US-Notenbank : Ben Bernankes großes Experiment

Die Fed hat Staatsanleihen im Wert von 1,6 Billionen Dollar aufgekauft, um die US-Wirtschaft zu stützen. Über den Erfolg der Aktion wird heftig gestritten.
Fed-Chef Ben Bernanke © dpa

Sein offizieller Titel ist Chairman of the Board of Governors of the Federal Reserve System . Doch an der Wall Street ist Ben Bernanke bekannt als Helikopter-Ben . Den Spitznamen hat sich der amerikanische Zentralbankchef mit dem sorgfältig gestutzten Santa-Claus-Bart durch seine unkonventionellen Methoden der Geldpolitik verdient – namentlich "Quantitative Easing", kurz QE. Hinter dem komplizierten Begriff verbirgt sich eine recht simple Strategie: Die Fed kauft US-Staatsanleihen und andere staatsgarantierte Papiere, um mehr Geld in das Bankensystem zu pumpen und so die Zinsen zu drücken.

Das wiederum soll Unternehmen zur Kreditaufnahme und zu Investitionen anregen sowie Verbraucher zu Hypothek und Hauskauf animieren. Das letztliche Ziel: Wachstum und Jobs. QE-Pionier war die Bank of Japan vor zehn Jahren, die damit die anhaltende Stagnation im Land bekämpfen wollte. Doch so massiv wie Bernanke hat noch keine Zentralbank QE eingesetzt. Es sei gerade so, spottet die Wall Street, als ob er mit dem Helikopter übers Land fliegen und Dollarscheine abwerfen würde. Die Fed hat inzwischen China als größten Einzelinvestor in US-Staatspapiere überholt.

Bis zur Krise 2008 spielte QE keine große Rolle im Kriseninstrumentarium der Zentralbanken. Der direkte Kauf von Staatspapieren durch die Notenbank, um damit Haushaltslöcher zu stopfen und leere Kassen zu füllen, ist den Zentralbanken – auch der Federal Reserve – verboten. Es gilt wie das Anwerfen der Notenpresse als Verzweiflungstat. Notenbanken, die etwas auf sich halten, sollen viel mehr unabhängig von den Weisungen der Politik sein. Der Unterschied – zumindest in der Theorie – zu QE ist der, dass die Federal Reserve die Papiere nicht direkt beim Finanzminister oder gar auf sein Geheiß kauft, sondern von anderen Marktteilnehmern. Zudem diene der Kauf nicht der Staatsfinanzierung, so das Argument der QE-Verfechter, sondern der Steuerung des Geld- und Kreditmarktes und entspreche damit dem Auftrag der Notenbank.

Operation Twist wurde verlängert

Vergangene Woche schlug Helikopter-Ben wieder zu. Er verlängerte die "Operation Twist" , sozusagen QE mit einem tänzerischen Kniff, um weitere 267 Milliarden Dollar bis zum Jahresende. Der Twist der Zentralbanker besteht darin, dass die Fed US-Staatspapiere mit kurzen Laufzeiten verkauft und im Gegenzug Anleihen mit langen Laufzeiten aufkauft. Das lässt die Preise für die Anleihen steigen und gleichzeitig deren Verzinsung fallen.

Doch die Kritik an Bernankes Strategie nimmt zu. Im Internet kursiert das Video eines Anonymus, der Bernanke als akademisch verschulten Tölpel beschreibt und QE als drohenden Ruin der Weltwirtschaft. Das krude Filmchen hat bereits über fünf Millionen Aufrufe.

Auch in den eigenen Reihen werden die unkonventionellen Maßnahmen der Fed skeptisch gesehen. Bernankes Fed-Kollege, Jeffrey Lacker, stimmte gegen die Twist-Verlängerung. Er sorgt sich, dass durch die Unmengen von Geld, die auf den Markt geschmissen werden, die Inflation zunehmen könnte. Bernanke hat im Gegenteil Angst vor einer Deflation, bei der sinkende Preise zu sinkender Produktion und sinkenden Löhnen, damit wiederum zu sinkender Nachfrage und schließlich zu einer Depression führen könnten.

Seinen Einsatz rechtfertigt er mit der Untätigkeit der Politiker. Weil sich in Washington Demokraten und Republikaner seit fast zwei Jahren gegenseitig blockieren, kommt von dort keine Hilfe für die lahmende Wirtschaft. Und vor den Wahlen im November sind keine nachhaltigen Impulse aus dem Kongress zu erwarten. Die jüngsten Konjunkturdaten lassen fürchten, dass die Erholung der US-Wirtschaft abflaut. Vielleicht kommt es sogar zum Rückfall in die Rezession. Das will Bernanke verhindern. 

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Mir wird Angst und Bange!!

die Schulden von der rechten Tasche in die linke schieben und dann damit angeben, dass der Haushalt in Ordnung sei.... auf solche Ideen können nur Banker kommen und noch dazu aus dem angelsächsischen Raum! - pfui Teufel!!!
Da sind mir die Euro-probleme doch wesentlich lieber, da hat man wenigstens den Eindruck dass da wenigstens versucht wird, eine seriöse Lösung zu finden..
Alles in allem muss man sich wohl darüber Gedanken machen müsssen, wie man ein Existenz ohne jede Abhängigkeit von den Finanzschwindlern aufbauen kann.... a la Theodor Kröger in seinem Buch "Das vergessene Dorf"...

Geldmenge ausweiten..

Der Ursprung und die Lösung aller Probleme?
Das beste Mittel gegen Kater ist bekanntlich noch mehr Alkohol.. weil in the long run we are all dead(keynes)..
Aber unsere Kinder und Kindeskinder nunmal nicht.

Die Rettungsmaßnahmen von heute verursachen die Krisen von morgen. Das beeinflusst alles die mathematischen Risikomodelle der Zukunft.

Erst die massive Geldmengenausweitung der Vergangenheit (niedrige Leistzinsen + hohe Staatsverschuldung) hat die Probleme von heute verursacht.

Wenn die Geldmenge stark ansteigt, werfen sehr riskante Investments auf einmal so hohe Renditen ab, dass es sich lohnt das Risiko einzugehen.
Dann lohnt es sich auf einmal Menschen die sich keine Immobilie leisten können Kredite dafür zu geben (subprime&housing bubble) oder Pleitestaaten Anleihen abzukaufen (Eurokrise).

Geld muss knapp sein..
http://www.youtube.com/wa...

Situation in den USA

Einmal jährlich werden die Kapitalverquickungen und Schulden gegenüber dem Ausland gemeldet. Dieses war gestern für 2011 der Fall. Die Nettoauslandsverschuldung ist in 2011 von 2.473 Mrd $ (17%) auf 4.030Mrd. $ (27%) gestiegen.

Damit weist die USA dieselben Daten wie Italien auf, 27% Nettoauslandsschulden und über 100% Staatsverschuldung. Wenn die Ausländer das Geld aus den USA abziehen, befinden sich die USA in der selben Situation wie Italien heute, nur das Italien sich via Eurosystem (Target2) und Rettungsschirmen neues Geld aus dem Ausland besorgen kann, während die USA bei Kapitalflucht sofort pleite wäre, da hilft auch keine Gelddruckmaschine der Fed. Merke, ziehen bei Nettoauslandschulden die ausländischen Kapitalanleger ihr Geld ab, bin ich pleite. Niemand kann sich bei Auslandsschulden durch Geldpolitik selber an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen, dieses müssen immer die Ausländern tun

Das wirft auch ein Licht...

... auf die Forderung der USA, dass die Eurozone es ihnen gleich tut. Weltweit kämpfen Nationen und Wirtschaftsräume um Anleger. Je unattraktiver der Euroraum, seine Banken und Staatsanleihen für Anleger sind, desto attraktiver wird der Dollar. Die USA sind dringend auf diese Anleger angewiesen, um ihre hohen strukturellen Defizite zu finanzieren. Auch die Interventionen der amerikanischen Rating-Agenturen--welche vor allem von amerikanischen Finanzinstituten finanziert werden--lassen diesbezüglich Fragen offen.

Im übrigen sollte man bei der Schuldenlast der USA nicht nur Auslandsverschuldung und Staatsverschuldung berücksichtigen. Es gibt auch einen vermutliche hunderte Milliarden, wenn nicht Billionen großen Investitionsstau, allein um die zunehmend marode Infrastruktur--Straßen, Brücken, öffentliche Gebäude--nur zu erhalten. Das Land lebt von seiner Substanz. Gelingt es der Eurozone, ihre Währung zu stabilisieren, werden für die USA sehr harte Zeiten anbrechen--hohe Zinsen, Inflation, stagnierende Wirtschaft.