Jugendarbeitslosigkeit"Manche Länder müssen ihr Wirtschaftsmodell komplett ändern"

Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit belastet eine Gesellschaft auf Jahre hinaus, sagt OECD-Expertin Glenda Quintini. Sie fordert Bildungsreformen und mehr Kündigungsschutz.

Ein Passant im vergangenen November vor einem Graffito in Madrid: "Wir wollen arbeiten. Die Krise sollen die Unternehmer bezahlen, die durch unsere Arbeit reich geworden sind."

Ein Passant im vergangenen November vor einem Graffito in Madrid: "Wir wollen arbeiten. Die Krise sollen die Unternehmer bezahlen, die durch unsere Arbeit reich geworden sind."

ZEIT ONLINE: Die Jugendarbeitslosigkeit ist durch die Wirtschaftskrise in Europa stark gestiegen. Besonders hoch ist sie in Ländern wie Spanien, in denen auch früher viele Jugendliche keinen Job fanden. Ist wirklich nur die Krise schuld an der Misere?

Glenda Quintini: Die Rezession hat die Situation verschlechtert. In Spanien war die Arbeitslosenrate für Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren zuvor lange gefallen. Zuletzt lag sie bei rund 20 Prozent, und wir waren ganz zuversichtlich für die Zukunft. Doch heute ist fast die Hälfte der jungen Leute in Spanien arbeitslos. In Frankreich sieht es ähnlich aus, wenngleich der Anstieg durch die Krise nicht so hoch ausfiel. Auch in Griechenland, Italien, Großbritannien und den USA ist die Lage ernst.

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ZEIT ONLINE: Was kann ein Land leichter verkraften: eine hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen oder eine hohe Arbeitslosigkeit insgesamt?

Quintini: Wenn Erwachsene arbeitslos werden, die eine ganze Familie ernähren, sind die sozialen Folgen häufig gravierender. Junge Menschen werden dagegen oft noch von ihren Eltern unterstützt.

Glenda Quintini
Glenda Quintini

Die Ökonomin ist Expertin für Jugendarbeitslosigkeit bei der OECD in Paris. Ihr Spezialgebiet ist der Übergang vom Ausbildungssystem auf den Arbeitsmarkt.

Andererseits: Die Jugendarbeitslosigkeit trifft Absolventen ohne Berufserfahrung. Sind sie lange arbeitslos, ist die Gefahr groß, dass sie auch später keinen Job finden und dauerhaft vom Sozialsystem abhängig werden. Das kann eine Gesellschaft auf Jahre hinaus belasten. Auch die Investitionen in ihre Ausbildung wären verloren, zumindest teilweise. Möglicherweise brauchen sie später Fortbildungen. Sobald die Wirtschaft wieder anspringt, ist es aus Sicht der Unternehmen einfacher, Nachwuchs aus der nächsten Absolventengeneration einzustellen.

ZEIT ONLINE: Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsagentur ILO, Juan Somavia, fürchtet eine weltweite Krise des Arbeitsmarktes, die zehn Jahre lang andauern könnte.

Quintini: Das scheint mir zu lang. Aber die Lage wird sich nicht so schnell bessern. Im kommenden Jahr stabilisieren sich die Arbeitslosenraten vermutlich. Dann steigen sie zwar nicht mehr, aber es wird eine Weile dauern, bis sie wieder auf das Vorkrisenniveau sinken.

ZEIT ONLINE: Das klingt nicht sehr hoffnungsvoll.

Quintini: Es wird dauern. Manche Länder müssen vielleicht ihr komplettes Wirtschaftsmodell ändern. In Spanien beispielsweise gingen viele Stellen im Bausektor verloren. Befristete Verträge wurden nicht mehr verlängert. Das waren Jobs, die überdurchschnittlich häufig Jugendliche und junge Erwachsene innehatten. Wenn die Konjunktur in Spanien wieder anspringt, wird man sehen müssen, ob die Baubranche wieder eine solche Schlüsselrolle spielen kann.

ZEIT ONLINE: Was sind – neben der Krise – die strukturellen Ursachen der hohen Jugendarbeitslosigkeit?

Quintini: In vielen Ländern ist der Anteil von jungen Leuten ohne weiterführenden Schulabschluss hoch. In Spanien liegt er bei 35 Prozent der 20- bis 25-Jährigen. In Italien sind es 20 Prozent, in Frankreich und sogar Dänemark um die 15 Prozent. Wer mit 15 oder 16 Jahren die Schule ohne Abschluss verlässt, wird nur schwer Arbeit finden. Hinzu kommt, dass viele Länder – im Gegensatz zu Deutschland – kein gutes Berufsausbildungssystem haben. Eine berufliche Ausbildung gilt dort als etwas für die Übriggebliebenen, die es anderswo nicht schaffen.

Zudem gibt es in Spanien und Griechenland, zum Beispiel, keine fordernde Arbeitsmarktpolitik, anders als in Ländern wie Großbritannien und Australien. Junge Arbeitslose werden dort sofort in ein Trainingsprogramm aufgenommen. Man hilft ihnen bei der Stellensuche, der Staat subventioniert Jobs, die für sie infrage kommen. Man bringt ihnen Fähigkeiten bei, die sie brauchen. Je länger sie arbeitslos sind, desto mehr Unterstützung erhalten sie. In Spanien und Griechenland ist diese aktivierende Politik sehr schwach ausgeprägt.

ZEIT ONLINE: Sie kritisieren, die Politik lege zu wenig Wert auf ein gutes Bildungssystem. Dabei finden auch viele gut Ausgebildete keinen Job.

Quintini: Die Arbeitslosigkeit ist unter niedrig Qualifizierten immer noch höher. Aber es stimmt, sogar Akademiker haben Schwierigkeiten. Manche nehmen Stellen an, für die sie eigentlich überqualifiziert sind, oder sie arbeiten in einem Berufsfeld, das nichts mit ihrem Fachgebiet zu tun hat. Das kann daran liegen, dass sie ihr Studienfach nicht unbedingt nach Berufschancen ausgewählt haben. Zugleich lässt sich aber schwer voraussagen, wie viele Ärzte oder Ingenieure eine Volkswirtschaft in Zukunft braucht. In Frankreich gibt es mehr Psychologen, als der Arbeitsmarkt aufnehmen kann. In Italien sind es zu viele Architekten, in Griechenland zu viele Juristen.

ZEIT ONLINE: Was kann man gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit tun?

Quintini: Das Bildungssystem reformieren. Die jungen Leute sollten die Schule mit einem Abschluss verlassen. Zudem muss die berufliche Bildung besser werden. Gut ist auch, die frühkindliche Erziehung zu stärken, vor allem für Kinder aus problematischen Verhältnissen oder mit Sprachschwierigkeiten. Das sind Investitionen, die sich sehr lohnen, sofern man diese Kinder auch in der Schule weiter unterstützt.

ZEIT ONLINE: Neben der Bildungspolitik ist aber auch die Arbeitsmarktpolitik gefragt...

Quintini: In Ländern wie Spanien sind die befristet angestellten Arbeitnehmer viel schlechter vor Arbeitslosigkeit geschützt als die Angestellten mit unbefristeten Verträgen. Das muss man ändern, indem man den Kündigungsschutz angleicht. Am radikalsten wäre, nur noch eine Art von Arbeitsvertrag zuzulassen. Zugleich muss man den Arbeitgebern aber zugestehen, dass es schwierig sein kann, die Qualitäten von jungen, relativ unerfahrenen Arbeitnehmern vorab einzuschätzen. Dafür brauchen sie Zeit – aber nicht unbedingt in Form von befristeten Arbeitsverhältnissen. Eine längere Probezeit könnte da helfen.

ZEIT ONLINE: Gehen nicht gerade in Spanien die Reformen eher in eine andere Richtung?

Quintini: Die Politik in Spanien versucht seit Längerem, die Zahl der Zeitverträge zu senken. Bisher hatte sie nur begrenzten Erfolg. Aber das Problem ist erkannt. In Spanien, Italien und Frankreich wird schon lange über einheitliche Arbeitsverträge diskutiert.

ZEIT ONLINE: Was muss noch passieren?

Quintini: Die Arbeitskosten müssten sinken. Entweder durch staatliche Subventionen für Unternehmen, die junge Arbeitnehmer einstellen. Oder indem man den Firmen die Möglichkeit gibt, jungen Leuten, die für ihren Job noch geschult werden müssen, Löhne unterhalb der geltenden Mindestlohngrenzen zu zahlen.

ZEIT ONLINE: Niedrigstlöhne schaffen Arbeitsplätze?

Quintini: Wenn man den Mindestlohn als Instrument im Kampf gegen die Armut betrachtet, könnte man argumentieren, dass jungen Leuten, die noch keine eigene Familie ernähren müssen, ein Sub-Mindestlohn gezahlt werden darf. Dennoch muss man natürlich sehr aufpassen. Ein Niedrigstlohn dürfte nur an junge Arbeitnehmer mit sehr schlechten Qualifikationen gezahlt werden.

Weder Subventionen noch Sub-Mindestlöhne sind perfekt. Aber wir müssen anerkennen, dass Arbeitgeber beträchtliche Anstrengungen unternehmen müssen, um schlecht qualifizierte junge Leute zu schulen – und das könnte ein Grund sein, sie nicht zum üblichen Lohn einzustellen.

 
Leserkommentare
  1. "Am radikalsten wäre, nur noch eine Art von Arbeitsvertrag zuzulassen. "

    Kuendigungsschutz ist mit Grund fuer die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Es spaltet die Gesellschaft. Arbeitend und unkuendbar gegen jung und arbeitslos.

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    • joG
    • 17.05.2012 um 20:09 Uhr

    ...die verhindern, dass alle angestellt werden. Das Problem liegt also in der staatlich vorgegebenen Regulierung. Diese ist politisch gewollt und wurde gemacht, weil die Parteien, die dies versprachen gewählt wurden. Da die Bevölkerungen weitgehend noch immer Glauben, man müsse Dinge tun, die unsinnig, ja kontraindiziert sind, wird es seine Zeit brauchen, bis es besser werden kann

    • joG
    • 17.05.2012 um 20:09 Uhr

    ...die verhindern, dass alle angestellt werden. Das Problem liegt also in der staatlich vorgegebenen Regulierung. Diese ist politisch gewollt und wurde gemacht, weil die Parteien, die dies versprachen gewählt wurden. Da die Bevölkerungen weitgehend noch immer Glauben, man müsse Dinge tun, die unsinnig, ja kontraindiziert sind, wird es seine Zeit brauchen, bis es besser werden kann

    • Pollio
    • 17.05.2012 um 18:03 Uhr

    Ein ziemlich unkritisches Interview. Es wäre doch zu interessant, die OECD-"Expertin" mal zu fragen, wie sich denn das Bild der Jugendarbeitslosigkeit (niedrig bei uns, hoch so ziemlich sonst überall)mit der ständigen Kritik der OECD (Herr Schleicher) am deutschen Bildungssystem verträgt. Was die Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit angeht, ist - und war es immer schon - sehr effektiv. Selbstkritik ist von der OECD wohl nicht zu erwarten - und die Zeit wird bald wieder die nächste Jeremiade des Herrn Schleicher über das ach so ungerechte und den Akademikerbedarf nicht befriedigende deutsche Bildungssystem abdrucken.

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    Die Antwort darauf, warum wir im Vergleich so gut dastehen, ist einfach. Wir verstecken die Jugendarbeitslosigkeit im Bildungssystem. Mit 15 ist bei uns so gut wie keiner aus der Schule raus, die meisten gehen zwiwschen 18 und 20 ab. Die einen fangen eine Lehre an und der Rest studiert irgendwas.

    Arbeitslos werden sie erst später. Um die Statistik schön zu halten steckt man sie dann in teure Arbeitsmarktvehikel und großteils fragwürdige Weiterbildung, subventioniert ökonomisch völlig sinnlose Jobs und eigentlich nicht konkurrenzfähige Unternehmen gleich mit..

    Die OECD kritisiert gerne das gegliederte Schulsystem, nicht jedoch das System der Dualen Ausbildung, da sollte man schon differenzieren.

    Im Übrigen gibt es auch eine nicht unerhebliche versteckte Jugendarbeitslosigkeit - wie bei allen Arbeitslosen - durch, oft unsinnige, Maßnahmen, die eher Maßnahmen zur Statistikbereinigung als zur wirklichen Qualifizierung sind...
    Ein 1-Euro-Job ist keine "Arbeitslosigkeit" im Sinne der Statistik, aber halt auch keine Perspektive, daneben gibt es noch eine boomende Qualifizierungsindustrie (gab es schon etliche Medienberichte zu), die so teuer wie ineffizient ist.

    Allerdings dürfte das duale Ausbildungssystem tatsächlich ein nicht unerheblicher Standortvorteil zu sein, ebenso die vielfältige Bildungslöandschaft mit Technikerschulen, Höheren Handelsschulen, Fachschulen etc.

    Die Antwort darauf, warum wir im Vergleich so gut dastehen, ist einfach. Wir verstecken die Jugendarbeitslosigkeit im Bildungssystem. Mit 15 ist bei uns so gut wie keiner aus der Schule raus, die meisten gehen zwiwschen 18 und 20 ab. Die einen fangen eine Lehre an und der Rest studiert irgendwas.

    Arbeitslos werden sie erst später. Um die Statistik schön zu halten steckt man sie dann in teure Arbeitsmarktvehikel und großteils fragwürdige Weiterbildung, subventioniert ökonomisch völlig sinnlose Jobs und eigentlich nicht konkurrenzfähige Unternehmen gleich mit..

    Die OECD kritisiert gerne das gegliederte Schulsystem, nicht jedoch das System der Dualen Ausbildung, da sollte man schon differenzieren.

    Im Übrigen gibt es auch eine nicht unerhebliche versteckte Jugendarbeitslosigkeit - wie bei allen Arbeitslosen - durch, oft unsinnige, Maßnahmen, die eher Maßnahmen zur Statistikbereinigung als zur wirklichen Qualifizierung sind...
    Ein 1-Euro-Job ist keine "Arbeitslosigkeit" im Sinne der Statistik, aber halt auch keine Perspektive, daneben gibt es noch eine boomende Qualifizierungsindustrie (gab es schon etliche Medienberichte zu), die so teuer wie ineffizient ist.

    Allerdings dürfte das duale Ausbildungssystem tatsächlich ein nicht unerheblicher Standortvorteil zu sein, ebenso die vielfältige Bildungslöandschaft mit Technikerschulen, Höheren Handelsschulen, Fachschulen etc.

  2. "Die Arbeitskosten müssten sinken. Entweder durch staatliche Subventionen für Unternehmen, die junge Arbeitnehmer einstellen."

    Ich will einen Job haben weil ich gut darin bin. Nicht weil das Unternehmen vom Staat Geld fuer meine Anstellung bekommt oder weil es micht nicht kuendigen kann.

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    "Ich will einen Job haben weil ich gut darin bin."

    Sowas nennt man dann aber Beruf und nicht "Job". Da besteht einer konnotativer Unterschied.

    Ich schlage vor das sie fuer das gleiche der Chinesen arbeiten.

    Dann werden sie auch in Europa genug Arbeit finden.

    Ihre Produktivitaet muss aber auch die gleiche sein wie die der Chinesen.

    Ob sie es sich leisten koennen in Europa zu leben ist eine andre Sache. Bei hohen Preisen muss man auch dementsprecened verdienen, zumindestens um sich das noetigste zu leisten konnen.

    PS. Es gibt auch in China Leute die soviel wie im Westen verdienen. Es kommt darauf an was man macht.

    "Ich will einen Job haben weil ich gut darin bin."

    Sowas nennt man dann aber Beruf und nicht "Job". Da besteht einer konnotativer Unterschied.

    Ich schlage vor das sie fuer das gleiche der Chinesen arbeiten.

    Dann werden sie auch in Europa genug Arbeit finden.

    Ihre Produktivitaet muss aber auch die gleiche sein wie die der Chinesen.

    Ob sie es sich leisten koennen in Europa zu leben ist eine andre Sache. Bei hohen Preisen muss man auch dementsprecened verdienen, zumindestens um sich das noetigste zu leisten konnen.

    PS. Es gibt auch in China Leute die soviel wie im Westen verdienen. Es kommt darauf an was man macht.

  3. ist der angeblich fehlende oder unzureichende Kündigungsschutz. Im Gegenteil, das Beispiel Spanien zeigt dies überdeutlich. Dort hat in den vergangenen acht Jahren unter dem Sozialistischen Regime mit dem wohl weltweit einzigartig hohen und kompakten Kündigungsschutz die Jugendarbeitslosigkeit am Ende des Regimes den Rekordwert von 50% weit überschritten. Dagegen hat ein Land wie Deutschland mit einem eher läppischen Kündigungsschutz eine Jugendarbeitslosigkeit, die eher geringe Bedeutung hat. Im Gegenteil, es wird händeringend Nachwuchs gesucht. Das Argument, die Jugendarbeitslosigkeit mit einem "besseren" Kündigungsschutz zu bekämpfen, ist reine Bauerfängerei.

    8 Leserempfehlungen
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    Sie haben das missverstanden. Es ist genau umgekehrt wie sie glauben, also decken ihre Aussagen natürlich genau die Realität.

    Der starke Kündigungsschutz ist mit Schuld für die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Kurz/Vereinfacht gesagt: Da man die Alten deswegen nicht mehr kündigen kann, kriegen die Jungen nur noch befristete Verträge und bleiben daher wenn, dann nur kurz in Beschäftigung. Man hat ja quasi schon genug unabwerfbaren Ballast auf den Schultern, da will man sich als Arbeitgeber nicht noch mehr davon ins Haus holen. Bei jedem kleinen Auftragseinbruch gehen Unternehmen reihenweise unter, weil sie kaum noch zu produzieren haben, aber die vollen Arbeitskosten bezahlen müssen.

    Bei uns ist der Kündigungsschutz vergleichsweise(!) locker, was den Arbeitgebern natürlich Anreiz ist Neuanstellungen voranzutreiben. Noch "besser" sieht die Lage in Ländern aus wie den USA, in denen es nahezu keinen Kündigungsschutz gibt und man mit entsprechender Qualifikation jederzeit den Job wechseln kann. Allerdings kann man sich auch nie sicher sein seinen Job behalten zu können. Im Zweifelsfall ist man immer mit einem Fuß aus der Tür.

    Auch wenn ich für diesen Kommentar wohl zerrissen werde, weil man in Deutschland doch so gerne meckert und es angeblich überall anders ja besser sein soll: Aber meiner Meinung nach verbindet der deutsche Kündigungsschutz im internationalen Vergleich mit das Beste aus genug Flexibilität für Arbeitgeber und Bestandsschutz für seine eigene Arbeit.

    • Els
    • 17.05.2012 um 20:05 Uhr

    Kündigungsschutz lockern ?
    Dann werden die normal bezahlten Senioren leichter ihren Job verlieren, zu Gunsten jüngerer, meist schlechter bezahlten Arbeitnehmer.
    Das amerikanische Modell zeigt ja gerade, dass nicht vorhandener Kündigungsschutz in einer unsicheren Zeit wie heute, die Tür zu Armut öffnet. Die Wenigsten, die wieder Arbeit finden, kommen an nur annähernd nahe Gehälter, wie vorher.
    Ein Schritt mehr zur absoluten Ausbeutung.
    In Frankreich verdienen 67% der Arbeitnehmer auf Monatsbasis weniger als 2000 € im Monat (Steuern noch nicht abgezogen), 55% weniger als 1738 €, 30% davon unter 1380 € und etwa 15% beim Mindestlohn.
    1.7 Millionen Familien erhalten den RSA, also Sozialleistung.
    Wen Kündigungsschutz weniger wird, dann wird sich das noch viel mehr verschlechtern.

    Bevor Sie hier Ihre Vorurteile von sich geben, sollten Sie den Artikel ordentlich lesen und sich kundig machen. Die jungen Arbeitnehmer in Spanien hatten keinen Kuendigungsschutz, da sie Zeitarbeitsvertraege hatten und haben. Und dies impliziert, vielleicht wissen Sie es ja nicht, das ein Arbeitnehmer nach Ablauf der Frist automatisch arbeitslos wird, sofern man keinen neuen Vertrag erhaelt.

    Sie haben das missverstanden. Es ist genau umgekehrt wie sie glauben, also decken ihre Aussagen natürlich genau die Realität.

    Der starke Kündigungsschutz ist mit Schuld für die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Kurz/Vereinfacht gesagt: Da man die Alten deswegen nicht mehr kündigen kann, kriegen die Jungen nur noch befristete Verträge und bleiben daher wenn, dann nur kurz in Beschäftigung. Man hat ja quasi schon genug unabwerfbaren Ballast auf den Schultern, da will man sich als Arbeitgeber nicht noch mehr davon ins Haus holen. Bei jedem kleinen Auftragseinbruch gehen Unternehmen reihenweise unter, weil sie kaum noch zu produzieren haben, aber die vollen Arbeitskosten bezahlen müssen.

    Bei uns ist der Kündigungsschutz vergleichsweise(!) locker, was den Arbeitgebern natürlich Anreiz ist Neuanstellungen voranzutreiben. Noch "besser" sieht die Lage in Ländern aus wie den USA, in denen es nahezu keinen Kündigungsschutz gibt und man mit entsprechender Qualifikation jederzeit den Job wechseln kann. Allerdings kann man sich auch nie sicher sein seinen Job behalten zu können. Im Zweifelsfall ist man immer mit einem Fuß aus der Tür.

    Auch wenn ich für diesen Kommentar wohl zerrissen werde, weil man in Deutschland doch so gerne meckert und es angeblich überall anders ja besser sein soll: Aber meiner Meinung nach verbindet der deutsche Kündigungsschutz im internationalen Vergleich mit das Beste aus genug Flexibilität für Arbeitgeber und Bestandsschutz für seine eigene Arbeit.

    • Els
    • 17.05.2012 um 20:05 Uhr

    Kündigungsschutz lockern ?
    Dann werden die normal bezahlten Senioren leichter ihren Job verlieren, zu Gunsten jüngerer, meist schlechter bezahlten Arbeitnehmer.
    Das amerikanische Modell zeigt ja gerade, dass nicht vorhandener Kündigungsschutz in einer unsicheren Zeit wie heute, die Tür zu Armut öffnet. Die Wenigsten, die wieder Arbeit finden, kommen an nur annähernd nahe Gehälter, wie vorher.
    Ein Schritt mehr zur absoluten Ausbeutung.
    In Frankreich verdienen 67% der Arbeitnehmer auf Monatsbasis weniger als 2000 € im Monat (Steuern noch nicht abgezogen), 55% weniger als 1738 €, 30% davon unter 1380 € und etwa 15% beim Mindestlohn.
    1.7 Millionen Familien erhalten den RSA, also Sozialleistung.
    Wen Kündigungsschutz weniger wird, dann wird sich das noch viel mehr verschlechtern.

    Bevor Sie hier Ihre Vorurteile von sich geben, sollten Sie den Artikel ordentlich lesen und sich kundig machen. Die jungen Arbeitnehmer in Spanien hatten keinen Kuendigungsschutz, da sie Zeitarbeitsvertraege hatten und haben. Und dies impliziert, vielleicht wissen Sie es ja nicht, das ein Arbeitnehmer nach Ablauf der Frist automatisch arbeitslos wird, sofern man keinen neuen Vertrag erhaelt.

  4. "Ich will einen Job haben weil ich gut darin bin. Nicht weil das Unternehmen vom Staat Geld fuer meine Anstellung bekommt oder weil es micht nicht kuendigen kann"

    Spanien und Italien laden Sie ein, mal sehen ob Sie einen Job finden.

    Haben Sie das Thema verpasst? Oder wissen Sie nicht, dass Italien und Spanien über Top Ausgebildete Jugend verfügt?

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    9 Leserempfehlungen
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    Die gäbe es nur nicht, wenn die ganzen Arbeitslosen keine Bedürfnisse hätten. Das ist nicht vorstellbar, denn der Mensch lebt nicht von Luft allein.

    Also gibt es auf der einen Seite Arbeitslose als Anbieter von Arbeitskraft und auf der anderen Seite gibt es genau diese Personen als potentielle Konsumenten, also als Nachfrager von Arbeitskraft.

    Was fehlt sind die Unternehmer in Spanien, Griechenland, etc., die Angebot und Nachfrage zusammenführen.

    Die gäbe es nur nicht, wenn die ganzen Arbeitslosen keine Bedürfnisse hätten. Das ist nicht vorstellbar, denn der Mensch lebt nicht von Luft allein.

    Also gibt es auf der einen Seite Arbeitslose als Anbieter von Arbeitskraft und auf der anderen Seite gibt es genau diese Personen als potentielle Konsumenten, also als Nachfrager von Arbeitskraft.

    Was fehlt sind die Unternehmer in Spanien, Griechenland, etc., die Angebot und Nachfrage zusammenführen.

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  6. Die wohl selbsternannte und darum wohl nicht ganz ernst zu nehmende " OECD-Expertin Glenda Quintini " sollte man doch einfach mal zu einem Kurs nach Spanien oder Italien schicken. Da könnte sie sich mal ein Bild der Wirklichkeit machen.

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  7. Die Antwort darauf, warum wir im Vergleich so gut dastehen, ist einfach. Wir verstecken die Jugendarbeitslosigkeit im Bildungssystem. Mit 15 ist bei uns so gut wie keiner aus der Schule raus, die meisten gehen zwiwschen 18 und 20 ab. Die einen fangen eine Lehre an und der Rest studiert irgendwas.

    Arbeitslos werden sie erst später. Um die Statistik schön zu halten steckt man sie dann in teure Arbeitsmarktvehikel und großteils fragwürdige Weiterbildung, subventioniert ökonomisch völlig sinnlose Jobs und eigentlich nicht konkurrenzfähige Unternehmen gleich mit..

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    Antwort auf "Vergebene Chance"
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    Sie haben keine Informationen und spekulieren frei herum! Zudem folgen Ihre Spekulationen auch einer falschen Logik: In der Tat dient das deutsche duale Ausbildungssystem für die meisten jungen Leute als Einstieg in ihren Beruf. Viele Lehrlinge werden übernommen. Wenn Sie recht hätten, müsste sich spätestens bei den 20-jährigen dann die hohe Arbeitslosigkeit zeigen. Die von Ihnen angeführten und (vielleicht zurecht) argwöhnisch betrachteten Weiterbildungsmaßnahmen betreffen eben nicht die Jungen, sondern andere Altersgruppen, die Leistungen von der ARGE beziehen. Wenn Ihre Theorien stimmten, dass die Arbeitslosigkeit versteckt wird, dürfte die Zahl der Erwerbstätigen nicht steigen. Das tut sie aber:
    https://www.destatis.de/D...
    Umgekehrt die Arbeitslosenstatistik:
    https://www.destatis.de/D...
    Tatsächlich behindert der durch einen hohen Kündigungsschutz inflexible Arbeitsmarkt die Einstellung junger Leute einerseits und die wirtschaftliche Entwicklung andererseits. Als Sarkozy das ändern wollte, ging die Jugend auf die Straße und hat das verhindert. Wahrscheinlich aus dem nachvollziehbaren Grund, dass die bestehenden Verträge natürlich nicht angetastet worden wären.

    Sie haben keine Informationen und spekulieren frei herum! Zudem folgen Ihre Spekulationen auch einer falschen Logik: In der Tat dient das deutsche duale Ausbildungssystem für die meisten jungen Leute als Einstieg in ihren Beruf. Viele Lehrlinge werden übernommen. Wenn Sie recht hätten, müsste sich spätestens bei den 20-jährigen dann die hohe Arbeitslosigkeit zeigen. Die von Ihnen angeführten und (vielleicht zurecht) argwöhnisch betrachteten Weiterbildungsmaßnahmen betreffen eben nicht die Jungen, sondern andere Altersgruppen, die Leistungen von der ARGE beziehen. Wenn Ihre Theorien stimmten, dass die Arbeitslosigkeit versteckt wird, dürfte die Zahl der Erwerbstätigen nicht steigen. Das tut sie aber:
    https://www.destatis.de/D...
    Umgekehrt die Arbeitslosenstatistik:
    https://www.destatis.de/D...
    Tatsächlich behindert der durch einen hohen Kündigungsschutz inflexible Arbeitsmarkt die Einstellung junger Leute einerseits und die wirtschaftliche Entwicklung andererseits. Als Sarkozy das ändern wollte, ging die Jugend auf die Straße und hat das verhindert. Wahrscheinlich aus dem nachvollziehbaren Grund, dass die bestehenden Verträge natürlich nicht angetastet worden wären.

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