ReichtumsberichtSchuldenkrise lässt Vermögen schrumpfen

Das Privatvermögen in Westeuropa hat 2011 wegen der Krise abgenommen. Deutschland ist eine Ausnahme. Die größten Zuwächse verzeichnen die Schwellenländer. von dpa

Fußgänger vor einem Bekleidungsgeschäft in Peking (Archivbild)

Fußgänger vor einem Bekleidungsgeschäft in Peking (Archivbild)  |  © Jason Lee/Reuters

Das weltweite Privatvermögen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen – jedoch nicht in Westeuropa . Dort sank während der Schuldenkrise das Vermögen um 0,4 Prozent auf 33,5 Billionen US-Dollar, wie die Beratungsgesellschaft Boston Consulting in New York bekannt gab.

Die europäische Schuldenkrise habe die breite Bevölkerung getroffen, sagte Peter Damisch, der bei Boston Consulting den Bereich Vermögensverwaltung leitet. Besonders gelitten hätten die südlichen Länder wie Italien und Spanien . In Italien schrumpfte das Vermögen um 1,3 Prozent, in Spanien um 0,8 Prozent. "Wir haben aufgrund des schwachen Aktienmarkts aber auch Rückgänge in Großbritannien festgestellt."

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Deutschland stehe im europäischen Vergleich dagegen gut da, sagte Damisch. Hierzulande habe es keine Immobilienkrise gegeben und die Menschen seien nicht so schlimm verschuldet. So sei das Privatvermögen um 0,4 Prozent auf umgerechnet 6,4 Billionen Dollar gestiegen. In den Vorjahren konnten die Deutschen ihr Geld aber stärker mehren: seit 2006 im Schnitt um jährlich 2,2 Prozent. In Westeuropa insgesamt war das Privatvermögen in diesem Zeitraum um 1,5 Prozent pro Jahr gestiegen.

Auch in Nordamerika und Japan schrumpfte laut der jährlich erscheinenden Studie Global Wealth von Boston Consulting das Privatvermögen im vergangenen Jahr. In Amerika kam zusätzlich zur Schuldenkrise die in letzter Sekunde abgewendete Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung hinzu, in Japan waren es die Folgen des Erdbebens und Tsunamis. So nahm das Privatvermögen in Nordamerika um 0,9 Prozent ab, in Japan betrug das Minus sogar 2,0 Prozent.

Kräftige Vermögensvermehrung in Schwellenländern

Das weltweite Privatvermögen stieg im vergangenen Jahr dagegen um 1,9 Prozent auf 122,8 Billionen Dollar. Aufstrebende Schwellenländer wie China und Brasilien glichen die Rückgänge in vielen Industrienationen aus. In den beiden Vorjahren hatte der Reichtum allerdings noch um 9,6 beziehungsweise 6,8 Prozent zugelegt.

Im asiatisch-pazifischen Raum, Japan ausgenommen, nahm das private Vermögen in 2011 um 10,7 Prozent auf 23,7 Billionen Dollar zu, in Lateinamerika um 10,6 Prozent auf 3,5 Billionen Euro. Osteuropa weist mit 14,4 Prozent die höchste regionale Zuwachsrate auf.

"Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Jahren das Vermögen zunimmt, aber nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit", sagte Damisch. Auch Europa wird sich den Schätzungen zufolge erholen. Allerdings, so sagen die Experten von Boston Consulting voraus, werden die Asiaten schon im Jahr 2016 reicher sein als die Europäer. Schon heute gibt es in China mehr Dollar-Millionäre als in Deutschland oder Großbritannien.

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Leserkommentare
  1. wenn dann die Deutschen in ihrem reichen Land sitzen und zum Urlaub nach Spanien, Portugal und Griechenland fahren und da ihre armen Nachbarn begucken dürfen.
    //Ironie off.
    Ich zweifle ja die Zahlen an und für sich nicht an - aber wesentliche Fragen bleiben in dem Artikel unbeantwortet; wo das Geld z.B. bleibt, wer es bekommt und wer es verliert - da ja bekanntlich Geld nie wirklich weg ist, sondern immer nur woanders.
    'Die europäische Schuldenkrise habe die breite Bevölkerung getroffen, sagte Peter Damisch, der bei Boston Consulting den Bereich Vermögensverwaltung leitet. ' Hmmmmmmm - und wo ist das Geld abgeblieben?
    Diese sogenannte Analyse ist in meinen Augen keine. Ich wäre aber dankbar, wenn ein fähiger Finanzjournalist sich mal wirklich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt und die ZEIT ihm dann auch mehrere Seiten für dieses Thema einräumt.

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    Die Menschen konsumieren mehr und warum? das kann ich mir auch schon denken.

    was man konkret unter "Geld" versteht.
    Redet man vom Geldvermögen aus M1, verändert z.B. eine Schuldenrückzahlung die Geldmenge, nicht aber das Nettovermögen der Gesamtheit.
    Wenn man zum Gesamtvemögen die Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen rechnet, kann ein Kursrutsch das Gesamtvermögen schlagartig erhöhen oder erniedrigen (auch wenn das Quatsch ist, weil diese Berechnung vollkommene Preiselastizität auf Angebots- oder Nachfrageseite impliziert).
    Gleiches gilt für Immobilien, obwohl sich der reine Nutzwert mit dem Immobilienwert gar nicht ändert.

    Und was die chinesischen Dollar-Millionäre angeht: Ist die Angebe auf die Einwohnerzahl normiert, macht immerhin einen Unterschied so um den Faktor 3.

    Natuerlich kann Vermoegen verlustig gehen, nehmen wir an der Dax faellt, dann geht Vermoegen gemessen in Geldeinheiten verloren, dass Problem ist, physisch hat sich rein garnichts geaendert nur glaubt man, dass die Unternehmen in der Zukunft weniger Gewinne machen als zuvor angenommen und insofern sind diese aggregierten Vermoegenszahlen auch eigentlich zu nichts zu gebrauchen, weil deren Aussagegehalt sehr beschraenkt ist. Aus individueller Sicht ist es natuerlich anders. Aber dass aggregierte Weltvermoegen ist mittlerweile so gross, dass man dafuer das Welt BIP der naechsten 60 Jahre kaufen koennte, wenn man annimmt das BIP wuerde nicht wachsen. Wuerde man also alle Titel, Optionen, Wertpapiere, Geld usw. tatsaechlich in Gueter umtauschen wollen, dann gaebe es erstmal eine Superinflation und die Vermoegenden wuerden sich wundern wie arm sie eigentlich sind.

    • Psy03
    • 01. Juni 2012 11:35 Uhr

    ist an sich eine Falschaussage.

    Es müsste "Schuldenkrise lässt Vermögen der breiten Masse schrumpfen und erhöht massiv das Vermögen einer kleinen Bevölkerungsschicht" lauten.

    Aber wer will sich schon mit der hässlichen Realität auseinander setzen?!

  2. ..zu wissen bei welchen Bevölkerungsschichten das Vermögen gesunken ist. Bei den Multimillionären die nach einer 25%-Rendite als Investoren jagt machen oder bei der Oma, deren Geld auf dem Sparbuch liegt und langsam von der Inflation gefressen wird.

    Ich hätte mir die Beantwortung dieser Fragen gewünscht:
    - Wer verliert Vermögen?(Oma oder Großinvestor)
    - Ein Link zu diesem Bericht wäre wünschenswert.
    - Wird abgezogenes Kapital aus Westeuropa in andere Länder dazugezählt?
    - Wird investiertes Kapital in Sachwerte abgezogen?
    - und warum wird kommentarlos der dpa Bericht übernommen?

    In dem Artikel klingt es eher nach, als ob die Reichen(damit meine ich die Multimillionäre, nicht die Oma) ihr Vermögen verlieren. Mit dieser Begründung bräuchten wir keine Transaktionssteuer oder die Erhöhung des Spitzensteuersatzes,
    es riecht irgendwie doch ein bisschen seltsam.

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    Hier der Bericht von heute:
    https://www.bcgperspectives.com/content/articles/financial_institutions_...

    Wirklich interessante Zahlen, die Anzahl der Millionäre ist in den westeuropäischen Staaten leicht gesunken, die Anzahl der Multimillionäre(Definition: über 100 Millionen $ Vermögen) weltweit gestiegen!

    Die Zahlen beziehen sich nur auf unsere Millionäre, die Oma mit ihren 100 000 € für die Altersvorsorge wird nicht erwähnt.

    Im Bericht werden die Zahlen von denen im Artikel die Rede sind gar nicht erwähnt.

    Hier wird der Leser falsch informiert!

    Ich bitte deshalb die "Zeit" für eine Stellungnahme.

    Laut einer Studie des DIW von 2009 steigt das Vermögen bei ca. 10 % der deutschen Bevölkerung. Das ist auch der Anteil der Bevölkerung um die 60% des deutschen Gesamtvermögens auf sich vereint. Bei allen anderen Bevölkerungsgruppen (also 90% der Deutschen) ist das Vermögen gesunken, und zwar besonders stark in der oberen Mittelschicht und bei den ganz Armen. Der Untersuchungszeitraum war 2002 bis 2007, also kurz vor der Bankenkrise. Ich habe jetzt auf die Schnelle keine aktuelleren Zahlen gefunden.

  3. einie Paar Prozente im ganzen Jahr 2011, wenn in den letzten zwei Monaten das EURO mindestens um ca. 8% "leichter" geworden ist, von 1,33 auf 1,23 zu Dollar geschrumpft.

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    von den Schockmeldungen, dass der Euro nicht unter 1.30 fallen darf, weshalb wir emsig Rettungpakete schnüren müssen, hört man jetzt auch nichts mehr.

    Jedes souveräne Land verabschiedet sich schon aus dem Dollar
    weil sie wissen das selbigem eine hyperinflation mitsamt allen folgen bevorsteht.
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.china-japan-und-china-verzichte...

    Wir Europäer haben es da nicht so leicht,
    denn der Euro, beschlossen auf einer Bilderberg Konferenz 1990 ist fest an den Dollar gekoppelt.
    Naja immerhin ist ja am 3. Juni wider eine der Berühmten Konferenzen,
    (Teilnehmerliste ist schon veröffentlicht,
    sollte man sich mal abseits der Massenmedien informieren),
    dort werden sie es bestimmt zum wohle "aller" richten.

  4. Hier der Bericht von heute:
    https://www.bcgperspectives.com/content/articles/financial_institutions_...

    Wirklich interessante Zahlen, die Anzahl der Millionäre ist in den westeuropäischen Staaten leicht gesunken, die Anzahl der Multimillionäre(Definition: über 100 Millionen $ Vermögen) weltweit gestiegen!

    Die Zahlen beziehen sich nur auf unsere Millionäre, die Oma mit ihren 100 000 € für die Altersvorsorge wird nicht erwähnt.

    Im Bericht werden die Zahlen von denen im Artikel die Rede sind gar nicht erwähnt.

    Hier wird der Leser falsch informiert!

    Ich bitte deshalb die "Zeit" für eine Stellungnahme.

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    Ihr Link führt ja auch nur zu einer sehr groben Zusammenfassung. Den kompletten Bericht muss man vermutlich bei Boston Consulting gegen Geld erwerben.

    "Growth was driven primarily by rapidly developing economies in the “new world,” not by the “old world” of traditional, mature ones. In the BRIC countries, total private wealth increased by 18.5 percent in 2011, compared with negative growth in North America (–0.9 percent), Western Europe (–0.4 percent), and Japan (–2.0 percent)."
    http://www.bcg.com/media/PressReleaseDetails.aspx?id=tcm:12-106884

    Das mit den 33,5 Billionen finde ich auch nicht, auch seltsam, dass man den Wert für WestEUROPA in US-Dollar misst.

    Wo doch gerade der Euro schwächelt. Was für eine Aussagekraft hat die Sache dann?

    Ich bin überhaupt immer verwundert, woher solche Institute die Zahlen bekommen. Anderen Quellen zufolge ist es extrem schwer das Gesamtvermögen zu ermitteln, noch dazu für mehrere Länder. Da ist eine Abweichung von 0,4% vermutlich weit unter der Fehlerquote.

  5. in einem anderen Artikel zeitgleich.

    Die Inflation wird auch in Deutschland die Vermögen schrumpfen lassen. Vor allen die Spareinlagen. Grundbesitzer werden noch am glimpflichsten davonkommen.

    Inflation wird kommen, das geht bei der gegenwärtigen Verschuldungsspirale gar nicht anders.
    Die Regierungen haben nur diese Möglichkeit, der Schulden Herr zu werden, indem sie diese "entschädigungslose Enteignung zu Gunsten der öffentlichen Hand" (Ludwig Erhard) vornehmen.

    Die nationalen Zentralbanken haben ja bereits die Notenpresse angeschmissen und produzieren Euros für Notkredite an der EZB vorbei.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article106342896/In-Europa-schlummern-145-...

    kassandra

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    ...ist doch längst da, aber nicht bei den Verbraucherpreisen, wie immer gerne an die Wand gemalt wird, dort wird sie auf absehbare Zeit auch nicht kommen, sondern bei Rohstoffen und Vermögenswerten.

    Und wer angesichts der Rezession in der Südperipherie von unkontrolliertem "Geld drucken" schreibt, hat irgendwie den Bezug zur Realität verloren. Offenbar können haben die, aus welchen Gründen auch immer, nicht genug Geld und nicht zuviel...

  6. Die Menschen konsumieren mehr und warum? das kann ich mir auch schon denken.

  7. ...da Geld=Schuld, sinken bei massiver Kreditkontraktion (Schrumpfung von Privatkrediten) und dazu auch noch staatlich betriebener Geldverknappung die Vermögen.

    Kann gar nicht anders ein, mehr Arbeitslose, weniger Nachfrage, sinkende Preise von Immobilien und Wertanlagen etc.

  8. was man konkret unter "Geld" versteht.
    Redet man vom Geldvermögen aus M1, verändert z.B. eine Schuldenrückzahlung die Geldmenge, nicht aber das Nettovermögen der Gesamtheit.
    Wenn man zum Gesamtvemögen die Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen rechnet, kann ein Kursrutsch das Gesamtvermögen schlagartig erhöhen oder erniedrigen (auch wenn das Quatsch ist, weil diese Berechnung vollkommene Preiselastizität auf Angebots- oder Nachfrageseite impliziert).
    Gleiches gilt für Immobilien, obwohl sich der reine Nutzwert mit dem Immobilienwert gar nicht ändert.

    Und was die chinesischen Dollar-Millionäre angeht: Ist die Angebe auf die Einwohnerzahl normiert, macht immerhin einen Unterschied so um den Faktor 3.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Vermögen | Bevölkerung | Aktienmarkt | Dollar | Erdbeben | Japan
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