterstützern der neofaschistischen Partei Chryssi Avgi vorbei, die vor dem griechischen Parlament in Athen demonstrieren.

Eine Frau geht an Unterstützern der neofaschistischen Partei Chryssi Avgi vorbei, die vor dem griechischen Parlament in Athen demonstrieren.   |  © STR/AFP/Getty Images

Anleger an den Aktien- und Anleihemärkten sind verunsichert: Wie geht es weiter mit Griechenland? Plant das verschuldete Land den "Grexit", also den Ausstieg aus der Eurozone und die Einführung einer neuen, eigenen Währung? Oder lässt sich Griechenland nach der Wahl am 17. Juni sanieren, ohne dass es zum Bruch mit dem Euroraum kommt. Vier Szenarien sind vorstellbar – je nachdem, ob Griechenland den Euro behält oder die Drachme einführt, und wie gut die Akteure an den Finanzmärkten darauf vorbereitet sind. Anleger müssen selbst entscheiden, welches Szenario sie für das wahrscheinlichste halten:

Szenario 1: Der Euro-Ausstieg als Befreiungsschlag

Der Gewinner der Wahlen will zwar im Euro bleiben, lehnt aber die Sparprogramme ab und weigert sich, die griechischen Schulden zu bedienen. Fast überall hat sich die Meinung durchgesetzt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Weil ohne Sparwille kein Geld mehr aus EU-Töpfen fließt, muss Griechenland aus der Eurozone ausscheiden, um mit neuen Drachmen handlungsfähig zu bleiben. Die Folge: Erleichterung.

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Unternehmen, Banken, Regierungen und Notenbanken haben sich auf einen Austritt vorbereitet und Notfallpläne erarbeitet. Der "Grexit" kommt kontrolliert. Die Märkte reagieren nach einer Schrecksekunde gelassen. Schnäppchenjäger gehen einkaufen, die Aktienkurse steigen europaweit, außer in Griechenland. Staaten und Investoren hat der Austritt deutlich gemacht, dass das Ignorieren von Verträgen keinen Erfolg hat. Dies verleiht den Anleihen der Eurozone, den EFSF-Papieren, einen Vertrauensbonus.

Gleichzeitig macht die EU deutlich: Griechenland ist nicht Spanien und nicht Italien. Beide Länder würden rigides Sparen einem Euro-Austritt vorziehen. Das Chaos, in das Griechenland zunächst versinkt, hat disziplinierende Wirkung auf andere Länder. Gleichzeitig sind die Rettungsschirme einsatzbereit.

Viele Marktteilnehmer haben mit dem Grexit gerechnet. Auch deutsche Banken haben sich von extremen Risiken bereits getrennt. In Frankreich wird mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet, so dass der Grexit am Ende auch dort zu verkraften ist. An den Anleihemärkten wiederum sinken nach einem Austritt Griechenlands die Renditen der Problemkandidaten, während deutsche Renditen kräftig anziehen – bei sinkenden Kursen. Wer in deutschen Staatsanleihen investiert ist, muss mit Verlusten rechnen. 

Leserkommentare
    • keibe
    • 31. Mai 2012 23:00 Uhr

    "Die Märkte reagieren nach einer Schrecksekunde gelassen. Schnäppchenjäger gehen einkaufen, die Aktienkurse steigen europaweit, außer in Griechenland."

    a) weil ich gerne auf Schnäppchenjagd gehe,

    b) weil dann diese unsäglichen Schuldzuweisungen an Bundeskanzlerin Merkel mit Hitlerbärtchen aufhören,

    c) weil ich dann befreit und voller Kaufkraft in Griechenland Urlaub machen könnte.

  1. endlich einmal ein Artikel, in dem versucht wird, die Varianten ergebnisbezogen zu durchdenken, und zwar recht sachlich.

  2. "muss Griechenland aus der Eurozone ausscheiden, um .." (???), will aber nicht!!!

    Wo muss GR aus der Eurozone aussteigen ? In den EU Regularien gibt es nicht mal ansatzweise eine Verfahrensweise für so etwas. Ein Ausstieg aus der Eurozone ist schlichtweg nicht eingeplant in den EU Regularien.

    Antwort auf "Szenario 1 = 2 = 3 = 4"
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    Das meinte ich.

    Ich hatte den Zeit Artikel zitiert, den ich nicht verstehe, und frage mich lediglich, was denn passiert, wenn die zukünftige griechische Regierung in Bezug auf Währung nichts entscheidet - was ich selbst für das wahrscheinlichste halte.

  3. Das meinte ich.

    Ich hatte den Zeit Artikel zitiert, den ich nicht verstehe, und frage mich lediglich, was denn passiert, wenn die zukünftige griechische Regierung in Bezug auf Währung nichts entscheidet - was ich selbst für das wahrscheinlichste halte.

    Antwort auf "Wie soll das gehn ?"
  4. Haette denn ein Euro-Austritt wirlich einen Effekt? Ich vermisse einen Vergleich von Griechenland beispielsweise mit Ecuador. Dort laeuft die Wirtschaft mit US-Dollar. Es gibt also keine Moeglichkeit einer eigenen Waehrungspolitik. Der Hauptgrund der Dollareinfuehrung war dort Kriesenbekaempfung. Nun wird ueberlegt ob Griechenland zur Kriesenbekaempfung aus dem Euro austreten koennte - das klingt merkwuerdig. Kann der Euro von den Griechen nicht so genutzt werden, wie der Dollar in Ecuador?

    Es wird immerwieder das Argument der Inflation genannt, der eine neue Drachme unterliegen wuerde. Gibt es keine andere waehrungs- oder finanzpolitische Massnahme, welche den gleiche Effekt hat?

  5. "Sicherheiten", billiges Geld zur Verfügung. Dieses Geld soll den Banken ermöglichen, weiterhin Kredite an Staaten und Realwirtschaft zu vergeben.

    Staaten und Realwirtschaft brauchen das Geld um fällige Kredite und Zinszahlungen abzulösen.

    Dafür sollen die Staaten "Sparen" um ihre Staatskosten zu senken. Gespart wird beim kleinen Mann, der wiederum mehr Einkaufen soll, um die Umsätze der Realwirtschaft zu Steigern, damit die Realwirtschaft ihre Schulden und Zinsen bedienen kann!

    Das war jetzt grob Vereinfacht, die heutige Situation.

    Die Probleme, die in einem Schuldgeldsystem, immer und immer wieder, nach längerer Laufzeit des Selbigen Auftreten, lassen sich so nicht Lösen!

    Erst wenn Staaten mit in die Geldschöpfung einsteigen, dieses zusätzliche Geld den Marktteilnehmern (über Bürgergeld oder sonstwie) zur Verfügung stellt, damit die Realwirtschaft wieder ans laufen gebracht wird, (bringt im Moment nur Zeit) um dann die Wirklichen Probleme, im Zusammenhang mit einem Schuldgeldsystem zu Lösen!

    Schöner Artikel der mehrere Zenarien beschreibt.

    Absehbare funktionierende Lösungen enthält er keine!

    Weitermachen wie bisher ist gleich: Zusammenbruch von Finanz- und Realwirtschaft, Weltweit!

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    "Erst wenn Staaten mit in die Geldschöpfung einsteigen, ..."

    Ich bin sehr dafür, was Sie sagen. Es heißt, wenn ich Sie richtig verstehe, dass den Privatbanken das Recht entzogen wird, Giralgeld zu erzeugen bzw. das Recht, mittels Giralgeld Zentralbankgeld zu erzeugen. Dieses Recht sollte allein bei der Zentralbank liegen, heißt aber in Konsequenz eigentlich Abschaffung aller Privatbanken (soweit System relevant).

    Der Geldschöpfungsgewinn (zu dessen Erzeugung Staatsanleihen benötigt werden) wird an die Aktionäre (Inhaber der Staatsanleihe) und nicht an den Steuerzahler (Schuldner der Staatsanleihe) ausgezahlt und verfestigt so die zunehmende Schieflage von Mittel- und Unterschicht zu Gunsten der Vermögenden.

  6. "Griechenland ist pleite. Warum will das keiner akzeptieren."

    Da verstehe ich Sie jetzt nicht. Wir 'akzeptieren' doch alle, dass Irland, Portugal und Griechenland sich unter dem Rettungsschirm befinden, also 'vom Kapitalmarkt genommen wurden', also de facto pleite sind bzw. sich ohne den Rettungsschirm bereits im Zustand des Staatsbankrotts (= kann seinen finanziellen Verpflichtungen wie Pensionen und Gehälter, Begleichung der Rechnung von Arzneimitteln von staatlichen Krankenhäusern etc.) befänden. Irland stimmt ja gerade heute über den Verbleib unter diesem Schutzschirm ab.

    Ich kann ja auch 'akzeptieren', dass meine Frau pleite ist. Wir haben uns sogar schon darauf geeinigt, dass sie mir ihre Kreditkarte ausgehändigt hat während ich versuche, ihre ausstehenden Rechnungen über den Pelz, den Porsche, den Schmuck und die teueren Abendessen irgendwie (ich bin ja noch kreditwürdig) zu begleichen. Sie mag sich auch einen neuen Liebhaber mit dicker Geldbörse suchen. Nur, sind damit unsere Eheprobleme gelöst?

  7. "Erst wenn Staaten mit in die Geldschöpfung einsteigen, ..."

    Ich bin sehr dafür, was Sie sagen. Es heißt, wenn ich Sie richtig verstehe, dass den Privatbanken das Recht entzogen wird, Giralgeld zu erzeugen bzw. das Recht, mittels Giralgeld Zentralbankgeld zu erzeugen. Dieses Recht sollte allein bei der Zentralbank liegen, heißt aber in Konsequenz eigentlich Abschaffung aller Privatbanken (soweit System relevant).

    Der Geldschöpfungsgewinn (zu dessen Erzeugung Staatsanleihen benötigt werden) wird an die Aktionäre (Inhaber der Staatsanleihe) und nicht an den Steuerzahler (Schuldner der Staatsanleihe) ausgezahlt und verfestigt so die zunehmende Schieflage von Mittel- und Unterschicht zu Gunsten der Vermögenden.

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    Geld aus dem Nichts!

    Es ist nicht Aufgabe der Staaten Kredite zu vergeben. Dies bleibt die Aufgabe von Banken und Privatleuten.

    Das vom Staat erschaffene Geld (Vollgeld ohne Zinsbelastung) ersetzt im laufe der Zeit das Kreditgeld. Kredite werden mit Vollgeld durchgeführt. Geplatzte Kredite (mit Vollgeld) haben keine Auswirkungen auf Eigenkapitalregelungen der Kreditvergabe durch die Banken. Die Systemrelevanz von Banken, Verschwindet.

    Und weiter Vorteile.

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