Kanzlerin Angela Merkel hat große Probleme beim Ausbau des Stromnetzes in Deutschland eingeräumt. Sie kündigte an, sie werde sich persönlich für einen zügigen Netzausbau einsetzen. Am Dienstag besucht sie mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) und Umweltminister Peter Altmaier ( CDU ) die Bundesnetzagentur in Bonn .

Der Netzausbau gilt als ein entscheidendes Element der Energiewende hin zu mehr erneuerbaren Energien. Zur Versorgung der großen Industriegebiete im Süden Deutschlands mit Windenergie aus dem Norden seien neue Übertragungsleitungen unverzichtbar, sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft . Sie wolle sich bei der Netzagentur informieren, was politisch getan werden könne, "um die Dinge zu beschleunigen". Bei den großen Übertragungsnetzen sei man "mit vielen Projekten im Rückstand".

Das bestätigte der Netzagentur-Chef Jochen Homann: "Es geht zu langsam", sagte er der Berliner Tageszeitung taz . 1.800 Kilometer Hochspannungstrassen seien 2009 geplant worden. Davon seien erst 214 Kilometer gebaut und elf Kilometer in Betrieb genommen.

Merkel will mehr Bürgerbeteiligung

Gründe dafür sind unter anderem die Zurückhaltung der Netzbetreiber bei Investitionen und Proteste von Bürgern vor Ort gegen zusätzliche Freileitungen. Merkel will die Bürger an der Planung beteiligen. Wenn die Regierung am 4. Juni die neuen Netzpläne vorgestellt habe, "dann kommt eine Phase der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort", sagte die Kanzlerin.

Auch Rösler kündigte eine Beschleunigung des Netzausbaus an. Mit dem neuen Netzentwicklungsplan wolle der Bund Projekte mit besonderer Priorität selbst in die Hand nehmen. "400 Kilometer Stromautobahn sollen von der Bundesnetzagentur in Eigenregie geplant werden", sagte er der Passauer Neuen Presse .

In der Koalitionsfraktion wachsen bereits die Zweifel an der Umsetzung der Energiewende . Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle sagte der Welt am Sonntag , möglicherweise müssten mehr Gas- und Kohlekraftwerke gebaut werden als gedacht.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte, die Regierung habe den für die Energiewende nötigen Netzausbau verschlafen. Seit einem Jahr herrsche hier Stillstand, sagte er dem Tagesspiegel . Die vier großen Netzbetreiber seien überfordert, daher müsse der Netzausbau in öffentliche Verantwortung gegeben und mit privaten Investoren realisiert werden.