Xavier Bernat Rodés, 25, Spanien

"Ich hatte eigentlich das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben", sagt Xavier Bernat Rodés. Noch vor wenigen Jahren war der 25-Jährige auf der Gewinnerseite. Er besaß ein Auto und eine Wohnung. Seine Freunde wohnten noch bei den Eltern und lernten für Prüfungen. Mit 16 hatte Xavier die Schule abgebrochen. Bei einer Straßenbaufirma konnte er damals aus dem Stand 180.000 Peseten im Monat verdienen, mehr als 1.000 Euro. Ein Jahr später bekam er bereits das Doppelte. Zusätzlich erledigte er einige Aufträge schwarz.

Doch seit zwei Jahren ist Xavier arbeitslos, wie 922.000 andere junge Spanier . In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren sind mehr als die Hälfte auf der Suche nach einem Job, gab das Nationale Statistikamt Spaniens Ende April bekannt; die Zahlen von Eurostat (siehe Grafik) liegen knapp darunter. Unter den Arbeitslosen sind Universitätsabsolventen ebenso wie gelernte Handwerker. Überdurchschnittlich stark betroffen sind jedoch die Niedrigqualifizierten. "Ich weiß, dass ich ohne Schulabschluss auch in den nächsten Jahren keine Chance haben werde", stellt Xavier nüchtern fest. Er ist wieder in sein Heimatdorf ins katalanische Pyrenäenvorland zurückgekehrt und lebt bei seiner Familie.

In letzter Zeit hat er oft bedauert, kein Abitur gemacht und nicht studiert zu haben. "Aber es ergab für mich damals keinen Sinn. Ich habe bei vielen meiner Bekannten beobachtet, dass sie mit einer viel besseren Ausbildung weniger verdienten als ich".

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Viele Jugendliche erlagen vor der Krise der Verlockung des schnellen Geldes , das man in Zeiten des Baubooms vor allem im Immobiliensektor und in den gigantischen Infrastrukturprojekten der Regionalregierungen verdienen konnte. Im Jahr 2007 betrug die Schulabbrecherquote 32 Prozent – selten handelte es sich dabei um Schulversager. Xavier war mitgeschwommen auf der Welle der Konsumfreude, die Spanien seit den neunziger Jahren erfasst hatte. Jetzt ist er überschuldet; sein Auto und die Wohnung in der Provinzstadt Lleida wurden von der Bank konfisziert.

Der junge Mann räumt eigene Fehler ein, fühlt sich aber in erster Linie betrogen. "Über die Risiken eines Kredits hat mit mir niemand gesprochen". Er tippt auf den Vertrag mit seiner Bank, die ihm die Wohnung verkaufte und im gleichen Zug den dafür nötigen Kredit gewährte. Viele Banken warben vor und sogar noch während der Krise offensiv für eine Kreditaufnahme und verliehen blind an jedermann Geld. Die Politiker unterstützten die wackligen Geschäfte. Schließlich beflügelte die großzügige Kreditvergabe das Wirtschaftswachstum. Regionale Politiker konnten am Immobiliengeschäft der staatlichen Sparkassen ordentlich mitverdienen.

"Ein völlig vergammeltes System", ärgert sich Xavier. "Kein Politiker oder Bankdirektor wurde für das Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil: Sie verdienen immer noch Millionen!". Er hingegen muss für seine Naivität teuer bezahlen: Er hat keinen Job, dafür aber 250.000 Euro Schulden.