Yang Hei Shen ist Händler in Hongkong. Sein richtiger Name lautet anders. Doch Yang möchte nicht, dass er veröffentlicht wird, denn sein Geschäft ist heikel: Der 74-Jährige handelt mit Haifischflossen. Sein Arbeitsplatz liegt im Stadtviertel Sheung Wan, in der Straße Bonham Strand West. "Mein Chef sitzt in den USA", sagt Yang. "Ich bin sein bester Mitarbeiter. Seit über zehn Jahren bin ich in der Firma."

Das Unternehmen hat schon bessere Zeiten gesehen. Um die Jahrtausendwende hat es acht bis zehn Tonnen Haifischflossen verkauft; 2011 nur noch gut drei Tonnen. In ganz Hongkong fallen die Umsätze. Jahr für Jahr gehen sie der örtlichen Marine Products Association zufolge um rund fünf Prozent zurück.

Nirgendwo werden so viele Haifischflossen gehandelt wie in Hongkong. Ungefähr die Hälfte des globalen Handels mit der Flosse läuft über die Häfen der Stadt. Zwar gibt es keine exakten Statistiken darüber. Aber die Umweltorganisation Oceana, die sich seit 2001 für die Konservierung der Weltmeere einsetzt, gibt an, dass im Jahr 2008 knapp 10.000 Tonnen Haifischflossen die chinesische Sonderverwaltungszone passiert und 87 Länder die Delikatesse der chinesischen Küche nach Hongkong exportiert haben. Die Hongkong Shark Foundation schätzt den Umsatz mit den Flossen für das Jahr 2010 auf rund 2,6 Milliarden Hongkong Dollar, rund 260 Millionen Euro.

Der Handel ist lukrativ: Eine einzelne Haifischflosse kann bis zu 1.000 Euro kosten, für einen Teller Haifischflossensuppe zahlt man umgerechnet rund 80 Euro.

Brutales "Finning"

Umweltschutzorganisationen kritisieren das Geschäft schon seit Langem. Manche Hai-Arten sind vom Aussterben bedroht oder zumindest in ihrem Bestand gefährdet. Genaue Daten gibt es nicht, aber die Weltlandwirtschaftsorganisation FAO geht davon aus, dass im Jahr 2006 etwa 760.000 Tonnen Haie und verwandte Arten gefangen wurden. Die Hongkong Shark Foundation gibt an, jährlich würden über 70 Millionen Haie getötet.

Die Tiere werden direkt gefischt, meist mit langen Leinen, oder sie verenden als Beifang in den Netzen. Besonders qualvoll ist das "Finning": Dabei ziehen die Fischer die Haie direkt aus dem Wasser, schneiden ihnen die Rückenflosse ab und werfen das Tier zurück ins Meer. Die verletzten Fische verenden.

Doch das Geschäft schrumpft. In den Restaurants von Hongkong ist das zu spüren. Große Hotelketten wie das Island Shangri-la oder das Peninsula Hotel servieren seit einigen Monaten keine Haifischflossensuppe mehr. Das Shangri-la will keine Zahlen dazu nennen, doch auf Nachfrage bestätigt die Pressesprecherin Leanne Chan, dass die Suppe einen großen Anteil an den Einnahmen mit Banketten gehabt habe. Dennoch habe man sich entschlossen, keine Haifischflossen mehr anzubieten. Stattdessen gebe es nun andere Angebote. "Unsere Gäste unterstützten den Schritt voll und ganz."

Es sind vor allem die jungen Leute, die der teuren Delikatesse entsagen. Paare verzichten auf Hochzeiten in Hongkong und zunehmend auch in Festlandchina darauf, Haifischflossensuppe auf die Speisekarte zu setzen. Oft wird ihnen dafür ein Rabatt eingeräumt.