GesundheitsversorgungMedikamente für die Armen

Vier Milliarden Menschen weltweit brauchen eine bessere medizinische Versorgung. Ihnen zu helfen, könnte ein Geschäft sein. Aber wer zahlt dafür?

Einem Mädchen von der Ethnie der Rarámuri im Staat Chihuahua, Mexiko, wird Blut abgenommen.

Einem Mädchen von der Ethnie der Rarámuri im Staat Chihuahua, Mexiko, wird Blut abgenommen.

Mi Farmacita Nacional ist eine mexikanische Apothekenkette mit einem besonderen Geschäft. Ihre Betreiber verkaufen Medikamente, Windeln, Milch und Trinkwasser an die Armen des Landes, zu besonders günstigen Preisen. Leute, die sich keinen regulären Arztbesuch leisten können, werden in der Farmacita untersucht. Die Mission des Unternehmens: genau die Menschen mit Medikamenten und ärztlichen Basis-Dienstleistungen zu versorgen, die am wenigsten dafür bezahlen können.

Der Staat schafft es nicht überall, die Grundversorgung der Armen zu sichern, und private Firmen suchen ihr Geschäft meist lieber anderswo. Nicht so Mi Farmacita, auf deutsch "Meine kleine Apotheke". Geld verdienen wollen die Betreiber natürlich auch – und das scheint zu funktionieren. Seit neun Jahren ist die Kette im Geschäft. Rund 40 Filialen in ganz Mexiko weist ihre Website aus. 

Anzeige

Die kleine Apotheke zeigt: Die Armen sind ein Markt. Das gilt auch weltweit. Mehr als vier Milliarden Menschen leben von weniger als 3.000 Dollar im Jahr. Schätzungen des US-Thinktanks World Resources Institute und der zur Weltbank gehörenden International Finance Cooperation zufolge geben sie rund 160 Milliarden Dollar pro Jahr für ihre Gesundheit aus, ein Drittel davon für Medikamente. Dennoch sind sie medizinisch nicht ausreichend versorgt. Rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit haben nicht einmal Zugang zu den nötigsten Gesundheitsdienstleistungen und Medikamenten.

Das soll sich jetzt ändern, durch "inklusive Geschäftsmodelle", wie es in der Sprache der Entwicklungspolitiker heißt. Gemeint ist, dass alle profitieren sollen. Wenn die Idee aufgeht, werden die Armen besser versorgt, und die Unternehmen, die auf den gesättigten Märkten der wohlhabenden Länder nur noch begrenzt wachsen können, machen Gewinne.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Bloß: Wie verkauft man Arznei in Ländern, in denen es zu wenig Straßen gibt, um alle zu erreichen? In denen es an sauberem Wasser mangelt, mit dem man die Pillen einnehmen müsste? Wo die Stromversorgung nicht weit genug reicht, um Medikamente überall kühl zu halten, ausgebildetes Fachpersonal rar ist und viele Patienten weder lesen noch schreiben können, Beipackzettel also auf keinen Fall verstehen? Und wie macht man die Medikamente so billig, dass sie für die Masse bezahlbar sind?

Es gibt ein paar Beispiele, die zeigen, wie es gehen könnte. Versammelt sind sie in der vom Entwicklungsministerium und Deutscher Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Auftrag gegebenen und von Sanofi co-finanzierten Studie "Bringing Medicines to Low-income Markets": Pharmafirmen verpacken ihre Medikamente in kleineren Mengen, um den Preis niedrig zu halten. Sie erklären den Gebrauch durch Piktogramme, und sie entwickeln spezielle Kombi-Präparate, die mehrere Wirkstoffe in sich vereinen. So wird die Einnahme vereinfacht. Unternehmen schulen Gesundheitshelfer, die dann in die Dörfer gehen, um über häufige Krankheiten aufzuklären.

Um Medikamente auch in entlegene Gebiete zu bringen, schicken Hilfsorganisationen Fachleute auf Motorrädern durchs Land. Die Kuriere sind dafür ausgebildet, auch einfache Krankheiten diagnostizieren und behandeln zu können. Andere Organisationen lassen den Arzneitransport vom örtlichen Gasversorger erledigen. Der bringt seine Gasflaschen ohnehin zu den Kunden, und mit Hilfe des Brennstoffs können die Medikamente kühl gehalten werden.

Leserkommentare
  1. ist entgegen landläufiger Annahme überhaupt gar kein gutes Beispiel - sie ließ elendig verrecken, ohne Schmerzmittel, ohne Minimal-Hygiene, ohne Transparenz der Verwendung von Spendengeldern etc.etc. http://www.youtube.com/wa... der 1. von 3 Teilen.

    .......

    Das Drama von Medizin in armen Ländern beginnt bereits bei der Forschung. Pharmafirmen forschen nur daran, wovon sie sich Gewinne versprechen, also von den Krankheiten der Reichen. Die Krankheiten der Armen wird weit weniger Aufmerksamkeit gewidmet, z.B. bezahlbaren Malaria-Medikamenten angesichts zunehmender Resistenzen. Ob der weltgrößte Philantrop, die Gates Foundation, daran etwas ändert, steht aus.

    Ich finde manches an den pragmatischen Umsetzungen im Artikel pfiffig, z.B. der Transport von Medikamenten zusammen mit Gas. Wichtig wäre aber Bildung, vor allem für Frauen. Dann bestünde tatsächlich die Perspektive zur Milderung vieler Probleme - von Kindersterblichkeit über hohe Geburtenraten bis Durchsetzung von Menschenrechten auf Gesundheit, Wasser, Nahrung, Teilhabe. Werden Frauen in ihrer Geschäftsfähigkeit gefördert, lösen sich eine ganze Menge von Problemen beinahe wie von selbst. Dann hätten auch Krankenversicherungen via Mikro-Kredit-Institute eine Chance.

    Allianz, Sanofi et Cie bringe ich dabei zero Vertrauen entgegen - das liefe auf eine Katastrophe wie bei der Pervertierung der Mikrokreditvergabe in Indien hinaus.
    Mikrokredite sind ungeeignet für sehr Arme und auch die haben Menschenrechte.

    4 Leserempfehlungen
  2. Ich habe lange genung im pharmazeutischen Export gearbeitet, um hautnah zu erfahren, wie die Preise für an sich extrem billige Basismedikamente von einer perversen Kette von Vermittlern und korrupten Politikern aufgebläht werden.
    In den meisten afrikanischen Ländern gibt es Ausschreibungen für gelistete Substanzen und in den Industrieländern gibt es Personen, die auf Umwege erfahren, wie man - ungeachtet des Preis-Leistungs-Verhältnis - die Ausschreibung gewinnt. Natürlich sind diese Infos alles Andere als preisgünstig und die Preise im Lande beinhalten mindestens 30% Tantiemen an Vermittler und Politiker. Manche Vermittler werden auch nur tätig, wenn der Kunde ihnen von bekannten, anderen Vermittlern vorgestellt wird. Natürlich wird der Zwischenvermittler nicht umsonst arbeiten...

    Die nächste Hürde ist oft die "Devisenbehörde", die über Bezahlung oder Nicht-Bezahlung einer Rechnung entscheidet. Rechnungen werden in der Regen nur bezahlt, wenn ein bekannter Vermittler richtig schmiert. Wird die lokale Fertigung zur Bedingung für eine Importlizenz gemacht, dann werden ausrangierte Maschinen zum Preis von neuen an die lokalen Betriebe geliefert.

    Fazit: Basismedikamente, die alle patentfrei sind, kann auch das ärmste Land selbst herstellen, man braucht nur die Rohchemikalien zu importieren und die Produktion von einer einzigen, staatlichen Firma, ggf. unter WHO-Aufsicht, vornehmen zu lassen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Redaktion

    Liebe Leser,

    die beschriebenen Beispiele eignen sich womöglich nicht für eine flächendeckende Versorgung. Aber sind sie nicht wenigstens ein Anfang?

    Klar kann man das Gewinnstreben der Konzerne kritisieren. Und vermutlich werden die Ärmsten wenig davon haben, sondern höchstens die Menschen, die wenigstens über ein geringes eigenes Einkommen verfügen.

    Aber Jahrzehnte öffentlicher Entwicklungshilfe haben uns auch nicht entscheidend weitergebracht. Auch NGOs verfolgen ihre eigenen Interessen, Stichwort Selbsterhaltung. Und darauf zu warten, dass instabile Staaten wie die DR Kongo ein halbwegs funktionierendes öffentliches Sozialsystem aufbauen, ist auch nicht sehr aussichtsreich.

    Warum sollten also nicht Unternehmen, Regierungen und NGOs versuchen, durch eine bessere Zusammenarbeit mehr zu erreichen? Wenn private Investitionen helfen können, die wirtschaftliche Lage der Armen zu verbessern, bin ich sehr dafür.

    Beste Grüße,
    Alexandra Endres

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Liebe Frau Endres,
    Unternehmen, Regierungen und NGOs verfolgen unterschiedliche Interessen. Unternehmen handeln betriebswirtschaftlich, Regierungen sollten wenigstens volkswirtschaftlich handeln und (kleinere) NGOs müssen oft Kompromisse schließen, um selbst zu überleben und um bestimmten Personen zu einem lukrativen Posten zu verhelfen.
    Der Private wird nie handeln, wenn seine Gewinnspanne unterhalb einer ihm von der Marktwirtschaft gesetzten Grenze liegt, sonst rechnet sich seine Tätigkeit nicht.
    Ich wäre immer noch dafür, dass den lokalen Staaten von den Industriestaaten geholfen wird, eine eigene Basisversorgung auf die Beine zu stellen. Dabei sollte man peinlichst genau kontrollieren, dass die Gelder nicht in dunkle Kanäle verschwinden.

    zur dieser Frage möchte ich Ihnen etwas zum Lesen empfehlen 'REFLECTIONS ON THE HEALTH SYSTEM von Dr. Beat Richner, Kantha Bopha Children`s Hospitals, Cambodia
    WHO is wrong and WHAT is wrong' http://www.beat-richner.c...

    Durch Kooperation zwischen Privatwirtschaft mit Gewinnabsicht, NGOs und Regierungen wird allzu oft eine speziell schlechtere Medizin für die sog. 3. Welt etabliert. Wo sich die Frage stellt, ob Menschen in der 3. Welt irgendwie weniger Rechte haben als in der 1. Welt? Die WHO nimmt dabei eine recht zweifelhafte Position ein, was Sie dem verlinkten Text entnehmen können.

    Vorbildlich für 'wenigstens einen Anfang' ist weit eher sein Konzept von Krankenhäusern mit erstklassiger Medizin - die Erfahrung in Kambodscha lehrt, daß die medizinische Versorgung des gesamten Landes sich deutlich verbessert, wenn Menschen an einem Ort im Land eine *kostenlose* und erstklassige medizinische Versorgung zur Verfügung haben, wohin sie auch weite Strecken in Kauf nehmen.

    Ich hoffe sehr, daß Dr. Richner noch seinen Plan verwirklicht, vergleichbare Krankenhäuser in einem armen Land in Afrika, z.B. im Kongo aufzubauen. Um zu beweisen, daß das überall geht! Der hat übrigens auch mit Korruption keine Probleme (ein Riesen-Problem bei der medizinischen Versorgung in armen Ländern) - seine einfache Lösung: bezahle das Personal anständig.

    Ich schließe mich weitgehend JFranzot in Kommetar 13. an, Frau Endres.

    Hinzufügen möchte ich dann die Frage an Frau Endres, weshalb denn zum Beispiel eine NGO das Treibstoffpreisrisiko in dem von Ihnen angepriesenen Modell übernehmen soll?

    Wir kommen nicht einen Zentimeter weiter in der Armutsbekämpfung, wenn wir Märkte und Hilfe nicht getrennt lassen.

    Es sind auch keine neuen Ideen, die die von Ihnen besprochene Studie präsentiert, sondern es ist das alte PPP (PublicPrivatePartnership) Modell, erweitert eben um die kostenfreien Dienste der NGO's.
    Also das Modell, welches schon die deutschen Kommunen so unsagbar reich gemacht hat, daß sie heute auf ruinösen Mietkosten für leere Freizeitbäder sitzen. Und welches so erfolgreich die Wasserversorgungen weltweit in privates Management überführt hat...

    Sie unterstellen mir indirekt ja einiges, Frau Endres. Wenn Sie meine Beiträge lesen, werden Sie feststellen, daß ich entsprechendes gar nicht behauptet habe. Auch nicht in Bezug auf den Kongo.

    Was ich aber behaupte, ist, daß es wesentlich erfolgreicher ist, in ländlichen Regionen z.B. genossenschaftliche Gemeinwohlstrukturen aufzubauen, in denen eigene Wertschöpfung stattfindet, welche wiederum dann auch soziale Infrastruktur befördern kann. - Daran werden allerdings "Ihre" Spezies, wie Allianz und Co. nichts verdienen.

    Und mann kann es auch nicht so schön polemisierend ("Jahrzehnte öffentlicher Entwicklungshilfe haben uns auch nicht entscheidend weitergebracht") darstellen.

    Sehr geehrte Frau Endres, was mich irritiert ist allein schon der Gedanke, dass Sie annehmen eine private Krankenversicherung koennte hilfreich sein. In den entwickelten Staaten in denen die private Krankenkassen den Markt beherrschen funktionieren die Gesundheitssysteme doch eben gerade nicht so toll, meistens sind es die teuersten Systeme ohne bessere Performance. Desweiteren wird die Allianz niemals ein Geschaeft machen, dass schlechter ist als eines anderswo, ansonsten haette das Management ein Problem. Ich bin zwar kein Pharmakologe, aber die Idee eine Multipille gegen viele Krankheiten koennte hilfreich stimmt mich eher skeptisch. Wer zertifiziert solche Tabletten oder ist das vielleicht einen Menschenversuch (soll es schon gegeben haben und gibt es noch bspw. in Indien)? Das Uebel steckt doch auch darin, wie Entwicklungshilfe betrieben wird, und meist besteht die darin eine Form der Subventionspolitik (Kauf deutscher Produkte von den Entwicklungshilfemitteln) zu sein. Ganz trival gesagt, den Staaten Afrikas waere schon sehr geholfen, wenn man ihre Maerkte nicht mit EU Agrarprodukten ueberschwemmen wuerde und im Gegenzug die Zollschranken der EU fuer Agrarprodukte abschaffen wuerde. Und wenn man sich die GIZ und deren Experten vor Ort anschaut, dann verliert man alle Hoffnung,das ist Geldverschwendung pur.Die schlechte Gesundheitsversorgung ist doch nur ein Symptom, das grundlegende Problem sind die geringen Einkommen und da hilft die Allianz auch nicht weiter.

    Liebe Frau Endres,
    Unternehmen, Regierungen und NGOs verfolgen unterschiedliche Interessen. Unternehmen handeln betriebswirtschaftlich, Regierungen sollten wenigstens volkswirtschaftlich handeln und (kleinere) NGOs müssen oft Kompromisse schließen, um selbst zu überleben und um bestimmten Personen zu einem lukrativen Posten zu verhelfen.
    Der Private wird nie handeln, wenn seine Gewinnspanne unterhalb einer ihm von der Marktwirtschaft gesetzten Grenze liegt, sonst rechnet sich seine Tätigkeit nicht.
    Ich wäre immer noch dafür, dass den lokalen Staaten von den Industriestaaten geholfen wird, eine eigene Basisversorgung auf die Beine zu stellen. Dabei sollte man peinlichst genau kontrollieren, dass die Gelder nicht in dunkle Kanäle verschwinden.

    zur dieser Frage möchte ich Ihnen etwas zum Lesen empfehlen 'REFLECTIONS ON THE HEALTH SYSTEM von Dr. Beat Richner, Kantha Bopha Children`s Hospitals, Cambodia
    WHO is wrong and WHAT is wrong' http://www.beat-richner.c...

    Durch Kooperation zwischen Privatwirtschaft mit Gewinnabsicht, NGOs und Regierungen wird allzu oft eine speziell schlechtere Medizin für die sog. 3. Welt etabliert. Wo sich die Frage stellt, ob Menschen in der 3. Welt irgendwie weniger Rechte haben als in der 1. Welt? Die WHO nimmt dabei eine recht zweifelhafte Position ein, was Sie dem verlinkten Text entnehmen können.

    Vorbildlich für 'wenigstens einen Anfang' ist weit eher sein Konzept von Krankenhäusern mit erstklassiger Medizin - die Erfahrung in Kambodscha lehrt, daß die medizinische Versorgung des gesamten Landes sich deutlich verbessert, wenn Menschen an einem Ort im Land eine *kostenlose* und erstklassige medizinische Versorgung zur Verfügung haben, wohin sie auch weite Strecken in Kauf nehmen.

    Ich hoffe sehr, daß Dr. Richner noch seinen Plan verwirklicht, vergleichbare Krankenhäuser in einem armen Land in Afrika, z.B. im Kongo aufzubauen. Um zu beweisen, daß das überall geht! Der hat übrigens auch mit Korruption keine Probleme (ein Riesen-Problem bei der medizinischen Versorgung in armen Ländern) - seine einfache Lösung: bezahle das Personal anständig.

    Ich schließe mich weitgehend JFranzot in Kommetar 13. an, Frau Endres.

    Hinzufügen möchte ich dann die Frage an Frau Endres, weshalb denn zum Beispiel eine NGO das Treibstoffpreisrisiko in dem von Ihnen angepriesenen Modell übernehmen soll?

    Wir kommen nicht einen Zentimeter weiter in der Armutsbekämpfung, wenn wir Märkte und Hilfe nicht getrennt lassen.

    Es sind auch keine neuen Ideen, die die von Ihnen besprochene Studie präsentiert, sondern es ist das alte PPP (PublicPrivatePartnership) Modell, erweitert eben um die kostenfreien Dienste der NGO's.
    Also das Modell, welches schon die deutschen Kommunen so unsagbar reich gemacht hat, daß sie heute auf ruinösen Mietkosten für leere Freizeitbäder sitzen. Und welches so erfolgreich die Wasserversorgungen weltweit in privates Management überführt hat...

    Sie unterstellen mir indirekt ja einiges, Frau Endres. Wenn Sie meine Beiträge lesen, werden Sie feststellen, daß ich entsprechendes gar nicht behauptet habe. Auch nicht in Bezug auf den Kongo.

    Was ich aber behaupte, ist, daß es wesentlich erfolgreicher ist, in ländlichen Regionen z.B. genossenschaftliche Gemeinwohlstrukturen aufzubauen, in denen eigene Wertschöpfung stattfindet, welche wiederum dann auch soziale Infrastruktur befördern kann. - Daran werden allerdings "Ihre" Spezies, wie Allianz und Co. nichts verdienen.

    Und mann kann es auch nicht so schön polemisierend ("Jahrzehnte öffentlicher Entwicklungshilfe haben uns auch nicht entscheidend weitergebracht") darstellen.

    Sehr geehrte Frau Endres, was mich irritiert ist allein schon der Gedanke, dass Sie annehmen eine private Krankenversicherung koennte hilfreich sein. In den entwickelten Staaten in denen die private Krankenkassen den Markt beherrschen funktionieren die Gesundheitssysteme doch eben gerade nicht so toll, meistens sind es die teuersten Systeme ohne bessere Performance. Desweiteren wird die Allianz niemals ein Geschaeft machen, dass schlechter ist als eines anderswo, ansonsten haette das Management ein Problem. Ich bin zwar kein Pharmakologe, aber die Idee eine Multipille gegen viele Krankheiten koennte hilfreich stimmt mich eher skeptisch. Wer zertifiziert solche Tabletten oder ist das vielleicht einen Menschenversuch (soll es schon gegeben haben und gibt es noch bspw. in Indien)? Das Uebel steckt doch auch darin, wie Entwicklungshilfe betrieben wird, und meist besteht die darin eine Form der Subventionspolitik (Kauf deutscher Produkte von den Entwicklungshilfemitteln) zu sein. Ganz trival gesagt, den Staaten Afrikas waere schon sehr geholfen, wenn man ihre Maerkte nicht mit EU Agrarprodukten ueberschwemmen wuerde und im Gegenzug die Zollschranken der EU fuer Agrarprodukte abschaffen wuerde. Und wenn man sich die GIZ und deren Experten vor Ort anschaut, dann verliert man alle Hoffnung,das ist Geldverschwendung pur.Die schlechte Gesundheitsversorgung ist doch nur ein Symptom, das grundlegende Problem sind die geringen Einkommen und da hilft die Allianz auch nicht weiter.

  4. Wie soll das denn funktionieren?

    Nur eine solidarische gesetzliche Krankenversicherung, in die alle Bürger entsprechend ihrer Wirtschaftskraft einbezogen sind, kann eine Teilhabe aller Bürger am Gesundheitswesen garantieren.

    Es gibt Bereiche, da kann es der Markt eben nicht regeln.

    k.

    Eine Leserempfehlung
  5. Liebe Frau Endres,
    Unternehmen, Regierungen und NGOs verfolgen unterschiedliche Interessen. Unternehmen handeln betriebswirtschaftlich, Regierungen sollten wenigstens volkswirtschaftlich handeln und (kleinere) NGOs müssen oft Kompromisse schließen, um selbst zu überleben und um bestimmten Personen zu einem lukrativen Posten zu verhelfen.
    Der Private wird nie handeln, wenn seine Gewinnspanne unterhalb einer ihm von der Marktwirtschaft gesetzten Grenze liegt, sonst rechnet sich seine Tätigkeit nicht.
    Ich wäre immer noch dafür, dass den lokalen Staaten von den Industriestaaten geholfen wird, eine eigene Basisversorgung auf die Beine zu stellen. Dabei sollte man peinlichst genau kontrollieren, dass die Gelder nicht in dunkle Kanäle verschwinden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wer zahlt?"
  6. zur dieser Frage möchte ich Ihnen etwas zum Lesen empfehlen 'REFLECTIONS ON THE HEALTH SYSTEM von Dr. Beat Richner, Kantha Bopha Children`s Hospitals, Cambodia
    WHO is wrong and WHAT is wrong' http://www.beat-richner.c...

    Durch Kooperation zwischen Privatwirtschaft mit Gewinnabsicht, NGOs und Regierungen wird allzu oft eine speziell schlechtere Medizin für die sog. 3. Welt etabliert. Wo sich die Frage stellt, ob Menschen in der 3. Welt irgendwie weniger Rechte haben als in der 1. Welt? Die WHO nimmt dabei eine recht zweifelhafte Position ein, was Sie dem verlinkten Text entnehmen können.

    Vorbildlich für 'wenigstens einen Anfang' ist weit eher sein Konzept von Krankenhäusern mit erstklassiger Medizin - die Erfahrung in Kambodscha lehrt, daß die medizinische Versorgung des gesamten Landes sich deutlich verbessert, wenn Menschen an einem Ort im Land eine *kostenlose* und erstklassige medizinische Versorgung zur Verfügung haben, wohin sie auch weite Strecken in Kauf nehmen.

    Ich hoffe sehr, daß Dr. Richner noch seinen Plan verwirklicht, vergleichbare Krankenhäuser in einem armen Land in Afrika, z.B. im Kongo aufzubauen. Um zu beweisen, daß das überall geht! Der hat übrigens auch mit Korruption keine Probleme (ein Riesen-Problem bei der medizinischen Versorgung in armen Ländern) - seine einfache Lösung: bezahle das Personal anständig.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wer zahlt?"
  7. Die GIZ, das sind genau die Richtigen, hat sich die nette GIZ Mitarbeiterin mal mit den empirischen Fakten von Mikroversicherungen auseinandergesetzt? Die funktionieren in aller Regel nicht, aber Gewinne macht der private Partner, bis die Subvention wegfaellt. Ich habe diese edlen Helfer von der GTZ (heute GIZ) schon in der Realitaet erlebt, mit dem fetten SUV, bezahlt von Herrn Nibel bzw. seiner Vorgaengerin von einem Brunch mit Regierungsvertretern zum naechsten fahrend,um so richtig deutsche Effizienz zu beweisen.
    Dann die tollen Mikrokredite, in Kambodscha bekommt man die schon fuer einen realen (nach Inflationsabzug) Jahreszinsatz von schlappen 25%, wenn man bereit ist sein Land mit einer Hypothek zu belasten, wobei der angenomme Wert des Lands auf 60% des Marktwerts geschaetzt wird. Geht also was schief aus Sicht des Kreditgebers wird er guenstig Landeigentuemer, geht nichts schief sind Joe Ackermann's Empfehlungen fuer ein ordentliches Bankgeschaeft auch erfuellt. Der Bauer braucht aber einen Kredit fuer das Saatgut. Das sind doch noch schoene Geschaeftsfelder, die erschlossen werden wollen. Nur einer ist dabei der Dumme, der Bauer, der auch weiterhin erbaermlich leben wird. Also wer meint Kapitalsimus loest das Armutsproblem sei auf John M. Keynes verwiesen: "Der Kapitalismus basiert auf der seltsamen Überzeugung, daß widerwärtige Menschen mit widerwärtigen Motiven irgendwie für das Gemeinwohl sorgen werden."

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Von hinten nach vorn: Mikrokredite sind NIEMALS eine Option für ganz Arme, sondern für den unteren Mittelstand. Mikro-Kredite dürfen nie dazu dienen, aufgegessen oder in medizinische Versorgung etc.etc. gesteckt zu werden., sondern immer nur für gewinnbringende Investitionen. Das zu prüfen, ist die Aufgabe der lokalen Partner vor Ort, die bei seriösen MK-Gebern streng und ständig geprüft werden. Hypotheken auf Land, besonders auf zur Ernährung dringend notwendiges und knappes Land wie in einem so armen Land wie Kambodscha für einen so unsicheren Faktor wie Saatgut sind vor allem eins: unseriös. Mit den hohen Zinssätzen finanzieren sich die Partner vor Ort - es hängt aber ALLES an der (Gewinn-ja/nein-)Absicht der Mikro-Kredit-Geber. Vielleicht gefällt Ihnen ja kiva, dort können Sie Ihr Geld verleihen, ab 25$ aufwärts http://www.kiva.org/about...

    Die GTZ hat in der Vergangenheit vergleichsweise gute Arbeit gemacht, vor allem im Forst- und Agrarsektor und bei Organisations- und Institutionsaufbau. Seit aber seit etwa 2000 zunehmend gute Leute entlassen, nein, Verzeihung: Arbeit outgesourct wurde und der saubere Herr Niebel nun auch noch die GTZ mit der mäßig erfolgreichen Inwent und dem noch mäßiger erfolgreichen DED zur GIZ zusammengeklöppelt hat und das Ganze immer näher an die Bundeswehr und an deutsche Wirtschaftsförderung kuschelt, hat das mit seriöser Entwicklungsarbeit zunehmend immer weniger zu tun.

    Von hinten nach vorn: Mikrokredite sind NIEMALS eine Option für ganz Arme, sondern für den unteren Mittelstand. Mikro-Kredite dürfen nie dazu dienen, aufgegessen oder in medizinische Versorgung etc.etc. gesteckt zu werden., sondern immer nur für gewinnbringende Investitionen. Das zu prüfen, ist die Aufgabe der lokalen Partner vor Ort, die bei seriösen MK-Gebern streng und ständig geprüft werden. Hypotheken auf Land, besonders auf zur Ernährung dringend notwendiges und knappes Land wie in einem so armen Land wie Kambodscha für einen so unsicheren Faktor wie Saatgut sind vor allem eins: unseriös. Mit den hohen Zinssätzen finanzieren sich die Partner vor Ort - es hängt aber ALLES an der (Gewinn-ja/nein-)Absicht der Mikro-Kredit-Geber. Vielleicht gefällt Ihnen ja kiva, dort können Sie Ihr Geld verleihen, ab 25$ aufwärts http://www.kiva.org/about...

    Die GTZ hat in der Vergangenheit vergleichsweise gute Arbeit gemacht, vor allem im Forst- und Agrarsektor und bei Organisations- und Institutionsaufbau. Seit aber seit etwa 2000 zunehmend gute Leute entlassen, nein, Verzeihung: Arbeit outgesourct wurde und der saubere Herr Niebel nun auch noch die GTZ mit der mäßig erfolgreichen Inwent und dem noch mäßiger erfolgreichen DED zur GIZ zusammengeklöppelt hat und das Ganze immer näher an die Bundeswehr und an deutsche Wirtschaftsförderung kuschelt, hat das mit seriöser Entwicklungsarbeit zunehmend immer weniger zu tun.

  8. Ich schließe mich weitgehend JFranzot in Kommetar 13. an, Frau Endres.

    Hinzufügen möchte ich dann die Frage an Frau Endres, weshalb denn zum Beispiel eine NGO das Treibstoffpreisrisiko in dem von Ihnen angepriesenen Modell übernehmen soll?

    Wir kommen nicht einen Zentimeter weiter in der Armutsbekämpfung, wenn wir Märkte und Hilfe nicht getrennt lassen.

    Es sind auch keine neuen Ideen, die die von Ihnen besprochene Studie präsentiert, sondern es ist das alte PPP (PublicPrivatePartnership) Modell, erweitert eben um die kostenfreien Dienste der NGO's.
    Also das Modell, welches schon die deutschen Kommunen so unsagbar reich gemacht hat, daß sie heute auf ruinösen Mietkosten für leere Freizeitbäder sitzen. Und welches so erfolgreich die Wasserversorgungen weltweit in privates Management überführt hat...

    Sie unterstellen mir indirekt ja einiges, Frau Endres. Wenn Sie meine Beiträge lesen, werden Sie feststellen, daß ich entsprechendes gar nicht behauptet habe. Auch nicht in Bezug auf den Kongo.

    Was ich aber behaupte, ist, daß es wesentlich erfolgreicher ist, in ländlichen Regionen z.B. genossenschaftliche Gemeinwohlstrukturen aufzubauen, in denen eigene Wertschöpfung stattfindet, welche wiederum dann auch soziale Infrastruktur befördern kann. - Daran werden allerdings "Ihre" Spezies, wie Allianz und Co. nichts verdienen.

    Und mann kann es auch nicht so schön polemisierend ("Jahrzehnte öffentlicher Entwicklungshilfe haben uns auch nicht entscheidend weitergebracht") darstellen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wer zahlt?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service