Der Mann von der Hotline der Berliner Stadtreinigung klingt ratlos. "Solarmodule? Nee, die nehmen unsere Recyclinghöfe nicht an." Aber wohin dann damit, gar in den Hausmüll? "Keene Ahnung, aber wir sind nicht zuständig. Ick weeß, is' kompliziert." Freundlich empfiehlt er, sich einmal bei den anderen Abfallbetrieben zu erkundigen.

Geht es nach dem Willen der EU , gehört solche Ratlosigkeit bald der Vergangenheit an. Denn Brüssel will alle Solarmodule offiziell als Elektroschrott deklarieren, die Hersteller sollen zum Recycling gezwungen werden. Bislang gibt es für die azurblauen Zellen keine offizielle Abfallkategorie, sie rutschen durch jedes Raster. Ungewöhnlich für eine Branche, die mit einem grünen Image wirbt. Für die Hersteller kommt das Thema Recycling zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sie haben mit Überkapazitäten , Auslandskonkurrenz und Kürzungen der Solarförderung gerade andere Sorgen.

Ob Föhn, Toaster oder alte Fernseher : Elektrogeräte gehören nicht in den Hausmüll, sondern in den Elektroschrott. Schließlich enthalten sie nicht nur wertvolle Rohstoffe, sondern auch giftige Komponenten. Jeder Hersteller ist verpflichtet, ausrangierte Elektrogeräte einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen. In Deutschland hat sich dafür ein kompliziertes System etabliert: Eine eigene Anlaufstelle in Fürth , die Stiftung elektro-altgeräte-register , registriert dafür jeden Hersteller und koordiniert das Einsammeln des Elektroschrotts.

Verrückterweise sind Solarmodule von der entsprechenden Richtlinie der EU (WEEE) aus dem Jahr 2003 ausgenommen. Als die Richtlinie entworfen wurde, gab es noch keinen Solarboom, man hatte an die Photovoltaikanlagen einfach nicht gedacht. Fünf Jahre später begann die EU, die Richtlinie zu überarbeiten – und schnell war klar, dass sie auch für Solarmodule gelten sollte.

An Solarmodule hatte vor Jahren niemand gedacht

"Die Aufnahme von Solarmodulen in die Richtlinie setzt die Herstellerverantwortung konsequent um", sagt Björn Bischoff vom Umweltbundesamt . "Wir begrüßen das, weil so Ressourcen geschützt und Wertstoffkreisläufe geschlossen werden." Ein Solarmodul besteht aus etwa 80 Prozent Glas und zehn Prozent Metallen wie Kupfer und Aluminium. Es zu recyceln, ist sicherlich sinnvoll. Nur Geld lässt sich damit zurzeit kaum machen. Wertvolle Metalle sind nur in kleinen Mengen verbaut, dafür enthalten die Module Schwermetalle wie Kadmium und Blei. Abfallbetriebe sind zurzeit nicht sehr auf das Modulrecycling erpicht, denn für sie ist das ein Zuschussgeschäft. Bislang kostet die Tonne rund 200 Euro.

Salopp gesagt, hat die Branche den Recyclingzwang selbst zu verantworten. Als sie vom Ansinnen der EU-Kommission erfuhr, versuchte sie mehr oder wenig dilettantisch, das Vorhaben zu torpedieren. Sie gründete in Brüssel das Unternehmen PV Cycle, das ein eigenes Rücknahme- und Recyclingprogramm in Europa organisieren sollte. Wir kümmern uns selbst, lautete die Botschaft, per freiwilliger Selbstverpflichtung.

"Wir haben uns für die Ausnahme von PV-Modulen aus dem Geltungsbereich der WEEE-Richtlinie eingesetzt, da PV-Module sich in ihrer Natur und Verwendung wesentlich von anderen Produkten der WEEE-Direktive unterscheiden", sagt Wilfried Taetow, Präsident von PV Cycle. 240 Unternehmen sind inzwischen Mitglied, nach eigenen Angaben deckt der Verbund damit rund 90 Prozent der in Europa installierten Solaranlagen ab.