Gut ein Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist in Japan der letzte noch aktive Reaktor zu Wartungsarbeiten abgeschaltet worden. Wie der Stromkonzern Hokkaido Electric Power (Hepco) mitteilte, wurde damit begonnen, den letzten der 50 verbliebenen Atomreaktoren des Landes herunterzufahren. In Tokio demonstrierten derweil rund 5.500 Menschen für einen vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft.

Die Atomreaktoren, die bis zum GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi rund 30 Prozent des Strombedarfs des Landes abdeckten, werden in Japan alle 13 Monate für eine Wartung heruntergefahren. Ans Netz kommen die Anlagen erst wieder, wenn die lokalen Regierungen zugestimmt haben. Seit der Atomkatastrophe in Fukushima ist dies jedoch wegen der beträchtlichen Sorgen der Bevölkerung über die Sicherheit der Atomkraftwerke nicht mehr geschehen.

Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda gab im April zwar die Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme von zwei Reaktoren in Oi, doch müssen die Behörden noch die Anwohner überzeugen, dem Schritt zuzustimmen. Seit dem Unglück wurden die Regelungen geändert, so dass Atomkraftwerke nicht nur einen Stresstest der Internationalen Atomenergieorganisation ( IAEA ) bestehen, sondern auch die Zustimmung der örtlichen Bevölkerung erhalten müssen.

Tausende Menschen demonstrieren für endgültigen Ausstieg

In Tokio forderten unterdessen Tausende Menschen auf mehreren Demonstrationen den endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft. "Eine neue Ära ohne Atomkraft hat in Japan begonnen", sagte der 56-jährige Mönch Gyoshu Otsu bei einer Kundgebung vor dem Industrieministerium. Der Organisator Masao Kimura sprach von einem "symbolischen Tag". "Nun können wir beweisen, dass wir auch ohne Atomstrom zu leben fähig sind."

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, bezeichnete die Entwicklung in Japan als "weiteren Beleg des unaufhaltsamen Endes der Atomindustrie ". Japans Gesellschaft habe erlebt, "dass das Land mit seiner energiehungrigen Industrie und seinen gigantischen Städten auch ohne Atomstrom funktioniert", erklärte Harms.

Stromkonzerne warnen indes vor Engpässen während der heißen Sommermonate. Nach Angaben der Firma Kansai Electric Power, die die Großstädte Osaka , Kyoto und Kobe versorgt, könnte aufgrund des hohen Strombedarfs für Klimaanlagen der Bedarf das Angebot um 20 Prozent übersteigen. Die Firma verzeichnete 2011 einen Verlust von 2,28 Milliarden Euro aufgrund der hohen Kosten für die Wiederinbetriebnahme zuvor abgeschalteter Wärmekraftwerke.