Der wegen Millionenbetrugs bei einem Formel-1-Geschäft angeklagte ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat kurz vor Prozessende überraschend ein Geständnis abgelegt. "Es stimmt im Wesentlichen", sagte Gribkowsky vor dem Landgericht München I zu den ihm in der Anklageschrift zur Last gelegten Vorwürfen.

Der ehemalige Bankvorstand hatte acht Monate lang zu dem Vorwurf geschwiegen, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone angenommen zu haben. Er habe sich auf das Ecclestone-Angebot eingelassen, die Formel-I-Anteile der BayernLB schnell zu verkaufen und dafür von ihm einen neuen Job als Berater zu bekommen. "Ich mache das. Ich komme zu dir, aber erst mal verkaufen wir", zitierte sich Gribkowsky selbst.

Gribkowsky war als Risikovorstand der BayernLB für die Formel-1-Anteile zuständig, die der BayernLB im Jahr 2002 zugefallen waren, als die Gruppe des Medienunternehmers Leo Kirch Konkurs anmelden musste. Gribkowsky muss sich wegen Bestechlichkeit, Veruntreuung von Bankvermögen und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten.

Ein paar Jahre Haft weniger

Vor dem Richter sagte er nun, er habe erst später bemerkt, dass er durch seine Zusage an Ecclestone zwischen die Fronten gerate und mit jeweils einem Bein in beiden Lagern stehe. "Das Problem war: Ich kam da nicht mehr raus. Der Deal lief schon", sagte Gribkowsky.

Im Gegenzug für sein Geständnis hat das Gericht ihm eine Haftstrafe zwischen sieben Jahren und zehn Monaten und neun Jahren in Aussicht gestellt. Als Höchststrafe hätten Gribkowsky ansonsten fünfzehn Jahre Haft gedroht.

Mehr als 40 Zeugen

Gribkowsky sitzt wegen der Vorwürfe seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Weil er vor Gericht so lange geschwiegen hatte, haben die Richter bisher mehr als 40 Zeugen vernommen, darunter auch Ecclestone.

Erst nach Ende der Beweisaufnahme suchten seine Verteidiger das Gespräch mit Gericht und Staatsanwaltschaft für eine mögliche Absprache über das Strafmaß. Laut Richter Peter Noll kam es aber zu keiner Verständigung, weil die Strafvorstellungen der Verfahrensbeteiligten "sehr weit" auseinander gelegen hätten. Nach der gescheiterten Verständigung bot Noll dann für das Geständnis die Begrenzung der Strafe auf höchstens neun Jahre an.