Euro-KriseIWF will flexibler mit Schuldenländern umgehen

Der Währungsfonds hat nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland erstmals mehr Freiheiten für überschuldete Staaten angedeutet. Sonst würde Wachstum gebremst.

IWF-Chefin Christine Lagarde (Archiv)

IWF-Chefin Christine Lagarde (Archiv)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einem zu strikten Sparkurs in überschuldeten Ländern gewarnt. Dies gelte vor allem dann, wenn sich das Wachstum in den betroffenen Ländern abschwäche, sagte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, am Montagabend in einer Rede vor Studenten der Universität Zürich. "Wenn das Wachstum schlechter ist als erwartet, sollten sie lieber an den angekündigten Fiskal-Maßnahmen festhalten statt sich zu sehr auf die angekündigten Fiskal-Ziele zu konzentrieren", sagte Lagarde.

Mit den Äußerungen deutete die IWF-Chefin erstmals mehr Flexibilität im Umgang mit hoch verschuldeten Ländern wie Griechenland an, die im Gegenzug für Milliardenhilfen des IWF und der EU einen strikten Sparkurs eingeschlagen haben, der aber das Wachstum zusätzlich bremst. In Griechenland und Frankreich haben bei den Wahlen am Sonntag Politiker und Parteien große Erfolge erzielt, die gegen den bisherigen Sparkurs Front gemacht haben. In Griechenland könnte nun sogar eine Neuverhandlung des 130 Milliarden Euro schweren zweiten Rettungspakets auf die Agenda kommen. In dem auf internationale Hilfen angewiesenen Land stehen rasche Entscheidungen zu Spar- und Reformschritten an. Bis Juni verlangt die Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) weitere Konsolidierungsmaßnahmen über 11,5 Milliarden Euro im Gegenzug für frisches Geld. Die Euro-Staaten hatten im Februar ein zweites Rettungspaket für Griechenland geschnürt.

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Der Auftritt Lagardes hatte heftige Proteste von Studenten ausgelöst. Die Gruppierung Uni von unten hatte dazu aufgerufen. Sie kritisierte, es könne nicht sein, dass jemandem, dessen Politik zu Tod und Armut sowie Menschen in den Selbstmord führe, eine weitere Plattform geboten werde. In Griechenland und Italien war es vereinzelt zu Selbstmorden gekommen, die im Zusammenhang mit Einkommens- oder Jobverlusten durch die Schuldenkrise standen.

 
Leserkommentare
    • HH7
    • 09.05.2012 um 0:15 Uhr

    Fakt ist, dass sich ein Teilnehmer an den Spielregeln des ach so liberalen freien Marktes nicht halten wollen: Die Gläubiger.

    Sollen nun Unbeteiligte für spekulative Verluste haften?

    Hätten diese "Investoren" zwischen 2000 - 2008 nicht zu zwei Drittel ihre Sparvermögen aus Deutschland abgezogen, um sie in vermeintlich zinsträchtigere (Subprime-)Märkte zu investieren, müssten sich einige deutsche "Investoren" (...nur rund 20% flossen in Auslands-Direktinvestitionen) heute nicht um ihr Geld sorgen.

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  1. Erinnert sich noch jemand an ihre Worte vor wenigen Wochen? Ich würde auch so lächeln, wenn ich meine Worte alle paar Wochen 180° drehen müsste.

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